Dem Tode nah von Linwood Barclay

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2008 unter dem Titel Too Close to Home, deutsche Ausgabe erstmals 2008 bei Ullstein.

  • New York: Bantam, 2008 unter dem Titel Too Close to Home. 400 Seiten.
  • Berlin: Ullstein, 2008. Übersetzt von Nina Pallandt. ISBN: 978-3-548-26744-9. 400 Seiten.
  • [Hörbuch] Hamburg: Hörbuch Hamburg, 2008. Gesprochen von Frank Arnold. ISBN: 3899036360. 400 CDs.

'Dem Tode nah' ist erschienen als TaschenbuchHörbuch

In Kürze:

Als die Familie seines besten Freundes verreist, versteckt sich der 17-jährige Derek im Keller, um sich im leeren Haus heimlich mit seiner Freundin zu treffen. Während er noch unter der Treppe kauert, kehrt die Familie überraschend zurück. Derek grübelt, wie er seine Anwesenheit erklären soll. Da klingelt es an der Tür. Der Vater öffnet und wird sofort niedergeschossen. Ein Killer ermordet die ganze Familie. Derek kann entkommen und kehrt völlig verstört nach Hause zurück. Aus Angst verrät er seinen Eltern und der Polizei nicht, dass er der einzige Zeuge des Verbrechens im Nachbarhaus ist. Und so kommt viel zu spät ans Licht, dass der Killer es wahrscheinlich gar nicht auf Adams Familie abgesehen hatte …

Das meint Krimi-Couch.de: »Erst hatten wir kein Glück und dann kam auch noch Pech dazu« 60°

Krimi-Rezension von Wolfgang Franßen

Demolierte Gieskannen als Schlagobjekte, ein Nachbarjunge, der mit einer Nachbarin ins Bett steigt, ein Vater, der beinah selbst mit der Nachbarin sexuell in Kontakt tritt, ein Bürgermeister, der sich minderjährige Prostituierte ins Hotel bestellt, ein Schriftsteller, der unter dem Verdacht steht seinen Bestsellererfolg gestohlen zu haben, und nicht zuletzt: Auf den ersten Seiten wird gleich eine dreiköpfige Familie erschossen.

Man kann über Linwood Barclays sagen, was man will, an Handlung mangelt es ihm nicht. Dass es im Alltag einer Kleinstadt mitunter deftig zugeht, soll durchaus vorgekommen. Den kanadischen Autor interessieren nach eigenem Bekunden vor allem die Gefahren, die dem Alltag entwachsen, solche, gegen die man sich nicht zu schützen vermag.

Dabei kommt ihm seine jahrelange Anstellung als Kolumnist beim Toronto Star zu Gute, in deren Zeit er augenzwinkernd das Geschehen in seiner Stadt begleitete. Einen leicht humoristischen Touch ist ihm auch in seinem neuen Buch nicht abzusprechen. Wenn Jim Cutter einen Ersatz für seinen unter Mordanklage einsitzenden Sohn sucht, der ihm beim Arbeiten helfen soll, und ausgerechnet einen Vertreter der jüngeren Generation ausgräbt, der lieber erst mal ausschlafen will und nach kurzem Einsatz unter Ausschlag leidet, spürt man, wo die Stärken des Autors liegen. Er weiß Pointen zu setzen.

Der Dialog gehört sicher nicht dazu. In ihm kommt es häufig zu Verschleifungen wie »Bitte verzeih mir, dass ich so eine Niete bin.« oder »Das, was jetzt mit Derek passiert, ist die Quittung für unsere Verfehlungen«. Von sprachlichen Verwerfungen wie Sohnemann, Obermotz ganz zu schweigen. Barclay macht es Lesern mitunter schwer, sich von den Facetten, den Abgründen seiner Provinzhelden faszinieren zu lassen.

Man hat doch nur seine Familie

Dem Tode nah ist eher ein Kriminalroman als ein Thriller. Verschwand in seinem Beststeller Ohne ein Wort die eigene Familie spurlos, variiert Barclay sein Thema in Dem Tode nah, indem er trotz allen Betrugs erneut die Familienbindung in den Mittelpunkt rückt. Es geht um Söhne, um Töchter, um Mütter wie Väter. Sie alle erfüllen die Erwartungen an sich selbst nicht.

