Das Mädchen aus dem Norden von Katarzyna Bonda

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2014 unter dem Titel Pochlaniacz, deutsche Ausgabe erstmals 2017 bei Heyne.
Ort & Zeit der Handlung: Polen, 2010 - heute.
Folge 1 der Sasza-ZaBuska-Serie.

  • Warschau: Muza, 2014 unter dem Titel Pochlaniacz. 656 Seiten.
  • München: Heyne, 2017. Übersetzt von Paulina Schulz. ISBN: 978-3-453-27074-9. 656 Seiten.
  • [Hörbuch] Köln: RandomHouse Audio, 2017. Gesprochen von Martin Bross Nicole Engeln. gekürzte Ausgabe. ISBN: 3837138453. 2 CDs.

'Das Mädchen aus dem Norden' ist erschienen als TaschenbuchHörbuchE-Book

In Kürze:

Nach einem Aufenthalt im Ausland kehrt die Profilerin Sasza ZaBuska zurück in ihre Heimatstadt Danzig. Sie hat berufl ich und privat viel durchgemacht. Eine verdeckte Ermittlung endete in einer Katastrophe. Verbrennungen und das Trauma einer Geiselnahme blieben zurück. Nun soll Schluss sein mit Verbrechen und unstetem Leben. Sasza erhofft sich ein ruhiges Dasein an der Seite ihrer kleinen Tochter. Doch kaum in Danzig angekommen, erhält sie einen lukrativen Auftrag: Der Inhaber eines Musikclubs bittet sie, die Hintergründe von wiederholten Erpressungen und Morddrohungen aufzudecken. Für die Ermittlerin eine vermeintlich einfache Aufgabe. Kurz darauf gibt es einen Anschlag auf den Club, bei dem ein Mensch stirbt. Sasza ZaBuska beschließt, der Sache auf den Grund zu gehen. Eine Entscheidung, die sie bald bereut.

Das meint Krimi-Couch.de: »Junkies, Schlagersternchen und ein Elefant am Ostsee-Strand« 80°

Krimi-Rezension von Andreas Kurth

Sasza ZaBuska ist eine ehemalige polnische Polizistin, die nach Problemen mit ihrer Alkoholsucht den Dienst quittiert hat und zum Studium nach England ging. Nun kehrt sie als ausgebildete Profilerin mit ihrer kleinen Tochter in ihre Heimat zurück, um in Danzig zu leben. Familie und ehemalige Kollegen beäugen sie äußerst misstrauisch, einzig ihre Mutter freut sich über ihre Rückkehr.

Sasza will für sich und ihre sechsjährige Tochter einen Neustart gestalten, und nimmt einen ungewöhnlichen Auftrag als Profilerin von einem Nachtclub-Besitzer an. Sie soll den Geschäftspartner des Mannes überprüfen, aber nach ihrem Besuch in dem Club gibt es eine nächtliche Schießerei, der Mit-Besitzer wird erschossen, seine Managerin schwer verletzt. Die Polizei steht vor schwierigen Ermittlungen, und Sasza wirkt im Hintergrund an der Aufklärung des Mordes mit. Motive und Beziehungsgeflechte reichen weit in die Vergangenheit zurück – und Sasza muss richtig tief graben.

Polnische Profilerin ist ein kluge und sympathische Person

Das Mädchen aus dem Norden von Katarzyna Bonda war mein erster polnischer Kriminalroman. Mehr als gewöhnungsbedürftig waren bei der Lektüre die Namen und ihre jeweilige Schreibweise, zumal die Autorin ein ziemlich großes Personal-Tableau aufbietet. Aber eine hilfreiche Namensliste am Ende des Buchs sorgt dafür, dass man einigermaßen den Überblick behalten und die einzelnen Figuren einordnen kann. Es dauert auch einige Zeit, bis man die Bedeutung der zahlreichen Figuren für den Fortgang der Handlung richtig einschätzt.

Sasza ZaBuska ist die zentrale Protagonistin in dem rasanten Thriller. Sie wirkt keinesfalls geheimnisvoll, aber viele ihrer Eigenschaften und Erlebnisse aus der Vergangenheit werden dem Leser nur langsam und stückweise enthüllt. Sie hat ein spezielles Verhältnis zu ihrem Dozenten in England, der sie gerne da behalten hätte. Aber sie will mit ihrer geliebten Tochter in ihrer Heimat leben, gegen alle Widerstände von Familie oder ehemaligen Kollegen. Die Profilerin ist ein kluge und sympathische Person, die beim Leser mit vielen ihrer Charakter-Eigenschaften punktet.

Nebenfiguren spielen teilweise eine recht undurchsichtige Rolle

Die interessanten Nebenfiguren sind teilweise in ihrer Bedeutung für die Geschichte schwer einzuordnen. Da ist beispielsweise der langjährige Polizist Robert Duchnowski, den Sasza von früher kennt. Er ermittelt ebenfalls in dem so genannten Nadel-Fall, spielt aber – angesichts seiner bewegten Vergangenheit – zuweilen eine undurchsichtige Rolle. Duchnowski steht Sasza zunächst ablehnend gegenüber, später sucht er die Zusammenarbeit mit der jungen Profilerin. Er ist ein Polizist der alten Schule, erkennt aber irgendwann den Wert ihrer Arbeit für seine Ermittlungen.

