Der Hypnotiseur von Lars Kepler

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2010 unter dem Titel Hypnotisören, deutsche Ausgabe erstmals 2010 bei Lübbe.
Ort & Zeit der Handlung: Schweden / Stockholm, 1990 - 2009.

  • Stockholm: Bonnier, 2010 unter dem Titel Hypnotisören. 571 Seiten.
  • Köln: Lübbe, 2010. Übersetzt von Paul Berf. ISBN: 978-3-7857-2426-2. 638 Seiten.
  • [Hörbuch] Köln: Lübbe Audio, 2010. Gesprochen von Wolfram Koch. ISBN: 3-7857-4373-4. 6 CDs.

'Der Hypnotiseur' ist erschienen als Hardcover Hörbuch

In Kürze:

An einem Sportplatz vor den Toren Stockholms wird die Leiche eines brutal ermordeten Mannes entdeckt. Kurz darauf werden Frau und Tochter ebenso martialisch abgeschlachtet im Haus der Familie aufgefunden. Offenbar wollte der Täter die ganze Familie auslöschen. Doch der Sohn überlebt schwer verletzt. Als Kriminalkommissar Joona Linna erfährt, dass es ein weiteres Familienmitglied gibt, eine Schwester, wird ihm klar, dass er die Frau vor dem Mörder finden muss. Joona Linna setzt sich mit dem Arzt und Hypnotiseur Erik Maria Bark in Verbindung. Er hofft, dass unter Hypnose der kaum ansprechbare Junge den Täter beschreiben kann. Bark hatte sich jedoch geschworen, nie mehr zu hypnotisieren, aber hier geht es um ein Menschenleben. Und es gelingt ihm tatsächlich, den Jungen unter Hypnose den Tathergang beschreiben zu lassen. Damit nimmt eine fatale Kette von Ereignissen ihren Lauf.

Das meint Krimi-Couch.de: »Hör’ auf mich, glaube mir. Augen zu, vertraue mir!« 86°Treffer

Krimi-Rezension von Jochen König

Eine bestialisch niedergemetzelte Familie und ein schwerverletzter Überlebender machen Kommissar Joona Linna schwer zu schaffen. Zudem gibt es noch eine Tochter, die nicht auffindbar ist. Um zu verhindern, dass der Täter ein weiteres Mal zuschlägt, muss der fünfzehnjährige Sohn Josef im Krankenhaus vernommen werden. Bedauerlicherweise schließen seine Verletzungen eigentlich eine zeitnahe Befragung aus. Doch wie wäre es mit einer Hypnose? Der Idee folgt die Tat und der Psychologe und Hypnotiseur des Titels Erik Maria Bark wird von Linna solange unter Druck gesetzt, bis er das Verhör unter Hypnose vornimmt. Etwas, dass er zehn Jahre zuvor als Resultat dramatischer Ereignisse kategorisch ausgeschlossen hatte.

Die Befragung ist ein Erfolg, aber der Bruch seines Versprechens wird für Bark und alle Beteiligten ein schwerwiegendes Nachspiel haben.

Lars Kepler ist ein Pseudonym, hinter dem sich das schwedische Ehepaar Alexandra Coelho und Alexander Ahndoril ohne große Geheimniskrämerei verbirgt. Der Hypnotiseur ist ihr Debüt. Ein höchst gelungenes und wagemutiges noch dazu.

In Leserbefragungen kommt oft zur Sprache, dass viele (Krimi)-Leser eins noch weniger schätzen als die personale Ich-Perspektive: Romane, die im Präsens geschrieben sind. Und genau dies ist beim 638 Seiten starken Der Hypnotiseur der Fall. Wenn man von einer 140-seitigen Rückblende in Vergangenheitsform absieht. Was noch ein Handicap für ein erfolgreiches Debüt sein könnte. Der Hypnotiseur ist ein wahrhaft verschachtelter Roman. Die Ausgangstat wird ziemlich schnell aufgeklärt. Nicht mal hundert Seiten braucht es, bis der Täter feststeht, der das Ehepaar Ek und die jüngste Tochter brutal ermordet und zerstückelt hat. Daraus entwickelt sich ein gänzlich anderer Fall, der weit in die Vergangenheit reicht, jetzt in die Gegenwart hineinwirkt und noch einige Nebenschauplätze mit sich bringt.

