Mörderische Idylle von Leif GW Persson

Buchvorstellung

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2005 unter dem Titel Linda - som i lindamordet , deutsche Ausgabe erstmals 2007 bei btb.
Ort & Zeit der Handlung: Schweden, 1990 - 2009.

  • Stockholm: Piratförlaget, 2005 unter dem Titel Linda - som i lindamordet . 503 Seiten.
  • München: btb, 2007. Übersetzt von Gabriele Haefs. ISBN: 978-3-442-75170-9. 540 Seiten.
  • München: btb, 2008. Übersetzt von Gabriele Haefs. ISBN: 978-3-442-73784-0. 540 Seiten.

'Mörderische Idylle' ist erschienen als HardcoverTaschenbuch

In Kürze:

In Wäxjö, einem idyllischen Provinzstädtchen in Schweden, geschieht ein kaltblütiger Mord, der die Gemüter ganz besonders erregt: Die zwanzigjährige Linda wurde in ihrer Wohnung grausam misshandelt und anschließend erwürgt. Linda war nicht nur ausgesprochen attraktiv und bei allen beliebt, sie besuchte noch dazu die Polizeischule und stand kurz vor der Übernahme in den regulären Dienst. Vieles deutet darauf hin, dass Linda ihren Mörder kannte. Doch der Hauptverdächtige hat ein stichhaltiges Alibi …

