Die Abschussliste von Lee Child

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2004 unter dem Titel The Enemy, deutsche Ausgabe erstmals 2006 bei Blanvalet.
Ort & Zeit der Handlung: USA, 1970 - 1989.
Folge 8 der Jack-Reacher-Serie.

  • New York: Delacorte, 2004 unter dem Titel The Enemy. 393 Seiten.
  • München: Blanvalet, 2006. Übersetzt von Wulf Bergner. ISBN: 978-3-7645-0182-2. 477 Seiten.
  • München: Blanvalet, 2008. Übersetzt von Wulf Bergner. ISBN: 978-3-442-36840-2. 477 Seiten.

'Die Abschussliste' ist erschienen als HardcoverTaschenbuch E-Book

In Kürze:

Silvester 1989/90. Die Mauer ist gefallen. Der Kalte Krieg? Geschichte. Die US-Army hat keinen Feind mehr. Und Jack Reacher hat Bereitschaftsdienst, als das Telefon klingelt. Keine Neujahrsglückwünsche. Ein toter Zwei-Sterne-General, zwischen heißen Laken. Herzinfarkt. Doch Reachers Misstrauen erwacht, als der Fall unter den Teppich gekehrt werden soll. Weitere Morde sprechen eine erbarmungslose Sprache. Und plötzlich steht Reacher selbst unter Verdacht. Wer will ihn aus dem Weg räumen?
Seine Suspendierung kann Reacher nicht aufhalten, er gräbt tiefer und tiefer. Und er kommt einer Militär-Verschwörung ungeahnten Ausmaßes auf die Spur. Es ist ein neuer Krieg – gegen Feinde innerhalb der Army. Und Jack Reachers persönlicher Krieg: gegen den Verrat …

Das meint Krimi-Couch.de: »Der einsame Kämpe bekommt menschliche Gestalt« 79°

Krimi-Rezension von Wolfgang Weninger

Der erste Silvesterabend nach dem Berliner Mauerfall ist auch der erste Abend an dem Executive Officer Jack Reacher von der Militärpolizei der US-Army nach seiner Abkommandierung aus Panama auf dem Truppenstützpunkt Fort Bird im Dienst verbringt. Kurz nach Mitternacht wird er in ein zwielichtiges Motel gerufen, dass den Damen aus dem nebenan gelegenen Stripschuppen als stundenweise Absteige dient. Ein Zwei-Sterne-General liegt nackt in seinem Bett, nur bekleidet von einem Kondom und leider mitten im Liebesspiel von einem Herzinfarkt dahin gerafft. Eigentlich ein schöner Tod, müsste man glauben, aber Jack Reacher findet weder die Spur der Gespielin, noch den Aktenkoffer des Verstorbenen. Aber ein hochrangiger Offizier der Panzerbrigade, der erst vor wenigen Stunden aus Europa angereist war, um hier in erster Linie an einem Generalstreffen teilzunehmen, muss einfach Unterlagen bei sich gehabt haben.

Jack Reacher schnappt sich aus dem verfügbaren Personal einen weiblichen Leutnant, namens Summer, um der Witwe des Verblichenen die traurige Nachricht zu überbringen. Aber Reacher und Summer kommen zu spät, denn die Frau des Generals hat ebenfalls das Zeitliche gesegnet, indem man ihr mit einem Brecheisen den Schädel eingeschlagen hat. Und das macht die beiden Militärpolizisten reichlich stutzig.

Reacher kennt bei seinen Vernehmungen kein Pardon. Dem zwielichtigen Lokalbesitzer des Striplokals bricht er kurzerhand das Knie und der Respekt, den er militärischen Vorgesetzten zollen müsste, hält sich in Grenzen. Sein Vorgesetzter wird justament nach Korea versetzt und der neue Befehlshaber, Oberst Willard, ist ein Speichellecker und in Reachers Augen ein echtes Arschloch, dem nichts Wichtiger ist, als die Truppe von allen negativen Schlagzeilen fernzuhalten. Er versucht alle Peinlichkeiten zu vertuschen und auch Reacher wird per Befehl von seinen Ermittlungen entbunden. Aber Reacher passt das überhaupt nicht, und so ermitteln er und Summer weiter, obwohl der geheimnisvolle Gegner sogar versucht, Reacher die Mordtaten anzuhängen. Ein gefährliches Spiel, aber Reacher ist nicht irgendwer …