Leider erwarten den Leser eine Reihe scherenschnittartiger Charaktere. Jim Cutter, der Vater des später der Tat selbst verdächtigten Sohnes, verdingt sich als Gärtner, weil er als Maler keinen Erfolg hat. Er ist der Gute. Seinen Job als Chauffeur beim Bürgermeister hat er gekündigt, nachdem er ihn zusammen mit einer Minderjährigen erwischt hat. Er ist auch zu seiner Frau zurückgekehrt, obwohl die ausgerechnet ein Verhältnis zu Conrad Chase, jenem Erfolgsautor, unterhielt, dessen möglichem Plagiat ausgerechnet Jim Cutters Sohn, Derek, auf die Spur kommt, so dass wilde Vermutungen ins Kraut schießen, ob der Selbstmord eines jungen Studenten über einer war.

Der Plot leidet unter der Blässe seiner Helden. Der Psychothriller entwickelt sich seltsam weichgespült, benutzt zu viele Klischees, lässt das Konstrukt hinter der Geschichte aufscheinen.

Wie zwingt man einen Biedermann dazu, die Wahrheit preiszugeben?

Von Düsternis, mit der Barclay seinen Roman umschreibt, ist wenig zu spüren. Eher von einem Spiel mit ihr und der Lust einen Fall zu verrätseln.
Bis ins letzte Drittel hinein legt Barclay falsche Fährten aus, um seine Leser zu verwirren, obwohl die Lösung längst erahnt wird. Dass dabei selbst die kriminelle Verwandtschaft einer um ihren Ehemann besorgten Frau eines Starautors Verwendung findet, gehört zur Grundsausstattung. Barclay zaubert den Zufall all zu leicht aus dem Hut, um dem Geschehen eine überraschende Wende zu verleihen. Selbst beim Showdown bleiben kleinere Sünden nicht ungesühnt.

Wer also über Barclays mörderischen Nachbarschaftskrimi ein paar Sorgen vergisst, dem dürfte die Etikettierung nicht sauer aufstoßen. Wer sich von einem Thriller Suspense verspricht, muss sich auf einige Durststrecken gefasst machen, in denen der Autor abschweift. Es geht heimelig zu, und es hagelt Wiedergutmachung.

Linwood Barclay hat eine unterhaltsame Geschichte geschrieben, deren Etikettierung als Thriller missverstanden werden kann. Sein Motto lautet eher: Unter jedem Topf köchelt eine Suppe, wehe wenn der Deckel angehoben wird. Das heißt nicht, dass sie dem einen oder anderen Leser nicht schmeckt.

Wolfgang Franßen, Dezember 2008

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sukra21 zu »Linwood Barclay: Dem Tode nah« 12.01.2010
Das Buch ist von Anfang an so geschrieben, dass es den Leser in eine Welt voller Lug und Trug reißt. Soziale Probleme und menschliche Schwächen werden aufgedeckt, aber auch, wie die Personen damit umgehen, sie verarbeiten oder verdrängen. Die Verdächtigen wechseln öfters, so dass man ständig über den tatsächlichen Täter spekuliert. Sicher ist nur von Anfang an, dass es nicht Derek ist. Dass kurz vor Schluss eigentlich klar ist, wer der Täter war, tut der Spannung keinen Abbruch. Das Buch ist bis zuletzt unheimlich fesselnd und lässt einen nicht mehr los.

Ich habe das Lesen dieses Buches sehr genossen und werde mir sicherlich auch das von den anderen Vorablesern erwähnte Buch "Ohne ein Wort" kaufen. Selten hat mich eine Buch so in seinen Bann geschlagen, so dass ich es nicht mehr aus der Hand legen wollte und hoffe, dass der Autor noch weitere so tolle Bücher schreibt.
anyways zu »Linwood Barclay: Dem Tode nah« 26.08.2009
Begleitet mit den Worten „Schande“ und „Dreckskerl“ werden Mr. Langley, sein Sohn Adam und Mrs. Langley regelrecht hingerichtet. Einziger Zeuge dieser Tat ist Derek, Nachbarjunge und bester Freund von Adam. Er hielt sich im Keller versteckt, da er das Haus der Nachbarn, ohne dessen Wissen, während deren Urlaubsreise als Liebesnest für sich und seine Freundin nutzen wollte. Er flüchtet und behält das Gesehene lange Zeit für sich.



