Erwartung von Jussi Adler-Olsen

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2012 unter dem Titel Marco effekten, deutsche Ausgabe erstmals 2013 bei dtv.
Ort & Zeit der Handlung: , 2010 - heute.
Folge 5 der Carl-Mørck-Dezernat-Q-Serie.

  • Kopenhagen: Gyldendal, 2012 unter dem Titel Marco effekten. 505 Seiten.
  • München: dtv, 2013. Übersetzt von Hannes Thiess. ISBN: 978-3423280204. 576 Seiten.
  • [Hörbuch] Berlin: Der Audioverlag, 2013. Gesprochen von Wolfram Koch. ISBN: 3862313069. 8 CDs.

'Erwartung' ist erschienen als Hardcover HörbuchE-Book

In Kürze:

Marco ist fünfzehn und hasst sein Leben in einem Clan,dessen Mitglieder von ihrem gewalttätigen und zynischen Anführer Zola in die Kriminalität gezwungen werden. Als er sein Sklavendasein nicht mehr aushält und flieht, stößt er ganz in der Nähe von Zolas Wohnsitz auf eine Männerleiche …Die Suche nach dem Mörder führt Carl, Assad, Rose und Gordon, den Neuen im Sonderdezernat Q, tief hinein in das Netzwerk der Kopenhagener Unterwelt, in den Sumpf von Korruption und schweren Verbrechen in Politik und Finanzwelt- und sie zieht Kreise bis in den afrikanischen Dschungel.

Das meint Krimi-Couch.de: »Nicht zu viel erwarten!« 75°

Krimi-Rezension von Jürgen Priester

Dänische Banker werden von der Finanzkrise gebeutelt und vergehen sich an den Ärmsten der Armen. In Kamerun wird der afrikanische Koordinator eines dänischen Hilfsprojektes gemeuchelt. Ein hoher Beamter des dänischen Außenministeriums verschwindet nach seiner Rückkehr von einer Inspektionsreise spurlos. Ein fünfzehnjähriger Junge will seinen kriminellen Familienclan verlassen und stolpert über eine Leiche. Das Sonderdezernat Q mit Carl, Rose und Assad ist gut drauf und löst einen Fall in Windeseile. Gleichzeitig müssen sie sich aber mit einem neuen Chef und einem unliebsamen Hospitanten herumschlagen. Durch Zufall wird Rose auf einen Fall gestoßen, der schon länger auf den Schreibtischen des Sonderdezernats ruht, der die Grundlage für Erwartung bildet.

Man kann nun nicht behaupten, Jussi Adler-Olsen gingen die Ideen aus. Auch die fünfte Folge der Carl-Mørck-Reihe wartet mit einem vielschichtigen Plot auf. Der Autor spannt geographisch einen Bogen über mehrere Kontinente. Erwartung beginnt im Herzen Afrikas, spielt hauptsächlich in Kopenhagen und dem Umland und endet irgendwo in Südamerika. Kriminalistisch reicht das Spektrum vom simplen Taschendiebstahl bis zu brutalen Auftragsmorden. Das könnte jetzt vor Spannung nur so knistern, tut es leider nicht. Adler-Olsen bleibt bei seiner Strategie des offenliegenden Plots. Der Leser wird vorab über alles informiert, diesmal gibt es weder Geheimnisse noch Überraschungen, wenn man mal vom Ende der Story absieht. Natürlich kann auch ein solches Konzept Spannung in sich bergen, wenn z.B. die Ermittler sich nahe am Täter befinden, dieser aber immer entwischt, oder wenn man die Ermittler auf einer falschen Fährte beobachtet. Und noch einmal Fehlanzeige. Adler-Olsen konzentriert sich auf das Innenleben seines Q-Teams und widmet sich in aller Ausführlichkeit dem Schicksal eines Jugendlichen, der unbarmherzig von seiner »Familie« gejagt wird.

Der Marco-Effekt

Der Untertitel von Erwartung lautet »Der Marco-Effekt« – abgeleitet vom Titel des dänischen Originals. Darunter stellt sich Jussi Adler-Olsen so etwas wie den berühmten Schmetterlings-Effekt vor, nur halt auf kürzere Distanz und direkt wirkend.