Lee Child, in England geborener Jurist und Fernsehproduzent hat im blanvalet Verlag seinen zweiten Krimi »Die Abschussliste« auf den Markt geworfen. Jack Reacher, der Mann fürs Eingemachte bei der US-Army, kehrt nicht nur mit eisernem Besen zwischen Generälen und harten Burschen der Delta Force, er muss auch zurück nach Frankreich zu seinen Wurzeln, denn seine Mutter liegt krebskrank im Sterben. Und deswegen wird der Krimi immer wieder mit privaten Szenen des harten Mannes aufgelockert und erstmals bekommt Jack Reacher auch menschliche Gestalt und wird trotz ethischer Bedenklichkeit zum Sympathieträger.

Anders als bei zivilen Ermittlern gelten für die Sonderermittler der US-Army offensichtlich kaum rechtliche Grundlagen und dementsprechend unbeschwert kann Childs Protagonist sich über alles und jeden hinweg setzen, mit gefälschten Reisegutscheinen zwischen Amerika und Europa pendeln und so nebenbei per Faustrecht seine Meinung zum Besten geben, ohne sich einen Deut um militärische Machtkämpfe zwischen Infanterie und Panzerkorps zu scheren, deren wichtigster Feind, der kommunistische Osten, durch die Wende gerade erst ad acta gelegt wurde. Dass sich über ein Jahrzehnt später ähnliche Machtspielchen im Nahen Osten tödlich wiederholen, hat in diesem Thriller noch keinen Niederschlag gefunden, kann dem Leser bei der Lektüre über karrieregeile Generäle allerdings immer wieder aktuell erscheinen.

Die Spannung hat Lee Child gleichmäßig verteilt. Obwohl Reacher mehr aus dem Bauch heraus entscheidet und weniger sein Köpfchen zu Hilfe nimmt, bleibt er doch immer am Ball und wenn er auch in moralisch bedenklicher Weise agiert, so tut er dies doch weitgehend logisch. Dennoch kann zumindest das Ende dieser stark konstruierten Story absolut nicht überzeugen, aber die Typenwahl des Jack Reacher lässt wohl keinen anderen Schluss zu, als den einsamen Kämpen seiner Stimmung entsprechend die Konsequenzen ziehen zu lassen. 478 Seiten leidet man mit dem unkonventionellen Haudegen mit und kann anschließend dem Autor nur attestieren, dass sich die Kriminalstory aus dem Militärbereich wohltuend über dem Durchschnitt des Krimischriftgutes ansiedeln kann.

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M.Reinsch zu »Lee Child: Die Abschussliste« 30.01.2011
Für mich eher einer der schlechteren J.Reacher-Romane.
Anscheinend wollte L.Child hier zu viel des Guten (Familien und Armvergangenheit von Reacher und das ganze noch in einen harten Krimi verpackt).
Gerade die kleinen Rückblenden auf Reachers Vergangenheit (in den anderen Büchern), waren für mich immer Highlights.
Auch die letzte Aktion, gerade im Zusammenspiel mit der "gewollten" Strafversetzung zurück nach Panama, ist für mich unverständlich! Der Reacher den ich bisher kannte, hätte eine andere Lösung gefunden!
Positiv, wie immer, der flüssige Schreibstiel, der einem das Buch "durchfressen" lässt. Ds weiteren (wiederum für mich) die Perspektive (Erste Person) und der Einblick in die Armeeregularien der US-Sreitkräfte.
Sorry Mr.Child, mehr als 80° sind da nicht drinn...
Micha
darkstefan zu »Lee Child: Die Abschussliste« 07.12.2010
Die Abschussliste ist eines meiner Lieblingsbücher. Jack Reacher ist einfach Klasse. Und egal ob die Story im Endeffekt immer die gleiche ist, Lee Child fesselt einen (seit "Größenwahn" ein Fan). Da wird alles andere nebensächlich. Im Schnitt brauche ich nicht länger als 2 Tage für ein Reacher Buch. Was will "Mann" mehr.
Jakob zu »Lee Child: Die Abschussliste« 02.04.2008
Sehe ich ähnlich wie Anja,

"Die Abschussliste" war im Vergleich zu den Vorgängern, eher lahm und droege. Auch der Vorgänger, "Der Janusmann" war nicht mehr soo meins, da hier einfach nurnoch brutale Gewalt vorherrschte.