Ihre Meinung zu »Leif GW Persson: Mörderische Idylle«

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Jutta Handke zu »Leif GW Persson: Mörderische Idylle« 15.02.2012
Der Kommissar Bäckström ist bei Persson die satirische Konstruktion eines normalen schwedischen Polizisten. Persson kennt eben seine Pappenheimer aus seiner Arbeit als Hochschullehrer. Die
hanebüchene, heimliche Bindung schwedischer Regierungen an die Amerikaner unter Missachtung der geheiligten Neutralität Schwedens ist auch ein Thema bei Hnning Mankell in seinem neuesten Krimi mit Wallander.
Persson ist eben ein sehr subtiler und politischer Autor. Krimifeinkost, die wirkliche Spannung erzeugen kann.
Jutta Handke zu »Leif GW Persson: Mörderische Idylle« 15.02.2012
Bei Persson ist nichts Zufall, auch nicht wenn die Namen von Ermittlern und Opfern an andere Kollegenautoren erinnern. Ganz wichtige Personen haben garkeine Namen, sondern heißen nur der Sonderbeauftragte (der Regierung) und in seinem vorläufig letzten Buch flicht er die wahrlich berühmte Figur der Lisbeth Salander ein (von Stieg Larsson kreiert).
Die Polizei ist eben oft faul, dumm, voreingenommen und korrupt weil Persson sie als Prof an der Polizeihochschule genauestens kennt. Einzelne Polizisten haben aber auch durchaus Geniales an sich. Fakt: die Aufklärungsrate in Schweden ist eine der niedrigsten in den westlichen Ländern.
Uwe zu »Leif GW Persson: Mörderische Idylle« 23.09.2011
Also schwedische Zeitungen scheinen einen seltsamen Begriff von Spannung haben. Steht doch hinten auf meinem Buch: "...Höchstspannung bis zur letzten Seite." Sydsvenska Dagbladet. Dabei hab ich noch selten so einen faden Krimi wie diesen gelesen. Und die bereits erwähnte Überzeichnung, diese Diskrepanz zwischen Dialog und Gedanken, das mag ja ab und zu lustig sein. Aber ab Seite 200 (und bis dorthin passiert nahezu nichts), entlocken einem solche "literarischen Konstruktionen" nur mehr ein Gähnen. Sollten die anderen Bücher des Herrn Persson auch so sein, dann ist er aus meiner Leseliste jedenfalls gestrichen.
Dorian Gray zu »Leif GW Persson: Mörderische Idylle« 01.03.2009
Leif GW Persson orientiert sich sehr stark an seinen literarischen Vorbildern Sjöwall/Wahlöö, indem er den Polizeiapparat als zutiefst korrupt und verfilzt bezeichnet. Er weicht aber auch von seinen Vorbildern ab. Während bei Sjöwall/Wahlöö zwar einige Polizeibeamte inkompetent und unfähig sind, sind doch Martin Beck, Kollberg und Kollegen grösstenteils zwar nicht immer sympathisch, aber durchaus komptetent. Bei Persson sind die einzig kompetenten Polizisten seine Hauptfigur Lars M. Johannson (auch nicht wirklich immer sehr sympathisch), sowie seine Kolleginnen Anna Holt und Lisa Mattei sowie mit Abstrichen sein Kumnpel Jarnebring (der in diesem Buch nicht auftaucht), der Rest der Polizei ist bei Persson, auch in diesem Buch, ein Haufen mehr oder weniger imkompetenter und korrupter Trottel, denen das Abbummeln von Überstunden, das Besäufnis nach Feierabend und das Wochenende wichtiger ist als die Suche nach einem Sexualmörder. Die heftigste Karikatur (wie schon in "Ein andere Zeit, ein anderes Leben") ist hier Kommissar Evert Bäckström, der nicht nur auf Staatskotsen seine private Schmutzwäsche teuer im Hotel reinigen lässt und auf die Rechnung eines anderen Kollegen heimlich den Hotel-eigenen Porno-Kanal benutzt, die Fahndung nach dem Mörder gerät durch seine Leitung zu einem Massen-DNA-Test für fast die gesamte Region, die Polizisten sind so beschäftigt, Speichelproben zu nehmen und zu analysieren, dass darüber die Mordermittlung fast komplett zum Erliegen kommt. Erst als Lars M. Johannson durch den bizarren Unfall seines Vorgängers Chef der Zentralen Kriminalpoilzei wird und die ganze Bescherung analysieren muss, kommt Bewegung in die Sache. Bezeichnend aber, dass eben nicht durch das Eingreifen von Johannson, Holt und Mattei (wie im Klappentext behauptet) der Fall geklärt wird, vielmehr stolpern die Leute um Bäckström durch eine Verkettung seltsamster Zufälle auf den Täter, gerade eben, als Johannson Bäckström durch Holt und Mattei ablösen lässt. Der Täter wird nicht durch polizeiliche Ermittlungsarbeit, sondern durch puren Zufall überführt. Die Krimihandlung benutzt Persson auch eher als Hintergrund, um seine satirisch-schrill überzeichnete Beschreibung der unfähigen Polizeibeamten zu illustrieren, die Krimihanlung wird manchmal zur Nebensache. Die Charaktere sind teilweise sehr originell, teilweise geraten sie zur reinen Karikatur. Weniger ein Kriminalroman im eigentlichen Sinne, vielmehr eine Satire auf das schwedische Polizeibeamtentum, der als mächtiger staatstragender Apparat gezeigt wird, der von zuteifst unfähigen Leuten geleitet und missbraucht wird, mit gelegentlichen Einsprengseln eines Krimis. Als Krimi nicht wirklich spannend, als Satire aber amüsant und kurzweilig und durchaus lesenswert.
Und ist es eigentlich ein Zufall, dass Anna Holt vom Namen her an die Krimi-Autorin Anne Holt erinnert (wie auch das Mordopfer in "Eine andere Zeit, ein anderes Leben" den Namen eines schwedischen Krimiautors, Kjell Eriksson, trägt)?
Rabenseele zu »Leif GW Persson: Mörderische Idylle« 11.10.2008
Dieses Buch ist ein außerordentliches Werk der skandinavischen Kriminalliteratur. Der Autor beweist damit, dass in der südschwedische Provinz Smaland mehr als nur die Erlebnisse der Helden der Schriftstellerin Astrid Lindgren zu beschreiben gab. Leif G.W. Persson zeichnet sehr genau und detailverliebt die einzelnen Personen eines Dramas in der Provinz. Er erzählt einen Mord in einer Umgebung in der Jeder Jeden kennt. Auch ohne den Hinweis im Vorwort ist der Krimi an den Stil der genialen Maj Sjöwall und Per Wahlöö erkennbar angelehnt, was in keinem Fall als Abwertung klingen soll. Die skurrile Überzeichnung der einzelnen Figuren der Handlung ist einzigartig und lockert die, aktionsarme und fast brutalitätsfreie Handlung. Erwähnenswert ist die Darstellung der Dialoge parallel mit den Gedankengängen der jeweils handelnden Personen. Diese weichen oft von den ersteren ab und zeigen die Schere zwischen dem äußeren Schein und der Wirklichkeit. Im Laufe der Handlung haben die Personen immer mehr Probleme ihre wahren Gedanken vor ihrem Gegenüber zu verbergen.
Leider kann ich noch kein abschließendes Urteil abgeben, da ich das Buch noch nicht zu ende gelesen habe.
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