Verachtung von Jussi Adler-Olsen

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2011 unter dem Titel Journal 64, deutsche Ausgabe erstmals 2012 bei dtv.
Folge 4 der Carl-Mørck-Dezernat-Q-Serie.

  • Kopenhagen: Politiken, 2011 unter dem Titel Journal 64. 474 Seiten.
  • München: dtv, 2012. Übersetzt von Hannes Thiess. ISBN: 978-3423280020. 704 Seiten.
  • [Hörbuch] München: Der Audioverlag, 2012. Gesprochen von Wolfram Koch. ISBN: 3862311708. 6 CDs.

'Verachtung' ist erschienen als HardcoverTaschenbuchHörbuchE-Book

In Kürze:

Eine Reihe vermisster Personen aus dem Jahr 1987, die durch eine Person und deren entsetzliches Schicksal verbunden sind: Nete Hermansen. Eine junge Frau ohne jede Chance auf ein selbstbestimmtes Leben, von Menschen grausam misshandelt, wird zwangssterilisiert durch einen fanatischen Arzt und verbannt nach Sprogø, der Insel für ausgestoßene Frauen. Sie nimmt grausam Rache.

Das meint Krimi-Couch.de: »Solide Fortsetzung – nicht mehr, nicht weniger« 77°

Krimi-Rezension von Jürgen Priester

Nach einem nicht so gelungenen Intermezzo, das uns zu Adler-Olsens Debütroman Das Alphabethaus aus dem Jahre 1997 führte, geht’s jetzt weiter mit frischem Stoff aus der Carl-Mørck-Reihe, die den Autor weltweit bekannt gemacht hat. Die Erwartungen an das Ende letzten Monats erschienene Verachtung waren groß, hatte der Autor selbst mit den drei Vorgängern die Messlatte sehr hoch gelegt. Herausgekommen ist ein weiterer solider Kriminalroman, der sich auch gleich in den Spitzenpositionen der diversen Büchercharts einnistete, auch wenn die Fans wegen des Hardcover-Formats diesmal tiefer in die Tasche greifen mussten. Die Werbe-Maschinerie rattert und die semiprofessionellen Cheerleaders des größten deutschen Online-Anbieters strecken eifrig ihre 5-Sterne-Pompons in die Höhe. Anderswo hält sich die Begeisterung eher in Grenzen. Jussi Adler-Olsen hat auch Glück. Sein Werk ist zur Zeit zwar nicht alternativlos, aber konkurrenzlos. Nicht, dass es auf dem Büchermarkt nicht qualitativ Höherwertiges gäbe, aber wir wissen ja, dass sich dieses nicht unbedingt gut verkauft. Wer momentan fehlt, das sind die Abräumer der letzten Jahre wie Cody McFadyen oder Simon Beckett. Ob sie an Schreibblockade leiden oder an Ideenlosigkeit – wir wissen es nicht. Nur die »Grande Dame« der Kriminalliteratur ist mit ihrem neusten Œuvre Glaube der Lüge auf der Piste, das sich leider als ein Grabgesang auf den Kriminalroman entpuppt.

Jussi Adler-Olsen hat auf jeden Fall seine Pflicht getan, seine Hausaufgaben gemacht, um es mal mit den Lieblingsworten der Bundeskanzlerin auszudrücken. Für solide, aber nicht herausragende Leistungen gab es früher in der Schule eine Drei plus oder wohlwollend eine Zwei minus. In diesem Bereich liegt auch die Einschätzung des Rezensenten. Ausgestattet mit einem bewährt pointierten Titel und dem Abbild der traditionellen, der sogenannten »Blutschere«, die seit Jahren wie eine Olympische Flamme von Verlag zu Verlage getragen wird, wird die deutsche Ausgabe der Erfolgsgeschichte von Carl Mørck und seinem Sonderdezernat Q seinen Weg weiter fortsetzen.