Die nun folgenden Ereignisse werden von Dereks Vater geschildert.



Fazit: Ein rasanter Psychothriller, der trotz einiger Schwächen und Fehler sich durchaus mit seinem Vorgänger „ Ohne ein Wort „ messen kann. Für Freunde dieses Genres zu empfehlen.
KitKatKati zu »Linwood Barclay: Dem Tode nah« 14.07.2009
Wieder wird die Vorgeschichte von einer anderen Person erzählt als die Hauptgeschichte, was es anfangs einwenig schwierig macht sich in den Haupterzählstil hineinzufinden. Hat die Geschichte dann jedoch erst einmal richtig Begonnen wechselt der Erzählstil nicht mehr, es werden lediglich Ereignisse aus der Vergangenheit nochmal erzählt, jedoch von ein und der selben Person.
Sämtliche Charaktere in dem Buch werden liebevoll und detailliert beschrieben und man kann sie sich sofort sehr gut Vorstellen. ie meisten sind einem mehr oder weniger Sympathisch und selbst die "fiesen" Chraktere könnte man mögen. Obwohl man viele verschiedene Personen kennen lernt tauchen keine Probleme mit der zuordnung auf, jede Person hat seine klare Rolle und bei den vielen Namen taucht trotzdem keine verwirrung auf.
Zunächst scheint der Fall klar und nach und nach tauchen sogar immer mehr Beweise auf die nur eine Lösung zulassen. Doch im laufe des Buches verstricken sich immer mehr Probleme und Fragen ineinander, was einen schnell an seiner Theorie zweifeln lässt. Scheint ein Problem gelöst taucht das nächste auf und löst wieder eine Kette von verhängnissvollen Ereignissen aus. Auch wenn einem Anfangs viele Erzählungen langartmig und unwichtig erscheinen, wird erst am Ende klar das alles in einander Verwickelt ist und alles doch ganz anders als erwartet kommt.
Der Autor hat es wiedermal geschafft und Familien-Drama und eine spannende Kriminal-Geschichte perfekt zu kombinieren, sodass sie Herzergreifend und Spannend zugleich ist. Die Spannung baut sich erst sorichtig auf wenn man seinen eigenen Theorien hinterher Fiebert und dann merkt das man sich total Verrannt hat, das gelingt Linwood Barcley durch falsche Hinweise sehr gut, sie lenken die Aufmerksamkeit von dem Wesendlichen ab und erst "zuspät" trifft man auf die Wahrheit.
Gegen Ende des Buchs ist auch mir ein Licht aufgegangen und ich habe mich gefragt warum mir die ganzen wichtigen Details entgangen sind, aber am Ende wurde ich (trotz endlich richtiger Vermutung) von dem Ausgang der Geschichte überrascht.

Fazit:
Ein packendes Familien-Chaos und eine Geschichte die unglaublich viel Lüge und Intriege zu Tage fördert. Hervoragend geschrieben (innerhalb weniger Tage zu lesen) und bis zur letzten Seite Spannend.
Ich freue mich bereits auf den nächsten Thriller von Linwood Barcley, obwohl ich auch hier wieder Familien-Drama / Krimi sagen würde ... kein Thriller...
Vanessa H. zu »Linwood Barclay: Dem Tode nah« 06.06.2009
Der Thriller "Dem Tode nah" von Linnwood Barclay erfüllt nicht die Erwartungen, die man eventuell von Beginn an hat. Auch mag es ein atemberaubendes Buch, in den Augen der ein oder anderen , hat man den 1. Roman von Linnwood Barclay "Ohne ein Wort" gelesen, wirkt "Dem Tode nah" zu schlaff, beinahe zu langweilig. Am Anfang geht es direkt heftig los, doch je weiter man liest, umso schwächer wird die Geschichte.
Es ist trotzdem ein gutes Buch, das muss man Barclay lassen. Während des Lesens wird man trotzdem "gefesselt", es kommt in einigen Situationen Spannung auf, aber diese richtige Spannung, dieses tolle Gefühl, quasi mittendrin zu sein, habe ich persönlich nicht erlebt. Das Buch muss man nicht unbedingt gelsen haben, wenn man Interesse daran zeigt, kann man es, meiner Meinung nach, durchaus lesen, aber andere Thriller währen empfehlenswerter, finde ich.
Das Linnwood Barclay durchaus das Potenzial hat, bessere Romane zu schreiben, hat er mit "Ohne ein Wort" bewiesen. "Dem Tode nah" ist, so denke ich, nicht das, was es hätte sein können.
Liebe Grüße, an alle Leser.
stjerneskud zu »Linwood Barclay: Dem Tode nah« 29.03.2009
Hätte mehr aus der Geschichte herausgeholt werden können

