Krimis aus Spanien & Portugal

Wo der Polizist als Held (noch) undenkbar ist

Ihre beliebtesten Krimis aus Spanien & Portugal

Spanien

Der Krimi genießt in Spanien große Beliebtheit, sein erfolgreichster Vertreter ist der 2003 verstorbene Manuel Vázquez Montalbán mit seinem Protagonisten Pepe Carvalho. Doch hatten die Spanier bis in die siebziger Jahre wenig zu lachen: Es gab unter Franco einfach keine realistisch vom Verbrechen erzählende Literatur; »die Arbeit der Kriminalpolizei zu beschreiben, die zugleich auch als politische Polizei Regimegegner jagte und folterte, war deshalb natürlich völlig ausgeschlossen« erläutert »Die Welt«.

Nach Ende der literarischen Zensur stürzten sich junge spanische Autoren wie eingangs erwähnter Montalbán, zu dessen Ehren der Italiener Andrea Camilleri seinen Protogonsten »Montalbano« nannte, Juan Madrid oder Andreu Martín auf das Genre. Jedoch wählte keiner den Polizisten als Helden – zu frisch die Erinnerungen an die Zeit unter Franco, zuwenig konnten sich spanische Leser mit den Staatsdienern identifizieren. Es dauerte bis zum Januar 2000, bis der Ruf wenigstens literarisch wiederhergestellt war: Lorenzo Silva , geboren 1966, erhielt für seinen Krimi Der ungeduldige Alchimist den renommierten Preis »Premio Nadal« – Protagonisten waren ausgerechnet ein Duo der Guardia Civil.

Der Autorin Alicia Giménez-Bartlett gelang schließlich das für fast undenkbar gehaltene: Ihre Protagonisten, die intellektuelle Theoretikerin Inspectora Petra Delicado und ihr Kollege Fermín Garzón, Polizist alten Schlages noch aus der Franco-Zeit, ermitteln nicht nur äußerst erfolgreich in ihren Büchern – das spanische Fernsehen machte aus dem ungleichen Polizistenpaar sogar eine TV-Serie.

Im gleichen Atemzug wie Vàzquez Montalbàn muss nun auch Arturo Pérez-Reverte Der Club Dumas gelang ihm die Vorlage für den Hollywood-Kassenknüller »Die neun Pforten« (mit Johnny Depp in der Hauptrolle). genannt werden, überhaupt einer der erfolgreichsten Autoren der spanischen Gegenwart. Pérez-Reverte streift genüsslich durch die Genres, schreibt Seefahrer-Romane so gut wie Krimis und mit

Mehr über den Krimi in Spanien:

  1. Buschmann, Albrecht: »Staatsbeamte – nein danke«. In: DIE WELT, 05.02.2000.
  2. —: »Der spanische Kriminalroman: Genreliteratur zwischen Diktatur und Demokratie«. In: Hispanorama, Nr. 64 (Juni 1993), S. 64-70.
  3. Craig-Odders, Renée W.: The Detective Novel in Post-Franco Spain: Democracy, Disillusionment, and Beyond. New Orleans: University Press of the South, 1996.
  4. Ehrlicher, Hanno: »Wendezeiten. Spaniens gesellschaftlicher Wandel im Blick der Kriminalliteratur«. In: Franchechini, Bruno (Hrsg.) und Carsten Wührmann (Hrsg.): Verbrechen als Passion. Neue Untersuchungen zum Kriminalgenre, Berlin: Weidler, 2004.

Portugal

Die Riege der portugiesischen Krimiautoren ist dünn gesät, um nicht zu sagen: Es gibt nur einen Portugiesen, der Krimis schreibt, die bisher in deutscher Sprache veröffentlicht wurden. Die Größe des Landes mag eine Rolle spielen, vielleicht kommen die Leser aber auch erst nach und nach auf den Geschmack. Nach Schweden und Italien könnten wir uns doch nun der iberischen Halbinsel zuwenden …

Der Portugiese Francisco José Viegas läßt seine beiden Kommissare Jaime Ramos und Filipe Castanheira ermitteln. Die beiden sind in verschiedenen Städten beheimatet, der eine auf den Azoren und der andere in Porto. Neben dem eigentlichen Fall bekommt der Leser noch eine ganze Menge »Saudade« zu spüren, das ist die schwermütige Grundstimmung, Sehnsucht, Wehmut, die eng mit dem Fado verbunden ist.

Weil Portugal ein so schönes Land ist, hat der Brite Robert Wilson nicht nur seinen Wohnsitz dort gewählt, sondern zwei Romane mit dem Schauplatz Portugal ausgestattet: Für seinen fünften Roman Tod in Lissabon wurde er mit dem Golden Dagger Award und mit dem deutschen Krimipreis ausgezeichnet. Weitere Gäste im Land sind der für seine Vatikan-Thriller bekannte Thomas Gifford (Escudo), der Italiener Antonio Tabucchi, der normalerweise nicht im Krimi-Genre beheimatet ist sowie Richard Zimler (sein Roman spielt im Portugal des 16. Jahrhunderts).

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