Der Schattenmörder von Lisa Gardner

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2001 unter dem Titel The Third Victim, deutsche Ausgabe erstmals 2002 bei Blanvalet.
Ort & Zeit der Handlung: USA / Oregon, 1990 - 2009.

  • New York: Bantam, 2001 unter dem Titel The Third Victim. 373 Seiten.
  • München: Blanvalet, 2002. Übersetzt von Inez Meyer. ISBN: 3-442-35612-1. 414 Seiten.

'Der Schattenmörder' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

In einer US-amerikanischen Kleinstadt läuft ein Teenager in seiner Schule Amok und erschießt drei Menschen. Seine Schuld steht scheinbar fest, da bemerkt die ermittelnde Beamtin Widersprüche in den Indizien: Offenbar gibt es einen unsichtbaren Komplizen. Dem ist tatsächlich so und er hat sich besagte Polizistin schon lange als Opfer seiner psychopatischen Machtspiele auserkoren ... 

Das meint Krimi-Couch.de: »Das Verbrechen findet die heile Welt« 70°

Krimi-Rezension von Michael Drewniok

Bakersville im US-Staat Oregon ist ein kleiner, beschaulicher Ort. Die Menschen sind friedlich, was sich auch daran messen lässt, dass nur zwei Polizeibeamte – Sheriff »Shep« O’Grady und Officer Lorraine »Rainie« Conner – hauptamtlich das Gesetz vertreten. Deshalb schlägt es wie eine Bombe ein, als in der örtlichen Grundschule ein Schüler Amok läuft und eine Lehrerin sowie zwei Mädchen erschießt. Rainie kann den Täter stellen – schockiert erkennt sie Danny, den Sohn des Sheriffs!

Ein gefundenes Fressen für die Medien, was die Justiz nervös werden lässt. Rainie, welche die Ermittlungen in diesem Fall leitet, wird hart bedrängt. Vor allem der ehrgeizige Detective Sanders fällt ihr immer wieder in den Rücken. Da ist die Hilfe des an den Ort des Geschehens geeilten FBI-Spezialisten Pierce Quincy willkommen. Dieser hat sich einen Namen als Profiler gemacht, der sich in Massen- und Serienmörder »hineindenken« und oft Schlüsse ziehen kann, die zu Festnahmen führen.

Die eigenbrötlerische Polizistin und der unverbindliche FBI-Agent raufen sich allmählich zusammen. Das nutzt der »Schattenmörder« aus, dessen Wirken Rainie bereits vermutet hatte: Die Spuren weisen auf die Anwesenheit eines zweiten Mörders und eigentlichen Anstifters hin! Dieser ist wie viele Psychopathen ein Meister der Tarnung und der Manipulation. Der Anschlag auf die Schule war nur ein Aspekt seines Plans, denn im Visier hat der Mörder auch Rainie, die er aus Gründen, die nur seinem kranken Hirn schlüssig sind, leiden sehen möchte. Während Rainies Vorgesetzte und Kollegen dieser Theorie skeptisch gegenüber stehen und der Presse schier der Schaum vorm Mund steht, begeben sich Cop und Quincy auf die mühsame Suche nach dem Mann im Hintergrund. Dieser hat freilich den Vorteil auf seiner Seite und lauert nur auf den Moment, da ihm seine Häscher zu nahe kommen werden …

Nichts wirklich Neues, aber das Alte gut

Die Inhaltsangabe macht es deutlich: Hier lesen wir keinen Thriller, der das Genre revolutioniert. Konfektionsware legt uns Lisa Gardner vor, die indes sehr sauber gearbeitet ist. Lassen wir uns nicht vom scheinbar »aktuellen« und »brisanten« Thema »Gewalt an US-amerikanischen Schulen« täuschen. Obwohl die Autorin sich immer wieder in »Erklärungen« versucht (dies sind die Passagen, die man überspringen bzw. nicht übel nehmen sollte), bleibt die Amok-Episode vor allem Aufhänger für die eigentliche Story. Die ist recht einfach, wird aber routiniert, wenn auch mit vielen Seifenoperelementen abgewickelt, die immerhin meist unaufdringlich bleiben.

Der geniale Psychopath, der übermächtig aus dem Hintergrund die Fäden zieht, an denen seine Opfer wie seine Jäger zappeln, ist ebenfalls eine (allzu) bekannte Figur. Wenn er so schlau ist, wieso wird er letztlich immer erwischt? Das Gute siegt im Mittelklasse-Thriller, auch wenn es dabei – soviel Konzession an die raue Realität ist möglich – ordentlich Federn lassen muss.

Hinein mischt sich viel angelesener Alltag aus dem Polizeimetier. Gardners Hommage an das klassische oder zeitlose »police procedural« ist allerdings nie Selbstzweck, sondern der Handlung geschuldet. Abgerundet wird das Geschehen durch Raufereien mit dummen Politikern, geilen Mediengeiern, tückischen Vorgesetzten, Action an den richtigen Stellen & ein bisschen Herzeleid: Die Teile dieses Krimipuzzles sind wie gesagt wohl bekannt, aber seine Entstehung zu beobachten macht trotzdem Freude.

Ohne Macke/n geht es nicht …

Schwer ist das Haupt, das die Krone trägt …Dieses alte Sprichwort lässt sich leicht auf die Helden des modernen (Polizei-) Krimis anwenden. Stets stehen sie unter Druck, sind überarbeitet, bekommen Ärger im Job, haben noch mehr Ärger daheim, wo die vernachlässigte Familie oder der Partner quengeln. Rainie Conner fügt sich exakt in dieses Muster (bzw. Klischee). Als Kind misshandelt, die Mutter eine Säuferin & Schlampe, deren verstümmelte Leiche die Tochter finden musste, als Polizistin = Frau im Visier der misstrauischen Bürger von Bakersville, als Privatfrau kontaktscheu und einsam.