Carls Mini-Team, bestehend aus ihm und seinen Assistenten Rose und Assad, hat sich jetzt in Folge 4 als eingespielte Truppe etabliert und ist seinem Schöpfer zu einem Pfund geworden, mit dem dieser nun trefflich wuchern will. Von Folge zu Folge gab und gibt Adler-Olsen mehr Informationen über seine Protagonisten preis, ohne aber ihre letzten Geheimnisse zu offenbaren. So können wir weiterhin über Assads undurchsichtigen Hintergrund rätseln oder uns über Roses leicht dissoziative Anwandlungen wundern. Es macht einfach Spaß, ihnen bei der Arbeit über die Schultern zu schauen und ihrer locker frotzelnden Konversation zu folgen. Adler-Olsen legt ihnen so manches Bonmot in den Mund. Leider ist auch er nicht vor Ausrutschern gefeit. Die Diskussionen um die spritzerfreie Nutzung einer Toilette ist ein Griff in die Selbige. Peinlich.

Ansonsten ist das Sonderdezernat recht guter Dinge und wühlt eifrig in den alten Akten. Dabei stoßen sie auf das spurlose Verschwinden eines »Leichten Mädchens« im Jahre 1987. Eine erweiterte Computerrecherche bringt die Erkenntnis, dass in einem kurzen Zeitraum des Jahres mehrere Personen als vermisst gemeldet wurden.

Während Carls Team der Sache auf den Grund geht, rollt Jussi Adler-Olsen in Rückblicken das Leben einer gewissen Nete Hermansen auf. Geboren Ende der 1930er Jahre musste sie von Kindesbeinen an auf dem elterlichen Bauernhof tatkräftig mitwirken. Der Schulbesuch war sporadisch, ihr Lese- und Schreibvermögen blieb deswegen unterentwickelt. Nach dem frühen Tod der Mutter war der Vater als Alleinerziehender überfordert. In ihren Teenie-Jahren geriet Nete unverschuldet auf die schiefe Bahn. Nach zwei Abtreibungen wird dem Vater das Sorgerecht entzogen. Netes langsamer, aber stetiger Abstieg führt über mehrere Pflegefamilien, bis sie in einer Anstalt für sozialhygienisch aussortierte Frauen auf Sprogø, einem gottverlassenen Eiland im Großen Belt, landet. Die Zeit dort wird ihr als Vorhof der Hölle in Erinnerung bleiben. Später wendet sich ihr Schicksal. Es geht ihr gut, bis sie im Jahre 1987 auf einen ihrer früheren Peiniger trifft.

Es ist wirklich keine Überraschung, dass diese beiden Handlungsstränge miteinander in Verbindung stehen. Dem Leser ist schon relativ früh klar, wie der Hase laufen wird. Dafür sorgen die bruchstückhaften Erinnerungen von Netes Wegbegleitern – nur wer, wieweit involviert ist, bleibt ein Geheimnis. Während seiner Ermittlungen stößt das Q-Team nämlich ganz unerwartet auf den Frauenarzt Curt Wad, der nach dem 2. Weltkrieg nicht nur die Praxis seines Vaters übernahm, sondern auch dessen braune Gesinnung. Wie die sprichwörtlichen Halbgötter in Weiß maßen er und eine Handvoll Kollegen sich an, Herren über Leben und Tod zu spielen. Ihr innerer Zirkel nennt sich »Geheimer Kampf« und führt einen Untergrund-Krieg gegen nach ihren Ansicht unwerten Lebens. Nach außen hin treten sie als rechtspopulistische Partei (in Gründung) auf, deren Name »Klare Grenzen« auf einen weiteren Punkt ihres Parteiprogramms hindeutet – gegen die Überfremdung ihres kleinen Königreiches

Jussi Adler-Olsen hat sich diesmal nicht auf eine rein fiktive Erzählung beschränkt, sondern sich eines der dunklen Kapitel der dänischen Vergangenheit angenommen. Wie er in einem Nachwort noch einmal betont, hat es diese Anstalt auf Sprogø von 1923 bis 1961 wirklich gegeben und in diesen Zeitraum fallen auch etwa 10 000 Sterilisationen, die meist unter Zwang durchgeführt wurden. Adler-Olsen kritisiert, dass den betroffenen (meist) Frauen bis heute noch keine Anerkennung seitens des dänischen Staates erfolgt ist. Es ist eine Stärke seines Romans, dass es dem Autor gelingt, seine eigene Betroffenheit über die damaligen Zustände auf den Leser zu übertragen. Das Leiden der Nete Hermansen lässt niemanden kalt

