Outlaw von Lee Child

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2008 unter dem Titel Nothing to lose, deutsche Ausgabe erstmals 2011 bei Blanvalet.
Ort & Zeit der Handlung: USA, 1990 - 2009.
Folge 12 der Jack-Reacher-Serie.

  • London: Bantam, 2008 unter dem Titel Nothing to lose. 426 Seiten.
  • New York: Delacorte Press, 2008. 407 Seiten.
  • München: Blanvalet, 2011. Übersetzt von Wulf Bergner. ISBN: 978-3-7645-0420-5. 448 Seiten.

'Outlaw' ist erschienen als Hardcover E-Book

In Kürze:

Zwei gottverlassene Dörfer in Colorado. Hope und Despair. Hoffnung und Verzweiflung. Dazwischen nichts weiter als meilenweit Niemandsland. Jack Reacher, per Anhalter unterwegs, strandet ausgerechnet in Despair. Er will nur einen Kaffee trinken und dann weiterziehen, doch vier düstere Gesellen wollen ihn wegen Landstreicherei von der Gemarkung verweisen. Reacher geht die Freiheit zwar über alles, aber einen Platzverweis lässt er sich nicht bieten. Und sein untrüglicher Instinkt sagt ihm, wenn jemand etwas zu verbergen hat.

Das meint Krimi-Couch.de: »Zwischen Hoffnung und Verzweiflung – Reacher kennt den Weg« 87°Treffer

Krimi-Rezension von Jochen König

Als ob wir es geahnt hätten: Kaum will Jack Reacher in dem wenig beschaulichen Nest, mit dem noch weniger beschaulichen Namen »Despair« einen Kaffee trinken, stehen vier finstere Gestalten an seinem Tisch und wollen ihn ohne große Vorrede höchst unsanft aus dem Ort befördern. Doch da hat Jack etwas gegen. Denn wenn ihm eins heilig ist, dann seine Bewegungs- und Entscheidungsfreiheit.

Wer jetzt denkt: »Kennen wir, wissen wir, haben wir schon«, dem entgeht eine Jack-Reacher-Performance, die der Reihe von Lee Child alle Ehre macht. Klar variiert er das bekannte Muster einmal mehr, das Dutzend ist damit voll, aber Child erfüllt das mit so viel Witz, Verstand, wissendem Understatement und Nachdenklichkeit, wo sie vonnöten ist, dass man ihm liebend gerne folgt.

Gleich zu Beginn gibt es die erste Überraschung; denn nur einer der vier unfreundlichen Herren wird von Reacher niedergestreckt. Dann naht die Polizei und Jack wird verhaftet, um anschließend in einer Prozessfarce wegen Landstreicherei aus Despair verwiesen zu werden. Ganz schwerer Fehler. Denn wer ihn derart rüde – und trotz mehrerer Warnungen – höchst unfair behandelt, der verdient sich sein Interesse. Ob er will oder nicht.

Glücklicherweise ist das wesentlich freundlichere Städtchen Hope in unmittelbarer Nähe des schundigen Despairs. Dort schlägt Reacher nicht nur sein Lager auf, sondern nimmt auch die Staatsmacht in Form der attraktiven Polizisten Vaughan (kein Vorname!) unter seine Fittiche.

Anschließend widmet er sich voll und ganz der Firmenstadt Despair und ihrem Patriarchen Jerry Thurman. Der ist nicht nur Prediger des Ortes, sondern auch Besitzer eines Leviathans in Gestalt einer riesigen Metall-Recycling-Firma ist, in der die meisten Bewohner des finsteren Kaffs beschäftigt sind. Reacher wittert Unrat hinter den Toren der Firma, der mehr ist als zerschrottetes Metall. Wer Reachers Instinkt kennt, wird sich nicht wundern, wenn es tatsächlich so schlimm kommt wie er vermutet. Eher noch schlimmer. Denn woran sollten die Anhänger einer Endzeit-Glaubensgemeinschaft anderes arbeiten als am Vorantreiben der Apocalypse? Doch in diesem Metier kennt sich der hartnäckige Jack Reacher gut aus. Sehr zum Leidwesen Thurmans und seiner Spießgesellen und Anhängerschaft.