Gleichzeitig ist Rainie selbstverständlich eine Zierde ihres Berufs, in dem sie sogleich Führerqualitäten an den Tag legt, als sie endlich einen großen Fall übernimmt. (Genauso selbstverständlich ist der Auftritt jener, die ihr den Erfolg neiden oder sie als Sündenbock bei möglichem Misserfolg verheizen wollen.) Es wird sogar noch besser (wenn auch nicht für Rainie): Der Vater des mutmaßlichen Amokläufers ist ihr Freund und unmittelbarer Vorgesetzter! Auch dieser Sheriff O’Grady hat seine Päckchen zu tragen. Mit der Ehe steht es keineswegs zum Besten, er erscheint verdächtig früh am Tatort und könnte Beweismaterial gegen seinen Sohn beseitigt haben.

Dann ist da Profiler Quincy, der den genialen FBI-Spezialisten gibt. Kühl ist er und beherrscht, aber auch ihn hat des Schicksals Blitzstrahl getroffen: Das Töchterlein liegt auf dem Sterbebett, die Gattin ist eine Ex-, das Privatleben liegt auch sonst danieder, so dass Quincy sich mit der manischen Energie von Sherlock Holmes & Gil Grissom in und auf seine Fälle stürzt. Die Qualitäten der spröden, aber tüchtigen und hübschen und deshalb begehrenswerten Rainie bleiben dem klugen Mann trotzdem nicht lange verborgen, so dass die Handlung nun doch mit einer Portion Schmalz (glücklicherweise nur Magerstufe) geschmiert wird.

Der »Schattenmörder« tückt wie jeder anständige Psychopathenstrolch mächtig bedrohlich im Hintergrund umher. Identität und vor allem Motiv bleiben so lange wie möglich unerwähnt, was gut ist, da die Auflösung wieder einmal dem Aufwand nicht gerecht wird. So lange man jedoch nicht weiß wer er ist und was er will funktioniert der »Schattenmörder« als Bösewicht so zufrieden stellend wie der gleichnamige Roman.

Ihre Meinung zu »Lisa Gardner: Der Schattenmörder«

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Olivia zu »Lisa Gardner: Der Schattenmörder« 23.06.2008
Eine der besten Schriftstellerinnen die es gibt. Der Schattenmörder ist eines ihrer besten, vielen Thriller . Unbedingt lesen!
Ich wüde mich sehr freuen, wenn The perfect Husband und The other Daughter ins deutsche übersetzt würden. Auch würde ich mich über eine Fortsetzung von Rainie und Pierce freuen!!!
Conny Bättig zu »Lisa Gardner: Der Schattenmörder« 11.06.2007
Der Schattenmörder fand ich sehr spannend lange Zeit bleibt es ungewiss wer nun der Täter ist. Die Hoffnung dass der Jugendliche doch nicht geschossen hat bleibt fas bis zum Schluss bestehen. Ebenfalls das Geheimnis um Rainie Conner lüftet sich erst gegen Ende des Romans. Ich empfehle dieses Buch zum Lesen. Eine unterhaltsame Geschichte mit nicht voraussehbaren Wendungen. Lohnt sich auf jeden Fall.
Anja S. zu »Lisa Gardner: Der Schattenmörder« 01.12.2004
Auch dieser Krimi ist sehr spannend geschrieben und flott zu lesen und greift ein brisantes Thema auf: die jugendlichen Amokschuetzen an amerikanischen Schulen. Leider ist die Psyche des jugenlichen Taeters sowie sein Motiv nicht besonders gut erklaert. Das Verhalten seiner Eltern ist besser dargestellt.
Die andren Buecher von Gardner haben mir jedoch noch besser gefallen.
Angelika zu »Lisa Gardner: Der Schattenmörder« 02.10.2004
The Perfect Husband sowie The Other Daughter sind noch nicht ins deutsche übersetzt worden (meine Meinung nach sollte das aber nachgeholt werden), obwohl es Gardner's ersten beiden Bücher waren. Aber vielleicht kommen sie ja irgendwann noch in dt. Sprache heraus!?!?
thessie zu »Lisa Gardner: Der Schattenmörder« 02.10.2004
"the perfect husband"
"the other daughter" und "the survivors-club" waren die ersten Bücher die ich von Lisa Gardner im Original gelesen habe und ich als spannende und gelungene Krimis empfand.
Ich weiß jedoch nicht, ob diese Bände auch schon in deutscher Sprache erschienen sind.
Angelika zu »Lisa Gardner: Der Schattenmörder« 27.09.2004
Leider erschien das erste Buch mit Pierce Quincey bisher noch nicht auf deutsch. Er spielt dort zwar eher eine kleinere Rolle (wenn auch sehr wichtige, jedoch bei weitem nicht so wichtige wie in diesem Roman), jedoch ist das der eigentliche erste Quincey Roman.
Ansonsten ist Der Schattenmörder nur empfehlenswert.
SilkeS. zu »Lisa Gardner: Der Schattenmörder« 02.10.2003
Ein sehr guter Krimi!
Genau die richtige Mischung Gefühl, Spannung und Psychologie!

Dies ist der 1. Band einer tollen Serie!
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