Dominotod von Jonas Moström

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2015 unter dem Titel Dominodöden, deutsche Ausgabe erstmals 2017 bei Ullstein.
Ort & Zeit der Handlung: Schweden, 2010 - heute.
Folge 2 der Nathalie-Svensson-Serie.

  • Stockholm: Lind & Co., 2015 unter dem Titel Dominodöden. 319 Seiten.
  • Berlin: Ullstein, 2017. Übersetzt von Dagmar Mißfeldt & Nora Pröfrock. ISBN: 978-3-548-28892-5. 364 Seiten.

'Dominotod' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

In den tiefen Wäldern Nordschwedens wird der Arzt Thomas Hoffman tot aufgefunden. Alles weist darauf hin, dass er mehrere Tage gefangengehalten und gequält wurde. Einer der Kollegen des Toten ist spurlos verschwunden, nur sein Namensschild und ein Dominostein sind zurückgeblieben. Er scheint in die Hände desselben Mörders geraten zu sein.
Psychiaterin Nathalie Svensson, Spezialistin für die härtesten Fälle, wird nach Sundsvall gerufen. Ausgerechnet ihre eigene Schwester war die letzte, die das Entführungsopfer lebend gesehen hat. Ist sie in den Fall verwickelt?

Das meint Krimi-Couch.de: Brutale Morde versetzen eine kleine Insel in Aufruhr 75°

Krimi-Rezension von Andreas Kurth

Nathalie Svensson ist Oberärztin in der Psychiatrischen Klinik der Universität Uppsala und Mitarbeiterin der Einheit für operative Fallanalyse im schwedischen Kriminalamt. Das Team wird in den Norden des Landes gerufen, um die örtlichen Kriminalpolizei bei einem Mord und einer möglicherweise damit in Verbindung stehenden Entführung zu unterstützen. Kriminal-Kommissar Johan Axberg und seine Kollegen suchen den Mörder eines Arztes, der bestialisch getötet und auf einer Insel vor dem Festland abgelegt wurde.

Axberg ist der beste Freund eines weiteren Arztes, der an der gleichen Stelle im örtlichen Krankenhaus spurlos verschwunden ist wie das Mordopfer. Für Svensson hat der Fall ebenfalls eine persönliche Note, denn ihre Schwester ist zunächst eine wichtige Zeugin, und gerät dann auch als Verdächtige ins Visier der Ermittler. Bei der aufgefundenen Leiche lag ein Dominostein, und auch an der Stelle im Krankenhaus, an der der zweite Arzt ebenfalls verschwand. Axberg, Svensson und die anderen Ermittler stehen nicht nur vor einem schwierigen Rätsel, sondern auch unter enormem Zeitdruck, weil sie befürchten müssen, dass auch der zweite Arzt von dem Killer getötet wird. Ein Nerven-aufreibender Wettlauf mit der Zeit beginnt.

Zwei sehr unterschiedliche Protagonisten ergänzen sich gut

Beide Ermittler seines neuen Romans ließ Jonas Moström zuvor schon einige eigene Fälle lösen, in Dominotod treten Johan Axberg und Nathalie Svensson jetzt erstmals gemeinsam auf. Im dramatischen Finale deutet sich an, dass die beiden noch häufiger zusammen ermitteln werden, der Autor legt seine Krimi-Reihen offenbar zusammen. Kein schlechter Ansatz, denn die beiden so verschiedenen Charaktere ergänzen sich in meinen Augen recht gut.

Johan Axberg ist der typische Detail-besessene Polizist, Nathalie Svensson die eher Ich-bezogene nachdenkliche Psychologin. Beide sind von dem Fall in unterschiedlicher Weise betroffen, und gehen damit auch recht verschieden um. Axberg etwas professioneller, Svensson eher emotional gesteuert. Sie urteilt nicht immer objektiv – was die Psychologin aber durchaus menschlicher macht. Beiden Ermittlern hat der Autor ein entsprechendes Privatleben verordnet – so verschieden wie ihre im Buch skizzierten Persönlichkeiten.

Am Anfang des Romans gibt es ein hilfreiches Personenregister zu den wichtigsten Akteuren. Dadurch behält der Leser nicht nur den Überblick, sondern wird auch mit interessanten Hintergrundinformationen versorgt. Wer das überflüssig findet, ignoriert es eben – ich fand das sehr angenehm.

Dichtes Geflecht an Beziehungen zwischen allen Beteiligten

Jonas Moström hat seinen Roman in kurze und knackige Kapitel aufgeteilt. Zusammen mit den häufigen Perspektiv-Wechseln führt das zu hoher Dynamik, zumal die Ermittler gefühlt ständig der Entwicklung hinterher laufen. Der Autor hat so einige Wendungen und falsche Fährten eingebaut, zudem ist der Roman von Beginn an hoch-psychologisch. Auf knallige Action verzichtet Moström nahezu vollständig, dafür spinnt er ein dichtes Geflecht an Beziehungen zwischen allen Beteiligten auf beiden Seiten – was für einen richtig guten Spannungsbogen sorgt.

