Erbarmen von Jussi Adler-Olsen

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2007 unter dem Titel Kvinden i buret, deutsche Ausgabe erstmals 2009 bei dtv.
Ort & Zeit der Handlung: , 1990 - 2009.
Folge 1 der Carl-Mørck-Dezernat-Q-Serie.

  • Kopenhagen: Politikens Forlag, 2007 unter dem Titel Kvinden i buret. 378 Seiten.
  • München: dtv, 2009. Übersetzt von Hannes Thiess. ISBN: 978-3423247511. 416 Seiten.
  • München: dtv, 2011. Übersetzt von Hannes Thiess . ISBN: 978-3423212625. 424 Seiten.
  • [Hörbuch] Berlin: DAV, 2009. Gesprochen von Wolfram Koch und Ulrike Hübschmann. ISBN: 3898138844. 5 CDs.

'Erbarmen' ist erschienen als TaschenbuchHörbuchE-Book

In Kürze:

Und dann kam die Angst wie ein schleichendes Gift. Die verzerrte Stimme kam aus einem Lautsprecher irgendwo im Dunklen: »Herzlichen Glückwunsch zu deinem Geburtstag, Merete. Du bist jetzt hier seit 126 Tagen, und das ist unser Geburtstagsgeschenk: Das Licht wird von nun an ein Jahr lang eingeschaltet bleiben. Es sei denn, du weißt die Antwort: Warum halten wir dich fest?« Am 2. März 2002 verschwindet eine Frau spurlos auf der Fähre von Rødby nach Puttgarden, man vermutet Tod durch Ertrinken. Doch sie ist nicht tot, sondern wird in einem Gefängnis aus Beton gefangen gehalten. Wer sind die Täter? Was wollen sie von dieser Frau? Und: Kann ein Mensch ein solches Martyrium überleben?

Das meint Krimi-Couch.de: »Facettenreiches, spannendes und pointiertes Serien-Debüt « 88°Treffer

Krimi-Rezension von Jochen König

Vizekriminalkommissar Carl Mørck steckt tief in einer Krise. Während der Überprüfung eines Tatorts wurden er und zwei seiner Kollegen Opfer eines brutalen Angriffs. Mørck kam zwar mit einem Streifschuss davon, seine Partner traf es um so heftiger. Anker starb an den Folgen der Schussverletzung und Hardy liegt querschnittsgelähmt im Krankenhaus. Zutiefst deprimiert bittet er Mørck sogar um Sterbehilfe.
Worauf sich dieser, obwohl mental angeschlagen, nicht einlässt. Stattdessen hadert er mit seinem Schicksal und nervt seine Umgebung. Wurde seine schroffe Persönlichkeit in der Vergangenheit durch sein Team und die erfolgreiche Arbeit abgemildert, ist der leidende Mørck seinen Vorgesetzten und Kollegen der Mordkommission jetzt ein Dorn im Auge. Leider zu populär, um ihn ohne weiteres herausreißen zu können. Also bedient man sich des umgekehrten Weges und befördert ihn.

In den Keller. Als Leiter des neu gegründeten Sonderdezernats Q soll er sich mit offenen, alten Fälle beschäftigen.
Zunächst kümmert sich Mørck um sein Wohlbefinden, denn das Dezernat Q wurde mit einem Millionenhaushalt versehen, der aber weitgehend an dem Chef ohne Untergebene vorbei, in andere Abteilungen fließt. Doch was für ein Druckmittel. Und so sieht sich Mørck bald ausgestattet mit gepflegtem Dienstwagen, Gerätschaften nach Wunsch und einem Assistenten namens Assad, der sich als findiger Mann für alle Fälle entpuppt. Und der erste spektakuläre Fall ist auch schnell gefunden: das nie geklärte Verschwinden der Merete Lynggaard.
Lynggaard, attraktive und aufstrebende Politikerin, verschwand fünf Jahre zuvor, nach einem Streit mit ihrem behinderten Bruder Uffe, von Bord einer Fähre. Ihre Leiche wurde nicht gefunden, Uffe zwar verdächtigt, aber nie angeklagt. Nachlässigkeiten während der ersten Ermittlung erregen das Interesse Carl Mørcks. Und so verbeißt er sich, gemeinsam mit seinem Adlatus Assad, in den Fall, findet Spuren, die vorher übersehen wurden und kommt so dem Schicksal der verschwundenen Abgeordneten immer weiter auf die Spur. Das sich als weit grauenerregender entpuppen wird, als jemals angenommen.

