Die dreizehnte Dame von
Buchvorstellung und Rezension
Bibliographische Angaben
Originalausgabe erschienen 2003
unter dem Titel La dama número trece,
deutsche Ausgabe erstmals 2004
bei Claasen.
Ort & Zeit der Handlung: Spanien / Madrid, 1990 - 2009.
- Barcelona: Mondadori, 2003 unter dem Titel La dama número trece. 453 Seiten.
-
Berlin: Claasen, 2004.
Übersetzt von Elisabeth Müller.
ISBN:
3-546-00355-1. 512 Seiten. -
Berlin: List, 2006.
Übersetzt von Elisabeth Müller.
ISBN:
978-3-548-60582-1. 495 Seiten.
'Die dreizehnte Dame' ist erschienen als
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In Kürze:
Salomón Rulfo, ein arbeitsloser Literaturdozent und leidenschaftlicher Dichter, hat Nacht für Nacht denselben beunruhigenden Albtraum. In einer Villa wird er Zeuge von drei blutrünstigen Morden. Eines der Opfer, eine Frau, bittet ihn verzweifelt um Hilfe. Als Rulfo sich keinen Rat mehr weiß, wendet er sich an den geheimnisvollen Doktor Ballesteros, und gemeinsam wollen sie dem Traum auf den Grund gehen. Doch dann muss Rulfo erkennen: Die Villa ist real, die Morde sind wirklich geschehen, und ein Literaturprofessor mit dem Fachgebiet »Die Macht der Worte« interessiert sich ebenfalls für den Fall. Letzterer vermutet hinter der Tat dreizehn Musen, deren gefährlichste Waffe die Poesie ist. Rulfo erscheint diese Theorie verwegen, doch dann passieren immer seltsamere Dinge, die Menschen und die Wirklichkeit um ihn herum beginnen sich zu verändern, werden immer bedrohlicher, und er begreift, dass er handeln, die dreizehnte Dame finden muss, bevor die Welt zugrunde geht.
Das meint Krimi-Couch.de: »Magie und Wahnsinn in der Welt der Poesie«
Krimi-Rezension von Eva Bergschneider überspringen
Der ehemalige Psychiater José Carlos Somoza ist durch Werke wie »Das Rätsel des Philosophen« und »Clara« als Verfasser ungewöhnlicher Kriminalromane bekannt geworden. Somoza entwickelt seine Geschichten häufig mit provokanten Szenen und philosophischen Elementen. In »Die dreizehnte Dame« stellt Somoza wie zuvor schon die Kunst, hier die Poesie, in den Mittelpunkt des Geschehens. Welche Verbrechen wird der Autor mit Hilfe von Versen in Szene setzen?
Ein Albtraum wird Wirklichkeit
Der arbeitslose Literaturprofessor Salomon Rulfo leidet unter grässlichen Albträumen: er befindet sich in einer Villa und muss mit ansehen, wie jemand zuerst zwei Hausangestellte in ihren Betten ersticht und schließlich der Hausherrin den Kopf abschneidet. Rulfo wird im Traum von der Ermordeten um Hilfe gebeten, sie deutet dabei auf ein Aquarium, dass zuvor in der Villa zu sehen war.
Eines Abends erlebt Rulfo ein beängstigendes Deja Vu: im TV wird eine Reportage über einen einige Monate zurückliegenden Mord gezeigt. Rulfo erkennt den Schauplatz und die Opfer sofort als die aus seinen Albträumen und die ermordete Italienerin Lidia Garetti als die Frau, die ihn um Hilfe anfleht.
Verzweifelt vor Angst, vertraut sich Rulfo schließlich seinem Hausarzt an. Ballesteros erahnt einen mysteriösen Hintergrund hinter den Horrorträumen, mahnt jedoch zur Vernunft und bittet Rulfo, die Sache auf sich beruhen zu lassen. Der jedoch ist längst entschlossen, den Ort des Geschehens aufzusuchen.
Und er ist nicht der Einzige. Rulfo trifft dort Raquel, eine ungewöhnlich attraktive Frau, die unter den gleichen Albträumen zu leiden hat. Gemeinsam dringen sie in die Villa ein, finden eine Bibliothek, die vollständig mit allen Werken bedeutender Dichter bestückt ist und einige geheimnisvolle Gegenstände in einem Aquarium. Das Geschehen erscheint irgendwie vorher bestimmt.
Die Macht der Poesie
Rulfo besucht seinen ehemaligen Literaturdozenten César Sauceda. Die Gegenstände, die Rulfo in der Villa gefunden hat, lösen bei seinem Mentor Erschütterung aus. Rulfo erfährt die Geschichte von Césars Großvater, der angeblich von einer geheimnisvollen Dame auserwählt wurde, ihr Verse zu dichten, mit deren Hilfe sie geheimnisvolle Kräfte ausüben konnte. Sie war anscheinend eine der dreizehn Musen, die Dichter dazu nötigen, machtvolle Verse zu erschaffen.