Wie so häufig findet Lee Child klare Worte zur Lage einer Nation, die beständig in (unsinnige) Kriege verwickelt ist, in der Fundamentalisten jeder Couleur fruchtbaren Nährboden finden und soziale Belange, bzw. Verantwortung gerne unter den Tisch fallen, zugunsten »höherer« Interessen. Dabei zeigt er deutlich, wie sehr in Totenstädten wie »Despair« das Sein das Bewusstsein bestimmt und auf welche Irrwege eine abhängige Gesellschaft geführt werden kann, wenn religiöse und pseudo-philosophische Mobilmachung gepaart mit wirtschaftlicher Macht konsequent eingesetzt werden. Von der auf Gedeih und Verderb zusammen hängenden Dorfgemeinschaft zum faschistoiden Lynchmob sind es zwar ein paar Schritte zu gehen, aber entsprechend (zwangs)motiviert ziehen fast alle mit.

Gegenpol ist der abgeklärte Individualist Reacher – der es sich allerdings finanziell auch leisten kann -, dessen Sehnsucht nach persönlicher Freiheit und Integrität Grundlage seines Wesens ist. Dies unterscheidet ihn von anderen einsamen Vigilanten und Outlaws – es ist nicht Rache, die ihn antreibt, sondern der Wunsch nach größtmöglicher Gerechtigkeit. Die für ihn in einer Existenz fußt, in der man entweder autark, und ohne irgendjemand zur Last zu fallen, lebt, oder in einer Gemeinschaft, in der sich Geben und Nehmen die Waage halten. So lässt er seinen Mitmenschen jederzeit die Wahl, sich für oder gegen ihn zu entscheiden. Vaughan, die integre Polizistin fühlt sich unweigerlich zu Reacher hingezogen; nicht weil sie in ihm die Chance für eine gemeinsame Zukunft sieht, sondern weil er ihr hilft, das eigene Leben besser zu verstehen und zu händeln. Eine so flüchtige wie intensive Beziehung, ein optimistischer Gegenentwurf zu einer Welt, die von Despotismus, (religiöser) Verblendung und Manipulation geprägt ist.

Die sich gegen ihn entscheiden, hätten besser intensiver darüber nachdenken sollen. Jack Reacher gibt seinen Gegnern ausreichend Zeit dazu. Was Child in wunderbar absurd-komischen Situationen ausführt. Gerade die in anderen Romanen so gnadenlos verheizten Handlanger bekommen von Reacher die Hand gereicht; verbunden mit der freundlichen Frage, ob es nicht an der Zeit wäre, ein eigenbestimmtes Leben führen, anstatt sich von selbst ernannten Heilsbringern ausnutzen zu lassen. Zu dumm, dass dieses Angebot meist ausgeschlagen wird. Denn Jack schlägt zurück. Effektiv und in letzter Konsequenz, wenn es sein muss.

Wie gewohnt brilliert Lee Child sprachlich wieder durch Akkuratesse, feine Pointen (ob es noch gerechtfertigte Kriege gäbe, fragt Vaughan Reacher an einer Stelle, in die Amerika verwickelt sei? Reacher, der ehemalige Soldat antwortet knapp: »Seit 1945 nicht mehr.«) und genaue Beobachtungen. Das Ausmaß der Bedrohung und die Hinzufügung diverser Nebenplots hat Outlaw zu einem umfangreichen Werk anwachsen lassen, bei dessen Bewältigung man Reacher – und Vaughan – gerne folgt, auch wenn die eine oder andere Wiederholung nicht ausbleibt.

»Annahmen sind zu vermeiden«, ist eine von Jack Reachers Regeln. »Absolut alles muss verifiziert werden«, die Ergänzung dazu. Dass dies ein wenig Zeit und Raum erfordert, ist wohl verständlich. Trotzdem gelten natürlich für Lee Child jene Worte, die er seinem Protagonisten in den Mund legt:

Präzision», erwiderte Reacher. «Darauf kommt’s mir an. Genau das tun, was man tun muss – nicht mehr, nicht weniger.

Das beherrscht Child. So gut, dass man genau hinschauen muss, welche Tiefen die actionreiche und scheinbar so kaltschnäuzige Genreliteratur besitzt. Lohnt sich. Denn wir erhalten einen spannenden Kriminalroman und dialektischen Diskurs in einem. Ohne, dass es der Autor seinen Lesern aufdringlich um die Ohren drischt.