Die Figur der Nete und ihr Lebensweg sind es auch, die Adler-Olsens Plot vor einem Absturz bewahren. Sein Konzept eines (fast) allwissenden Lesers nimmt der Handlung viel an Suspense. Zu vorhersehbar ist die Entwicklung und die Überraschungseffekte am Ende der Story erzeugen beim Leser nur ein müdes Lächeln. An sich ist es ja spannend, die Ermittler zu beobachten, wie sie sich langsam dem Täter nähern oder sich auf Irrwege begeben, doch das Sonderdezernat Q ist viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt. Das lenkt nicht nur ab, sondern verhindert auch, dass durch eine aktive Ermittlung Dynamik entsteht

Der Deutsche Taschenbuch Verlag (dtv) möchte Verachtung gerne als Thriller verkaufen, dabei ist es fast frei von Thriller-Elementen. Es ist ein Kriminalroman der ruhigeren Art und das liegt vermutlich voll in der Absicht des Autors. Adler-Olsen konzentriert sich auf sein bestens eingeführtes Team und auf einen alten, auf den ersten Blick harmlosen Fall, der intensiv mit dem Schicksal einer Person verbunden ist, die ihrerseits gleichsam Mosaik- und Stolperstein einer nationalen Verschwörung ist.

Die einzelnen Handlungsstränge sind geschickt miteinander verwoben. Perspektivwechsel in Raum und Zeit ersetzen in etwa die Spannung, die durch die Durchschaubarkeit des Plots verloren geht. Das Interesse, den Fall weiter zu verfolgen, bleibt geweckt.

Für den Rezensenten spielt Jussi Adler-Olsen in der selben Liga wie sein norwegischer Kollege Jo Nesbø, dessen Harry-Hole-Reihe ja auch von Licht und Schatten geprägt ist. Es gibt herausragende, gute und weniger gelungene Folgen. Nicht anders ist es bei Adler-Olsens Carl-Mørck-Reihe, wenn man das nach vier Folgen schon so sagen kann. Verachtung ist bisher sein schwächster Roman, der aber gemessen an den populären Topsellern, die üblicherweise die Spitzenplätze der Büchercharts bevölkern, immer noch für versiertes Handwerk steht. Es ist erfreulich, dass dem Dänen die Aufmerksamkeit gezollt wird, die seine Romane verdienen, die Romanen dieser Qualität nur zu selten zuteil wird. Aber es gibt keinen Grund, darüber in Verzückung zu geraten. Die Carl-Mørck-Reihe ist solide Kriminalliteratur – nicht mehr, nicht weniger.

