Bittere Wunden von Karin Slaughter

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2012 unter dem Titel Criminal, deutsche Ausgabe erstmals 2014 bei Blanvalet.
Folge 4 der Will-Trent-/-Atlanta-Serie.

  • New York: Delacorte, 2012 unter dem Titel Criminal. 576 Seiten.
  • München: Blanvalet, 2014. Übersetzt von Klaus Berr. ISBN: 978-3-7645-0517-2. 576 Seiten.
  • [Hörbuch] Köln: Random House Audio, 2014. Gesprochen von Nina Petri. ISBN: 3837126684. 6 CDs.

'Bittere Wunden' ist erschienen als Hardcover HörbuchE-Book

In Kürze:

Die tiefsten Wunden sind jene, die uns die Vergangenheit zufügt Als eine Studentin spurlos verschwindet und Will Trent den Fall übernehmen will, wird ihm dieser mit unerwarteter Heftigkeit entzogen. Amanda Wagner, seine undurchschaubare Vorgesetzte, scheint Will mit aller Macht davon abhalten zu wollen, nach der Vermissten zu fahnden. Aber warum? Erst als sich die beiden in einem verlassenen Waisenheim gegenüberstehen, entspinnt sich eine Geschichte, die nicht nur das lang gehütete Geheimnis um Will Trents Vergangenheit endlich aufdeckt, sondern auch ein grausames Netz aus Verrat, Korruption und bitterem Hass entlarvt.

Das meint Krimi-Couch.de: »Formen von Folter in Atlanta« 67°

Krimi-Rezension von Almut Oetjen

Eine Studentin wird tot und mit Folterspuren gefunden, die denen von Prostituierten entsprechen, die im Jahr 1974/75 entführt und ermordet wurden. Als das Georgia Bureau of Investigation (GBI) hinzugezogen wird, übernimmt Deputy Director Amanda Wagner den Fall persönlich. Sie lässt nicht zu, dass Agent Will Trent Mitglied ihrer Arbeitsgruppe wird. So kann Will mehr Zeit mit seiner Freundin Dr. Sara Linton verbringen, aber es lässt ihm keine Ruhe, warum seine Chefin ihn ausschließt. Als sich beide in einem leer stehenden Waisenhaus treffen, beginnt Will langsam zu begreifen …

Bittere Wunden ist der sechste Roman Karin Slaughters mit Will Trent (aus der Atlanta-Serie) und der vierte mit Sara Linton (aus der Grant County-Serie). Nachdem Sara nun in Atlanta lebt und arbeitet, scheint Slaughter die Vereinigung beider Serien in Bittere Wunden vollzogen zu haben. Wir erfahren zudem eine Menge über Wills Eltern und seine seltsame Beziehung zu Deputy Director Amanda Wagner. Will ist noch immer mit Angie verheiratet und liebt Sara. Angie belästigt Sara mit bösen Notizen. Der wichtigste Handlungsstrang in Bittere Wunden hat Wills Chefin Amanda Wagner zur Hauptfigur.

Amandas Welt

Amanda Wagner und Evelyn Mitchell, die Mutter von Wills Kollegin Faith, sind gemeinsam in zwei Fälle involviert, die mehr als dreißig Jahre auseinander liegen. Amanda und Evelyn bearbeiten 1975 einen Vergewaltigungsfall und finden heraus, dass mehrere Prostituierte verschwunden sind.

Slaughter gibt Amanda Wagner in Bittere Wunden viel Raum, ihrer Familie, ihrer Anfangszeit bei der Polizei von Atlanta, üblen Erfahrungen im Jahr 1975. Vergewaltigungen sind an der Tagesordnung, Brutalität, Sexismus und Rassismus bestimmen den Arbeitsalltag bei der Polizei. Das Aufstellen von Dienstplänen ist eine Kunst für sich, weil Schwarze nicht mit Weißen, Frauen nicht mit Männern, weiße Frauen nicht mit schwarzen Männern und schwarze Frauen nicht mit schwarzen Männern zusammen in einem Dienstwagen unterwegs sein wollen.

Ein erheblicher Teil der ersten Romanhälfte ist befasst mit persönlichen Hintergrundgeschichten, deren Details nicht selten aus früheren Romanen der Reihen bekannt sind (Wills Probleme mit seiner gruseligen Ex Angie und seiner aktuellen Liebe Sara, seine Legasthenie). Weiteren Raum widmet Slaughter bisweilen Ortsbeschreibungen, die für die Krimihandlung selbst weitgehend unerheblich sind. Das Verhalten der beiden Polizistinnen im Einsatz ist nicht immer nachvollziehbar.

Das Gegenwartsverbrechen selbst wird auf den ersten 118 Seiten nur angedeutet. Es dauert recht lange, bis Bewegung in die Krimierzählung kommt. Für Will wird der Fall zum Problem, weil sein Vater nach dreißig Jahren aus dem Gefängnis entlassen wird und wieder junge Frauen verschwinden.

Viel Bewegung im Raum-Zeit-Gefüge

Die Gegenwartshandlung beansprucht ungefähr vier Tage, von Montag bis Mittwoch und »eine Woche später«, verteilt auf sechzehn Kapitel, mit einem Umfang zwischen zwei und sechsundvierzig Seiten. Die zurückliegende Handlung beansprucht siebzehn Kapitel mit einem Umfang zwischen zwei und achtundfünfzig Seiten und spielt in der Zeit vom 15. August 1974 bis zum 8. August 1975. Während die Gegenwartserzählung linear organisiert ist, springt Slaughter in der Vergangenheit hin und her. Die Kapitelangaben enthalten – bis auf drei ohne weitere Angaben – Namen oder kalendarische Daten. Kapitel sieben enthält ein falsches Datum oder eine falsche Tagesangabe.