Der fünfzehnjährige Marco ist Mitglied einer Bande Kleinkrimineller, die sich mit professioneller Bettelei, Taschendiebstahl und Trickbetrügereien über Wasser hält. Er sieht sie als seine Familie an, schließlich gehören sein Vater und sein Onkel auch dazu. Aber ein richtiger Familien-Clan sind sie doch nicht, eher ein Haufen Gestrandeter aus verschiedenen Nationen, die eine etwas dunklere Hautfarbe kennzeichnet. (Adler-Olsen laviert da ziemlich herum. Erst bringt er ohne Notwendigkeit die Bezeichnung »Zigeuner« ins Spiel, um das dann, der »political correctness« gezollt, ständig zu relativieren. Sehr ungeschickt gemacht, Herr Autor!)

Auf jeden Fall ergreift Marco, als er mitkriegt, dass der »Boss« ihn vorsätzlich zum Krüppel machen will, um noch bessere Ergebnisse beim Betteln zu erzielen, unverzüglich die Flucht. Nachts allein im Wald, die Häscher im Nacken, verbuddelt er sich im weichen Waldboden und bleibt unentdeckt. Unglücklicherweise hat er sich genau eine Stelle ausgesucht, an der schon eine Leiche notdürftig vergraben liegt. Marco ahnt, dass seine Sippschaft etwas damit zu tun haben könnte.

Das Auffinden der Leiche löst einen Dominoeffekt aus. Nicht nur Marcos Clan ist durch dessen Wissen gefährdet, sondern auch eine Reihe hochstehender Persönlichkeiten, deren Komplott aufzufliegen droht. Marco taucht in Kopenhagen unter. Er will seine kriminelle Vergangenheit hinter sich lassen, nicht nur weil er jetzt im Visier mehrerer Banden steht, sondern auch weil er schon länger nicht mehr die entsetzten Gesichter der Opfer, die er betrogen und beraubt hat, ertragen kann. Er möchte zu den »Guten« gehören, möchte zur Schule gehen, lernen, studieren – ein anderes »normales« Leben führen. Doch seine Verfolger lassen ihn nicht zur Ruhe kommen. Sein jetziges Leben ist eine permanente Flucht

Nette Unterhaltung

Wenn man die Kriminalliteratur der letzten zwei Jahrzehnte Revue passieren lässt, kann man feststellen, dass sich – ähnlich wie im Fernsehen – markante Hauptprotagonisten als Erfolgsgaranten etabliert haben, was sich sowohl in ihrer Beliebtheit bei der Leserschaft als auch ganz konkret in besten Verkaufszahlen widerspiegelt. Es ist müßig, all die vielen Lynleys, Scarpettas oder Kluftis aufzuführen. Jussi Adler-Olsen hat mit Carl-Mørck, Rose und Assad aus dem Sonderdezernat Q Kultfiguren geschaffen. Waren sie in den ersten Folgen der Reihe noch nicht so richtig greifbar, haben sie bis zur vorliegenden Folge 5 deutlich schärfere Konturen angenommen und ihre privaten und dienstlichen Interaktionen nehmen einen breiteren Raum ein. Es ist Geschmackssache, ob man von ihren kalauernden Gesprächen und Gedanken begeistert ist oder sie für entbehrlich hält. Dem Rezensenten kommt die Fallanalyse und die Aufklärung als Herzstück eines Kriminalromans einfach zu kurz. Da stimmt die Gewichtung nicht mehr. Ein Quickie auf dem Dienstschreibtisch oder das permanente Einstreuen von Kamel-Witzen erhöhen zwar den Unterhaltungswert, schmälern aber gleichzeitig das Wesentliche eines Krimis: die Spannung.

Wenig Spannung

Das Ausgangsverbrechen wird von verzweifelten Bankern initiiert. Ob ihr Problemlösungsweg der Wirklichkeit standhält, darf bezweifelt werden. Aber seit »Alphabethaus« und »Washington-Dekret« wissen wir, dass Jussi Adler-Olsen mit eigenen Realitäten arbeitet. Im konkreten Fall ist es nicht so entscheidend. Schwerer wiegt, dass es Adler-Olsen wieder misslingt, mit einem guten Plot Spannung zu erzeugen. Was ist eine Verschwörung ohne geheime Drahtzieher, wenn alle Rollen verteilt sind und offen benannt werden?