Der 17-jährige Derek versteckt sich im Haus seines besten Freundes Adam, als der mit seinen Eltern in einen einwöchigen Urlaub aufbricht, um sich ungestört mit seiner Freundin Penny treffen zu können. Überraschenderweise kehrt die Familie Langley wenige Stunden später nach Hause zurück. Nur wenige Minuten später fährt ein weiteres Auto vor und Adams Vater öffnet die Haustür. Derek hört wie der unbekannte Besucher erst Adams Vater, dann Adams Mutter und zuletzt auch noch Adam erschießt. Völlig verstört kehrt er an dem Abend in sein Elternhaus zurück und verliert über das Erlebte zunächst kein Wort. Erst kürzlich waren in der Kleinstadt Promise Falls zwei Männer erschossen worden, nur wurde diesen keine allzu große Beachtung geschenkt. Gibt es einen Zusammenhang zwischen den Bluttaten?

Der Prolog verleitete mich dazu zu vermuten, dass ich einen richtig guten Thriller in die Hände bekommen hätte und ich freute mich auf unterhaltsame Lesestunden, nur leider kippte die Geschichte schon im ersten Kapitel. Ab da an geht es in der Ich-Form weiter und zwar nicht aus Dereks Sicht, sondern aus der seines Vaters. Dies störte mich sehr, weil ich in Gedanken immer noch bei Derek war und im Hinterkopf hatte, was er miterleben musste und dann muss man feststellen, dass nicht er die Geschichte erzählt. Eigentlich müsste Derek die Hauptperson sein, aber dadurch gerät er in den Hintergrund.

Der Perspektivenwechsel nahm dem ganzen die Fahrt und bremste die Spannung aus. Dadurch, dass der Vater ins Rampenlicht gestellt wird und in den Fokus gerät, nimmt man an, dass er sehr viel tiefer in die Ereignisse mit verstrickt und möglicherweise auch der Mörder ist. Es ist unklar, warum der Vater so stark hervorgehoben wird. Meines Erachtens ist der Vater sowieso ein wenig zu übertrieben dargestellt und ich konnte mich nicht so recht mit ihm anfreunden.

Die Ich-Form ist für diese Geschichte unglücklich gewählt. Sie hätte sehr viel mitreißender erzählt werden können. Ansonsten gefiel mir der Schreibstil und der Thriller ist gut geschrieben, so dass ich den ihn gerne gelesen habe. Nur hat mich die Auflösung des Falles nicht sonderlich angesprochen.

Den Thriller muss man nicht unbedingt gelesen haben.
sassenach zu »Linwood Barclay: Dem Tode nah« 05.03.2009
Spannender Thriller: Linwood Barclay "Ohne ein Wort"

Mit seinem ersten Thriller „Ohne ein Wort“ hatte Linwood Barclay die Messlatte sehr hoch gelegt. Kann er die Erwartungen seiner Leser mit „Dem Tode nah“ wieder erfüllen?

Die Familien Langley und Cutter wohnen schon lange nebeneinander am Stadtrand von Promise Falls, einer amerikanischen Kleinstadt. Die beiden Söhne Adam und Derek sind gut befreundet, schlachten zusammen alte Computer aus. Eines Abends versteckt sich Derek im Haus der Familie Langley, als diese in den Urlaub aufbricht. Er möchte das leere Haus als Liebesnest nutzen, um sich mit seiner Freundin treffen zu können. So wird Adam ungewollt Zeuge, wie die gesamte Familie Langley ermordet wird. Die Suche nach dem Mörder und dessen Motiv verläuft anders als erwartet. War der Mörder vielleicht im falschen Haus?

