Die Geduld der Spinne von Jonathan Nasaw

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2001 unter dem Titel The Girls He Adored, deutsche Ausgabe erstmals 2003 bei Heyne.
Ort & Zeit der Handlung: u.a. USA / Kalifornien, 1990 - 2009.
Folge 1 der E.L.-Pender-Serie.

  • New York: Pocket, 2001 unter dem Titel The Girls He Adored. ISBN: 0671787268. 325 Seiten.
  • München: Heyne, 2003. Übersetzt von Sepp Leeb. ISBN: 3-453-87008-5. 400 Seiten.
  • München: Heyne, 2005. Übersetzt von Sepp Leeb. ISBN: 3-453-43124-3. 400 Seiten.
  • München: Heyne, 2007. Übersetzt von Sepp Leeb. ISBN: 978-3-453-72157-9. 400 Seiten.

'Die Geduld der Spinne' ist erschienen als HardcoverTaschenbuch E-Book

In Kürze:

Er tötet mit der Präzision eines Hannibal Lecter. Er liebt und verwöhnt Frauen mit rotem Haar. Und er benimmt sich wie ein kleines, hilfsbedürftiges Kind. Doch man weiß nie, welche dieser drei Persönlichkeiten im Moment die Oberhand hat.

Das meint Krimi-Couch.de: »Alte Zutaten neu gemixt ergeben ein tolles Gericht« 85°Treffer

Krimi-Rezension von Lars Schafft

Krimi-Couch-Volltreffer Juli 2003

Schon das Cover gibt die Richtung vor: »Wenn Sie glauben, dass Hannibal Lecter ein böser Bursche ist, dann haben Sie den Killer in Nasaws Roman noch nicht kennen gelernt« wird dort die Toronto Sun zitiert. Eine nicht unberechtigte Warnung – oder Versprechen, je nach Gusto – wie sich schon nach den ersten Seiten herausstellt.

Seit Jahren ist FBI-Agent E.L. Pender hinter »Casey« her, der – so vermutet das FBI – für das Verschwinden von mehreren rothaarigen Frauen quer über die ganzen Staaten verantwortlich ist. Nun scheint er den Cops in die Falle gegangen zu sein: Bei einer routinemäßigen Verkehrskontrolle fällt der Polizistin auf, dass der Beifahrerin die Gedärme herausquellen. Zwar kann »Casey« noch reagieren und rammt der Polizistin ein Messer durch die Wangen, wird aber trotzdem geschnappt und wandert hinter Gittern. Dort nimmt sich die renommierte Psychologin Dr. Irene Cogan sich seiner gestörten Persönlichkeit an, um festzustellen, in wie fern »Casey« überhaupt verurteilbar ist.

Bereits im ersten Gespräch zwischen den beiden, in dem sich trotz der abscheulichen Brutalität »Caseys« eine knisternde Erotik entwickelt, wird ihr deutlich: Mit so einem Menschen hat sie es noch nie zu tun gehabt. Hochintelligent scheint der Gefasste ihr in allen Belangen überlegen zu sein, doch mittels Hypnose gelingt es Dr. Cogan, hinter die zur Schau gestellte Gelassenheit ihres Gegenübers zu blicken. Und was sie da sieht, soll ihr Leben verändern. »Casey« heisst in Wirklichkeit Ulysses Christopher Maxwell III und leidet unter DIS, einer multiplen Persönlichkeitsstörung. Mal spricht sie mit »Max«, der raffinierten, kaltblütigen Persönlichkeit, mal mit »Christopher«, dem Charmeur, mal mit »Lyssy«, dem kleinen Kind, das von Eltern und bekannten auf abartigste Weise missbraucht worden ist. Doch es ist »Kinch«, das schwärzeste und gewalttätigste »alter« (Bezeichnung für eine der vielen Persönlichkeit eines an DIS erkrankten Menschen), das ihr Angst einflößt.

