Engelshaar von
Buchvorstellung und Rezension
Bibliographische Angaben
Originalausgabe erschienen 2004
bei Piper.
Ort & Zeit der Handlung: Deutschland / Frankfurt/Main, 1990 - 2009.
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München; Zürich: Piper, 2004.
ISBN:
3-492-27080-8. 288 Seiten. -
München; Zürich: Piper, 2006.
ISBN:
978-3-492-24736-8. 317 Seiten.
'Engelshaar' ist erschienen als
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In Kürze:
Für die einfühlsame Polizeipsychologin Hannah Roosen ist es das Schwerste: die Todesnachricht zu überbringen – erst recht, wenn das Opfer noch ein halbes Kind war, kaum älter als Hannahs eigener Sohn. Die Ermittler treten auf der Stelle. Klar ist nur: Die 16jährige Jelena aus Kirgisien ist nicht an einer Überdosis gestorben, sondern an zuviel Wasser in den Lungen. Aber wie in Gottes Namen ertrinkt man mitten in Frankfurt? Was weiß Jelenas beste Freundin? Und welche Rolle spielt die religiöse Aussiedlergemeinde, die in altertümlichem Deutsch Offenbarung, Antichrist und Verdammnis prophezeit?
Das meint Krimi-Couch.de: »Ganz und gar unamerikanisch«
Krimi-Rezension von Sabine Reiss überspringen
Die Hitliste bei den deutschen Krimis wird scheinbar nur von wenigen Autoren beherrscht und neue Autoren haben es wohl schwer, zu einem großen Publikum durchzudringen. Ein Merkmal, das zumindest meine Aufmerksamkeit erregt, ist der Handlungsort Frankfurt. Natürlich hat man immer einen besonderen Bezug zu dem Ort, an dem man lebt und so fiel mir der Roman »Engelshaar« von Krystyna Kuhn in die Hände.
Hannah Rosen, von Beruf Psychologin, hadert mit ihrem Beruf, da sie eine Selbstmörderin nicht davon abhalten konnte, von einem Kran zu springen. Sie will auch keine Todesnachrichten mehr überbringen, aber gerade darum bittet sie Kommissar Ron Fischer. Die Leiche der jungen Aussiedlerin Jelena Epp aus Kirgisien ist in ihrer Wohnung in einem Frankfurter Stadtteil aufgefunden worden und Hannah soll ihren Eltern beibringen, dass ihre Tochter tot ist. Die Eltern, gläubige Mennoniten, reagieren angespannt. Jelena war aus ihrer Gemeinde ausgeschlossen worden, weil sie sich mit deren Grundsätzen nicht abfinden konnte und mit einem jungen Russen zusammenlebte, von dem sie auch ein Kind erwartete. Hannah Rosen befasst sich dann auch in ihrem neuen Job bei einer gerade gegründeten Sonderkommission mit dem Mordfall. Sie sucht sogar auf eigene Faust nach Jelenas Freundin Marina, von der sie sich Hilfe bei der Aufklärung erhofft, doch diese bleibt verschwunden, nachdem sie sie nur kurz vor Jelenas Wohnung gesehen hatte.
Frankfurt, wie es leibt und lebt
Gerade wenn man in der Stadt lebt, in der eine Geschichte angesiedelt ist, achtet man sehr auf die Schilderungen der Umgebung. Krystyna Kuhn versucht nicht, durch besonders viele Beschreibungen der Stadt ein realistisches Bild zu erzeugen, was meist übertrieben wirkt, sondern bei ihr verschmilzt der Handlungsort mit der Geschichte. Wahrscheinlich könnte der Roman genauso gut in jeder anderen deutschen Großstadt spielen, doch hier passt alles. Wer Frankfurt kennt, wird es in diesem Buch wiederfinden.
Auch die Sprache ist ansprechend und relativ geradlinig. Gerade an deutschen Romanen stört mich die Sprache komischerweise oft besonders, doch Krystyna Kuhns Stil gefällt mir, weil er meist ungekünstelt ist, von einigen witzigen Vergleichen einmal abgesehen: »Wie der Dreck der Straße auf meinen Schuhen klebte, lag das Leid der Welt auf meinen Schultern. Der heilige Christophorus war nichts dagegen...« heißt es z.B. an einer Stelle (S. 287). Sie lässt die Protagonistin selbst erzählen, was sie denkt, was sie fühlt und was sie erlebt. Auch hier Privatleben nimmt einen kleinen, angemessenen Teil ein. Nur ab und an gibt es Kapitel, die schildern, was Marina, Jelenas Freundin, gerade widerfährt, aber ohne zuviel zu verraten.
Ruhig und realistisch
Insgesamt hat mir die Story recht gut gefallen, nicht reißerisch, sondern ruhig, realistisch und auch interessant. Gerade die Details über die Glaubensgemeinschaft und deren strenge Regeln werden sehr eindringlich geschildert. Nur schade, dass sich im Mittelteil kleine Längen eingeschlichen haben, wo die Ermittlungen wirklich auf der Stelle treten und damit die Spannung ein wenig hängen bleibt. Dennoch, »Engelshaar« ist eine Empfehlung wert, sicherlich nicht für jedermann, aber – ohne hier starke Parallelen herstellen zu wollen – Anhänger von Anne Holt oder Leena Lehtolainen könnten einen Ausflug nach Frankfurt wagen.
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| Gisela zu »Krystyna Kuhn: Engelshaar« | 23.03.2005 |
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| Gertrud zu »Krystyna Kuhn: Engelshaar« | 22.03.2005 |
| Daniel Lienhard zu »Krystyna Kuhn: Engelshaar« | 07.02.2005 |
| Silke Schroeder zu »Krystyna Kuhn: Engelshaar« | 14.01.2005 |