Jürgen Priester, September 2012

Ihre Meinung zu »Jussi Adler-Olsen: Verachtung«

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Frank Buschmann zu »Jussi Adler-Olsen: Verachtung« 13.07.2016
"Verachtung" ist meiner Meinung nach der bis dahin mit Abstand schwächste Roman der Serie. Adler-Olsen schafft es diesmal irgendwie nicht, seine typische Rückblenden-Technik sinnvoll einzusetzen. Der Roman ist endlos lang, voller ausufernder Episoden aus der Vergangenheit, und leider überhaupt nicht spannend. Es dauert ungefähr 300 Seiten, bis die Story Kontur annimmt, und bis hin zum grotesken Horrorfinale fühlte ich mich absolut nicht berührt, obwohl das Thema an sich beklemmend ist und die Absicht sicherlich die beste. Außerdem sind Mörcks Auseinandersetzungen mit seinen Kollegen äußerst schräg und total überzeichnet. Alles in allem wenig überzeugend.
Janine2610 zu »Jussi Adler-Olsen: Verachtung« 01.12.2015
In Band 4 der Thrillerreihe um Carl Mørck und sein Team, hat es das Sonderdezernat Q mit einem fanatischen, alten Arzt zu tun, der sich vor vielen Jahren in den Kopf gesetzt hat, die dänische Bevölkerung zu "reinigen". Was für ihn soviel bedeutet wie: Ausländer, Dunkelhäutige, Sozialschmarotzer, geistig Minderbemittelte und dergleichen, die in seinen Augen sogenannte Untermenschen sind, zu sterilisieren, bzw. gegebenenfalls zur Abtreibung zu zwingen, damit sie sich nicht mehr vermehren können.
Mich persönlich hat das ganze Vorhaben von diesem wahnsinnigen Arzt ein wenig an die zweite Weltkriegszeit denken lassen, denn gewisse Ähnlichkeiten zwischen dem Denken von Adolf Hitler und unserem Arzt hier, sind wirklich nicht zu überlesen ...~ Wer war er, dass er es wagte, sich zum Richter über Leben und Tod aufzuschwingen? ~
(S. 153)Mittendrin in diesem unglaublichen Wahnsinn ist eine unserer Hauptprotagonistinnen Nete Hermansen. Wir lernen sie schon von klein auf kennen und erfahren allerhand, was ihr in ihren jungen Jahren widerfahren ist, was sie sich alles gefallen hat lassen müssen und verstehen dadurch dann auch recht bald, warum Nete zu so einem abgestumpften, gefühlskalten Wesen, das auf Rache sinnt, geworden ist.
Nete war mir eine der liebsten Charaktere in diesem Buch, ständig habe ich mit ihr mitgelitten und mich gefragt, womit sie diese Ungerechtigkeit in ihrem Leben nur verdient hat. Und obwohl ich von Rache absolut nichts halte, kann ich sie dennoch verstehen, weshalb sie vergelten wollte. Netes Schicksal fand ich einfach nur traurig und unfair, man hat ihr so viel Leid und Unrecht angetan und mir als einfühlsamer Mensch hat das Mit-ihr-Mitfühlen richtig weh getan ...~ "Du bist gut genug, Nete. Vergiss das niemals: Du bist gut genug." ~
(S. 494)In diesem Buch gibt es meines Erachtens wieder sehr viele verschiedene erzählende Zeitebenen und Namen, die es sich zu merken galt, und für mich war es nicht immer leicht, mich schnell auf die dauernd wechselnden Erzählstränge einzustellen.
Erzählt wird das Ganze wieder sehr rasant, flüssig und durchaus spannend. Je höher die Seitenzahl wurde, desto gefesselter war ich und am Ende des Buches bin ich nur noch an den Seiten gehangen. Der Schluss ist wirklich erwähnenswert: spannend, gefährlich, ekelhaft, abartig und absolut irre! (Lasst euch das auf keinen Fall entgehen!)Und unsere drei Ermittler Carl, Assad und Rose haben mir diesmal mehr denn je gefallen. Besonders Carl hat für mich in diesem Fall "den Vogel abgeschossen". - So wie in diesem Buch habe ich ihn bisher noch nicht erlebt: mit Problemen bombardiert (beruflich und privat) mit denen er auf eine für uns Leser witzige Art und Weise umgeht.
Auch mein Lieblingssyrier Assad ist wieder einmalig. Die Geheimnisse, die sich um seine Person ranken, verdichten sich sogar noch ein wenig, aber durch seine unschuldige, gutmütige und engagierte Art hat er sich einfach in mein Leserherz geschlichen. Von ihm zu lesen ist jedes Mal ein besonderes Highlight!
Und was soll ich zu unserer eigensinnigen Rose sagen? Diese Frau ist äußerst unterhaltsam. In meinen (und ich glaube auch in Carls und Assads) Augen hat die Gute eindeutig einen Sprung in der Schüssel ...~ "Ich sag nur, dass es in ihr irgendetwas gibt, das wie ein Stein im Schuh scheuert." ~
(S. 168)Ein im wahrsten Sinne des Wortes unglaublich trauriger und wahnsinniger Fall in dem sich Carl und sein Team hier wiederfinden. Die Spannung baut sich nach und nach auf und gipfelt dann am Ende in einem irren Abschluss, den es sich absolut zu lesen lohnt.
Lasst euch "Verachtung" bitte auf keinen Fall entgehen, dieser Fall ist nämlich grandiose Unterhaltung, wie man sie selten in Thrillern findet!
tassieteufel zu »Jussi Adler-Olsen: Verachtung« 22.06.2015
Kommissars Carl Mørck und seine beiden Assistenten Rose und Assad ermitteln diesmal in einer Reihe von Vermißtenfällen, die sich Ende der 80ger Jahre ereigneten und alle recht zeitgleich stattfanden. Zunächst scheint es keine Parallelen zwischen den Verschwundenen zu geben, doch je weiter die Nachforschungen gehen, um so mehr führen alle Spuren auf die Insel Sprogø, wo in den 50ger und 60ger Jahren ein dunkles Kapitel der dänischen Geschichte stattfand.