Ermittler und Verdächtige interagieren in unterschiedlicher Art und Weise, es geht plötzlich nicht nur um familiäre und freundschaftliche Bande, sondern auch Politik spielt eine Rolle. Vor allem die Einsparungen im Gesundheitssystem werden hier von Moström thematisiert und mehr als kritisch beleuchtet.

Der Plot ist in meinen Augen ausgezeichnet konstruiert, es gibt mehrere Tatverdächtige, die auch noch alle ein durchaus glaubwürdiges Motiv haben.

Jonas Moström zeigt sich hier als guter Geschichtenerzähler, der seinen Lesern auch noch eine plausible Auflösung der Rätsel präsentiert. Man muss die Vorläufer-Bände um Nathalie Svensson oder Johan Axberg übrigens nicht gelesen haben, dieser Roman steht durchaus für sich selbst. Wer allerdings etwas zur Vorgeschichte der beiden ungleichen Ermittler erfahren will, hat die Möglichkeit dazu. Dominotod ist ein gut zu lesender Krimi mit ständig sich steigernder Spannung und düsterer skandinavischer Atmosphäre – perfekte Lektüre für ein langes Winter-Wochenende.

Andreas Kurth, Januar 2018

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c-bird zu »Jonas Moström: Dominotod« 07.01.2018
Solider Schwedenkrimi

Zwei Ärzte verschwinden gleichzeitig aus einem Krankenhaus. Einer davon, Thomas Hoffman, wird tot aufgefunden. Sein Mörder hat ihn mehrere Tage gequält und schließlich ermordet. Im Hals des Opfers steckt ein Dominostein. Der andere Arzt, Erik Jensen bleibt weiterhin vermisst. Lediglich ein Namensschild und ein weiterer Dominostein weisen auf einen Zusammenhang hin. Die Psychiaterin und Fallanalystin Nathalie Svensson wird hinzugezogen, um ein Täterprofil zu erstellen. Persönliches Interesse an der Lösung des Falls hat nicht nur der ermittelnde Kriminalhauptkommissar Johan Axberg, der ein Freund des vermissten Erik Jensens ist, sondern auch Nathalie selbst. Ihre jüngere Schwester Estelle kannte Erik gut und scheint ihn auch als Letzte gesehen zu haben…

Nach „So tödlich nah“ legt Jonas Moström nun also den zweiten Band rund um die Psychiaterin Nathalie Svensson vor. „Dominotod“ nimmt zwar Bezug auf manche Ereignisse aus dem ersten Band, man kann das Buch aber ohne Vorkenntnisse lesen, da die Fälle inhaltlich geschlossen sind.
Wie schon im ersten Band konnte ich mit Nathalie nicht so richtig warm werden. Total sympathisch hingegen empfand ich den Kommissar Johann Axberg. Obwohl die Handlung sehr temporeich ist und die beiden Protagonisten in Arbeit versinken, bleibt immer noch ein bisschen Zeit für private Probleme, was die Handlung ein wenig auflockert.
Es gibt mehrere Verdächtige und so kann man den verschiedenen Spuren folgen ohne früh herauszufinden, wer nun tatsächlich der wahre Täter ist. Dazu gibt es noch Rückblicke in die Jahre 2005 und 2008. Doch dies sind sehr vage Hinweise und waren für mich nicht wirklich aufschlussreich. Die Idee mit den Dominosteinen fand ich originell.

Insgesamt ein solider Schwedenkrimi. Die Serie rund um Nathalie Svensson werde ich auf alle Fälle im Auge behalten.
books4ever zu »Jonas Moström: Dominotod« 28.12.2017
Solide, aber ohne große Überraschungen

Ein neuer Fall wartet auf die Psychiaterin Nathalie Svensson und die Einheit für operative Fallanalyse (OFA). Auf der Insel Alnön wurde die Leiche des Arztes Thomas Hoffman gefunden. Vor seinem Tod wurde er mehrere Tage gefangen gehalten und gefoltert. Nun wird Erik Jensen, Arzt am selben Klinikum und einziger enger Freund des leitenden Ermittlers Johan Axberg, vermisst. Gelingt es Axberg und der OFA-Einheit, Jensen zu finden, bevor es zu spät ist? Und was hat es mit den mysteriösen Dominosteinen auf sich, die der Täter hinterlässt?

„Dominotod“ ist der erste Kriminalroman, den ich von Jonas Moström gelesen habe. Dass ich den ersten Band rund um die Psychiaterin Nathalie Svensson noch nicht kannte, hat mich beim Lesen jedoch nicht weiter gestört. Zwar gibt es anfangs vereinzelte Anspielungen auf den ersten Band „So tödlich nah“, doch diese spielen für den aktuellen Fall keine Rolle.

