Blutmond - Wilsberg trifft Pia Petry von Jürgen Kehrer und Petra Würth

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2005 bei Grafit.
Folge 16 der Wilsberg-Serie.

  • Dortmund: Grafit, 2005. ISBN: 3-89425-311-8. 318 Seiten.

'Blutmond - Wilsberg trifft Pia Petry' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Im ›Club Marquis‹, einem SM-Club in der Nähe von Münster, wird das Ehepaar Averbeck überfallen. Der Mann wird niedergeschlagen, seine Frau lebensgefährlich verletzt. Um einen Skandal zu vermeiden, wird der Vorfall vertuscht. Dennoch beauftragt Jochen Averbeck Pia Petry, eine befreundete Hamburger Privatdetektivin, den Täter ausfindig zu machen. Und die Betreiber des Clubs engagieren ihrerseits einen Detektiv: Georg Wilsberg. Ohne voneinander zu wissen, kommen sich die beiden Ermittler schon bald in die Quere. Allerdings sind ihre Methoden verschieden: Wilsberg überprüft die Gästeliste des Clubs, Pia Petry recherchiert in der Szene. Dabei lernt sie Dracu, den Star des Club Marquis, kennen. Auch sie kann sich seiner charismatischen Ausstrahlung nicht entziehen – was Wilsberg gar nicht gefällt. Während die beiden Detektive noch damit beschäftigt sind, sich gegenseitig auszutricksen, schlägt der Täter erneut zu und hinterlässt dieses Mal eine Leiche …

Das meint Krimi-Couch.de: »Mehr als eine berufliche Bekanntschaft???« 82°

Krimi-Rezension von Thomas Kürten

Ungewöhnlich genug, dass zwei Detektive mit einem Fall betraut werden. Aber sowohl der Besitzer des Club Marquis als auch der Gatte der braven Frau Averbeck, Erbin einer erfolgreichen Firmengruppe, haben ein Interesse daran, dass der Täter, der die gefesselte Frau Averbeck mit einem Messer traktiert hat und sich nicht an übliche SM-Absprachen hielt, diskret und unauffällig gefunden wird. Und so ermittelt Wilsberg auftrags der beiden Clubbesitzer und Pia Petry kommt ihrer Jugendliebe Jochen Averbeck zu Hilfe, der sie damals wegen ihrer besten Freundin sitzen ließ.

Georg Wilsberg spielt auf heimischem Terrain, über diese Figur braucht man nicht viele Worte verlieren. Bereits 15 Romane spielten in Münster und einige wohl bekannte Randfiguren treten auch diesmal wieder in Erscheinung. Seine Kontakte zu Kommissar Stürzenbecher helfen ihm wieder mal ein wenig, um in den Ermittlungen voran zu kommen. Sehr erfrischend übrigens die neue Assistentin des Kommissars. Und auch Franka, inzwischen als Anwältin etabliert, bekommt ihren Auftritt. Weniger bekannt sein dürfte Pia Petry. Diese Figur ist bislang erst in zwei Romanen von Petra Würth aufgetreten und genießt (noch) nicht den Kultstatus ihres männlichen Kollegen. Aber was nicht ist, kann ja noch werden.

Spuren nach Argentinien

Zunächst stürzt sich Pia Petry in die SM-Szene und lernt dort den charismatischen Dracu kennen. Währenddessen hat sich Wilsberg die Gästeliste des Clubs besorgt und bittet Kommissar einmal mehr um Hilfe auf dem kleinen Dienstweg. Nachdem sich die beiden Ermittler mehrfach über die Füße laufen und sich darüber hinaus auch noch halbwegs sympathisch finden, begreifen sie allmählich, dass sie beide am gleichen Fall arbeiten. Allerdings ist es zu diesem Zeitpunkt nicht bei der Körperverletzung bei Pias Freundin geblieben: Die beiden finden eine Verkäuferin aus einem SM-Laden aufgeschlitzt und von der Decke baumelnd in der Wohnung eines Verdächtigen, aufgeknüpft mit einem SM-Knoten um den Hals. Eines ist offensichtlich: der Täter scheint sich in der Sado-Maso-Szene auszukennen. Und noch etwas: Immer wieder führen Spuren und Verbindungen nach Argentinien.

