Tödlicher Blick von John Sandford

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2001 unter dem Titel Chosen prey, deutsche Ausgabe erstmals 2002 bei Goldmann.
Ort & Zeit der Handlung: USA, 1990 - 2009.
Folge 12 der Lucas-Davenport-Serie.

  • New York: G. P. Putnam’s Sons, 2001 unter dem Titel Chosen prey. 357 Seiten.
  • München: Goldmann, 2002. Übersetzt von Manes H. Grünwald. ISBN: 3-442-45275-9. 445 Seiten.
  • München: Goldmann, 2004. Übersetzt von Manes H. Grünwald. ISBN: 3-442-05517-2. 445 Seiten.

'Tödlicher Blick' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

In einem Waldstück bei Minneapolis werden die Leichen von mehreren jungen Frauen entdeckt. Sie alle erhielten von einem Unbekannten pornografische Zeichnungen, auf denen sie selbst zu sehen sind. Zwar kommt Detective Lucas Davenport dem Killer, einem angesehenen Kunstgeschichtsprofessor, auf die Spur, aber es fehlen die Beweise. Schliesslich heuert er die Freundin des Verdächtigen als Lockvogel an …

Das meint Krimi-Couch.de: »Keine Sinnlichkeit – nur Zoten«

Krimi-Rezension von hyby

Ich lese dieses Buch bis zum Ende und frage mich: warum tue ich mir das an? Vielleicht spielen alte Zeiten dabei eine Rolle. Damals vor knapp zehn Jahren schrieb Sandford Psycho-Thriller von einer fast galoppierend mitreissenden Spannung wie Eisnacht beispielsweise. Und damals führte er mit Lucas Davenport eine Hauptfigur ein, die als Detective im Raum Minneapolis/St. Paul zäh und entschlossen ihrer Arbeit nachging und dabei trotz allem so etwas wie sympathische Züge gewann. Doch seitdem ist viel Wasser den Mississippi heruntergeflossen und weder Sandford noch Davenport sind geblieben, was sie mal waren. Nun ist ja Entwicklung nichts Schlechtes, wenn sie in der richtigen Richtung verläuft – tja, wenn.. …

Detective Lucas Davenports Situation ist diesmal ein bischen schwierig. Die langjährige Polizeichefin Rose Marie Roux ist plötzlich amtsmüde geworden und sehnt das heranrückende Ende ihrer Amtsperiode herbei. Ihr designierter Nachfolger hat so seine eigenen Vorstellungen von Polizeiarbeit – und da gehören Davenports ruppige Methoden nicht dazu. Gut möglich also, dass Davenport seinen Job als Detective schon bald los ist. Nun ist es nicht so, dass er dann an trockenem Toast herumnagen müßte – schließlich hat er bereits vor Jahren durch einen gewinnbringenden Verkauf seiner Software-Firma finanziell längst ausgesorgt. Nur: der Job macht ihm einfach Spaß und ihm steht nicht der Sinn nach einem müßigen Privatiersleben. Dass just in dieser Situation seine Langzeitfreundin Weather ihn mit ihrem Wunsch nach Kindern konfrontiert, gibt der ganzen Situation noch so ihre spezielle Note. Der Chauvi steht also an der ganz gefährlichen Schwelle zum Nichtstun und zu väterlicher Verfettung.

Der Fund einer strangulierten Frauenleiche hilft ihm da aus der Patsche – Davenport sürzt sich in das, was er kann: harte, treibende Ermittlungsarbeit. Der Fundort der Leiche erweist sich als ein wahrhaft grausiges Areal: es ist der »Friedhof« eines Serienkillers, der alle seine weiblichen Opfer mit dem Strick umbrachte – insgesamt acht weitere Leichen werden ausgebuddelt.

Dem Leser ist der Mörder von der ersten Zeile des Buches bekannt – es ist James Qatar, seines Zeichens Dozent für Kunstgeschichte an einer der beiden Universitäten in Minneapolis. Hinter der feinsinnigen Fassade verbirgt sich ein getriebenes Sexmonster, dass seine Opfer heimlich fotografiert, die Bilder mit Porno-Pics aus dem Internet vial Bildbearbeitung verarbeitet und diese Produkten dann kunstvoll auf Leinwände abpinselt. Diese Kunstwerke läßt er den Damen natürlich anonym zukommen – erst dann macht er sich an seine Opfer ran und das Ende kommt dann ziemlich schnell.