Es ist faszinierend zu lesen wie Kepler all diese Fäden aufnimmt, ver- und entwirrt, mit einer Vielzahl von Protagonisten aufwartet, ohne in Chaos und Abstrusität zu versinken. Selbst die Darstellung der verschiedensten Psychosen gerät den Autoren nicht zur selbstbefriedigenden Freakshow. Die Figuren handeln in Wahnsinn wie Vernunft glaubhaft. Dabei wirken die eher positiv konnotierten Protagonisten mitunter befremdlicher als ihre psychotischen Pendants, die wenigstens konsequent und berechenbar agieren.

Ausnahme ist der freundliche Polizist Joona Linna, der allerdings in einer seltsam distanzierten Liebes(?)-Beziehung lebt und einmal zu oft um Selbstbestätigung bittet. Aber für einen skandinavischen Kriminalbeamten ist er erfreulich gefestigt und problemfrei.

Was man von Erik Maria Bark nicht behaupten kann. Erst gefeiert, dann gefeuert; statt der Hypnose zu neuer Bedeutung bei der Heilung psychischer Defekte zu verhelfen, wird Bark unfreiwillig zum Totengräber seiner eigenen Forschung. Gleichzeitig gerät seine Ehe wegen eines eher verzweifelten denn lustbetonten Seitensprungs in eine Krise, die die nächsten zehn Jahre nachwirkt. Was zum großen Schwachpunkt des Romans führt: Simone Bark. Leidende Mutter (Sohn Benjamin ist Bluter), eifersüchtige Gattin, die die Nachtigall schon trapsen hört, wenn die Eier noch nicht einmal ausgebrütet sind. Ihre Hysterie und Verzweiflung ist zwar nachvollziehbar, aber nichtsdestotrotz nervend. Das Bark diese Mixtur aus stillem Vorwurf und aufgeregter Anklage zehn Jahre stoisch ausgehalten hat, ohne seine Frau zu verlassen oder aus dem Fenster zu schmeißen, zeugt von einer fast pathologischen Loyalität oder wahrer Liebe. Dass man den Autoren diese Anhänglichkeit abnimmt, zeugt von ihrem erzählerischen Können. Selbst als Simone eine Grenze überschreitet, der ihr Mann nur kurz nahe gekommen ist, steht Erik ihr bei. Geschickt lässt Kepler offen, ob dies aus Bestrafung oder Liebe geschieht. Wie auch am Ende eher ein vager Hoffnungsschimmer am Heiligen Abend, als ein ausgewachsen pathetisches Happy End steht.

So ergibt sich Summa Summarum ein hervorragendes Debüt mit kleinen Schwächen. Neben der Schnepfe Simone, ist das vor allem die Frage wie ein Wissenschaftler derart unbedarft an eine große Forschungsarbeit herangehen kann wie Erik Maria Bark. Gruppenhypnose mit mehreren psychisch äußerst labilen Probanden ohne Absicherung durch kontrollierende Assistenten und Kollegen scheint kaum denkbar – besonders nicht für das finanzierende Institut. Zu groß ist die Gefahr, dass aus einem Höhenflug ein freier Fall wird. Hier wird die Realität der Dramaturgie geopfert. Aber wir drücken beide Augen zu, weil es funktioniert. Denn der Hypnotiseur verliert den Boden unter den Füßen und bekommt ihn kaum je wieder zu spüren. Davon erzählt Lars Kepler gleichzeitig vertrackt und hochgradig spannend; hat zudem einige tiefsinnige wie hinterhältige Pointen auf Lager, flirtet geschickt mit Populärkultur und gibt auch wahnwitziger Gewalt ihren Raum, ohne auf den bloßen vordergründigen, grafischen Effekt bedacht zu sein. Dass sich dazu die Vermeidung allzu bekannter Klischees skandinavischer (Kriminal)-Romane gesellt sowie der Mut auf einen eindeutigen und die Geschichte allein tragenden Sympathieträger zu verzichten nötigt Respekt ab.

Und macht Lust auf das, was noch folgen mag. Obwohl Erik Maria Bark logischerweise im Zentrum der Erzählung steht, dürfte mit Joona Linna ein überzeugender Seriencharakter geboren sein. Warten wir es gespannt aber gelassen ab.

Jochen König, Januar 2011

Ihre Meinung zu »Lars Kepler: Der Hypnotiseur«

Helfen Sie anderen Lesern, indem Sie einen Kommentar zu diesem Buch schreiben und den Krimi mit einem Klick auf die Säule des Thermometers bewerten. Und bitte nehmen Sie anderen Lesern nicht die Spannung, indem Sie den Täter bzw. die Auflösung verraten. Danke!

