Das System von Karl Olsberg

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2007 bei Aufbau.

  • Berlin: Aufbau, 2007. ISBN: 978-3-7466-2367-2. 403 Seiten.
  • [Hörbuch] Berlin: Der Audio Verlag, 2008. Gesprochen von Hans W. Meyer. ISBN: 3898137414. 5 CDs.

'Das System' ist erschienen als TaschenbuchHörbuch

In Kürze:

Bislang ging es Mark Helius blendend. Seine Softwarefirma in Hamburg steht kurz vor der Präsentation einer Weltneuheit: DINA, das erste intelligente Kommunikationssystem, soll den Investoren vorgestellt werden. Doch DINA macht unerklärliche Fehler, und die Präsentation gerät zum Fiasko. Auf einmal steht Mark vor den Trümmern seiner Existenz. Die Investoren wollen ihn feuern, er ist überschuldet, seine Frau wirft ihm Versagen vor. Da wird auch noch sein Freund und Mitgründer Ludger Hamacher ermordet. Alle Indizien belasten Mark. Während er verzweifelt versucht, seine Unschuld zu beweisen, spielen überall auf der Welt die Computer verrückt. Hat jemand die DINA-Software in einen hoch gefährlichen Virus verwandelt? Stecken Cyber-Terroristen hinter dem Mord? Oder hat gar das Internet selbst einen eigenen Willen entwickelt? Zusammen mit der Hackerin Lisa Hogert stellt Mark sich einem gnadenlosen Kampf auf Leben und Tod.

Das meint Krimi-Couch.de: »HAL trifft Schwarm und will die Menschheit vernichten« 66°

Krimi-Rezension von Thorsten Sauer

Spätestens seit Matrix wissen wir Bescheid: irgendwann in ferner Zukunft werden die Maschinen die Oberhand gewinnen und die Menschheit versklaven. Mit etwas Glück findet sich in noch fernerer Zukunft vielleicht ein »Auserwählter«, der in hingebungsvollem Kampf die endgültige Vernichtung der menschlichen Spezies verhindert. Diesem altbekannten Thema hat sich auch Karl Olsberg in seinem Erstling »Das System« angenommen. Brisanz gewinnt das Buch dadurch, dass es in nicht allzu ferner Zukunft spielt und durch die Tatsache, dass es keine imaginären Maschinen sind, sondern ein Computervirus wie es wahrscheinlich schon so ziemlich jeder Internetbenutzer irgendwann auf seinem Rechner hatte. Olsbergs Virus ist nur einen kleinen Schritt weiter; es kann denken …

Von Cyber-Viren und realen Morden

Mark Helius, seines Zeichens Inhaber einer jungen dynamischen Softwarefirma, ist überzeugt, es dieses Mal geschafft zu haben. DINA, das einzige Produkt seiner Firma, ist reif genug, den kritischen Investoren vorgeführt zu werden. Ohne deren wohlwollendes Nicken und die Bereitschaft weiterhin Millionen in das Projekt zu pumpen steht DINA vor dem Aus. DINA bedeutet »Distributed Intelligence Network Agent« und ist eine Benutzerschnittstelle, über die der Anwender Fragen in natürlicher Sprache eingeben kann. Um eine Antwort zu finden, nutzt DINA die millionenfach an das Internet angeschlossenen Rechner.

Wider Erwarten gerät die Präsentation zum Fiasko. DINA macht unerklärliche Fehler und gibt auf ein und dieselbe Frage verschiedene Antworten. Offensichtlich ein Bug, der dem Chefentwickler der Firma – Ludger Hamacher – entgangen ist. Mark Helius ist außer sich. Angesichts der drohenden Absetzung als Vorstandsvorsitzender seiner Firma, verliert er die Nerven und es kommt zu einem handfesten Streit mit dem Programmierer. Ein Streit? Wohl mehr, jedenfalls aus Sicht der Polizei, denn am nächsten Morgen wird Ludger tot im Fahrstuhl der Firmenzentrale aufgefunden. Helius bleibt nur die überstürzte Flucht und der verzweifelte Versuch, seine Unschuld zu beweisen, indem er die wahren Mörder findet. Doch wer steckt dahinter? Cyber-Terroristen, jemand aus der Firma oder einer der mächtigen Geldgeber? Als in Tokio alle Handys gleichzeitig klingeln und auch andernorts die Computer verrückt spielen, erwacht ein ungeheurer Verdacht und Mark kämpft nicht nur um den Beweis seiner Unschuld, sondern gegen etwas viel Mächtigeres.

Schöne neue (Welt) künstliche Intelligenz

Karl Olsberg hat die Hausaufgaben für sein Debütwerk gemacht und keine wichtige Zutat eines spannenden Thrillers vergessen. Die Story ist klar strukturiert, wodurch er ein hohes Erzähltempo schafft und den ganzen Roman hindurch aufrecht erhält. Wohl dosierte Cliffhanger am Ende der kurzen Kapitel helfen zusätzlich den Spannungsbogen aufrecht zu erhalten.

Leider geht Olsbergs Lernfähigkeit so weit, dass einige Ähnlichkeiten zu den großen Vorbildern allzu offensichtlich geraten. Das Grundszenario erinnert stark an Schätzings »Der Schwarm« und die Idee eines aus Angst vor der Abschaltung mordenden Computers hatte bereits Arthur C. Clarke in seinem Roman »A Space Odyssey«, der von Kubrik in »2001 – Die Odyssee im Weltraum« auf Zelluloid gebannt wurde. Doch Olsberg macht daraus glücklicherweise keinen Hehl und so können die offensichtlichen Hinweise in seinem Buch auch als Verneigung vor den großen Vorbildern verstanden werden.