Auch der Marco-Handlungsstrang birgt eher wenig Spannung. Obwohl Marcos (Dauer-)Flucht für die nötige Action sorgt, ist sie im Grunde genommen eine rührende Herzschmerz-Geschichte mit absehbarem Ausgang. Die Wandlung eines jugendlichen Saulus zum Paulus kann aus moralischen Gründen nicht schlecht ausgehen.

Eine »Ende gut, alles gut«-Geschichte. Mainstream für den amerikanischen Markt, auf dem Jussi Adler-Olsen mittlerweile gut Fuß gefasst hat. Eine bange Frage bleibt für die Fortsetzung: Wendet sich Carl Mørck seiner alten gescheiterten oder seiner neuen scheiternden Beziehung zu?

Nein, die bange Frage lautet: Macht Jussi Adler-Olsen auf diesem bescheidenen Niveau weiter? Oder kriegt er noch mal die Kurve?

Jürgen Priester, Oktober 2013

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tassieteufel zu »Jussi Adler-Olsen: Erwartung« 02.03.2016
Der 15 jährige Marco lebt in einem Zigeunerclan, der sich mit allen möglichen kriminellen Aktivitäten seinen Lebensunterhalt sichert. Geführt wird der Clan von Zola, einem gewalttätigen und sehr berechnenden Mann, der die Kinder zum Betteln auf die Straße schickt und sie später wenn sie älter sind, als Taschendiebe einsetzt. Aber auch Mord und Totschlag stehen auf Zolas Programm. Marco ist intelligent und wissbegierig und möchte nichts sehnlicher als ein normales Leben, weg Zolas Brutalität und dem Sklavendasein. Als er bei seiner Flucht auf das Grab eines Mannes stößt, löst das eine Kettenreaktion aus, denn Carl Morck und sein Team vom Dezernat Q ermitteln im Fall eines verschwundenen Mannes der eben jener Tote aus dem Grab ist. Carl, Assad und Rose stechen in ein Wespennest aus Korruption und Mord in der Politik und Finanzwelt, das äußerst unangenehme Zeitgenossen auf den Plan ruft.

Mit dem 5. Band der Thriller Reihe um Carl Morck und sein Team hat der Autor die hohen Erwartungen bei mir sogar noch übertroffen. Das Thema dass der Autor gewählt hat, Wirtschafts- und Bankenkrise, verknüpft mit Korruption und Veruntreuung und dem organisierten Verbrechen ist nicht nur sehr spannend sondern auch hochaktuell und vermutlich sehr realistisch. Die Geschichte wird in mehreren Handlungssträngen erzählt, wobei diesmal die eigentliche Ermittlungsarbeit von Carl und seiner Truppe eher im Hintergrund steht und der Handlungsstrang um den Zigeunerjungen Marco und sein Schicksal viel Raum einnimmt. Der Plot ist hervorragend aufgebaut und steigert seine Spannung stetig. Als Leser weiß man zwar schon von Anfang an, wer der Tote ist und warum er sterben mußte, auch wer die Drahtzieher hinter allem sind, trotzdem bleibt einiges zunächst unklar und wie dann Carl und sein Team sämtliche losen Fäden zusammen fügen und den Mordfall mit Marcos Geschichte verknüpfen, das ist hier extrem spannend gelungen. Denn gerade mit Marcos offenem Schicksal fiebert man beim Lesen förmlich mit.
Seine Hautcharaktere, Carl, Assad und Rose hat der Autor auch diesmal weiter entwickelt, es gibt neue Entwicklungen sowohl bei der Polizei als auch in Carls Privatleben, Assad erholt sich langsam von seinen Verletzungen aus dem letzten Teil und auch aus seiner Vergangenheit werden wieder ein paar Puzzleteilchen hinzugefügt. Assads diverse Versprecher sorgen wieder mal für kleine launige Zwischenspiele und auch Rose hat nicht nur wieder diverse Scharmützel mit Carl auszutragen, sie wird auch mit einem hartnäckigen Verehrer konfrontiert.
Insgesamt fesselt das Buch von der ersten bis zur letzten Seite und man kann es nur schwer zur Seite legen, hat man einmal mit Lesen angefangen.