Olivia zu »Lars Kepler: Der Hypnotiseur« 05.05.2012
Also ehrlich gesagt fand ich das Buch gar nicht mal so schlecht. Der Anfang war schon ein bisschen ermüdend zu lesen, aber das Thema mit dem Jungen war an sich gut.Was ich aber ehrlich gesagt nicht gut fand war , dass es dann im Buch nur noch um den entführten Sohn ging und der Junge der mordete zu kurz kam. Das hat mich schon genervt, und es hat mir zu lange gedauert bis sie den entführten Sohn endlich gefunden haben.Zusammengefasst der Teil mit dem Jungen und seiner Schwester ist echt lobenswert, aber zum Ende wurde es langweilig mit der Vergangenheit. Und die Ehefrau von dem Hypnotiseur war echt nervig.Ich konnte das Buch schon verstehen, aber ich muss mich immer wieder darum beklagen, dass der Junge zu kurz kam, obwohl immer von ihm erzählt wurde. Nirgendwo stand es, dass dann der Sohn des Hypnotiseurs entführt wurde. Ich finde es sollte mehr um das handeln, was hinten oder auf dem Buchumschlag steht.
Pe zu »Lars Kepler: Der Hypnotiseur« 12.04.2012
Hab LK als Hörbuch gehört und war angenehm überrascht. Glaubhafte Charaktere, stilistisch einwandfrei. Gerade die Hypnosesitzungen kamen mir gut beobachtet vor und hatten eine eigene Spannung. Mit SL würde ich den Roman keinesfalls vergleichen. Obwohl ich Stieg Larsson auch gut finde. Eher fällt mir als Referenz, wenn man nach einer denn überhaupt sucheln sollte, Karin Fossum, Kerstin Ekman ein. Vielleicht auch etwas Ake Edwardson.
Ich würde zumindest das Hörbuch (den Roman habe ich ja nicht gelesen) ohne weiteres empfehlen!
peter zu »Lars Kepler: Der Hypnotiseur« 13.12.2011
Gott sei Dank.
ich habe schon an mir gezweifelt,so einhochgejubeltes Debü,dabei habe ich mich
permanent gelangweilt und gefragt,warum
tust Du Dir das an.Dank an ca. 80%der Leser-ich bin nicht allein,ein kleiner Trostbleibt mir-die netten Kollegen von Bastei
haben mir den Titel auf der Buchmesse/Fr.
als Leseex.geschenkt!
frodo11111 zu »Lars Kepler: Der Hypnotiseur« 19.10.2011
Eine sehr verworrene Geschichte. Nicht wirklich spannend. Lediglich zum Ende hin nimmt die Geschichte etwas Fahrt auf.
Der Schreibstil ist nicht in meinem Sinne, oder anders ausgedrückt, er fesselt mich nicht. Ich habe das Buch nur ausgelesen, weil es so hochgepriesen wurde. Die Beschreibung der Hypnosesitzungen hätte man kürzen können.
baiba zu »Lars Kepler: Der Hypnotiseur« 05.10.2011
Dieses Buch war mir wärmsten empfohlen worden als Top-Neuheit.aber schon nach gut 15o Seiten war ich derart gelangweilt...und hatte eine genaue Vorstellung davon wer´s war...ich blätterte vor und siehe da: ich behielt recht..
Ganz ehrlich: ich mag Krimis, bei denen ich bis zuletzt im Dunkeln tappe, viel lieber. Überraschende Wendungen und cliffhanger gehören ebenso zu einem guten Thriller, wie einfallsreiche Fuguren. Hier blieben alle fade und das familienleben des Hypnotiseurs war mir viel zu klischeehaft.
Auch merkt man, dass sich hinter dem Pseudonym zwei Leute verbergen. Das ist ja z. Zt. en vogue. Bei manchen gelingt das aber. Hier leider weniger. Man merkt genau, dass zwei unterschiedliche Leute schreiben. Sollte nicht sein. Alles in allem: gut, dass ich das Buch gratis bekam, sonst würd´s mich ärgern, so viel gezahlt zu haben und so wenig dafür bekommen zu haben.
Insa zu »Lars Kepler: Der Hypnotiseur« 07.09.2011
Auch ich kann die 86° nicht nachvollziehen. Die gesamte Story wirkt eher unrealistisch und das Drama der ermordeten Familie, welches sich über die ersten ca. 200 Seiten erstreckt, dient doch mehr oder weniger nur, um der danach erzählten Geschichte eine Daseinsberechtigung zu geben.
Alles in allem sehr unrealistisch, langatmig und gar nicht spannend. Wortwahl auch eher kurios (dies allerdings auf eher weniger gute Übersetzung zurückzuführen).
Ich habe es meinen Bekannten nur zum Lesen gegeben, damit ich mit jemandem über das Buch herziehen kann! ;)
tedesca zu »Lars Kepler: Der Hypnotiseur« 02.09.2011
Lars Kepler, eigentlich ein Deutscher, hat einen erstklassigen Skandinavienkrimi geschrieben. Es stimmt die Atmosphäre, die Figuren haben Hand und Fuß, der Stil ist sachlich und die Themen sind durachaus auch als aktuell zu betrachten. Vor allem die Art und Weise, wie manche Jugendliche ihre Zeit vor dem PC verbringen und in Fantasiewelten leben, die bald einmal zur Realität werden können.

