Krimis aus Afrika

Die Faszination des schwarzen Kontinents - oder: die kriminalliterarische Kolonisierung

Denk ich an Afrika, denk ich an Mankell, der allerdings Schwede ist. Aber nicht nur dieser bekannte Zeitgenosse hat den schwarzen Kontinent zu seiner Wahlheimat erkoren und Afrika als einen von mehreren Schauplätzen in seinen Büchern gewählt. Bei eifriger Recherche findet man jedoch auch einige Krimis, die aus der Feder von einheimischen Autoren stammen, die sich allerdings schwer damit tun, ausschließlich Kriminalromane zu schreiben.

An erster Stelle wäre hier der Südafrikaner Wessel Ebersohn zu nennen. Sein Protagonist Yudel Gordon übt als Polizeipsychologe Systemkritik zur Zeit des Apartheid-Regimes in Südafrika. Seine Bücher konnten daher nur in London erscheinen, ebenso wie die des Briten James McClure, der 1939 in Johannesburg geboren wurde und lange in Südafrika lebte. Er läßt den weißen Lieutenant Tromp Kramer und den Bantu Detective Sergant Mickey Zondi ermitteln und es ist der Schwarze, der den Weißen und ihren Verbrechen auf die Spur kommt. James McClure ist sicherlich einer der bedeutendsten und populärsten Krimiautoren für aus dem schwarzafrikanischen Bereich.

Hinter dem Pseudonym Yasmina Khadra steht der 1956 geborene algerische Autor und ehemalige hohe Offizier der algerischen Armee Mohammed Moulessoul, der seit vergangenem Jahr zusammen mit seiner Familie im französischen Exil lebt. Für seinen Roman Herbst der Chimären kam er auf Platz 2 beim Deutschen Krimi-Preis 2002 in der Sparte International.

Gillian Slovo ist Autorin zahlreicher Romane und Schöpferin der Detektivin Kate Baeier, Heldin einer Reihe erfolgreicher Krimis, von denen Tod eines Therapeuten (1994) sowie Tödliches Staccato (1995) auch auf Deutsch erschienen. Sie ist Tochter der legendären weißen Bürgerrechtler Joe Slovo und Ruth First und wurde in Johannesburg geboren.

Sonne Liebe Tod von Mongo Beti, der 1932 in Kamerun geboren wurde und lange im französischen Exil als Latein- und Griechischlehrer lebte, spielt in einem fiktiven afrikanischen Land, das seit Jahrzehnten unter einer Diktatur leidet – eine bissige Gesellschaftssatire und nur am Rande ein Kriminalroman. Die Wilderer von Meja Mwangi ist dagegen ein geradezu klassischer roman noir, mit 22 Jahren Verspätung ins Deutsche übersetzt.

Auch deutschsprachige Krimiautoren haben sich bei der Darstellung der Dritten Welt um einen vorurteilslosen Blick bemüht. Bei dem Schweizer Peter Höner, der fünf Jahre in Afrika lebte, arbeiten ein Schweizer Privatdetektiv und ein kenianischer Kommissar erfolglos zusammen gegen schweizerisch-afrikanische Wirtschaftskooperationen, die wie geschmiert laufen: Korruption.

Mit seinen Büchern um die Detektivin Mma Ramotswe möchte Alexander McCall Smith u.a. die positiven Seiten Afrikas mehr in den Blickpunkt rücken. Und, man ahnt es schon: McCall Smith ist Brite.

Bleibt festzustellen: Der schwarze Kontinent stellt auch als Schauplatz in der Kriminalliteratur eine besondere Faszination dar, insbesondere und offensichtlich für europäische Autoren. Dass einheimische Autoren noch in der Unterzahl sind, darf keinen angesichts der Irrungen und Wirrungen des Postkolonialismus, der bitteren Armut und der dadurch flächenmäßig zu niedrigen Bildung, ernsthaft verwundern. Umso wichtiger, dass es Verlage wie den schweizer Unionsverlag gibt, der im Rahmen seiner metro-Reihe schwarzafrikanische Krimis den deutschsprachigen Lesern zugänglich macht. Und man darf gespannt sein, was Herausgeber Thomas Wörtche an weiteren Krimiperlen entdecken wird. (bee)

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