Jussi Adler-Olsen ist ein Filou. Schickt er den Leser doch mit Wonne und Wucht in ein typisch skandinavisches Szenario: traumatisierter, von seiner Frau verlassener, egomanischer Polizist findet neuen Lebensmut, während einer Ermittlung, die ihn wieder auf sich selbst zurück wirft. Doch gleichzeitig bricht er mit allen larmoyanten Begrenzungen, die in den Gefilden der Mitternachtssonne den gebeutelten Ermittlern triefende Augen verschaffen.
Denn Mørck ist nicht nur zweifelndes Opfer, sondern hartgesottener, arroganter Individualist, der die Welt nach seiner Pfeife tanzen lässt, und letztlich daran verzweifelt, dass er die Pfeife vorübergehend aus den Händen geben muss. Doch mit Assad zusammen wird er zum coolsten Duo, das Dänemark seit Pat und Patachon gesehen hat. Nach einer Phase der Lethargie, die Olsen genüsslich ausmalt, klären Mørck und sein Kompagnon nicht nur die Ereignisse um Merete Lynggaard, sondern leisten auch noch Hilfestellung bei aktuellen Fällen, die Mørcks zwischenzeitlich bröckelnde Position festigen. Trotz gelegentlicher Attacken einer übelmeinenden Presse.

Olsen lässt wahrlich nichts aus. Rätsel raten, Traumata, Psychopathen, alltäglicher Rassismus, sich selbst verwirklichende Frauen, Medienschelte und Rettung in höchster Not: er spielt mit Versatzstücken des Polizei- wie Psychothrillers, ein Jongleur, der mit einem halben Dutzend rotierender Kettensägen gleichzeitig arbeitet. Und dies mit Charme und Laissez-faire auch bewältigt.
Er bewegt sich derart gewandt auf dem schmalen Grat zwischen Parodie und hochgradiger Spannung, dass es eine wahre Lust ist. Die Episoden um die gefangene Merete Lynggaard und ihre Qualen haben die passende Länge, um nicht zu nervender Exploitation-Ware auszuarten. Mørck, seine berufliche Umgebung und Assad bewegen sich genau an jenem Rand des Wahnsinns, der mit einem Bein im Alltäglichen bleibt.

Und er kreiert dabei Figuren mit Wiedererkennungswert en masse. Sei es Vigga, die fidele Noch-Gattin Mørcks mit ihren hochtrabenden Plänen, und der Fähigkeit beständig zum falschen Zeitpunkt anzurufen, Jesper, der Heavy Metal liebende Sohn, der nur wenige Pinselstriche bekommt, die ihn aber als gleichwertigen Partner und freundlichen Skeptiker etablieren, oder Mørcks versponnenen Untermieter Morten, dessen Playmobil-Sammlung zur Lösung des Falles beiträgt und gleichzeitig für arge Gewitterwolken unter den Beteiligten sorgt.

Jussi Adler-Olsen ist ein facettenreicher Gewinner: Erbarmen ist gleichzeitig spannend, aberwitzig, nachdenklich, gut gelaunt, zu Tode betrübt, übertrieben, realitätsnah und voller surrealer Possen. Plus der spannenden Frage, ob das Level im nächsten Buch gehalten wird (in Dänemark wurde mittlerweile bereits der dritte Band um das Dezernat Q mit Erfolg veröffentlicht). Das Fundament ist gegossen …

Wenn Adler-Olsen sich von den Pilzen fernhält, die der Klappentextschreiber scheinbar genommen hat, der vollmundig verkündet: »Der Albtraum einer Frau. Ein dämonischer Psychothriller. Der erste Fall für Carl Mørck.«
Ja was denn nun? Kein Albtraum, sondern Realität. Keine Dämonen, sondern zutiefst verletzte Seelen. Kein Debütant, sondern ein erfahrener Ermittler in neuer Umgebung. Ansonsten stimmt alles.

Jochen König, November 2009

Ihre Meinung zu »Jussi Adler-Olsen: Erbarmen«

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Simone zu »Jussi Adler-Olsen: Erbarmen« 23.06.2014
Ich habe auf Grund dieser vielen positiven Bewertungen dieses Buch mir in der Bücherei besorgt und bin ein wenig enttäuscht von der Handlung und schreibweise dieses Buches. Es hat mich schon etwas Überwindung gekostet, dass Buch nicht nach den ersten 50 Seiten weg zu legen. Das Buch braucht m.M. nach zu lange um in Fahrt zu kommen. Ausserdem kann man sich schon ab Mitte des Buches denken, wer hinter dem allen steckt. Der Kommisar macht mir zwar einen netten Eindruck aber den zweiten Teil werde ich aufgrund fehlender Spannung nicht weiterlesen.
iceman zu »Jussi Adler-Olsen: Erbarmen« 12.05.2014
Ich finde dieses Buch gut.
Frage mich, aber nach vielen gelesenen Büchern und geschichtsinterressieste Frau, woher die Idee für Erbarmen kommte. Denke da an die Nazis die solche Versuche machten. Dann finde ich es nicht mehr gut. Er sollte neue Themen aufnehmen.
Ja Assad der sollte bleiben, aber ist es nicht genau das...