Ein zentrales Thema ist natürlich die Hypnose, deren Methoden und Wirksamkeit in der Psychotherapie von mehreren Seiten beleuchtet und hinterfragt wird. Im Zentrum der Geschichte steht Erik Maria Bark, der mittels der Hypnose einem Menschen das Leben retten soll, was letztendlich zum Desaster führt.

Alles in allem ein solider Thriller mit viel Spannung und grundsätzlich stimmiger Handlung, sehr gut gelesen von Simon Jäger. Eine Empfehung für Thrillerfans ist dieses Buch auf jeden Fall. Das Hörbuch gibt es gekürzt auf CD und ungekürzt exklusiv bei audible.de
sofie zu »Lars Kepler: Der Hypnotiseur« 23.08.2011
Moin,
Treffer? 86 Grad? Also diese Wertung kann ich leider nicht nachvollziehen. Der Plot ist doch sehr unglaubwürdig; das Beziehungsgedönse nicht minder. Allein duch den symphatischen Joona Linna (LeserINNEN-Bonus ;-) ) heizt mein Kessel gerade mal auf lauwarme 50 Grad.
Keine Leseempfehlung!
Sofie
Armin zu »Lars Kepler: Der Hypnotiseur« 20.03.2011
Aufgrund der medialen Kaufempfehlungen habe auch ich mir dieses Buch von den "beiden Autoren Lars Kepler" gekauft. Als ich nun die Meinungen zu diesem Buch hier auf Krimi-Couch gelesen habe, so kann ich "beiden Lagern" etwas abgewinnen: das Buch fängt mit einer starken Ausgangslage an, verliert sich aber dann meiner Meinung nach mit den weiteren Handlungssträngen. Die einzelnen Handlungsstränge habe ich wiederum sehr spannend gefunden, was mich auch immer am Ball bleiben liess, jedoch hatte ich das Gefühl, dass keiner der Handlungsstränge, und meiner Meinung nach auch der Schluss nicht, richtig zu Ende erzählt wurde. Schade, trotzdem werde ich "Lars Kepler" im Auge behalten, denn gerade die Entstehung des Buches mit den beiden Autoren, die sich gegenseitig immer ihre Kapitel weitergeschrieben haben, finde ich extrem spannend.
0 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Rinquinquin zu »Lars Kepler: Der Hypnotiseur« 27.02.2011
Nein, mit diesem Buch kam ich nicht klar. Die Handlung ist mir zu verschachtelt. Noch dazu kommen einige Akteure, deren Handlung mir unbegreiflich ist. Bark nagelt sich ständig mit Schlaftabletten zu, als er einen klaren Kopf nötiger hätte. Simone ("Schnepfe", toll!!) reagiert übertrieben, die beiden sprechen nicht viel miteinander und schon muss wieder einer weg. Das ist zwar angesichts der Verzweiflung ein wenig nachvollziehbar, aber doch nur ein wenig. Simones Papa taucht auf, um dann wieder in der Versenkung zu verschwinden. Die Verwirrung war bei mir grösser als dass ich Freude an der Entwirrung gehabt hätte.

Joona Linna, freundlich und bemüht, muss sich mit widerspenstigen Mitarbeitern herumschlagen. Sehe ich das unrealistisch oder dauert es wirklich Tage, bis ein Telefonanruf geortet werden kann?

Irgendwann sind mir die Fäden etwas entglitten, mein Interesse war abgeflaut. Das dramatische Ende musste wohl sein, um noch was Gutes zu bringen.

Dies sind nur die ersten 10 Kommentare von insgesamt 12.
» alle Kommentare anzeigen

Ihr Kommentar zu Der Hypnotiseur

Hinweis: Fragen nach einem fertigen Referat, einer Inhaltsangabe oder Zusammenfassung werden gelöscht.

Seiten-Funktionen: