Auf die feine Art von Leena Lehtolainen

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1994 unter dem Titel Harmin paikka, deutsche Ausgabe erstmals 2003 bei Rowohlt.
Ort & Zeit der Handlung: Finnland, 1990 - 2009.
Folge 2 der Maria-Kallio-Serie.

  • Helsinki: Tammi, 1994 unter dem Titel Harmin paikka. 244 Seiten.
  • Reinbek bei Hamburg: Wunderlich, 2004. Übersetzt von Gabriele Schrey-Vasara. ISBN: 3-499-26497-8. 250 Seiten.
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2006. Übersetzt von Gabriele Schrey-Vasara. ISBN: 978-3-499-23089-9. 250 Seiten.

'Auf die feine Art' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Eine junge Frau wird ermordet, ihr Freund ist tatverdächtig. Die Familie des Opfers bittet Maria, ihn als Anwältin zu vertreten. Im Lauf ihrer Ermittlungen wird Maria selbst zum Opfer von Drohungen und Sabotageakten. Bald merkt sie, dass die vornehme Familie mit aller Macht verhindern will, dass sie den wahren Täter findet. Und Beweise für ihren Verdacht hat sie auch nicht …

Das meint Krimi-Couch.de: »Die Anfertigung eines Stammbaumes ist empfehlenswert« 70°

Krimi-Rezension von Thomas Kürten

Im Januar 2003 erschien nach Kupferglanz und den beiden bei rororo veröffentlichten Alle singen im Chor und Zeit zu sterben ein weiteres Buch der finnischen Autorin Leena Lehtolainen. In Finnland gibt es bereits acht Romane um die junge Rechtsanwältin Maria Kallio, die in Deutschland aufgrund von Rechtsstreitigkeiten zwischen rororo und dem ariadne-Verlag wohl nicht in chronologischer Reihenfolge veröffentlicht werden dürfen. »Auf die feine Art« ist so gesehen eigentlich der zweite Fall für Maria Kallio und handelt rund ein Jahr nach den Ereignissen des Romanes »Alle singen im Chor«. Die Originalausgabe erschien bereits 1994 unter dem Titel »Harmin paikka«.

Maria ist inzwischen ein Jahr mit Antii zusammen und wohnt seit drei Wochen mit ihm gemeinsam in einem vornehmen Vorort Espoos. Sie arbeitet seit kurzem in einer kleinen Rechtsanwaltskanzlei, hatte seit ihrem ersten Mordfall die Vertretungsstelle bei der Polizei gekündigt und die Abschlussarbeit für ihr Jurastudium vollendet. Auf einem Gartenfest von Antiis großer Schwester und ihrem Gatten lernt sie die schöne, feine Gesellschaft ihres neuen Wohnortes kennen. Da sind Rechtsanwälte und Ärzte versammelt und es ist auch Armi, die Freundin vom Bruder des Schwagers Antiis, auf diesem Fest. Ja, die Verwandtschaftsverhältnisse in diesem Roman sind mitunter ein wenig kompliziert. Jene Armi hat jedenfalls eine sehr durchdringende Stimme und liebt Klatsch und Tratsch. Auf dem Gartenfest kündigt sie Maria gegenüber an, sie wolle etwas mit ihr in Ruhe besprechen und verabredet sich mit ihr für den nächsten Tag. Als Maria jedoch erscheint, findet sie die erwürgte Armi leblos in ihrem Garten liegen.

Die Polizei verdächtigt sehr schnell Armis Freund Kimmo. Nachbarn berichteten von einem Streit der beiden in den frühen Morgenstunden und außerdem scheint Kimmo sich – gegen Armis Willen – in der SM-Szene der Stadt herumzutreiben. Kimmo bittet Maria um seine Verteidigung.

Maria Kallio ist rasch von seiner Unschuld überzeugt und begibt sich auf die Suche nach dem wahren Mörder. Sie erfährt, dass Armi in den Tagen vor ihrer Ermordung oft von dem über ein Jahr zurückliegenden Tod von Kimmos Schwester Sanna sprach. Die Familie und die Polizei glaubten an Selbstmord, aber Armi hatte nun offen von Mord gesprochen. Fürchtete der Mörder die Enthüllung dessen, was damals wirklich vor sich ging? Musste er sich durch einen erneuten Mord decken? Nach 250 Seiten kleinlicher Ermittlungsarbeit kann Maria den schweren Schatten, der sich seit knapp anderthalb Jahren über die Familie des Tatverdächtigen legte, lichten und überwältigt den wahren Täter.