Gruss Iceman
herbstmeier1806 zu »Jussi Adler-Olsen: Erbarmen« 21.04.2014
Auch ich kann dieses Buch nur wärmstens empfehlen. Die Charaktere sind sehr gut beschrieben, die Handlung ist echt spannend und bis zum Schluss habe ich mitgefiebert, ob es ein Happy-End gibt.
Besonders gut finde ich auch die Nebenhandlungen (welches Geheimnis hat Assad? Wer hat auf Hardy und Morck gesschossen?), so dass ich unbedingt auch die Nachfolgeromane lesen muss.
Mein Fazit: sollte man unbedingt gelesen haben!
Hupfdidü zu »Jussi Adler-Olsen: Erbarmen« 21.02.2014
Anfangs war es mir zu anstrengend, die ewigen Sprünge mit den verschiedenen Zeiten waren mir viel zu kompliziert und ich konnte den Zusammenhang nicht erkennen. Nur, weil ich so viel positives gelesen habe, hörte ich das Hörbuch weiter. Was sich definitiv lohnte!

Mein Problem mit den Zeitsprüngen klärte sich bald. Auch wenn ich bereits nach knappen zwei Stunden ziemlich sicher war, worauf es hinausläuft, änderte sich für mich nichts an der Spannung des Buches war gefesselt bis zum Ende.

Ich freue mich auf die weiteren Bände.
Christian zu »Jussi Adler-Olsen: Erbarmen« 30.09.2013
Guter Start in die Reihe. Carl Morck ist mir sympatisch und auch sein Gehilfe kommt gut rüber. Nimmt mich wunder, was Assad für ein Geheimniss mit sich rumträgt...

Zur Story:
Nach all den Harry-Hole-Büchern, welche ich in letzter Zeit gelesen habe, geht es bei Carl Morck ein bisschen gemächlicher zu und her. Dies bedeutet jedoch nicht, dass es nicht spannend ist. Im Gegenteil, man fiebert und leidet mit den Protagonisten mit!

Werde die nächsten Bänder sicherlich auch lesen.
Alisa1207 zu »Jussi Adler-Olsen: Erbarmen« 19.06.2013
Erbarmen von Jussi Adler Olsen ist eines meiner absoluten Lieblingsbücher!

Von Anfang bis Ende fühlt man mit den Hauptpersonen und fiebert am Schluss mit, ob Komissar Carl Morck die jahrelang verschwundene Merete Lynggaard doch noch rechtzeitig befreien kann. Und das Ende rührte mich sogar zu einer Träne.

Ein absolutes Top-Buch!!!
mryello zu »Jussi Adler-Olsen: Erbarmen« 31.05.2013
Oh Jammer... Wieder mal ein Nordkrimi.
Mittlerweile wird wohl jeder Mist aus skandinavischen Ländern gelobt und für gut befunden.
Und es gibt ja auch sehr gute Krimiautoren und nicht zuletzt ausgesprochen gute Verfilmungen.

Aber was Adler Olson hier abliefert... Der Schreibstil ist unterste Schublade, die Figuren blass, leer, klischeehaft und ebenso unglaubwürdig wie die hanebüchene Geschichte.

Obwohl ich was den Plot angeht, nicht ganz mitreden kann, da ich das Buch nur zur hälfte gelesen hatte bevor es einen gebürenden Platz in meinem Mülleimer einnahm.

Schade ums Papier...
0 von 3 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Mike zu »Jussi Adler-Olsen: Erbarmen« 12.05.2013
Ein gelungenes und spannendes Buch aber auch mit einigen Längen, zum Ende hin mit unwichtigen Kapiteln über belanglose Randdetails versehen die ich persönlich übersprungen habe - so gierig war ich auf die Auflösung. Alles in allem sehr gelungen.

Den zweiten Band werde ich mir ebenfalls besorgen.

Buch ist empfehlenswert
Anfangsverdacht zu »Jussi Adler-Olsen: Erbarmen« 24.03.2013
Ich mag diesen Syrer loben. Selten so aus vollsten Herz über einen eigenwillen Menschen gelacht.
Das Buch ist zweifellos ein seltener Glückfall. Wo auch zudem zahlreich Leser mit glücklich werden.
Was mir noch besonders gefiel war auch die Darstellung des Opfers. Ihre Gedanken- und Gefühlswelt.
Und dieser Ermittler hat ja auch ein spezielles Verhältnis zur Welt.
Bliebe nur eine Frage: wäre dies so möglich in einem Kommissariat?
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
der-K zu »Jussi Adler-Olsen: Erbarmen« 31.12.2012
Ein guter Einstieg in die Reihe um Carl Mørck und m.E. bisher das beste Buch aus der Reihe.

Die Geschichte um Merete verursachte mir eine Gänsehaut und im Laufe der Ermittlung möchte man Carl die Hinweise am liebsten ins Ohr schreien. So sehr fühlt man mit ihm und seinem Team mit.

Fesselnd bis zum Ende.

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