Bleibt jedoch die Frage, weshalb man »Das System« lesen sollte und nicht die Originale. Auf der Habenseite lässt sich verbuchen, dass Olsberg weiß worüber er schreibt. Er hat über künstliche Intelligenz promoviert und entsprechend kompetent und schlüssig wirkt seine Geschichte. Gerade dadurch, dass »Das System« nicht in einer fernen Zukunft spielt, sondern in der Gegenwart, die sich von der Realität nur dadurch unterscheidet, dass Viren nicht nur Lücken in Computersystemen finden um sich selbständig zu verbreiten, sondern so etwas wie ein Bewusstsein entwickeln. Im Zeitalter der Online-Durchsuchungen und der Terrorbekämpfung mittels Computerviren erscheint das auf erschreckende Weise denkbar. In dieser beklemmenden Nähe zur Realität liegt der Reiz dieses Romans. Für einen wirklich großen Thriller, der seinen Vorbildern gerecht wird oder sie sogar übertrifft, stehen dem jedoch zu viele Unzulänglichkeiten gegenüber. Die Story ist derart geradlinig aufgebaut, dass überraschende Wendungen spärlich gesät oder gar nicht vorhanden sind. Alles läuft fast zwangsläufig auf das vorhersehbare Ende hinaus. Die Personen sind typische Thrillerfiguren: zweckdienlich für die Geschichte aber mit nur wenigen Facetten, so dass die angedeutete Liebesgeschichte eher schal und wenig aufregend daher kommt, da sich beim Lesen keine echte Bindung zu den Personen aufbauen will.

Letztlich bleibt Das System dadurch leider in der Mittelmäßigkeit stecken. Schade, mit etwas mehr Mut und erzählerischem Geschick hätte mehr daraus werden können. Trotzdem hat Olsberg dank der Realitätsnähe ein noch recht gelungenes Debüt abgeliefert, das Hoffnungen weckt auf zukünftige Arbeiten von diesem Autor.

Thorsten Sauer, Dezember 2007

Ihre Meinung zu »Karl Olsberg: Das System«

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basti zu »Karl Olsberg: Das System« 20.05.2010
Schließe mich den anderen an. Sehr gutes Buch, tolles Thema, spannend aufgebaut. hat alles: von Verfolgungsjagt über Krimi bis hin zu Weltuntergangsdrama (und noch viele mehr)

noch eine anmerkug zur zusammenfassung von thorsten sauer. Ludger Hamacher wurde nicht in einem Fahrstul getötet sondern in seinem büro durch einem schlag auf den kopf. In einem fahrstuhl wurde später jemand anderes getötet.
Sunshine zu »Karl Olsberg: Das System« 17.03.2009
Fliessend zum Lesen, immer spannend. Nervt nicht mit langatmigen Erklärungen der technischen Dinge, sondern integriert sie einfach locker. Für jedermann/frau gut lesbar. Trotzdem, das 2te Buch von ihm finde ich noch besser. Habe die Bücher in 2 Tagen gelesen. Empfehlenswert! Hat keine Strecken drin, wo man sich langweilt. Findet man selten.:-)
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Bio-Fan zu »Karl Olsberg: Das System« 07.01.2009
Für mich ist Olsbergs Erstling weit mehr als nur "Mittelmaß", wie der Rezensent in seiner Kritik resümiert.
Der rasante und spannende Plot in echter Pageturnerqualität führt vom sonst so beschaulichen Hamburger Elbufer hinaus in den Orbit zur Raumstation ISS. Die weltumspannende Vernetzung im www und die unwiderrufliche Abhängikeit der Menschheit davon wird kritisch beleuchtet. Ein Albtraumszenario, das heute noch utopisch wirkt, könnte morgen schon Realität sein.
Ein nachdenklich machender Thriller, der mir in Erinnerung bleiben wird. 90 Grad
Frank zu »Karl Olsberg: Das System« 09.07.2008
Hat mir ebenfalls sehr gut gefallen. Eine rasant erzähle Geschichte, die der Autor auch nicht zu sehr mit (seinem ja vorhandenen) Wissen bzw möglichen - für die meisten- unverständlichen Fachbegriffen überladen hat. Die Story selbst scheint durchaus nahe an der Realität zu liegen, der Spannungsaufbau passt und die Charaktere bleiben in Erinnerung.
Daß Teile des Buches an andere Schriftsteller erinnern, mag sein, schmälert aber weder die Spannung noch den Lesegenuß. Daß das Rad neu erfunden wird, hatte ich auch nicht angenommen. Ich freue mich auf weiteres von Olsberg.
SusanneHogl zu »Karl Olsberg: Das System« 09.07.2008
Ganz super - neu, spritzig, spannend. Olsberg jagt einen durch kurze Kapital von Schauplatz zu Schauplatz. Die Hauptfigur ist sympathisch und hat allerhand auszustehen. Außerdem gefielen mir die psychologischen Betrachtungen des Internets sehr gut.
heiko9987 zu »Karl Olsberg: Das System« 27.12.2007
Interssantes Buch, gut geschrieben. Bravo, aufgebaut und geschrieben wie ein amerikanischer Thriller. Zudem eien sehr interessante Story. Warte auf mehr in dem Stil.
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