Auf Umwegen bekommt auch Agent Pender mit, dass »Casey« wohl geschnappt wurde und macht sich auf den Weg zum Gefängnis. Eigenmächtig lässt er sich mit ihm als Gefangener verkleidet in eine Zelle sperren, um ihm das Geheimnis der verschwundenen Rothaarigen heraus zu locken – und wird dabei gnadenlos überrumpelt. »Casey« alias Max alias Christopher alias Kinch kann fliehen, nimmt Dr. Irene Cogan als Geisel und hinterlässt auf einer Verfolgungsjagd durch den Westen der USA eine sehr, sehr blutige Spur – und Irene Cogan ist ebenfalls rothaarig …

Natürlich sind die Ähnlichkeiten zum Hannibal Lecter eines Thomas Harris, zum Mörder Sullivan eines John Katzenbach aus Sumpf des Verbrechens (verfilmt mit Sean Connery), zu Annie Wilkes aus Stephen Kings Misery und zu den Mini-Kapitelchen eines James Patterson mehr als augenscheinlich. Jedoch: Nasaws »Geduld der Spinne« ist keine billige Kopie! Vielmehr scheint sich der Autor von den zahllosen Serienkiller-Vorlagen das beste herausgepickt, verfeinert und weiterentwickelt zu haben.

Das alles freilich nicht ohne ein Augenzwinkern: Unser gestörter Killer Max hat in seiner riesigen Bibliothek selbst die Harris-Romane stehen und FBI-Agent E.L. Pender ist keineswegs der erwartete Profiler sondern seines Zeichens des FBIs schlechtest gekleiderter Angestellter und in seiner gelegentlichen Unbeholfenheit (Credo: Mehr Glück als Verstand) schon fast eine Karikatur. So kommt »Die Geduld der Spinne« (der Titel hat übrigens nichts, rein gar nichts mit dem Inhalt zu tun) trotz ausufernder Brutalität erstaunlich locker daher, was dem Thriller seine ganz unverwechselbare Note gibt.

Nasaws größte Leistung ist allerdings, ein fundiertes, glaubhaftes Täter-Psychogramm entworfen zu haben. Selten, ganz selten konnte sich der Leser besser in eine Bestie wie Max mit seinen unterschiedlichsten Persönlichkeiten hineinversetzen, ihn verstehen und fast schon Sympathie für ihn bzw. eines seiner »alters« entwickeln. Wie aus dem kleinen, missbrauchten Lyssy der serienmordende Max wird, ist so erschütternd wie absolut glaubhaft. Allein wegen der Schilderung des Krankheitsbildes DIS (siehe Info-Kasten »Hintergrund«), der Zerrissenheit des Menschen Ulysses Christopher Maxwell III und den daraus resultierenden inneren Dialogen ist »Die Geduld der Spinne« bereits absolut lesenswert.

Doch auch die anderen Charaktere sind Jonathan Nasaw gut gelungen. Dr. Irene Cogan ist eine wohltuend unspektakuläre Psychologin für einen Serienkiller-Roman, kompetent, aber nicht übermenschlich und hat sogar eine Schwäche für ihren Patienten (zumindest für einen Teil, also ein »alter«). Und Agent E.L. Pender? Ist wie bereits erwähnt fast schon eine Parodie eines amerikanischen Bundespolizisten. Steht sowohl auf schräge Kleidung als auch kurz vor der Pensionierung wie vor dem Rausschmiss und sieht in der Lösung des Falls »Casey« seine letzte große Aufgabe beim FBI, die er ohne Rücksicht auf Anweisungen und Verluste erfüllen will. Besondere Scharfsinnigkeit oder Cleverness kann man ihm dabei nun wirklich nicht unterstellen, eher Tollpatschigkeit, aber das Glück ist ja bekanntlich mit dem Tüchtigen.

