Straßenpizza von Kinky Friedman

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1997 unter dem Titel Roadkill, deutsche Ausgabe erstmals 2000 bei Piazza.
Ort & Zeit der Handlung: USA / New York, 1970 - 1989.

  • New York: Simon & Schuster, 1997 unter dem Titel Roadkill. 252 Seiten.
  • München: Piazza, 2000. Übersetzt von Ulrich Blumenbach. ISBN: 3-453-17283-3. 284 Seiten.
  • München: Heyne, 2002. Übersetzt von Ulrich Blumenbach. ISBN: 3-453-19894-8. 284 Seiten.

'Straßenpizza' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Kinky, Countrysänger und Privatdetektiv, hat einen neuen Fall: Willie Nelson hat mit seinem Tourbus »Honeysuckle Rose« einen betrunkenen Indianer überfahren – einen Medizinmann – und jetzt glaubt Willie, dass er Opfer eines alten Fluchs geworden ist und der Alte ihn in die Ewigen Jagdgründe befördern will.

Das meint Krimi-Couch.de:


»I’m proud to be an asshole from El Paso«

(K. Friedman)

Kinky Friedman, laut amerikanischer Women´s Lib – Bewegung »Chauvi – Schwein des Jahres 1974«, Exzentriker, Macho, Selbstdarsteller, fleißigster Arbeiter am eigenen Kult – Status, macht sich folgerichtig selbst zum Protagonisten seiner Bücher. Kinky spielt Kinky. Und der ist ein ehemaliger Countrysänger und ein etwas abgewrackter Detektiv.

In diesem Buch erlebt er zunächst seinen Blues: Seit längerer Zeit ohne Aufträge, ohne Freundin, nur mit Katze, Whisky, Espressomaschine und Zigarren haust er in seinem Loft in New York. Da erscheint ihm im Spiegel »Der Zigeuner seine eigenen Seele« und schlägt einen Tapetenwechsel vor. Er muss einfach raus aus der Stadt. Wie früher, wieder auf Tour gehen. Ein Anruf bringt die Entscheidung: Es ist Lana Nelson, die Kinky sogleich mit ihrem Vater Willie Nelson verbindet. Der ist eine wahre Legende in der Country Music. Willie schlägt Kinky vor, ihn auf seinem Tourbus, der Honeysuckle-Rose, zu begleiten.

Mit Country-Legende Willie Nelson stimmt etwas nicht

Doch kaum an Bord, merkt Kinky, dass etwas nicht stimmt. Willie Nelson ist nicht mehr der alte, er hat offensichtlich ein Problem. Sein Bandkollege Ben Dorsey bestätigt Friedman, dass rätselhafte Dinge geschehen, seit die Honeysuckle Rose einen Indianer überfahren und getötet hat (Daher der nicht sehr originelle Titel »Straßenpizza«, im Original heißt das Buch »Roadkill«). Nelson war immer ein großer Freund der Indianer und ist öffentlich für ihre Anliegen eingetreten. Das Opfer war sogar ein echter Medizinmann, er fürchtet daher die Rache der Indianer. Seine Angst steigert sich, als ihm ein aus Wildleder gefertigter indianischer Zauberbeutel zugespielt wird und Drohbriefe eintreffen. Dann wird ein Bandmitglied in Indianerart angeschossen, der Anschlag galt aber Willie Nelson. Ein weiterer Bandkollege wird bei einem Autounfall mit Fahrerflucht getötet.

Kinky startet seine Ermittlungen, doch er ist von der Indianergeschichte nicht so ganz überzeugt und recherchiert auch bei Willies zahlreichen Exfrauen, der Mafia und der Polizei. Ein Konzerttermin in New York nähert sich und Kinky weiß, das der Killer dort erneut zuschlagen möchte, diesmal wird Willie Nelson das Opfer sein. Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt …

Das Kultobjekt, der unflätige Rüpel, der alkoholisierte Philosoph

Kinky Friedman ist ein Kultobjekt, und er weiß, was er seinem Publikum schuldig ist. Er ist der Macho, der unflätige Rüpel, der alkoholisierte Philosoph. Er erfüllt die in ihn gesteckten Erwartungen fast mit einer paradoxen Bravheit. Er pöbelt, zieht über Frauen her, über die Polizei, die Kirche und ihre Päpste, die Country Music-Szene, den Faschismus, streut gelegentlich eine Bemerkung über Hitler ein, also alles das, womit man als böser Bub seine Eltern erschrecken kann.

Dabei läuft er aber Gefahr, dass man seine Bücher nur als originelle Sprüchesammlung liest, sozusagen von Zitat zu Zitat eilt und von der eigentlich sehr dünnen Handlung nicht viel mitbekommt. Denn Humor hat er. Ich gebe zu, dass manches sehr originell formuliert ist, Friedman ist dort am Besten, wo er seine Wortkanonaden wie aus dem Stegreif quasi aus dem Ärmel schüttelt. Dabei passieren ihm aber schon mal Banalitäten, Zwangswitze, Binsenweisheiten oder vordergründige Sentimentalitäten.

Erstaunliche Gedankentiefe in einigen Abschnitten

Seinen Sprachfluss ordnet er in kurze, überschaubare, formal etwas bieder gestrickte Kapitel. Streckenweise liest sich das Buch auch wie eine Hommage an Willie Nelson, zu dem der Autor offenbar eine tiefere Beziehung hat. Aber eines hat mich doch überrascht: Gelegentlich gibt es Abschnitte von einer erstaunlichen Tiefe der Gedanken, von einer direkten, unverfälschten Betrachtung der Dinge und kräftigen, unmittelbaren Formulierungen. Etwa das Kapitel über Bob Dylan, über Pater Damien, die Szenen mit Willie Nelson oder die Indianermythen. Da wünschte ich mir schon, Friedman könnte einmal über seinen Schatten springen, aber sein literarisches Talent ist ihm wahrscheinlich völlig egal.

Immerhin erreicht er etwas, was anderen nie gelingen wird: Originalität und Unverwechselbarkeit. Und das ist doch schon gar nicht so wenig.

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Bartensen zu »Kinky Friedman: Straßenpizza« 04.08.2011
Der Kinky wieder ... dieses mal im Gespann mit Willie Nelson auf einem On the Road Trip im Tourbus. Finale in New York City versteht sich. Mit im Gepäck möglicherweise ein indianischer Fluch, ein Zigeuner im Spiegel, jede Menge Aberglauben und mehr als nur eine Unze vom guten alten irischen Jameson im Stierhorn.

Wer Kinky Friedman schon mal gelesen hat weiß, das der Kriminalfall nie wirklich im Vordergrund steht und auch meistens nicht sonderlich gründlich ausgearbeitet ist. Auch hier dient der Fall an sich als Transportmittel für eine Horde an amüsanten und überzeichneten Charakteren und einer Menge witziger Dialoge. Klar gibt es ein paar Tote, sicher ... aber klassische Krimiunterhaltung und Mordsspannung sollte man sich woanders suchen.
Eher sollte man sich auf philosophische Unterhaltungen zwischen Kinky und seiner Katze einlassen ... dabei erfährt man durchaus so einiges über Countrymusik.

Sicher, das hat man das alles schon mal von ihm gelesen ... auch das die Village Irregulars kaum auftauchen kann man durchaus als Minuspunkt werten, dennoch ist Roadkill (der Originaltitel) mal wieder ein unterhaltsames Buch für Zwischendurch geworden.
Nur auf political correctness sollte man jetzt mal nicht soviel Wert legen, ne ;-)
P. Goergler zu »Kinky Friedman: Straßenpizza« 20.02.2011
Hey Ho - alle möglichen Plagiatoren (hey, Dr. zu G.!) wiederholen so oft - auch auf offiziellen Websites - dass die Handlung bei Kinky´s Krimis meist "sehr dünn" sei, und Gefahr bestünde, das Ganze nur als coole Zitatensammlung zu lesen. Das stimmt mit dieser Wucht einfach nicht ! Dies möchte ich mal zu bedenken geben und hoffe, dass Ihr Euch zumindest in den offiziellen Buch-Webseites mit diesem "dünnen" Standardkommentar mal etwas zurücknehmt.

Herzliche Grüsse
Asshole from Bad Cannstatt (AfBC)
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