Rulfo wird nun von mehr als nur Albträumen geplagt, skurrile Erscheinungen und mysteriöse Botschaften erscheinen ihm und Raquel, sie stellen Forderungen und üben massiven Druck aus.
Er verfolgt die Spur eines österreichischen Literaturprofessors und erlebt eine bizarre Szenerie mit unvorstellbarem Grauen, dass nur durch die irreale, wahnsinnige Welt gesteigert wird, in die Rulfo und Rachel hinein geraten, als sie schließlich den geheimnisvollen Damen begegnen.
Wie soll man Individuen gegenübertreten, die mit Worten Folter und Tod bewirken können?
Die Macht der Musen zu überwinden, erscheint aussichtslos, ein qualvoller Tod als die einzige Gewissheit.
Doch Rulfo ist selbst einst Dichter gewesen und Raquel umgibt ein Geheimnis, dass allmählich wieder in ihr Bewusstsein zurückkehrt. Oder sind alle grotesken Erlebnisse der beiden das Produkt einer gemeinsamen Wahnvorstellung?
Wahn und Wahrnehmung
Mit »Die dreizehnte Dame« erzählt der Autor José Carlos Somoza eine abgründige Geschichte, die den Leser von der ersten bis zur letzten Seite in einen beinahe hypnotischen Bann zieht. Ein sehr ungewöhnliches Stilmittel sorgt dafür, dass sich das Buch nicht gerade flüssig liest, wie folgende Textpassage verdeutlicht:
»Denn es gibt sie und sie fordern uns auf einzudringen, aber ich habe mich entschieden,
lasciate
nicht einzudringen. Und ich rate ihnen, das selbe zu tun. Ich bin Arzt und weiß, was ich sage. Wir dürfen nicht
lasciate ogne
eindringen.«
In diesem Moment war Rulfo plötzlich fest entschlossen.
Er bat Ballesteros ihn an der Praxis aussteigen zu lassen, wo sein Auto stand. [..] Er fand zwar, es sei ein absurder, beinahe lächerlicher Satz, doch er ging ihm ruhig wie ein Atemzug über die Lippen.
»Aber ich bin ein Dichter
lasciate ogne speranza
und möchte eindringen«
Ballesteros öffnete den Mund, um etwas zu erwidern, stockte aber, als hätte er es sich anders überlegt. »Passen sie gut auf sich auf.« murmelte er.
Lasciate ogne speranza.
Die Worte auf den Kacheln kamen ihm ironisch vor, weil er fest entschlossen war, hineinzugehen.
Diese Technik, den Anfangssatz des folgenden Absatzes scheinbar willkürlich vorab in die Erzählung einzustreuen, suggeriert dem Leser die Auflösung von Grenzen, die man eigentlich als gegeben voraussetzt, was auch zum Inhalt der Geschichte passt, da Realität und Fantasie nicht mehr zu differenzieren sind.
Es ist nicht immer einfach, »Die dreizehnte Dame« zu lesen, sowohl hintergründiger psychologischer Horror, als auch Passagen mit bestialischer Brutalität wirken so furchteinflößend, dass man seinen Sinnen nicht mehr ganz vertraut. »Splatter«-Stilelemente sind teilweise zu vordergründig verwendet worden, der subtile Thrill ist das effektivere Stilmittel, um Nervenkitzel, der unter die Haut geht, zu erzeugen Dem Autor gelingt es dennoch durch seine atemlose Erzählkunst, eine Sogwirkung zu erzeugen, die den Leser besonders zum Ende hin die Seiten immer schneller verschlingen lässt.
Ein Mystery-Thriller mit Psycho-Touch
José Carlos Somoza ist mit »Die dreizehnte Dame« ein psychedelischer Thriller gelungen, der den Leser dazu verführt, in ein surreales Gruselkabinett einzutauchen, aus dem es scheinbar kein Entrinnen geben kann.
Dieser Thriller ist sicherlich kein Vergnügen für Liebhaber bodenständiger Kriminalliteratur, denn eine schlüssig konstruierte Handlung und eine logisch überzeugende Auflösung sucht man vergeblich.
Dagegen sollten sich Leser, die Spaß an Mystery-Thrillern haben, diese extravagante, philosophisch angehauchte Variante des Genres nicht entgehen lassen, die, was atemlose Spannung mit ideenreich gestalteten Fantasy-Elementen angeht, als außergewöhnlich gelungen zu bezeichnen ist.
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| Inga zu »José Carlos Somoza: Die dreizehnte Dame« | 23.07.2008 |
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| Minnna zu »José Carlos Somoza: Die dreizehnte Dame« | 24.02.2007 |
| Jenni zu »José Carlos Somoza: Die dreizehnte Dame« | 22.11.2006 |
| Lars@Krimi-Couch zu »José Carlos Somoza: Die dreizehnte Dame« | 19.04.2006 |
| hank zu »José Carlos Somoza: Die dreizehnte Dame« | 07.02.2005 |