Fazit: Der Autor verknüpft hier eine brisante und aktuelle Thematik um Korruption und Wirtschaftskriminalität mit seiner fiktiven Thrillerhandlung zu einer extrem spannenden Geschichte, bei der man trotz des Wissensvorsprungs zu den Ermittlern von Anfang an mitfiebert. Der prägnante Schreibstil des Autors, der zudem mit einer Spur eigenen Humors durchzogen ist, läßt sich flott und eingängig lesen und schafft mit wenigen Worten stimmige und bildhafte Szenarien. Die etwas schrägen aber liebenswerten Hautfiguren wachsen dem Leser weiter ans Herz und wecken natürlich die Neugier auf den nächsten Teil.
Janine2610 zu »Jussi Adler-Olsen: Erwartung« 30.01.2016
In Band fünf der Sonderdezernat Q - Thrillerreihe geht es im Kern um eine Betrugsaffäre nicht unbeträchtlichen Ausmaßes. Es geht um Aktien und um Geld. Sehr viel Geld, um genau zu sein. Dieser Thriller schafft es meiner Meinung nach sehr gut, den Lesern bewusst zu machen, zu welchen skrupellosen Handlungen Menschen in der Lage sein können, wenn sie ihre Gelder schützen wollen.

~ Nein, Geldgier kennt keine Grenzen, dachte René. ~
(S. 471)

Die Story startet mit einem Prolog, der mich erst mal reichlich verwirrt zurückgelassen hat, der aber, wie Prologe das ja meist so an sich haben, enorm wichtig für die Geschehnisse im Hauptteil ist. Am Beginn der eigentlichen Geschichte lernen wir Marco, den Typ aus dem Untertitel, kennen. Marco ist ein 15-jähriger Junge aus dem Ausland, der Teil eines verbrecherischen Clans ist. Da Marco aber viel zu gutherzig ist und einen großen Gerechtigkeitssinn besitzt, steigt er aus dem Clan durch eine Flucht aus. Mit anderen Worten: Marco ist in all der Zeit im Clan nicht zu einem gefühlskalten Monster geworden und will nun ein legales, besseres und erfolgreiches Leben führen. Da die Mitglieder des Clans natürlich nicht sicher sein können, was Marco ausplaudern wird, suchen und verfolgen sie ihn nun ...

~ Mitleid zu bekommen mit denen, die man bestahl, war das Schlimmste, was einem passieren konnte. ~
(S. 200)

Mittendrin natürlich wieder unser leicht aus der Haut fahrender Vizepolizeikommissar Carl Mørck und seine beiden Assistenten, der immer noch sehr mysteriöse Assad und die unberechenbare, mit Vorliebe schwarzgekleidete Rose.
Diesmal aber hat unser Trio zwangsweise Unterstützung (wenn man das so nennen kann?) von Gordon erhalten. Carl wird nicht müde, ihn so oft wie möglich als "noch feucht hinter den Ohren" zu beschreiben, was ich persönlich unterschreiben kann, nachdem ich ihn ein wenig kennengelernt habe. Dieser Gordon scheint aber (unverständlicherweise) auf unsere kratzbürstige Rose zu stehen.

~ Lieber ein Furunkel an einer gewissen Körperstelle als Rose auf dem Kriegspfad. ~
(S. 162)

Mein absoluter Lieblingscharakter ist und bleibt aber mein lieber Assad. Der Gute bringt mich mit seinen Anekdoten über ... Kamele und seinen Wortverdrehungen immer wieder zum Lachen und er hat so etwas unschuldig Naives an sich, das ich einfach nur liebenswert finde. Gleichzeitig ist der Mann mysteriös und unergründlich. Um seine Figur ranken sich, meiner Meinung nach, momentan noch die größten Geheimnisse. Und es macht mich fast wahnsinnig, dass der Autor immer noch nur so wenig über seine scheinbar sehr schwierige Vergangenheit preisgibt.