Der 4. Fall für Carl Mørck und sein Team spielt diesmal auf 3 Zeitebenen. Die aktuelle Ermittlung im Jahr 2010, in den 80ger Jahren als 5 Personen recht zeitgleich verschwinden und in den 50ger Jahren. In diesem Erzählstrang kann man Nete Hermansen’s tragisches Schicksal mitverfolgen, das beim Lesen wirklich nahe geht und berührt. Besondere Brisanz bekommt diese Geschichte noch dadurch, dass es sich bei der Insel Sprogø und was dort passiert ist, um reale Geschehnisse handelt, die heute einfach nur schockieren.
Diese 3 Erzählebenen wechseln sich ab, im Prinzip weiß der Leser daher schon viel eher was mit den Vermißten passiert ist, und so zieht sich die Spannung hier auch mehr daraus, wie Carl Mørck und seine beiden Helfer Schritt für Schritt den Fall quasi von hinten aufrollen und langsam Parallelen zu Curt Wad und seiner radikalen Partei ziehen. Als Leser glaubt man daher alles vor Carl Mørck zu wissen und wird dann bei der Auflösung gehörig überrascht, hier ist es dem Autor gelungen, noch eine unerwartete Wendung einzubauen, ist völlig verblüfft.
Neben den Ermittlungen hat Carl aber auch privat viel um die Ohren. Vigga will sich plötzlich scheiden lassen und würde damit Carl finanziell ruinieren, mit Mona läuft es nicht so wie gewünscht und sein Cousin verbreitet Unwahrheiten über den Tod seines Vaters, die Carl beruflich ruinieren könnten. Auch über Rose und Assad erfährt der Leser von Band zu Band mehr, was die Charaktere vielschichtiger und komplexer erscheinen läßt. Vor allem Assad bleibt nach wie vor eine schwer einzuschätzende Person und über seine Vergangenheit tappt man weiterhin im Dunkeln. Seine recht schrulligen Charaktere hat der Autor ziemlich komplex und mit vielen Eigenarten angelegt. Wenn sie untereinander agieren, kommt es häufig zu ein wenig schrägen Szenen, bei denen man unweigerlich schmunzeln muß.
Insgesamt ein sowohl spannendes als auch berührendes Buch, das sich flott lesen läßt und einige Überraschungen bietet.

FaziT: ein komplexer Fall, der in mehreren Zeitebenen geschildert wird und durch seine realen Bezüge wirklich schockierend ist! Das tragische Schicksal der Frauen von Sprogø wird aber vom Autor einfühlsam beschrieben und in den Erzählsträngen um Carl und seine beiden Helfer gibt es auch recht unterhaltsame und launige Szenen, so dass auch der Humor nicht zu kurz kommt und die erschütternden Kapitel auf Sprogø ein wenig auflockert.
J.S.Ranket zu »Jussi Adler-Olsen: Verachtung« 26.01.2015
Der Plot ist schnell erzählt: Karl und Assad ermitteln im Fall der verschwundenen Rita Nielsen. Als sie herausfinden, dass in einem Zeitraum von wenigen Tagen noch fünf weitere Personen verschwunden sind, stoßen die beiden Mitarbeiter des Dezernats Q auf eine mysteriöses Heim, in dem Frauen und Mädchen umerzogen und teils auch zwangssterilisiert wurden. Zudem spielt Kurt Wad, ein Arzt, der in der Einrichtung eine Art privates Euthanasie-Programm aufgelegt hat und dessen neue Partei „Klare Grenzen“, eine unrühmliche Rolle. Logischerweise sinnt da die ehemalige Insassin Nete Hermansen auf Vergeltung, und dass macht sie durchaus sympathisch.

Schade nur, dass sich der Rachefeldzug gegen ihre ehemaligen Peiniger sehr voraussehbar gestaltet und auch die Figur des Fieslings Kurt Wad seltsam blass bleibt. Dabei gibt sich Adler-Olsen viel Mühe, seitenlange Elegien auf Assads

Schnupfennase zu verfassen und auch Roses Persönlichkeitsstörung scheint irgendwie lustiger zu sein. Ein oder zwei Seiten mehr und ich hätte eine Großpackung Tempos und Nasenspray nach Dänemark geschickt.