Pia Petry bringt einen frischen Wind in diesen Roman, wobei man irgendwie das Gefühl nicht loswird, eine Mischung aus Protagonistinnen von Janet Evanovich, Marian Keyes und Ildiko von Kürthy vor sich zu haben. Chaotisch, teilweise auch neurotisch und nicht unbedingt professionell purzelt sie durch die Handlung. Welcher Detektiv fährt schon einen Porsche bei seinen Ermittlungen? Wer ließe sich auf SM-Spielchen mit einem Verdächtigen ein? Grund genug, um bei Wilsberg mehr als einmal Beschützerinstinkte zu wecken. Der ist phasenweise kaum wieder zu erkennen. Angetrieben von einem mächtigen Hormonstau sieht er in Pia Petry mehr als nur eine Konkurrentin – und lässt sich so manches mal die Butter vom Brot nehmen.

Autoren-Ping-Pong

Mit jedem Kapitel ändert sich die Erzählperspektive. Mal wird aus der Sicht von Petry, dann aus der Sicht von Wilsberg berichtet. Wenngleich dieser fortwährende Wechsel, dieses stets gleiche Muster, mit der Zeit gerade an den Kapitelanfängen Abnutzungserscheinungen hervorruft, kann man dem Autorenduo durchaus ein sehr gelungenes Gesamtwerk attestieren. »Blutmond« ist das Resultat einer Zusammenarbeit; die Autoren haben sich gegenseitig keine faulen Eier ins Nest gelegt. Lediglich bei den »Aktivitäten« ihrer Helden in der SM-Halbwelt necken sich die beiden mit teilweise erstaunlichen Detailkenntnissen.

Inwiefern es eine weitere Zusammenarbeit der beiden Ermittler gibt, lässt das Ende des Romans offen. Beide in einer ähnlichen Konstellation »gegeneinander« antreten zu lassen, scheint jedoch nur schwer vorstellbar. Dieses Zusammentreffen jedenfalls bringt Lesefreude und hat dem ansonsten gerne mal mit westfälischer Gemütlichkeit daher kommenden Wilsberg eine gehörige Portion frischen Wind verliehen.