~ Sie sahen sich einen Moment an, dann prustete Assad los.
»Alles Blödsinn, Carl. Er hat keinen feuchten Schimmer.«
Carl lächelte. »Blassen Schimmer, Assad. Keinen blassen Schimmer.« ~
(S. 163)

Von meinem Gefühl her hat es leider recht lange gedauert, bis ich in die Geschichte gefunden habe. Mir persönlich waren es zu viele verschiedene Erzählstränge. Wirklich zugesagt haben mir anfangs nur der Sonderdezernat Q - Erzählstrang und der mit dem ständig flüchtenden Marco. Mit den paar anderen Sichtweisen konnte ich erst nicht wirklich was anfangen. Ich habe teilweise nur "Bahnhof" verstanden. Erst etwa im letzten Drittel des Buches, wurde es für mich spannend und wirklich mitreißend, weswegen ich die letzten 150 Seiten dann sogar am Stück gelesen habe.

~ Die sicherste Methode, das Verschwinden eines Menschen aufzuklären, war herauszufinden, welches Motiv dahintersteckte. Und seinem Gefühl nach kamen sie diesem Motiv gerade auf die Spur. ~
(S. 414)

Für mich war dieser Thriller leider erst ab etwa der Hälfte gut. Ab da wurde es für mich dann stetig mitreißender, ich habe Zusammenhänge erkennen können und das Gesamtbild der Hintergründe wurde mir immer verständlicher und klarer. In der ersten Buchhälfte war ich fast nur verwirrt und habe den roten Faden nicht finden können, weswegen ich erst auch noch keine große Freude für den 5. Sonderdezernat Q - Fall aufbringen konnte.
Mein Gesamteindruck vom Buch ist aber trotzdem sehr positiv. Für Fans vom Sonderdezernat Q - Team und von Thrillern über Wirtschaftskriminalität ist dieses Exemplar hier auf alle Fälle zu empfehlen!
Jossele zu »Jussi Adler-Olsen: Erwartung« 30.01.2016
Auch der 5. Fall von Carl Mørck, in dem es um den Zigeunerjungen Marco geht, der vor seinem skrupellosen Clanchef Zola flieht, um seiner Verstümmelung zu entgehen, ist wieder äußerst spannend erzählt und fesselt von der ersten bis zur letzten Seite. Dabei gerät er in ein Mordkomplott, in das zwei Bankchefs und ein hoher Beamter des Außenministeriums verwickelt sind, weshalb in nun nicht nur sein Clan jagt, sondern auch die drei „Ehrenmänner“, die nicht davor zurückschrecken, ein afrikanisches Killerkommando auf Marco anzusetzen. Wie der nun eine lange Zeit seinen Jägern, zu denen sich dann auch noch Carl Mørck und sein Dezernat Q gesellt, immer wieder im letzten Moment entkommt, ist zwar relativ unwahrscheinlich, aber spannend allemal. Die ganze Geschichte ist sicherlich kein Ausbund an Logik, wenn man sie an der Realität misst, aber in sich ist sie stimmig. Auch die Sidekicks mit dem gelähmten Hardy, der erstaunliche Fortschritte macht und über Assads Vorleben werden ein wenig weiterentwickelt. Rundum gelungen. 85°
Chris aus H. zu »Jussi Adler-Olsen: Erwartung« 01.09.2015
Wow! – selbst im fünften Teil der Dezernat-Q-Serie schafft es Jussi Adler-Olsen auf dem hohem Niveau seiner Erzählkunst zu bleiben.
Natürlich ist es kein klassischer „Whodunit“-Krimi, aber dazu liest man ja
Jussi Adler-Olsen auch nicht.
Es gelingt ihm wieder von Beginn an einen Spannungsbogen aufzubauen,
in dem er mit verschiedenen Erzählsträngen beginnt, die scheinbar Nichts
verbindet.Kapitel für Kapitel kommt man den komplexen Verbindungen auf die Schliche, während sich in den einzelnen Untergeschichten immer wieder und oft unerwartet eine rasant ansteigende Spannung aufbaut.