Slaughter wechselt intensiv zwischen den Jahren und Personen. Die Verbrechen werden parallel beschrieben. Die Wirkungen vergangener Handlungen und Entwicklungen auf die heutigen Protagonisten werden bruchstückartig offengelegt. Aus Sicht mancher Leser mag Slaughter die häufigen Perspektivwechsel und Handlungsunterbrechungen in Bittere Wunden vielleicht übertreiben.

Die zeitlichen Wechsel lassen den Eindruck entstehen, sie habe zwei Handlungsbögen für ihre Geschichte entwickelt. Tatsächlich erzählt sie drei: das Mysterium um Will und Amanda, die Leidensgeschichte Lucy Bennetts und die brutale Hintergrundgeschichte Amandas. In Nebenhandlungen erzählt Slaughter von Prostituierten, von Polizisten und vom Leben in den 1970er Jahren. Will Trent ist in diesem Roman als Handlungsträger eher eine Nebenfigur.
Die Auflösung des Mysteriums, welches Amanda und Will umgibt, mögen manche Leser großartig finden, andere hingegen zum Anlass nehmen, laut aufzuheulen.

Slaughter hat eine gewisse notorische Berühmtheit erlangt als Autorin sexistischer und gewalttätiger Kriminalgeschichten. Dies kommt auch in Bittere Wunden nicht zu kurz. Die Handlung weist Mängel auf, nicht zuletzt die vielen Redundanzen, die vermutlich für Leserinnen als Hilfe dienen sollen, die keins der anderen Bücher kennen. Aber besser ist die Autorin in der Gestaltung ihres erzählerischen Skeletts und der Beschreibung der Interaktionen ihrer Charaktere. Sie ist eine gute Architektin, deren Stärken besonders in der formalen Gestaltung ihrer Geschichten liegen.

Almut Oetjen, Oktober 2014

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Puscheline zu »Karin Slaughter: Bittere Wunden« 29.10.2016
Ich habe bisher all ihre Bücher verschlungen,doch bei diesem habe ich mich schwer getan und tue es leider immer noch. Durch die 2 Zeitebenen kommt man schnell aus dem Konzept und ich bin echt enttäuscht,dass es sich zieht wie Kaugummi..das wird das 1.Buch sein,was ich wohl nicht zu Ende lesen werde. Schade
BELSL zu »Karin Slaughter: Bittere Wunden« 24.01.2016
Ich bin nicht über die ersten 50 Seiten hinweg gekommen, allerdings muss ich einräumen, dass mich das sujet überhaupt nicht interessiert.
Mir kam das Buch teilweise so vor wie ein Tatsachenroman über amerikanische Polizeigeschichte und die interessiert mich überhaupt nicht.
Ich mag auch das Hin- und Herspringen zwischen verschiedenen Ebenen nicht, dies macht ein Buch so unruhig.

Die Geschichte um das Opfer Lucy hätte mich interessieren können, aber ihr gab Slaughter relativ wenig Raum.
Das Buch scheint mir aus lauter einzelnen Puzzlestückchen zu bestehen und die Verbindung fehlt.
kritikaster zu »Karin Slaughter: Bittere Wunden« 26.08.2015
ich habe diesen roman geHÖRT anstatt ihn zu LESEN, und es stellten sich mir drei fragen:
1. wie kann eine autorin, die ihren plot so grottenschlecht gestaltet und dann haarsträubend unlogisch enden lässt, solchen erfolg haben?
2. walzt die autorin ihre sadistischen gewaltszenen nur zum vergnügen gewisser leser so breit aus, oder berauscht sie sich selbst daran?
3. wieso gibt es für bücher und auch hörbücher keine freiwillige selbstkontrolle?
dieses perfide gebräu hätte sich meine dreizehnjährige enkelin kaufen oder in der bücherei ausleihen können! das ist ein skandal.
Oldman zu »Karin Slaughter: Bittere Wunden« 11.04.2015
Die Handlungen spielen sich auf 2 Zeitebenen ab, in den 70ern und der heutigen Zeit. Dabei verknüpft die Autorin die Beziehungspunkte ganz am Ende recht schlüssig. Auffallend ist aber, dass praktisch alle männlichen Darsteller in den 70ern mehr oder weniger Neandertaler sind, während die weiblichen über sich hinauswachsen. Wären wirklich alle Kerle so gewesen, wie sie hier beschrieben werden, so fragt man sich als Leser, wie man dort überhaupt leben konnte. Hier hat die Autorin sicherlich übertrieben, dennoch hat das Buch auch seine Stärken, speziel die letzten ca. 100 Seiten, in denen alle Handlungsfäden verknüpft werden, sind auf den Punkt gebracht. Unter dem Strich ein Krimi, den ich als guten Durchschnitt bezeichnen würde.
libella zu »Karin Slaughter: Bittere Wunden« 16.09.2014
es geht so... es ist die Geschichte von Amanda, es ist die Geschichte von Will und dann ist noch ne Geschichte... das sind für das buch einfach zu viel Geschichten und wie wird damit keiner so richtig gerecht...
es ist spannend beschrieben wie Amanda einen Mordfall löst, es ist mittelspannend wie Will sich entwickelt und im Kreis dreht,
aber es paßt nicht so wirklich miteinander und dann noch die unendlich verständnisvolle Sara...
sorrx aber das sit einfach eins zu viel.
Es ist kein schlechtes Buch, aber es ist auch nicht wirklich gut...
50:50 würd ich sagen...
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