Fazit: Wer erinnert sich noch an die Zeiten, als die arme Merete jahrelang in einer Druckkammer gefangen gehalten wurde, so dass man beim Lesen das Abendessen vergaß? Oder als eine fast vergessene Flaschenpost auf die Spur eines Kindermörders führte? Ich hatte jedenfalls keine Probleme „Verachtung“ öfter aus der Hand zu legen.

Aber es ist ja nur eine Geschichte, und die ist wie so vieles im Leben – Geschmackssache.
Amica65 zu »Jussi Adler-Olsen: Verachtung« 19.01.2015
Im 4. Band um Carl Morck und sein Sonderdezenat Q geht es um eine Reihe verschwundener Menschen im Jahr 1987.

Jussi Adler-Olsen rollt in Rückblenden das Leben von Nete Hermansen auf, die nach dem frühen Tod der Mutter Ende der 1930er Jahren auf dem Bauernhof mithelfen muss. Der überforderte Vater verliert das Sorgerecht und Nete landet nach einigen Schicksalsschlägen in einer Besserungsanstalt für ausgestoßene Frauen auf Sprogo, einer gottverlassenen Insel. Erschreckend ist, dass es sich hierbei nicht um eine Fiktion handelt, die Anstalt gab es tatsächlich, wie uns der Autor in seinem Nachwort über dieses dunkle Kapitel in Dänemark mitteilt. In der Zeit von 1923 von 1961 entschieden hier selbsternannte Halbgötter in weiß über ca. 10.000 Zwangssterilisationen.

Als Nete später als Ehefrau eines angesagten Arztes von ihrer Vergangenheit eingeholt wird, nimmt sie gnadenlos Rache für die ihr angetanen Peinigungen.

Der Leser ist darüber die ganze Zeit informiert und das nimmt dem actionarmen Roman viel an Suspense. Auch der Knalleffekt zum Schluss ist für die Geschichte eigentlich unerheblich. Dieser lebt von dem Mitgefühl, dass man für Netes Schicksal empfindet und schrammt dabei so manches mal am Kitsch vorbei.

Der Autor wuchtet hier wieder mit seinem kongenialem Team um den schroffen, kauzigen Carl Morck, den geheimnisvollen Assad und die eigenwillige Rose mit all ihren Macken und Neurosen. Die Dialoge versprühen wieder den vertrauen Witz und Charme, aber selbst der war mir manchmal zu aufgesetzt.