Das erste Kapitel wird aus der Perspektive von Derek erzählt, wie er sich versteckt und die Morde mitbekommt. Ab dem zweiten Kapitel wird die Geschichte dann von Dereks Vater Jim weitererzählt.

Im Lauf der Ermittlungen werden etliche Geheimnisse aufgedeckt, die einige Figuren plötzlich in einem ganz anderen Licht erscheinen lassen. Manchmal hatte ich das Gefühl, als ob die Karten allzu oft neu gemischt wurden und die Handlung wirkte dann sehr konstruiert. In einer scheinbar relativ friedlichen Kleinstadt haben mehr Menschen Dreck am Stecken als man denken möchte. Für die Einwohner von Promise Falls ist es eine harte Zeit, in der sich wohl viele fragen, wie gut sie ihre Mitbürger und Familienmitglieder wirklich kennen.

Sehr geschickt legt Linwood Barclay zahlreiche falsche Fährten, von denen jede zu einem mehr oder minder überzeugenden Ende hätte führen können. Meiner Meinung wählte der Autor dann leider ausgerechnet die am wenigsten überzeugende Variante als Auflösung aus.

Sprachlich und auch inhaltlich liest sich „Dem Tode nah“ sehr flüssig und enthält einige amüsante Seitenhiebe auf akademische Kreise und Literaturkritiker.

Objektiv gesehen ist „Dem Tode nah“ ein guter Thriller, der ohne viel Blutvergießen eine beklemmende Atmosphäre schafft und den der Leser erst nach der letzten Seite wieder aus der Hand legen möchte. Hätte ich nicht direkt davor „Ohne ein Wort gelesen“, hätte ich vermutlich ohne zu Zögern mehr Sterne vergeben.
Sonny zu »Linwood Barclay: Dem Tode nah« 23.02.2009
Wie schon in Ohne ein Wort, schreibt Barclay angenehm flüssig. Die Story kommt allerdings etwas langsam in Fahrt und endet letztlich mit einigen Erklärungen, die einen bitteren Nachgeschmack hinterlassen. Wer Action mag, ist hier völlig verkehrt. Die Geschichte plätschert so vor sich hin und erst im letzten Viertel zieht er das Tempo leicht an. Auch diesmal hätte er sich gut 100 Seiten schenken können. Barclay wiederholt Sachverhalte ganz gerne (mehrfach). Das nervt.
Im Großen und Ganzen ein anspruchsloses Buch, das sich locker mal zwischendurch lesen lässt.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
subechto zu »Linwood Barclay: Dem Tode nah« 10.02.2009
Hatte bereits "Ohne ein Wort" von Linwood Barclay gelesen und es hat mir ganz gut gefallen. Nun war ich gespannt auf das 2. Buch von ihm. Aber leider wurden meine Erwartungen nicht erfüllt.

Ein typisch amerikanisches Buch: die Bösen bekommen ihre (Todes-)Strafe und die Guten (sehr naiv und blauäugig, hat manchmal genervt) siegen.

Es geht auch ziemlich viel um Moral... wie die Amis eben so sind. Und Testosteron ist auch mehr als genug im Spiel. Insgesamt 3+ würde ich sagen...
Malu zu »Linwood Barclay: Dem Tode nah« 04.02.2009
Das Buch ist der Hammer. Liest sich gut, ist flüssig geschrieben und super spannend. Macht einlach Spass das Buch zu lesen. Auch wenn die Lösung schnell klar ist. Man kann der Handlung prima folgen. Genau wie der Vorgänger " Ohne ein Wort"
Zum Schluss wendet sich alles zum Guten.

Von Linwood Barclay habe ich bestimmt nicht das letzte Buch gelesen. Freu mich wenn bald ein neues Buch von Ihm erscheint.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Stefan83 zu »Linwood Barclay: Dem Tode nah« 04.02.2009
Linwood Barclay zum Zweiten. Nachdem mich schon der Vorgänger "Ohne ein Wort" über weite Strecken gefesselt und sehr kurzweilig unterhalten hat, kam mir das zugeschickte Leseexemplar von "Dem Tode nah" gerade recht. Und die Lektüre hat sich wieder absolut gelohnt.

