Spur der Angst von
Buchvorstellung und Rezension
Bibliographische Angaben
Originalausgabe erschienen 1999
unter dem Titel Certain prey,
deutsche Ausgabe erstmals 2000
bei Goldmann.
Ort & Zeit der Handlung: USA, 1990 - 2009.
Folge 10 der Lucas-Davenport-Serie.
- New York: G. P. Putnams Sons, 1999 unter dem Titel Certain prey. 339 Seiten.
-
München: Goldmann, 2000.
Übersetzt von Manes H. Grünwald.
ISBN:
3-442-44432-2. 441 Seiten. -
München: Goldmann, 2005.
Übersetzt von Manes H. Grünwald.
ISBN:
3-442-55401-2. 441 Seiten.
'Spur der Angst' ist erschienen als
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In Kürze:
Carmel Loan, erfolgreiche Rechtsanwältin und verwöhntes Luxusgeschöpf, bekommt immer, was sie will. Nur ihren Liebhaber Hale Allen bekommt sie nicht zum Mann; Hale würde sich nie von seiner Frau Barbara trennen. Deshalb beauftragt Carmel die Killerin Clara Rinker, Barbara ins Jenseits zu befördern. Clara erledigt ihren Auftrag gewohnt professionell, aber es gibt einen Mitwisser: Der drogensüchtige Mafioso Rolo hatte Clara Carmel empfohlen. Jetzt erpresst Rolo Carmel, die sich erneut an Clara wendet. Was nun beginnt, ist der Kampf zweier Frauen gegen die Mafia – ein Kampf, der auch Detective Lucas Davenport auf den Plan bringt …
Das meint Krimi-Couch.de: »Kaum gelesen, schon vergessen: Lesefutter-Schicksal«
Krimi-Rezension von Michael Drewniok überspringen
Sie haben sich offenbar gesucht und endlich gefunden – das schöne Biest und die biestige Schöne: Clara Rinker entdeckte im zarten Alter von 16 Lenzen eher zufällig ihr Naturtalent zum Töten, das durch geile Stiefväter daheim und ebensolche Kunden auf der Arbeit energisch gefördert wurde. Inzwischen machte sie ein Geschäft daraus und arbeitet als Auftragsmörderin für die Mafia, wo sie aufgrund ihrer Zuverlässigkeit hoch angesehen und gut gebucht ist.
Carmel Loan ist Star-Strafverteidigerin in Minneapolis, erfolgreich, vermögend, selbstbewusst, gefürchtet – und verliebt in den Kollegen Hale Allen, der nicht besondere helle, aber ansehnlich und leider sehr verheiratet ist. Gattin Barbara würde ihn niemals ziehen lassen, sie hat das Geld in diese Ehe gebracht, und so dumm ist sogar Hale nicht, dass er dies aufs Spiel setzen wollte. Aber Carmel, die sich schon lange über Gesetz und Moral erhaben fühlt, weiss Rat. Vor einiger Zeit hat sie den Drogendealer Rolando »Rolo« D’Aquila aus einem eigentlich aussichtslosen Fall gepaukt. Dieser sieht sich seither in ihrer Schuld, was praktisch ist, denn er kennt Clara und empfiehlt Carmel deren Dienste. Gern nimmt diese an und lässt die lästige Barbara aus dem Weg räumen. Die Bluttat gelingt, aber durch einen unglücklichen Zufall gerät auch ein Polizist mit in die Schusslinie. So wird Detective Lucas Davenport, hochrangiger Beamter der Mordkommission von Minneapolis, in die Ereignisse verwickelt.