So bleibt der ganze Plot permanent spannend.Quasi nebenbei entwickelt der Autor die Protagonisten des Dezernats Q konsequent weiter, ohne dass dies aufgesetzt oder gekünstelt wirkt. Nachdem man in den vergangenen Romanen schon einiges über die Hauptfiguren erfahren hat, arbeitet sich der Leser weiter in die Psyche des Carl Morck ein und kann die Erkenntnisse über Rose aus dem vergangenen Roman weiter nachvollziehen.Auch über die Geschehnisse des romanübergreifenden Falls dieser Reihe bekommt man wieder etwas mit.Die Person des Assad bleibt weiter rätselhaft, kleine Hinweise bekommt man trotzdem.
Einziger kleiner Kritikpunkt ist die ständige Flucht des Jungen Marco, bei
dem es eine oder zwei Schleifen weniger auch getan hätten.Gekonnt schafft es Adler-Olsen auch dieses Mal, in den Plot ein sozialkritisches Thema – nämlich das der Bettel-Mafia - einzuarbeiten.Insgesamt ein intelligenter, gelungener und spannender Adler-Olsen.
horst.a.schirgi zu »Jussi Adler-Olsen: Erwartung« 13.07.2015
alle Adler ohlsen gelesen , fand die meisten ziemlich gut , aber das hier - sorry
diese nervende Flucht des einen Protagonisten , schrecklich aber nicht spannend.
der Ansatz , eine Parabel über das kapitalistische system zu schreiben ist lächerlich gescheitert.
ob der Herr morck sich der Lisbeth oder der mona zuwendet - mir ists egal , bye Dezernat q
Carolina zu »Jussi Adler-Olsen: Erwartung« 23.03.2015
Ich lese gerade den 6. Fall, nachdem mich der 5. Fall doch ziemlich enttäuscht hat. Also der 6. ist wieder besser! Im 5.Fall habe ich nicht so sehr die Spannung vermisst, als mir die 100te Seiten lange Flucht des Knaben Marco genervt hat. Die war doch im höchsten Maße unwahrscheinlich, wie der immer wieder entkommen ist, das war lächerlich und langweilig.
Die Idee war ja nicht schlecht, die Ausarbeitung auf 200 Seiten weniger wäre sicher besser gewesen.
Im übrigen bestätigt es sich auch bei Adler Olsen, dass die Folgebände einer feststehenden Ermittlergruppe meist schwächer werden. Die Luft ist oft raus. Naja, wir werden es ja lesen, denn da bin ich stur, ich werde seine Bücher über das Sonderdezernat weiterkaufen, wenn er die Reihe fortsetzt.
Anton Schellen zu »Jussi Adler-Olsen: Erwartung« 27.01.2015
Meine Herren, was sind wir doch verwöhnt! Ich habe auch alle 5 Bände gelesen und muss sagen, daß dieses Buch mich gefesselt hat. Ich lese oft im Bett und habe mich zwingen müssen, das Licht irgendwann auszumachen. Was erwartet die Leserschaft eigentlich? Immer kompliziertere Fälle? Im ersten Band konnte ich mit den Namen manchmal ins Straucheln kommen. Hier war alles sauber verständlich. Es wurde ein Fall mit allen Sonderbarkeiten im "Keller" und auch mit Humor gelöst. Man fieberte mit dem Jungen mit usw. Spannend und gut lesbar bis zum Schluss. Jedenfalls spannender als der Fall mit Nele in Band 4. Also, etwas auf dem Teppich bleiben und nicht immer noch mehr, noch mehr.
Amica65 zu »Jussi Adler-Olsen: Erwartung« 19.01.2015
Im bereits 5. Roman um das Sonderdezernat Q um ungelöste Fälle werden wieder mehrere Handlungsstränge miteinander verwoben. Es geht um Marco, einen 15-jährigen Jungen, der in einem Zigeuner-Clan aufwächst. Oberhaupt ist sein sadistischer Onkel und den Lebensunterhalt verdienen sich Marco und seine 'Familie' mit Betteln und Stehlen. Für den intelligenten Teenager wird dieses Leben voller Gewalt und Kriminalität immer unerträglicher und ihm gelingt die Flucht. Als er dabei über eine Leiche stolpert, tritt er eine Welle der Ereignisse los. Darauf bezieht sich der Untertitel des Roman, 'der Maro-Effekt' nach dem Schmetterlings-Effekt, bei dem ein kleines Ereignis eine große Wirkung erzielt.