Keine Frage. Barclay erfindet auch diesmal das Rad nicht neu. Die anfänglichen Bedenken, dass das zweite Werk dem ersten sehr ähnlich sein könnte, haben sich aber recht schnell verflüchtigt. Die beiden Plots weisen zwar durchaus einige Parallelen auf, sind jedoch unterschiedlich genug um getrennt voneinander funktionieren zu können. Und erneut schafft es Barclay eine Geschichte zu Papier bringen, die trotz einiger hanebüchener Wendungen erstaunlich glaubhaft daherkommt und bei näherem Nachdenken ein mulmiges Gefühl im Magen des Lesers hinterlässt.

Diesmal freut sich der 17-jährige Derek Cutter auf ein paar Schäferstündchen mit seiner Freundin Perry. Da das so heimlich wie möglich ablaufen soll, versteckt er sich im Haus der Nachbarn, die passenderweise in den Urlaub fahren, was ihm wiederum freie Bahn für ungestörte Stunden verschafft. So zumindest der Plan, denn die Langleys kehren noch am selben Abend unerwartet zurück und er wird ungesehener Zeuge, als sie kurz danach kaltblütig erschossen werden. Für Derek und seine Familie ist nach dem Dreifachmord an ihren Nachbarn nun nichts mehr wie es war. Ohne es zu wollen werden die Cutters in die Ermittlungen der Justiz herein gezogen. Und während Derek selbst immer ins Visier der Polizei gerät, kommt seinen Eltern ein schlimmer Verdacht. Hat sich der Mörder vielleicht in der Adresse geirrt?

Wie schon im Vorgänger schafft Barclay hier eine spannende Ausgangsbasis, die einige Fragen offen lässt. Und auch diesmal ist es der Familienvater, Jim Cutter, aus dessen Sicht die Ereignisse geschildert werden. Auch im zweiten Band skizziert Barclay die guten und schlechten Eigenschaften seiner Charaktere sehr deutlich und wenig facettenreich. Die Guten sind gut, die Bösen böse. Und das erkennt der geneigte Krimileser, der schon mehr als ein Buch aus diesem Genre gelesen hat, auch auf den ersten Blick.

Tut das der Spannung Abbruch? Keinesfalls, denn dank dieser deutlichen Figurenzeichnungen fühlt man sich als Leser nicht nur mittendrin im Geschehen, sondern ordnet schon früh seine Sympathien und Antipathien zu. Und wirklich selten gab es derart hassenswerte Arschlöcher wie in "Dem Tode nah". Sei es der überhebliche, schmierige Bürgermeister Finley oder der arrogante Universitätsprofessor Chase. Barclay verteilt seine kleinen Seitenhiebe auf die amerikanische Oberschicht und stellt ihr mit Jim Cutter einen Gutmenschen entgegen, den man einfach mögen muss. Ein sorgenvoller Familienvater und ehemaliger Künstler, der nun als Gärtner den reichen Leuten der Nachbarschaft den Rasen mäht. Ein Mann von nebenan, der angesichts der Gefahr für seine Familie glaubhaft handelt und nicht wie so oft in anderen Vertretern dieses Genres innerhalb eines Kapitels die Wandlung vom Couch-Potato zum beinharten Schweinehund vollzieht. Auch diesmal macht der Autor vieles richtig und nur wenig verkehrt. Zwar bleibt der Schreibstil schnörkellos und wenig spektakulär, dennoch kann die Story über weite Strecken überzeugen. Ein Thriller ist das Buch jedoch nicht. Eher ein gut konstruierter Krimi, der am Ende mit 500 Seiten vielleicht etwas zu lang geraten ist.

Insgesamt ist "Dem Tode nah" ein guter Nachfolger des Debütromans, der mit trockenem Humor, pointierter Spannung und toll gezeichneten Figuren kurzweilig unterhält. Eine gelungene Zwischendurchlektüre auf Popcorn-Kino-Niveau. Nicht mehr, nicht weniger.
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