Knast oder Kühlfach von Jutta Profijt

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2014 bei dtv.
Folge 5 der Pascha-und-Gänsewein-Serie.

  • München: dtv, 2014. ISBN: 978-3423215060. 320 Seiten.

'Knast oder Kühlfach' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Dr. Martin Gänseweins Freund Gregor steht unter Mordverdacht. Die ermordete Frau war anscheinend seine Exfrau. Gregors ahnungslose Freundin und Polizistenkollegin Jenny bringt das völlig aus der Fassung: Kann sie sich so in Gregor getäuscht haben? Und Gregor schweigt zu allem. Auf der Suche nach der Wahrheit stürzt sich Jenny gemeinsam mit Pascha in die Ermittlungen. Die Ermordete war Journalistin und steckte mitten in der Aufdeckung eines Pharmaskandals. Auch eine Kölner Seniorenresidenz, in der ganz offenkundig Medikamentenmissbrauch betrieben wird, spielt eine wichtige Rolle. Martin ist bei der Aufklärung des Falls nur bedingt eine Hilfe, denn der werdende Vater ist völlig ausgelastet mit Geburtsvorbereitungskursen, Kreißsaalbesichtigungen, Babyausstattungskatalogen und nicht enden wollender Namenssuche &

Das meint Krimi-Couch.de: »Geist-reich« 80°

Krimi-Rezension von Maria Kusnierz

Der Ex-Knacki Pascha hilft Dr. Martin Gänsewein dabei einen Fall zu lösen. Der Freund des Letzteren, Gregor mit Namen, wird nämlich während eines Abendessens von der Polizei verhaftet, da er unter dem Verdacht des Mordes an seiner Frau steht. Während Martin eher Zurückhaltung an den Tag legt, eine grundlegende Charaktereigenschaft des Rechtsmediziners Gänsewein, stürzt sich Pascha in die Vollen. Nicht zuletzt deswegen, weil er nichts Besseres zu tun hat – denn er ist ein Geist. Und während sich Martin mit seiner Birgit um die lästigen Begleiterscheinungen einer Schwangerschaft (Kreißsaalbesichtigung, Namensfindung, ...) kümmert, spukt Pascha auch dort herum, wo Martin nicht ohne weiteres hinkommt.

Soviel zum Inhalt. Jutta Profijt wartet in ihrer »Kühlfach-Reihe« mit einer sensationell originellen Idee auf. Stets findet man in der Kriminalliteratur Ermittlergespanne. Duos, die sich neckisch ergänzen und auch viel Potenzial haben. Profijt lässt ihre Fälle von einem Gerichtsmediziner und einem Geist lösen. Pascha, der Geist, ist Ex-Knacki, der gerne schnodderig daherkommt, kein Blatt vor den Mund nimmt und sein gesamtes Kleinkriminellendasein ohne Leib aber mit viel Seele »lebt« bildet charakterlich das Pendant zu Gerichtsmediziner Gänsewein. Die beiden ergänzen sich so hervorragend, dass es ein wahres Vergnügen ist, den Dialogen zu folgen. Selten schafft es ein Buch, noch seltener ein Kriminalroman, dass man beim Lesen lachen muss.

Der Autorin gelingt es, nachdem sie in ihrem ersten Kühlfach-Roman die Idee »geistreichen« (ja, der ist platt, musste aber sein) Ermittlerduos zwangsläufig ausgereizt hatte, trotzdem neue Szenerien zu erschaffen, die eines Geistes bedürfen. So ist denn auch die treibende Kraft eben dieser Pascha. Sowohl in der Handlung selbst, als auch für den Leser, immer wieder neu hinzulangen, wenn Martin und Pascha einen neuen Fall lösen. Auch der vorliegende Band Knast oder Kühlfach bedient gekonnt Klischees (zuallererst natürlich der Ehemann, der seine Frau ermordet haben soll, dann die neugierigen Nachbarn, die scheinbar über alles Bescheid wissen, bis hin zu den seltsamen Essensgelüsten einer hochschwangeren Frau und viele mehr...) und leitet so den Leser stets auf eine falsche Fährte. Ohne sich zu verrennen löst Jutta Profijt diese Klischees auf und überrascht den Leser dann mit einer Wendung, die auf sicheren Füßen um die Ecke kommt.