Und so kommt es wie erwartet zu einem leicht klischeehaften Showdown und einem klassischen Cliffhanger, der mehr als deutlich macht, dass es zu einem Wiedersehen kommen wird. Vorerst zwar nur mit Agent Pender in »Fear itself« (erschienen 2003), doch so richtig wird man das Gefühl nicht los, dass auch ein Auftreten unseres Killers Max nicht lange auf sich warten lässt.

»Die Geduld der Spinne« ist somit ein hochgradig spannender und vor allem fundierter Thriller, flott geschrieben, ohne jede Länge, mit Figuren, die dem Serienkiller-Roman neues Blut einimpfen und alles in allem eine Frischzellenkur fürs Genre. Clarice Starling war gestern – E.L. Pender ist heute.

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Sky zu »Jonathan Nasaw: Die Geduld der Spinne« 31.12.2016
Bin gerade mit dem Buch fertig geworden und bin total begeistert!! Sehr gut geschrieben und spannend. Ich konnte richtig mitfühlen und die Krankheit hat alles noch spannender gemacht auch wenn es nicht realistisch ist! Trotzdem ein sehr gutes Buch! An alles weiterzuempfehlen die gerne Thriller lesen und sich für Psychologie interessieren! Ich hoffe es gefällt euch so gut wie mir!
--> 95%
Vivian zu »Jonathan Nasaw: Die Geduld der Spinne« 29.10.2012
WOW! Ich habe gerade das Buch zugeschlagen welches mich in den letzten zwei Tagen so gefesselt hat, dass ich es nicht wieder aus der Hand legen wollte!
Jonathan Nasaw enttäuscht auch in diesem Buch seine Fans nicht. Der etwas doch trottelig anmutende E.L.Pender ringt einem das ein oder andere Schmunzeln ab. Die Geschichte war so realitätsnah beschrieben das ich, (in der Psychiatrie arbeitend) auf jeden fall mein Wissen erweitert habe und trotzdem erneut nach DIS gegoogelt habe. :-)Spannend, mitreissend, nachdenklich stimmend UND... Nichts für Weicheier!!!
UNBEDINGT LESEN!
Alina zu »Jonathan Nasaw: Die Geduld der Spinne« 11.07.2012
Ich kann mich meinen Vorgängern nur anschließen. Ich habe "Die Geduld der Spinne" vor mehr als 4 Jahren gelesen, kann mich nicht mehr genau an den Handlungsablauf erinnern, doch schlichtweg daran, dass es das verstörenste, mitreißenste, spannendste und vorallem informativste Buch war, das ich je gelesen habe.
Und ich glaube daran erkennt man ein gutes Buch, wenn es nach langer Zeit und vielen gelesenen Büchern immernoch so in Erinnerung geblieben ist und heraussticht.
99° :)
Marc zu »Jonathan Nasaw: Die Geduld der Spinne« 29.05.2012
Ich bin durch Zufall auf Jonathan Nasaw aufmerksam geworden und habe mir dann einfach mal "Die Geduld der Spinne" zugelegt - mittlerweile habe ich alle 5 Bücher mehrmals gelesen, weil Nasaw schlichtweg GEIL schreibt!
Ich muss meinen Vorschreibern in dem Punkt Recht geben, dass seine Bücher durch das Fachvokabular ein kompliziert sind, allerdings erklärt er die Begriffe sehr anschaulich und vor allem einfach.