Ein durchaus geschickt gewobener Kriminalfall, auch wenn man als geübter Krimileser bereits etwa auf Seite 100 eine Ahnung hat, welche der Hauptpersonen ein düsteres Geheimnis haben könnte. Solange keine Action aufkommt, finde ich den Roman wirklich sehr lesenswert. Und so radelt Maria die meiste Zeit von einer Befragung zur nächsten, macht einen Ausflug in die SM-Szene und muss sich mit einem widerborstigen und zu bequemen Polizisten herumschlagen. Ihre Gespräche führt sie, wie auch schon im Vorgängerbuch, auf einer sehr persönlichen Ebene, da sie die meisten ihrer Gesprächspartner schon länger kennt. Ein paar mal wirkten einige Befragte jedoch wesentlich zu auskunftsfreudig. Maria Kallio ist eine sehr hartnäckige und mutige Person, die sich äußerlich nichts von Nervosität oder Aufregung anmerken lässt. In ihr brodelt es jedoch mitunter, es ist sehr schön nachvollziehbar für den Leser, wie sich ihr Charakter entwickelt. Im Gegensatz zu »Alle singen im Chor« schimpft sie nicht mehr über die Probleme einer Frau in einem Männerberuf und bei der Suche nach einem gescheiten Partner. Nein, sie kämpft um ihre Einstellung in ihrer Beziehung zu Antii, denkt über Familie nach, das Verhältnis zu ihren Schwestern und wie es wohl sein mag, Mutterfreuden entgegen zu sehen.

Es gibt aber auch Schwächen an diesem Buch, die ich nicht zurückhalten will. So schafft es Lehtolainen ebenso wenig wie in »Alle singen im Chor« Spannung in den Roman zu bringen. Zwar liefert sie sich am Ende wieder einen Kampf mit dem Täter und hat auch zwischendurch den Verdacht, verfolgt zu werden. Aber prickelnde Action sieht anders aus. Dann die vielen finnischen Namen und komplizierten Verwandtschaftsverhältnisse. Die Anfertigung eines Stammbaumes ist empfehlenswert. Und letztlich doch die auffällige Ähnlichkeit zu den Werken einer ganz großen dieses Genres. Meine Rezension zu »Alle singen im Chor« habe ich noch rein Instinktiv mit »Marple Junior« genannt. Der Titel dieser Rezension kommt nicht von ungefähr, denn so ist auch das letzte der 16 Kapitel in diesem Buch übertitelt. Zwischenzeitlich wünscht sich die junge Rechtsanwältin die grauen Zellen eine berühmten belgischen Privatdetektivs. Dann ein Verbrechen, dass weit vor dem aktuellen Mordfall liegt, letztlich aber die Indizienkette zusammenfügt. Die geheimnisvolle Ankündigung des Opfers, über etwas reden zu wollen. Der feste Kreis von möglichen Tätern. All dies sind Stilmittel, derer sich auch eine Großmeisterin wie Agatha Christie bediente. Anscheinend ist die alte Dame das große Vorbild der Finnin. Wie man letzteres zu werten hat, sei den Lesern Leena Lehtolainens vorbehalten.