Zunächst beginnt die Handlung sehr spannend. Ein Arzt wurde gequält und ermordet und ein zweiter wird bereits vermisst. An beiden Orten hat der Mörder einen Dominostein hinterlassen. Was will er den Ermittlern damit mitteilen?
Leider lässt die Spannungskurve nach dem starken Beginn erst einmal nach. Die Ermittlungsarbeit der OFA zieht sich doch sehr in die Länge. Es werden diverse Verdächtige verhört und verschiedenen Hinweisen nachgegangen, doch wirkliche Fortschritte können Johan Axberg und seine Kollegen dadurch nicht erzielen. Auch das Täterprofil, welches Nathalie Svensson anfertigen soll, bleibt leider etwas auf der Strecke und wird nicht wirklich in die Ermittlungen miteinbezogen.
Erst zum Ende hin nimmt die Spannung noch einmal zu, als klar wird, wer hinter den Morden steckt und was die Hintergründe hierfür sind.

Bei den Charakteren war mir Kriminalhauptkommissar Johan Axberg am sympathischsten. Er setzt alles daran, seinen Freund Erik Jensen zu finden, tappt bei den Ermittlungen aber lange Zeit im Dunkeln. Hin und her gerissen zwischen seiner Familie und dem Wunsch, seinem Freund zu helfen, wird er zusehends verzweifelter.
Für Nathalie Svensson konnte ich mich hingegen nicht so sehr erwärmen. Sie war mir die meiste Zeit zu kühl und distanziert.

Insgesamt ist „Dominotod“ ein solider Schweden-Krimi, der jedoch keine großen Überraschungen bereithält. Besonders in der Mitte kam die Spannung ins Stocken, als sich die Ermittlungen zusehends im Kreis zu drehen begannen. Als Leser hat man zudem bereits sehr früh eine Ahnung, was hinter den Morden steckt, sodass die Auflösung keine allzu große Überraschung darstellt. Ein guter Krimi für zwischendurch, der von mir 4 von 5 Sternen erhält.
PMelittaM zu »Jonas Moström: Dominotod« 23.12.2017
Nathalie Svensson wird mit ihrer Einheit für operative Fallanalyse, bei der sei seit kurzem Mitglied ist, zu einem Fall nach Nordschweden gerufen. Dort trifft sie auf Kriminalhauptkommissar Johan Axberg, der vor Ort den Fall eines tot aufgefundenen Arztes bearbeitet. Für beide geht es um mehr als nur um die Aufklärung eines Kriminalfalls, denn Johans bester Freund scheint in der Hand des Mörders zu sein und Nathalies Schwester, mit der sie länger keinen Kontakt hatte, ist in das Geschehen involviert.

Beide Ermittler ließ der Autor bereits eigene Fälle lösen, hier agieren sie nun gemeinsam – und das Ende lässt hoffen, dass dies nicht der letzte gemeinsame Fall gewesen sein wird. Darüber freue ich mich, denn ich finde, beide sind gelungene Charaktere, wobei mir Johan etwas besser gefällt als Nathalie, die mir ein zu ich-bezogen scheint. und die, in meinen Augen, ein paar grobe Fehler macht, da sie auf Grund ihrer eigenen Betroffenheit nicht immer objektiv handelt – etwas, was ich als Leser zwar verstehen kann, was mich aber dennoch stört. Beiden Ermittlern gönnt der Autor auch ein authentisch wirkendes Privatleben.

Das einführende Personenregister ist zwar in meinen Augen nicht notwendig, um den Überblick über die handelnden Personen zu behalten, gefällt mir aber gut, da es weitergehende Informationen liefert.

Die kurzen Kapitel verführen dazu, immer weiter zu lesen, Perspektivewechsel sorgen für eine gewisse Spannung, actionreich ist die Geschichte jedoch nicht. Sie zieht vielmehr ihre Spannung aus dem Mitraten, immer wieder eingeschobene Rückblenden unterstützen die Überlegungen. Der Autor spart auch nicht an Gesellschaftskritik, vor allem das Gesundheitssystem betreffend.

Der Fall ist in meinen Augen interessant, auch weil es mehrere Tatverdächtige gibt, die alle ein Motiv haben. Die Auflösung ist schlüssig und zufriedenstellend.

Man muss den ersten Band um Nathalie Svensson nicht gelesen haben, da jedoch hin und wieder darauf Bezug genommen wird, bin ich neugierig geworden und möchte diesen unbedingt noch lesen.

Mich hat dieser Skandinavien-Krimi sehr schnell gepackt, insgesamt gut gefallen und Lust auf weitere Romane des Autors gemacht. 80° und eine Leseempfehlung an Krimi-Fans.
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