Auch ich fand, das Thema mit den multiplen super spannend und auch interessant und meine Meinung zu diesem Buch: Einfach nur lesenswert! Empfehlt es jedem, der es hören will und auch denen die es nicht wollen.
Selten so einen spannenden und interessanten Psychothriller gelesen!
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|--> 95°

MfG
Marc
Kaprizia Bush zu »Jonathan Nasaw: Die Geduld der Spinne« 24.11.2011
Also, spannend ist es schon, aber dennoch ein wenig realitätsfern wegen der vielen schrecklichen Morde, jeder auf eine andere bestialische Weise verübt, aber es ist ja auch nur ein Roman. Hoffentlich ;) Von DIS hört man ja eher nicht viel, ich finde, der Roman ist zeitweise wissenschaftlich sehr überladen, auch mit seinen Abkürzungen, und deshalb verwirrend und verstörend. Auch die vielen "alters" (wer des Englischen nicht mächtig ist, ist mit diesem Ausdruck sehr schlecht bedient) tun ein Übriges. Es ist nicht mein Buch Nr. 1, 2 oder 3 - aber man kann es lesen, wenn man nichts Besseres zur Hand hat, und wird gefesselt sein von einer Irrheit, die es so eigentlich nicht geben kann... Das hofft man zumindest, wenn man das Buch ausgelesen hat.
Maike zu »Jonathan Nasaw: Die Geduld der Spinne« 02.05.2011
Super Buch! Nicht meine Nummer eins, aber ganz klar die NUmmer zwei...
Das Buch fängt rasant an und hält sein Tempo bishin zum Schluss, der nochmal einen Gang zulegt! Es wird garantiert nicht langweilig...
Die Geduld der Spinne werde ich noch einige Male zur Hand nehmen!
Toll die Idee mit den multiplen Persönlichkeiten! Mehr davon!
lolli zu »Jonathan Nasaw: Die Geduld der Spinne« 04.03.2011
Zu dem Buch kann ich nur eins sagen: FANTASTISCH!
Dieses Buch ist einer der besten Psychotriller, die ich je gelesen habe.
Man kann sich total gut in die Charaktere hineinversetzten und man hofft mir Dr. Cogan. Ich fand es sehr spannend, obwohl mir das Ende am besten gefallen hat. Die Storry ist flüssig geschrieben und hat meine Erwartungen total erfüllt. Ich geb dem Buch 95%!
Andrea zu »Jonathan Nasaw: Die Geduld der Spinne« 01.12.2010
UNBEDINGT LESENkann diese buch jedem ans herz legen dem die Thematik Psychologie/geisteskrankheiten fasziniert..manchmal kommt man nicht dran vorbei ne zeile wiederholt durchzulesen ,wegen seiner fachausdrücken,(über die ich froh war) aber darum gehts ja beim lesen das man hinterher schlauer ist.gute 93% von mir.
aNil zu »Jonathan Nasaw: Die Geduld der Spinne« 15.08.2010
sehr gutes und vor allem sehr interessantes
buch. mein erster krimi/thriller den ich gelesen habe. das thema der multiplen persönlichkeit hat mich schon schwer beeindruckt. sollte man gelesen haben wenn man sich für das thema interessiert!
auch die spannung die nasaw diesem buch gegeben hat zieht sich durch das gesamte buch durch, daher gebe ich dem buch ganze 90%
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Buboter zu »Jonathan Nasaw: Die Geduld der Spinne« 21.07.2010
Ein Mann wird verdächtigt über Jahre hinweg rothaarige Frauen zu verführen, sie zu überreden mit ihm durchzubrennen und sie dann zu töten. Die Psychiaterin Dr. Irene Cogan soll mit dem Häftling ein Gespräch zur Erstellung eines Gutachtens führen. Dabei beschleicht sie der Verdacht, dass es sich bei diesem Mann um eine multiple Persönlichkeit handelt.

Als ihm die Flucht gelingt, entführt er die Therpeutin.

„Die Geduld der Spinne“ ist ein guter, solider, überdurchschnittlicher Serienkiller-Roman. Spannend geschrieben lässt er sich flüssig lesen. Obwohl die Geschichte nicht wirklich neues aufweisen kann, wird es defintiv nicht langweilig. Ein Buch, das man gut lesen kann, aber nicht unbedingt gelesen haben muss. Trotzdem reichts zu 85 °, da mich die Geschicht trotzdem gefesselt hat.

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