Der neue hingegen, "Sniper" ist endlich wieder mal richtig gut, meiner Meinung nach wieder eine gute Mischung aus Mord und Totschlag, sowie Spannung und Ermittlung
peter1.1 zu »Lee Child: Die Abschussliste« 29.03.2008
Holla - meine Meinung ist weg! Wieso denn bloß? Hat sie etwa dem zuständigen KC-Administrator nicht gepasst?! Nein, nein -nehm ich zurück... Aaah, jetzt weiß ich: Habe den Schluss verraten! - Reacher killt die Bösen! Uups, jetzt ist es schon wieder passiert! Bitte verzeiht mir! Ich habe Euch die Spannung genommen! Oh Gott, jetzt könnt Ihr niemals wieder einen Lee-Child-Roman mit Genuss zu Ende lesen, denn ich habe mit dem einen gleich alle Schlüsse verraten...oh, oh, oh, ich bin so böse.
0 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
booktiger zu »Lee Child: Die Abschussliste« 12.08.2007
Ich gehöre nicht zu denen, die die Bücher in Reihenfolge lesen... also war das mein 4.? Jack Reacher - und wie ich finde schwächster. Natürlich ist auch seine "Vergangenheit beim Militär" interessant... aber so genau will ich das gar nicht wissen. Irgendwann ging mir dieses !"wir arbeiten gegen die Richtlinien" - "wir haben Freunde einfach überall" etc. etwas gegen den Strich. Es war mir auch zuviel Militär --- nee, ich mag den Reacher ohne Military Police besser ! Auch wenn er zugegeben einfach erstaunlich unbesiegbar und kugelfest ist. ;-)
Mia zu »Lee Child: Die Abschussliste« 14.04.2007
Die Abschussliste war das erste Buch über Jack Reacher das ich gelesen hab. Zeitlich ist es ja die erste Geschichte, da er noch beim Militär ist. Mir wurden die Bücher von einem Freund empfolen der selbst ein großer Fan ist. Seitdem "verschling" ich sie nahezu. Also die Abschussliste ist der beste Einstieg für die tolle Bücherrehe...
Alexander zu »Lee Child: Die Abschussliste« 12.12.2006
Ich fand den achten Roman von Lee Child richtig gut. Er war seinen beiden Vorgängern "Tödliche Absicht" und "Der Janusmann" um Längen überlegen, denn dieser Reacher- Thriller hat anstatt viel brutaler Gewalt und Action endlich mal wieder richtig Tiefgang und bezog seine Spannung mehr aus dem Prozeß militärpolizeilicher Ermittlungen . Auch fand ich die häufigen Schauplatzwechsel richtig angenehm und die wechselnden Schauplätze richtig lebendig und dicht beschrieben. Fazit: Ein sehr lesenswertes Buch
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Michael D. zu »Lee Child: Die Abschussliste« 11.08.2006
Ich habe "Die Abschussliste" nur als englische Fassung (The enemy) gelesen, und ich muss sagen ich war von dem Buch sehr angetan. Ich hoffe dass im deutschen die Erzählweise nicht so sehr verfälscht ist wie der Titel! Ansonsten gehört dieses Buch eindeutig zu meiner Top 10 Liste.
jörg zu »Lee Child: Die Abschussliste« 22.06.2006
dumm, jetzt habe ich mit diesem werk angefangen. Mir gefällt der stil ganz gut und die stories sind nett. macht es sinn die anderen bücher chronologisch zu lesen? oder stört das den genuss nicht?
Anke Alvarez Campos zu »Lee Child: Die Abschussliste« 23.05.2006
Ich bin seit "Größenwahn" ein absoluter Fan von Lee Child und konnte mich nun endlich auf sein neues Buch stürzen, leider war nach einer Woche schon die letzte Seite erreicht!! Ich finde seine Figur "Jack Reacher", klasse, wenn man/frau die nicht so sehr auf die Goldwaage legt. Es ist eben eine Fantasiefigur, aber eine gute, finde ich. Lee Child versteht es, seine Leser zu fesseln und die Spannung steigt stetig bis zum Ende des Buches. Auch dieses Mal sehr gut zu lesen, allerdings mal nicht so viel "rohe Gewalt", auch gut. Kurz um: ich freue mich schon wahnsinnig auf des nächste Buch, auf das wir deutschen Leser leider immer viel zu lange warten müssen!!!
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