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andrepolis zu »Jürgen Kehrer und Petra Würth: Blutmond - Wilsberg trifft Pia Petry (mit Petra Würth)« 12.06.2012
In Münster ist ein Club für Sadisten und Masochisten; Gut! Dort sind gut situierte Menschen und gehen Ihrer Neigung nach; Gut! Aber was macht Georg Wilsberg hier? Und warum wird aus einem harmlosen Sado-Maso Spiel ein Spiel auf leben und Tod? Und warum sterben so viele Menschen und warum verliebt sich Wilsberg? Und warum ist die Frau, in die er sich verliebt, auch noch eine Privatdetektivin? Pia Petry ist mit von der Party und was passiert? Es entsteht ein Thriller, der es in sich hat. Zum Schluß des Ganzen Romanes reichen sich die Autoren die Hände und freuen sich mit uns über diesen sehr gelungenen Thriller. Mit Sex Drugs und Sado Maso...
Torsten zu »Jürgen Kehrer und Petra Würth: Blutmond - Wilsberg trifft Pia Petry (mit Petra Würth)« 11.03.2012
Wenn man Wilsberg, bzw. seine Art wie sie von Jürgen Kehrer in den bisherigen Büchern entwickelt wurde mag (und ebenfalls die ZDF-Reihe die zwar in Details anders ist, Wilsberg Art aber wie ich finde ziemlich genau trifft), dann wird man auch dieses Buch mögen.
Immer genau abwechselnd von beiden Autoren jeweils aus der Sicht "ihres" Protagonisten geschrieben, ist der Kehrer-Teil natürlich ein echter Wilsberg.
Um Pia Petry wirklich gut zu finden, finde ich sie doch etwas zu naiv beschrieben; vor allem als Privatdetektivin agiert sie doch beinahe unglaublich tollpatschig. An Wilsbergs ebenso unorthodoxe und eigensinnige Art der Ermittlung hat man sich ja gewöhnt.
Natürlich ist der Fall nicht der ganz grosse Knaller, dazu ist das Ganze doch zu sehr auf wenige Handelnde beschränkt und damit letztlich etwas vorhersehbar, da macht auch die SM-Szene von Münster die hier in aller Ausführlichkeit ausgebreitet wird, nicht mehr den absoluten Reiz aus.
Trotzdem liest sich das wie die anderen Wilsberg-Romane auch schnell und locker weg.
Frank zu »Jürgen Kehrer und Petra Würth: Blutmond - Wilsberg trifft Pia Petry (mit Petra Würth)« 30.07.2009
Das Buch ist unterhaltsam.
Aber.wenn man schon -wie hier geschehen- etwas wie S/M einfließen lässt, sollte man zuvor etwas besser recherchieren.
Übrigens auch der Rezensent - oder kann der mir erklären, was ein " SM-Knoten " ist?
Wohl eher nicht...dabei geht`s um Bondage - und das hat mit S/M allenfalls am Rande zu tun.
Wie erwähnt, ist das Buch allerdings dennoch unterhaltsam.
Die Protagonisten (insbesondere Wildberg) werden einigen bekannt sein, die Wortgefechte sind nett zu lesen, der Fall spannend erzählt.
Dass die Autoren sich bei den Kapiteln abwechseln, ist allerdings gewöhnungsbedürftig + dürfte nicht allen gefallen.
Nett für zwischendurch.
70%.
Alexander zu »Jürgen Kehrer und Petra Würth: Blutmond - Wilsberg trifft Pia Petry (mit Petra Würth)« 30.07.2009
"Blutmond" war der erste Krimi mit Wilsberg, den ich gelesen habe und auch der Erste von Petra Würth. Ich fand ihn nicht schlecht. Er war witzig, spannend, gut konstruiert, hatte keine Logiklöcher und die blutigen Details wurden auch nicht allzu ausführlich beschrieben. Nun weiß ich zu wenig über SM, um beurteilen zu können, ob die Autoren nur bekannte Klischees dargeboten haben. Mir kam es aber so vor, als hätten sie ihr Thema gründlich recherchiert. Pia Petry fand ich als Detektivin allerdings manchmal etwas zu chaotisch und unprofessionell.
TFGM zu »Jürgen Kehrer und Petra Würth: Blutmond - Wilsberg trifft Pia Petry (mit Petra Würth)« 24.12.2006
Nein, mich hat das Buch gar nicht überzeugt. Die Handlung ist vorhersehbar, und läuft wie auf Schienen. Auch das Thema SM wird staffagenhaft beschreiben, im Gegensatz zur Rezension oben, meine ich, dass die Autoren nur klischeehafte Vorstellungen vom "Thema" haben. Enttäuschend.
Chrisi zu »Jürgen Kehrer und Petra Würth: Blutmond - Wilsberg trifft Pia Petry (mit Petra Würth)« 12.09.2005
Die Wechsel zwischen Pia und Wilsberg, Kapitel für Kapitel, sind am Anfang etwas gewöhnungsbedürftig. Aber dann machen sie das Buch auch besonders interessant, da man oft die Sichtweise zweier Personen von ein und der selben Sache presentiert bekommt. Insgesamt ein gelungenes Buch. Ich hoffe auf eine Vorsetztung der Zusammenarbeit beider Autoren.
mi05kri zu »Jürgen Kehrer und Petra Würth: Blutmond - Wilsberg trifft Pia Petry (mit Petra Würth)« 06.09.2005
Der dauernde kapitelweise Wechsel zwischen Wilsberg und Petry kann auf die Dauer nerven. Da sind mir Kooperationen von Autoren lieber, bei denen man als Leser nicht so leicht erkennen kann, wer da gerade geschrieben hat. Leenders/Bay/Leenders wären da zu nennen.
Ansonsten gefällt mir die Handlung bislang ganz gut, ein typischer Wilsberg. Bin auf das Ende gespannt und ob aus den beiden nun ein Paar wird.
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