Ihre Meinung zu »Leena Lehtolainen: Auf die feine Art«

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Ullwin zu »Leena Lehtolainen: Auf die feine Art« 26.02.2010
Skandinavien-Krimi? Höchstens den Namen nach. Allein Antti und Armi sind Gender-mäßig für unsereinen nicht evident zuordenbar, und das ist nur ein Beispiel. Finnisches Kolorit gibt es überhaupt nicht. Wenn sich zudem mangelnde Originalität mit vollständiger Unglaubwürdigkeit des Plots paart und das Ganze auch noch von A bis Z langweilig ist, kommt die Frage auf, wozu derlei aus dem Finnischen importiert wurde. Naja, ich habe es ja auch gekauft...
DarkMadeleine zu »Leena Lehtolainen: Auf die feine Art« 29.08.2008
Dies ist jetzt der dritte Kallio-Roman bzw. der vierte Roman von Lehtolainen , den ich lese (Zeit zu sterben kann man ja nicht als Kallio-Roman werten).Was mich durchgehend in allen Kallio-Büchern bisher gestört hat, ist die doch eher unorthodoxe "Ermittlungsarbeit" der Protagonistin. Ich weiß nicht, ob das bei skandinavischen Krimis einfach so üblich ist; bisher las ich eher die britischen (Klassiker wie Christie oder Doyle, auch neuere wie Rendell oder E. George) und man hatte dort zumindest grob den Ablauf Mord - Einkreisen der Verdächtigen - Aufklärung. Bei Kallio hat man - vor allem in diesem Buch - eher das Gefühl, sie wirft jedem vor, der Täter zu sein und schaut mal, welcher getroffene Hund bellt. Ihr Freund Antti beschwert sich im Buch einmal (sinngemäß) "Wenn wir an dem Abend nicht zusammen gewesen wären, würdest du mich auch verdächtigen." Und ich kann ihm da ausnahmslos zustimmen.Des weiteren kann ich Herrn Kürten zustimmen: Ein spannungsgeladener Roman ist etwas anderes. Die meiste Zeit radelt die Gute entweder von einem Gespräch zum nächsten oder von der Kanzlei ins Fitnessstudio, vom Fitnessstudio nach Hause... bis man sich fast wünscht, sie hätte Lynleys Bentley, oder doch zumindest Havers' Mini unterm Hintern, damit sie doch mal etwas schneller von A nach B gelangt.Die Story selber ist ganz nett, aber relativ vorhersehbar. Dass sie am Ende doch noch den richtigen Täter erwischt hat, mutet eher wie ein Glückstreffer als solide Ermittlung an.Fazit: Mann kann den Roman gut lesen, er reißt jedoch nicht vom Hocker und kann keineswegs als Pageturner bezeichnet werden - dafür weist er einfach zu viele Schwächen auf.
Mambo zu »Leena Lehtolainen: Auf die feine Art« 07.03.2007
Ich finde die Krimis um Maria Kallio angenehm zu lesen. Die Morde sind nicht so grausig, die Leichen nicht allzusehr zugerichtet und die Stimmung der Romane nicht so depressiv wie bei Wallander oder Nesser. Ich habe so das Gefühl als würde ich auch einen kleinen Einblick in das finnische Alltagsleben bekommen.
phi99auc zu »Leena Lehtolainen: Auf die feine Art« 31.12.2005
Mein erster Krimi aus Finnland und ich war skeptisch, bin ich doch ansonsten mit verschiedenen Skandinaviern nicht recht warm geworden.

In diesem Fall bin ich jedoch angenehm überrascht worden: solide geschriebene story und sauber übersetzt. Habe mir gerade den ersten und den dritten Fall von Maria Kallios bestellt.

Sicher, das Buch hat auch mich nicht wach gehalten, aber zwei Tage lang wirklich gut unterhalten.
Dr. Gunthard Niederbäumer zu »Leena Lehtolainen: Auf die feine Art« 23.05.2004
Mit Maria Kallio hat die Autorin eine Figur geschaffen, welche wirklich überzeugt. Es ist spannend zu beobachten, wie Maria ihre Umwelt wahr nimmt und die Probleme in einer positiven Grundhaltung anpackt. Im Gegensatz zu vielen anderen skandinavischen Krimis, in den alternde Kommissare in Selbstmitleid zergehen und pessimistisch in die Zukunft schauen, ist Maria eine erfrischende Figur, welche positiv vorausschaut. Bin gespannt wie Leena Lehtolainen diese Figur weiter entwickelt.
Joachim zu »Leena Lehtolainen: Auf die feine Art« 23.04.2004
Auch den zweiten Krimi um Maria Kallio habe ich schnell gelesen. OK, man muss nicht unbedingt eine Nacht aufbleiben, weil man nicht schlafen kann bevor man die Auflösung kennt. Trotzdem eine interessante Hauptfigur und eine Autorin die ganz eindeutig Agatha Christie zitiert (nicht nur dort, wo es wirklich jedem auffällt). Für Fans des klassischen "whodunnit", die schon alle Krimis der Britin gelesen haben.
Norbert Qualmann zu »Leena Lehtolainen: Auf die feine Art« 25.01.2004
Das ist sicherlich kein "sensationeller" Kriminalroman. Wer aufmerksam liest, läßt sich durch die Auflösung kaum noch überraschen- aber das ist nicht entscheidend. Für mich war dieses der erste Roman von Leena Lehtolainen und gleichzeitig der erste Krimi aus Finnland.

Mir gefällt vor Allem die Protagonistin Maria Kallio, über deren Innenleben der Leser genug erfährt, um sie zu mögen oder eben auch nicht. Ich mag sie sehr.
Die Handlung kommt glaubwürdig daher, die Auflösung stimmig.
Am Interessantesten ist für mich allerdings die Entwicklung der Maria Kallio- eine Figur, über die ich mehr lesen möchte.
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