Das Ausgangsverbrechen wird allerdings von verzweifelten dänischen Bankern begangen, als im tiefsten afrikanischen Dschungel ein Mitarbeiter einer Hilfsorganisation verschwindet.

Fazit: Ideenlosigkeit kann man dem Autor bestimmt nicht vorwerfen. Gekonnt spannt er einen Bogen von Zigeunern über Korruption in Finanz- und Politikwelt bis hin zu Entwicklungshilfe in Afrika. Aber nachdem ich von den ersten 3 Romanen restlos begeistert war, fand ich diesen wie auch schon den letzten nur mittelmäßig. Es fehlt wie auch im 4. Fall der Spannungsbogen, da man als Leser alles von Anfang an weiß. Ein an sich vielversprechender Plot mit Verschwörung und Intrigen, aber kein Geheimnis hält den Leser bei der Stange. Stattdessen besteht die Handlung zum großen Teil aus Verfolgungsjagden durch Kopenhagen. Marco flieht über Hunderte von Seiten vor seinen Verfolgern, erst vor dem Zigeuner-Clan, der in als Verräter und Zeugen ausschalten will, dann vor afrikanischen Kinder-Soldaten. Es ist auch reichlich unglaubwürdig, dass Marco diesen ausgebildeten brutalen Profi-Killern immer wieder entwischt.

Es ist Adler-Olsen sicherlich gelungen, mit Carl, Rose und Assad Kultfiguren zu erschaffen und sie agieren auch gewohnt schrullig und unorthodox. Ich kann auch noch über den 10. Kamelspruch lachen, trotzdem wirkt das mittlerweile sehr bemüht, die Truppe gerät langsam fast zur Karikatur. Auch die neu hinzugekommene Figur Gordon konnte mich nicht wirklich überzeugen, so als hätte der Autor gedacht, ach den muss ich ja auch noch irgendwie originell gestalten.

Zum Schluss, wenn die Bösen verloren und die Guten gewonnen haben, erinnert der Roman an ein modernes Märchen. Unglaubwürdig, dass der 'Gutmensch' Marco, der sich trotz Aufwachsens in liebloser, gewalttätiger und krimineller Umgebung einen so guten Charakter bewahrt hat.

Ich werden trotzdem testen, ob Adler-Olsen noch mal die Kurve kriegt und auf jeden Fall den 6. Band lesen.
manni zu »Jussi Adler-Olsen: Erwartung« 26.11.2014
Da ist die Luft raus. Ich gebe jetzt nach 100 Seiten auf. Die Marco Geschichte ist schon lange ausgelutscht und jetzt wird das Ermittlerteam auch langweilig, das wirkt alles sehr bemüht, spannend ist es gar nicht mehr. Sehr Schade, aber die ersten vier Bände waren guter Lesestoff, das reicht jetzt auch. Eine Bewertung erspare ich dem Autor.
James_Blond zu »Jussi Adler-Olsen: Erwartung« 21.11.2014
Das Sonderdezernat Q kommt dem dänischen Staat sehr billig. Alle in den Bänden 1 bis 5 überführten Täter mussten weder einem Richter Rechenschaft ablegen noch in einem Gefängnis darben. Hmmm. Das mag vielleicht die aufgebauten Rachegelüste seiner Leserschaft befriedigen, realistisch ist das aber keinesfalls.

Wer die ersten 4 Bände gelesen hat, kennt auch bei diesem Buch von Beginn an das Schicksal, das alle "Bösen" ereilen wird. Is' a bissi fad.

Btw: Warum heißt das Buch Erwartung? Ist mir schleierhaft (offensichtlich auch dem deutschen Verlag, sonst hätte man nicht den Untertitel 'Der Marco-Effekt' hinzugenommen).

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