Wichtig sind auch die Protagonisten, die bereits vor 20 Jahren eine Rolle gespielt haben, so etwa die junge Monika Mazurkiewicz, die große Liebe eines der StaroD-Brüder. Die Zwillinge Marcin und Wojteks StaroD rücken im Zuge der Recherchen immer mehr ins Zentrum, ihre tatsächliche Bedeutung wird aber nur schrittweise erläutert, und erst im dynamischen Finale vollständig geklärt. Überhaupt gibt es ständig ungeklärte Fragen, die für allerlei Rätsel sorgen. Bonda versteht es gut, so den Spannungsbogen hochzuhalten.

Netz des Elefanten reicht weit in Ämter und Behörden hinein

Besonders die Anfangsgeschichte, die 20 Jahre vor der eigentlichen Erzählung spielt, sorgt für ein großes Rätsel, das nur langsam gelöst wird. Eine zentrale Rolle spielt schon damals der »Elefant«, ein Gangster-Boss, der jeweils nur kurz in Erscheinung tritt, aber stets im Hintergrund präsent ist. Die Geschichte dreht sich immer wieder um das vom Elefanten beherrschte kriminelle Netz – das weit in Behörden und Ämter hinein reicht. Kristallisationspunkt ist der Danziger Stadtteil »Heubude«, wo vor vielen Jahren alles begann.

Katarzyna Bonda gelingt es, mit Wendungen und Überraschungen den Leser zu fesseln. Durch die komplizierten Verwicklungen steigt der Spannungsbogen stetig an, und Das Mädchen aus dem Norden ist ein Buch, das die volle Aufmerksamkeit des Lesers fordert, um nicht interessante Nuancen oder Nebenaspekte, die später wichtig werden, zu verpassen. An den Erzählstil von Bonda gewöhnt man sich im Laufe der Lektüre, ein polnischer Krimi hat eben so seine Eigenarten. Man muss sich als Leser darauf einlassen, aber das lohnt sich auf jeden Fall. Auf den 650 Seiten voller Spannung, mit einem raffinierten Plot und immer neuen Wendungen, wurde ich jedenfalls perfekt unterhalten.

Andreas Kurth, März 2017

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walli007 zu »Katarzyna Bonda: Das Mädchen aus dem Norden« 15.07.2017
Die Profilerin

Nach Jahren des Studiums in England kehrt Sasza mit ihrer kleinen Tochter nach Danzig zurück. Erstmal möchte sie wieder ankommen, da erhält sie einen Auftrag, der sich bald als mysteriös herausstellt. Der Auftraggeber erweist sich bald als nicht der, dessen Persona er benutzte. Ob der Auftrag etwas mit dem Mord in einem Nachtclub zu tun hat, muss sich noch herausstellen. Doch die Beteiligten tauchen hier und dort auf. Und so beginnt Sasza gemeinsam mit der Polizei zu ermitteln. Die Spuren ergeben zunächst keine Klarheit und Sasza muss ihr ganzes Können aufbieten.

Die Probleme aus ihrer eigenen Vergangenheit glaubt Sasza überwunden zu haben. Diesen auf den ersten Blick einfachen Auftrag sollte sie mit Links wuppen können und das Geld kann sie gut gebrauchen, um sich in Ruhe nach einem richtigen Job umzusehen. Doch die Spuren weisen zurück in eine Vergangenheit, von der Sasza eigentlich nichts mehr wissen möchte. Was hat es mit einem Lied auf sich, das sich wie eine Art roter Faden für das Leben des Todesopfers zu ziehen scheint. Immer tiefer verstrickt sich Sasza in ihren Auftrag, ihre ganze Kraft steckt sie hinein und muss sich doch vor den Erinnerungen schützen.

Verzwickt und vertrackt entwickelt sich der Fall sowohl für Sasza als auch für die Polizei. Jeder kennt jeden in Danzig und jeder scheint etwas zu wissen. Doch es herrscht Schweigen und nur wiederwillig wird geredet. Nicht einfach bei den vielen kleinen Spuren und Hinweisen, den Überblick zu behalten und die Einzelteile zusammenzufügen. In eine etwas fremde Vorstellungswelt muss man sich begeben. Die Kenntnis des heutigen Polens ist möglicherweise nur aus Zeitungsartikeln vorhanden, über das eigentliche Leben dort ist nicht unbedingt viel bekannt. Zwar gewinnt man den Eindruck, dass die Autorin ihre Geschichte präzise geplant und niedergeschrieben hat, doch mangels eigner Kenntnisse sowohl der Lebensart, der Sprache und auch der etwas speziellen Art des Schreibens kann es sein, dass man sich als Leser nicht in die Geschichte hinein fühlen kann, nicht von ihr gepackt wird.

Der Wunsch, diesen sehr gut besprochenen Roman als Hörbuch kennenzulernen, mag sich als sinnvoll erweisen. Fröhlich und jugendlich wirkt die Erzählung der Vorleserin, die damit durchaus zu Sasza passt.
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