Fazit: Ein schwächerer Adler-Olsen, aber immer noch ein solider Krimi, der über eine politische Brisanz verfügt. Leider nicht so mitreißend wie die Vorgänger.
jenvo82 zu »Jussi Adler-Olsen: Verachtung« 30.11.2014
Ein flotter vierter Fall des Sonderdezernats Q führt den Leser in die Vergangenheit einer gepeinigten Frau, die nun gnadenlos Rache nimmt – lesenswert.
Nete Hermansen verbrachte ihr Leben zwischen grausamen Menschen. Verleumdung, Vergewaltigung und Unterdrückung waren an der Tagesordnung. Als sie schließlich auf eine Besserungsanstalt für junge Mädchen geschickt wird, ereilt sie auch noch die Zwangssterilisation. Jahre später vollzieht Nete einen tödlichen Rachefeldzug an ihren Peinigern, übt Selbstjustiz indem sie die Beteiligten vergiftet. Dabei treibt sie nur ein unbändiger Überlebenswille an und die Aussicht auf Vergeltung. Der Autor versteht es prächtig, verschiedene Handlungsebenen und Erzählstränge miteinander zu verknüpfen. Auch die wechselnde Perspektive zwischen Opfer und Täter erhöht die Spannung und der wohldosierte Humor erledigt das Übrige. Fazit: Ein typischer Adler-Olsen Thriller, kurzweilig und unterhaltsam, spannend und politisch brisant.
Jossele zu »Jussi Adler-Olsen: Verachtung« 03.10.2014
Wieder gelingt es Adler-Olsen einen Thriller zu schreiben, der einen schier nicht mehr loslässt. Die Spannung hochzuhalten, das beherrscht er perfekt, selbst in diesem Fall, in dem zumindest einige der Morde deutlich vorhersehbar sind. Und am Ende überrascht er den Leser noch mit einem richtigen Knaller, der – ich habe mir die Mühe gemacht, dies im Buch nochmal gegenzulesen – auch logisch einwandfrei ist. Abzüge jetzt nur wegen der allzu eindimensional geratenen Personen.
85°
mysti zu »Jussi Adler-Olsen: Verachtung« 22.07.2014
Zu viel gewollt!Sicherlich ist das Ermittlerteam um Carl Mörck, den wunderbaren Assad und Rose eine schöne Erfindung, die immer wieder hübsche Episoden zwischen die Krimihandlung schleust, aber die Krimihandlung selbst ist doch arg überfrachtet. Wieviele spannende Situationen sind den nötig, in denen einer der Helden nur knapp dem Tod entgeht? Jedenfalls kann man so die Spannung wie in schlechten Thrillern immer wieder neu erzeugen, bis es dem Leser denn doch zu bunt wird. Das Ermitteln der alten Fälle - mehrere Vermisste - , gerät darüber in den Hintergund.
Sicherlich ist es auch beachtenswert den Umgang Dänemarks mit sogenannten "gefallenen Mädchen" in der Nachkriegszeit zu diskutieren, aber muss dieser blinde Fleck der Gesellschaft - wie ihn leider ja viele gesellschaften haben - gleich mit der Figur eines rechtsradikalen Oberschufts verwoben werden? Ich fürchte, gerade das trifft nicht den Kern der Sache. Es fragt sich ob, solches Wegsehen, was die Randgruppen der Gesllschaft anging, in den westlichen Gesellschaften wirklich von den "Bösen" initiiert wurde, oder nicht vielmehr von den scheinbar Wohlmeinenden.Und dann die Auflösung, wer denn für das Verschwinden der Gesuchten tatsächlich verantwortlich ist. Ich will hier nicht zu viel verraten: Aber dass mehr als eine Person bereit ist, mit dem Gruselkabinett zu leben, ist doch absurd und selbst für eine solche konstruierte Krimihandlung zu unglaubwürdig. Durch diesen Trick, kann man jeden Krimi "spannend" machen, indem nämlich dasselbe Tatmuster von mehreren benutzt wird und der Leser mal um mal hinters klicht geführt wird. Das macht - selbst wenn man den Autor nicht der Unredlichkeit zeihen kann, weil durch das Spiel mit unterschiedlichen Zeitebenen entsprechende Andeutungen fallen - keinen Spaß.
ich fürchte, das war mein letzter Adler Olsen
Torsten zu »Jussi Adler-Olsen: Verachtung« 08.04.2014
Ich bin irgendwie ein wenig zwiegespalten.
So rein von der Krimihandlung war das nicht gerade extrem spannend, weil dem Leser ja eigentlich alles stets bekannt ist. Es bleibt also kein Geheimnis aufzuklären was es mit den Verschwundenen auf sich hat - und auch der im Klappentext so in den Himmel gelobte allerletzte Twist war nicht gar so überraschend und vor allem auch eigentlich ziemlich belanglos; für das Ende des Buches sogar unerheblich.
Auch die Schilderung der privaten Probleme Carls fand ich diesmal irgendwie merkwürdig aufgesetzt, selbst der Umgang mit Rose und Assad war ganz anders als ich das von den ersten Romanen in Erinnerung hatte.
Die Stärken des Buches liegen in der Schilderung der anderen Figuren. Wie z.B. der ansonsten ja total unsympathische Curt Wad um seine Frau trauert fand ich absolut grossartig geschrieben.
Alles in allem nicht der überspannende Krimi, aber eine stets kurzweilig zu lesende Geschichte mit alten Bekannten - und man will dann doch wissen wie es mit Assad und Hardy und der alten Geschichte weitergeht.
Kathi195 zu »Jussi Adler-Olsen: Verachtung« 18.03.2014
Resümierend ein mittelmäßiges Werk von Adler-Olsen.
Die erste Hälfte des Buches liest sich sehr schleppend. Danach wird es spannender. Dennoch kann diese nicht bis zum Ende aufrecht erhalten werden. Zu durchsichtig und nicht wirklich überraschend kommt dann auch das Ende daher.
"Verachtung" kommt bei Weitem nicht an "Erbarmen" und "Erlösung" heran, sondern ist ähnlich wie auch "Schändung" entäuschend gewesen. Vielleicht war meine Erwartungshaltung aber auch zu hoch.

Fazit: kann man lesen, muss man aber nicht.

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