In diesem Fall hat sich Davenport ein Helfer zur Seite gestellt, der ihm eigentlich garnicht so recht ist: ein Deputy Sheriff vom Lande namens Marshall: kantig, wortkarg und mit einem gefährlichen Glitzern in den schmalen Augen – wer Clint Eastwood in »Dirty Harry« gesehen hat, weiß, was ich meine. Eine der Toten war seine Nichte – klar, der Mann ist motiviert. Aber es wäre auch ohne ihn gegangen – die bei allen Opfern gefundenen pornographischen Illustrationen weisen die Ermittler sehr schnell in Richtung Kunstszene, Kunstakademie. Und die Schlinge zieht sich unaufhaltsam enger um den Mörder. Der bringt zwar in seiner zunehmenden Nervosität noch dieses oder jenes Opfer um, doch es rettet ihn nichts mehr. Doch bevor sie ihn sich greifen können, hat ihn sich Marshall bereits geschnappt – und der hat so seine ganz eigenen Vorstellungen von Rache.. …

Das war’s schon. Nichts also von einer raffinierten Handlungsführung mit scheinheilig angelegten Abwegen oder harmlos verborgenen Fallgruben. Aber selbst eine schlichte Geschichte würde ich ja noch gelten lassen, wäre sie wenigstens raffniert serviert. Hier treffen wir auf eine ziemlich straight erzählte straighte Geschichte – that’s it. Schon auf den ersten Seiten ahnt man das Ende – gibt es Schlimmeres über einen Thriller zu sagen?

Leider ist das noch nicht alles. Davenport war ja schon immer ein Chauvi, aber noch nie war er so schmierig wie heute. Was er und seine Kollegen (und durchaus auch Kolleginnen !)sich da so tagtäglich an Neckereien um die Gemächte schlagen, erreicht das Niveau einen bierseligen Herrenabends. Da wird begeistert und lautstark darüber räsonniert, ob die Einnahme von Lapovorin, ein Medikament gegen Haarausfall, als unerwünschte Nebenwirkung bei unpassender Gelegenheit eine implodierende Ejakulation hervorrufen könnte. Auf so einen Blödsinn sind wir selbst seinerzeit bei der Bundeswehr nicht gekommen

Ein tumbes Buch – und unerfreulich dazu: keine Sinnlichkeit – nur Zoten! Finger weg.

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Realsatire zu »John Sandford: Tödlicher Blick« 02.11.2008
Das Problem dieses Thrillers liegt meines Erachtens darin begründet, dass alles, aber wirklich alles absolut vorhersehbar gestaltet wird. Der Mörder steht fest, was ja nicht schlimm wäre, würde es zumindest einige Nebenhandlungsstränge oder gar Irritationen geben. Aber weit gefehlt. Marshall und sein hasserfülltes Cowboy Auftreten lassen schon früh den Schluss zu, dass er sich evtl. unkoventioneller Methoden bedienen würde, um den Mörder seiner Nichte zur Strecke zu bringen. Der Mörder selbst greift bei Problemen zum alten Strickmuster und metzelt, selbst als im die Cops schon dicht auf den Fersen sind, alles nieder was ihm gefährlich werden könnte. Am Ende dann ein Showdown, der eigentlich schon keiner mehr ist. enttäuschend !!!
nadine zu »John Sandford: Tödlicher Blick« 05.10.2004
hi! also ich fand "tödlicher blick" klasse und faszinierend. der anfang gleich aus der sicht von qatar war zuerst komisch zu lesen, aber es wurde dann richtig gut. ein spannender und origineller thriller!!
Karin zu »John Sandford: Tödlicher Blick« 13.01.2004

Habe mich auch gefragt warum ich mir das an tue.
Ein absoluter Quatsch!
Das war das erste und letzte Buch welches ich von diesem Autor gelesen habe!
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