Ist es angesichts der kommenden Verfilmung Zufall oder nicht? So oft wie selten weist Lee Child darauf hin, dass Jack Reacher ein »eins fünfundneunzig« großer, ca. hundert Kilo schwerer Hüne ist. Der rigide Religionen verachtet. Gewisse Scientology-hörige Hänflinge müssten eigentlich bittere Tränen weinen.

Jochen König, Dezember 2011

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yoshi zu »Lee Child: Outlaw« 24.05.2012
auch ich habe schon etwas und viel bessere reacher-romane gelesen! ich selbst fand ja "trouble" noch um längen besser als diesen jetzt hier! ABER: was child auszeichnet, ist, dass er von anfang bis ende ein unglaubliches tempo bei seinen romanen hinlegt; trotz mancher mängel ist lee child immer noch einer meiner lieblingsautoren, soviel ist fakt! ich hab mal gelesen über einen anderen autor, er erzähle mit der wucht eines torpedos! das war zwar nicht lee child, aber der kommt dem schon sehr nahe! UND: es kommen doch hoffentlich noch mehr jack-reacher- bücher, da werden auch noch bessere dabei sein! weiter so, lee child! als einzigen, der in dieser hinsicht child das wasser reichen können, nenne ich hier mal david baldacci! oder auch den guru des krimis, john grisham und da ist lee child doch in bester gesellschaft, oder? :-)))
carrie39 zu »Lee Child: Outlaw« 31.12.2011
lee child ist mein lieblingsautor...auch ich habe mich auf den neuen roman OUTLAW
sehr gefreut.
Ich kann mich hier leider nur lnur.bloomen...anschliesen...
diese ewigen wiederholungen... von beschreibungen über gebäuden, zäunen,wege usw...die das buch nur in die länge ziehen.und dann zum xten male die tasse kaffee...liesen keine spannung aufkommen.
zum schluss habe ich mich gefragt warum ich nicht auf seite 200 aufgehört habe zu lesen.
War das wirklich der LEE CHILD von TROUBLE.way out ...???
DIESES BUCH KANN ICH NICHT WEITEREMPFEHLEN NOTE: 4 minusund in dieser bewertung ist schon der lee child - bonus enthalten.
Anke Alvarez Campos zu »Lee Child: Outlaw« 31.12.2011
ich habe mich mit allergrößter Freude an den neuen Roman gemacht - und wurde wieder mal nicht enttäuscht- ich finde, dass kaum ein anderer Autor sooo gut und flüssig schreibt, dass man/frau nicht mehr aufhören möchte zu lesen. klar, es gibt immer mal einige Längen, aber das kommt wohl jedem Autor mal vor, aber ich weiss: einen Jack Reacher will ich immer wieder lesen, und das gerne, leider muss man wieder fast ein Jahr warten ...
Ich will einfac nur gut lesen können und achte nicht so auf irgendwelche Hindernisse, wie die anderen Kritiker hier vor mir, ich weiss, dass ein Lee child einfach super gut zu lesen ist und freue mich einfach drauf!
mila zu »Lee Child: Outlaw« 18.12.2011
Also Jack Reacher ist an sich gleich *stark* wie immer, nur lässt ihn der Autor leider im Stich.

Die unzähligen Fahrten von Hope nach Despair oder umgekehrt und hin und zurück, hoch und runter usw., das unrealistisch auffällige und aggressive Benehmen der Menschen (Aliens?) und die - ja, Reachers Aktionen sind in allen Büchern recht unrealistisch, ich weiss schon - hier wirklich unglaublich unrealistische Action - nein danke.
bloomen zu »Lee Child: Outlaw« 28.10.2011
Der schwächste Jack Reacher, den ich bis jetzt gelesen habe. Viele Längen und ausführlichste Beschreibungen nichtiger und für die story unwichtiger Dinge. Mit anderen Worten: der Mann kommt nicht zu Potte. Prügeleien, von den man eh weiss, wie sie ausgehen, gibt es natürlich auch zu Hauf. Und diese ewige Nachfragerei, was denn nun mit dem Ehemann der hübschen Polizistin ist, passt nicht in mein Bild, das ich von ihm entwickelt habe. Schulnote 4- .
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