Derweil beginnt Rolo, in Geldnot geraten, Carmel mit einem Video zu erpressen, das sie zeigt, wie sie den Mordauftrag erteilt. Erneut bittet sie Clara um Unterstützung. Die beiden Frauen finden Gefallen aneinander, und Carmel entdeckt den eigenen Killerinstinkt, als sie gemeinsam mit ihrer neuen Freundin den unglücklichen Rolo foltert und umbringt. Dann beginnt alles schief zu laufen. Es gibt weitere Zeugen, die das Video kennen. Sie müssen ihrerseits eingeschüchtert oder ausgeschaltet werden, was wiederum nicht ohne Zwischenfälle abgeht. Deshalb dauert es nicht lange, bis Davenport misstrauisch wird. Doch die taffe Anwältin ist eine ernst zu nehmende Gegnerin, deren Rücksichtslosigkeit zusammen mit der intimen Kenntnis des örtlichen Polizeiapparates ihr zunächst eine Galgenfrist verschafft – Zeit, die sie und Clara nutzen, eine breite Blutspur durch Minneapolis zu ziehen …
Lucas Davenport ist wieder da, und seine lesenden Freunde wissen, was das bedeutet: Spannung und Action, produziert auf hohem handwerklichen Niveau. Tiefgang ist nicht, trotzdem liefert Sandford Qualität, die den Kopf leicht vergessen macht, dass dieses Mal dem Bauch der Vorzug gegeben wird. Das war zu allen Zeiten, ist aber besonders heutzutage ein Risiko, das die besondere Aufmerksamkeit der Kritik erregen kann. Die geht denn auch häufig sehr ruppig mit Sandford um, schimpft ihn einen Grobian, Gewalt- Fetischisten oder – was schwerer wiegt – einen unverbesserlichen Chauvinisten (der womöglich heimlich sogar raucht). Trotzdem knickt der Verfasser nicht devot ein, sondern wehrt sich seiner Haut, indem er die Unsinnigkeiten einer Amok laufenden politischen Korrektheit in sein Werk einflicht (die elegante Lösung) und ansonsten Davenport und seine Mannen nun erst recht scheinbar frauenfeindliche Sprüche klopfen lässt (pubertär, aber vermutlich sehr befreiend). Wie sich zeigt, erreicht Sandford sein Ziel; die wenigen Kritiker, die sich in die Niederungen des reinen Unterhaltungsromans begeben, geben laut ihrem Ärger über den alten Sünder Ausdruck, während frau sich wahrscheinlich am Kopf kratzt und fragt, was denn der ganze Aufruhr eigentlich soll.
Denn rau ist der Ton, und die Feuerwaffen sitzen stets locker in Davenports Welt. So ist sie nun einmal angelegt, so lieben wir sie zum Feierabend, wenn uns manchmal nur nach Entspannung ist und wir das Unterhaltungspotenzial unserer niederen Instinkte nutzen wollen. Freilich teilen Sandfords Männlein & Weiblein genauso aus wie sie einstecken; das ist eine Form der Gleichberechtigung, die eingeschriebene Tugendbolde zusätzlich irritieren mag. Nichtsdestotrotz ist die Polizei von Minneapolis ein Reich der Machos, und Davenport ist sicherlich ihr König – aber immerhin einer, der sich vor dem Fliegen fürchtet und im großen Finale sein Leben ausgerechnet dem verhassten Bericht der Gleichstellungs- Kommission verdankt, der zuvor für einige running gags gut war.
»Spur der Angst« wartet als grundsolider, temporeicher Cop-Thriller plotmäßig durchaus mit einigen Überraschungen auf. Viel »Pulp Fiction«-Atmosphäre kommt auf, wenn sich Attentäterin und Anwaltin über das Wohl und Wehe ihrer jeweiligen Metiers austauschen und dabei allerlei erstaunliche Banalitäten zu Tage treten. Gleichermaßen bricht Sandford mit dem Klischee des kühlen, berechnenden, alle Eventualitäten einkalkulierenden Killers: Clara Rinker ist tüchtig, aber Mord stets ein Geschäft mit unwägbarem Risiko. Schon recht früh wird deutlich, dass ihr die Dinge aus den Händen zu gleiten beginnen.
Dem anfänglichen Routinemord folgen immer hektischere und verzweifeltere Versuche, eine unheilvolle Kettenreaktion zu unterbrechen, die nur in Verhaftung und Gefangenschaft enden kann. Denn an einem lässt Sandford keine Zweifel: Das System – hier vertreten durch die Polizei – wird immer siegen, weil es trotz aller Vorschriften, Einschränkungen und internen Krisen einfach besser organisiert als das Verbrechen ist.
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| Heike Götz zu »John Sandford: Spur der Angst« | 01.11.2010 |
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| Günter zech zu »John Sandford: Spur der Angst« | 13.04.2008 |
| Kerstin zu »John Sandford: Spur der Angst« | 29.02.2008 |
| K.-G.Beck-Ewe zu »John Sandford: Spur der Angst« | 27.08.2004 |