Mit 329 Seiten ist dieses Buch, wie die anderen aus dieser Reihe auch, ein kurzes, aber sehr erfrischendes Vergnügen.

Maria Kusnierz, März 2016

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Manfred Rathunde zu »Jutta Profijt: Knast oder Kühlfach« 19.04.2014
JUTTA PROFIJT „Knast oder Kühlfach” ,dtv‘

Wenn Pascha die Bühne des Lesenden betritt, dann gibt es einen Auftritt, der sich ordentlich gewaschen hat. Immerhin ist er eine verirrte Seele aus einem beendeten Leben und sieht die Dinge der körperlichen Existenz nicht mehr ganz so eng oder manchmal sehr wehmütig, wenn es um gewisse Körperteile geht. Als Geist sind seine sozialen Kontakte doch eher begrenzt und dementsprechend sind seine Möglichkeiten, in den Dialog mit der hiesigen Welt zu treten, recht monochrom, kann er doch nur mit Martin, seinem Pathologen, der ihn, damals war´s, obduziert hatte, kommunizieren. Und der ist nicht immer begeistert, wenn ein körperloser Nerventöter mit ihm quatschen will. Vor allem, weil seine Freundin Birgit in hoffnungsvollen Umständen ist und die Namenswahl des zu erwartenden Kindes einen umfangreichen Raum im realen Leben einnimmt. Jutta gibt wieder Start frei für einen nichtexistenten Ermittler, der im eigenen Leben zwar so manchen Punch mit der Ordnungsmacht hatte, aber, seit seiner ungewöhnlichen Daseinsform ins andere Leben geschaut hat. Das Ganze geht recht humorvoll-respektlos vor sich, hier wird kein Blatt vor den Mund genommen. Mit den Worten C. Moores, die Pferde der Phantasie wandeln auf blumigen Pfaden. Martins bester, einziger, Freund Gregor, Kripo-Beamter, hat ein Problem. Während einer laufenden Ermittlung um eine Tote, Pflegerin in einem Seniorentempel, für die Aufklärungsbehörde ein klarer Fall von Suizid, wird er selbst festgesetzt, wegen Verdachts am Mord an seiner Ex-Ehefrau. Er selbst schweigt, alle anderen, im Freundeskreis sind natürlich erst mal geplättet und taumeln den Tanz der Unwissenden. Allen voran Katrin, Gregors Freundin. Nun muss Pascha ran, den Lebenden den richtigen Blick auf die Toten beizubiegen. Nur mit der Lusche Martin als Medium sind ihm enge Grenzen gesetzt und so muss er improvisieren. Das geht natürlich nicht ohne ein gewisses Chaos zu verursachen. Und schon sprudelt zwischen Köln und Düsseldorf das blühende Leben. Den, hoffnungslos überforderten, Ordnungshütern, so einigen zwielichtigen Gestalten, die vielleicht doch auf einer anderen Seite oder Saite, spielen und dem Dunstkreis des Inhaftierten gegenüber, muss Pascha lavieren. Nur ist das hier keine Fahrschule, wo man Fehler hinterher am Reißbrett noch analysieren kann. Jutta lässt nicht nur die Sau raus, sie öffnet alle Gatter. Auf den Wiesen der Phantasie weiden alle möglichen Existenzformen und Frau Profijt füttert sie eigenhändig. Das lässt sie sich nicht nehmen. (MRD)

ISBN 978-3-423-21506-0 331 Seiten 9,95€ (D) 10,30€ (A)
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