Tod im Zwiebelfeld von Joseph Wambaugh

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1973 unter dem Titel The onion field, deutsche Ausgabe erstmals 1984 bei Heyne.

  • New York: Delacorte Press, 1973 unter dem Titel The onion field. 427 Seiten.
  • München: Heyne, 1984. Übersetzt von Sepp Leeb. ISBN: 3-453-01972-5. 570 Seiten.
  • München: Heyne, 1990. Übersetzt von Sepp Leeb. ISBN: 3-453-04634-X. 579 Seiten.
  • Bergisch Gladbach: Bastei Lübbe, 2010. Übersetzt von Diane Beate Hellmann. mit einer Einführung von James Ellroy. 651 Seiten.

'Tod im Zwiebelfeld' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Bei einer nächtlichen Kontrollfahrt sichten Ian und Karl, Streifenpolizisten aus Los Angeles, einen verdächtigen Wagen, dessen hinteres Nummernschild nicht beleuchtet ist. So treffen sie auf Greg, einen durchgeknallten Kriminellen, und seinen Komplizen Jimmy. Es kommt zu einem Mord …Eine erschreckend wahre Geschichte über zwei junge Polizisten, von denen nur einer jene tragische Nacht in L.A. überlebt hat.

Das meint Krimi-Couch.de: »Schuld und Sühne« 90°Treffer

Krimi-Rezension von Wolfgang Franßen

Wer vierzehn seiner Jahre als Streifenpolizist und Detective Sergeant verbracht hat, braucht seine Geschichten nicht mehr zu erfinden, er ist umringt von Verbrechen und muss darauf achten, sie mit so viel Fiktion zu füllen, dass die Privatsphäre mancher Vorbilder gewahrt wird. Im Hinweis an die Leser vermerkt Wambaugh, dass es sich bei der Geschichte um eine Nachstellung der wahren Begebenheiten handelt. Die späteren Dialoge im Gerichtssaal sind wortwörtlich aus den Verhandlungsprotokollen entnommen. Wir befinden uns somit mitten im »True-crime« a la Truman Capotes Kaltblütig oder Norman Mailers Gnadenlos.

Bei einer Routinekontrolle wegen eines nicht beleuchteten Nummernschildes werden am 2. März 1963 Jimmy Smith und Gregory Powell angehalten, als sie in Las Vegas Waffen kaufen wollen. Sie kidnappen die beiden Cops, erschießen einen von ihnen in einem Zwiebelfeld, der zweite kann entkommen. Wambaugh erzählt minutiös im Vorfeld, wie es zu dem Verbrechen kommen konnte, indem er das Leben der vier Männer aufrollt und ein Psychogramm jedes einzelnen entwirft. Er tritt als Chronist auf.

Nach Verhaftung und Verurteilung warten die Täter darauf, in die Gaskammer geschickt zu werden, und nutzen ihre Zeit um das Gesetz zu studieren und das Verfahren hinzuziehen, während der überlebende Polizist von Schuldgefühlen geplagt wird.

In seinem 1973 erschienen dritten Roman verlässt Joseph Wambaugh die reine cop novel, die Polizeiarbeit nicht als intelligentes Patchwork mitsamt moralischer Überlegenheit versteht, sie vielmehr als Kaleidoskop von Schwächen, Neurosen, Exzentrik und menschlicher Armut schildert, und erweitert sie hin zum Tatsachenroman, der sich im Stile einer fiktionalen Reportage den wahren Ereignissen verschreibt.

Fiasko

Indem er minutiös ein Verbrechen nacherzählt, die Fallstricke des Gesetzes bloßlegt, das Zerbrechen eines Polizisten an seinen Schuldgefühlen beleuchtet, nähert er sich der griechischen Tragödie an und wirft die Frage nach Schuld und Gerechtigkeit auf. Das hat ihm beim Erscheinen von Tod im Zwiebelfeld den Vorwurf eines rechtslastigen Autors eingebracht, vermochte jedoch den Literaten Wambaugh nicht zu beirren. Der Roman stellt sich gleichsam der Diskussion über Sinn und Zweck der Todesstrafe, die in den siebziger Jahren kurzzeitig in Kalifornien außer Kraft gesetzt wurde.

Wambaugh steht eindeutig auf Seiten von Law & Order. Er prangert den Zusammenbruch des Systems an, das durchaus funktionieren könnte, nur müsste man die Menschen aus ihm entfernen. Der mit dem deutschen Krimipreis 1988 für Der Rolls-Royce-Tote ausgezeichnete Autor schwärzt in seinen frühen Romanen den Polizeiapparat an. Seine Kraft bestand vor allem in den Siebzigern darin zu polarisieren.

In späteren Roman obsiegt zum Teil der Zynismus unter dem Deckmantel des beißenden Humors. In Tod im Zwiebelfeld lässt Wambaugh die Ereignisse für sich sprechen. Um so bitterer mag der Schluss jenen Menschen erscheinen, die einen ihnen nahestehenden Menschen auf Grund eines Mordes verloren haben.

Laut Aussage Wambaughs hat er Truman Capote die Idee für den Roman in einem einstündigen Gespräch in Palm Springs erzählt. Capote soll geantwortet haben, dass er dieses Buch selber gerne schreiben würde. Daraufhin wusste Wambaugh, was er zu tun hatte.

Als kleine Zugabe lässt der Verlag auch in diesem Band James Ellroy zu Wort kommen und seinen aufopferungsvollen Kampf um die Lektüre von The Onion Field erzählen. Erst kaufte er das Buch, dann stahl er eins und jedes Mal verschwand das Buch auf geheimnisvolle Weise bei einer seiner Festnahmen. Man kann wohl davon ausgehen, dass es in die Tasche eines Cops wanderte.

Wolfgang Franßen, Mai 2010

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