Nachtblind von John Sandford

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2000 unter dem Titel Easy prey, deutsche Ausgabe erstmals 2001 bei Goldmann.
Folge 11 der Lucas-Davenport-Serie.

  • New York: G. P. Putnam’s Sons, 2000 unter dem Titel Easy prey. 407 Seiten.
  • München: Goldmann, 2001. Übersetzt von Manes H. Grünwald. ISBN: 3-442-45051-9. 479 Seiten.
  • München: Goldmann, 2003. Übersetzt von Manes H. Grünwald. ISBN: 3-442-45657-6. 479 Seiten.
  • München: Goldmann, 2005. Übersetzt von Manes H. Grünwald. ISBN: 3-442-46082-4. 479 Seiten.
  • München: Goldmann, 2007. Übersetzt von Manes H. Grünwald. ISBN: 978-3-442-46626-9. 479 Seiten.

'Nachtblind' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Erst bei der Spurensuche entdeckt die Polizei eine zweite Frauenleiche mit eingeschlagenem Schädel in einem Wandschrank – Sandy Lansing, Hostess in einem Luxushotel. Lucas Davenport, Sonderermittler beim Morddezernat Minneapolis, ist wegen der Prominenz des Models sofort einem gewaltigen Medienrummel ausgesetzt. Die erste heiße Spur führt in die Drogenszene, denn Sandy war Dealerin, und es verdichten sich die Anzeichen, dass sie von ihrem Großhändler umgebracht wurde – und Aliée als zufällige Zeugin dieses Mordes sterben musste...Doch dann beginnen sich die Ereignisse zu überschlagen: Amnon Plain, Aliées Modefotograf, wird ermordet, ebenso Aliées Eltern, kurz darauf auch Derrick Deal, Sandy´s Hotelmanager, und auf die attraktive Jael, Amnon Plains Schwester, wird ein Mordanschlag verübt. Lucas erkennt schnell: Hier müssen mindestens zwei Mörder am Werk sein, und auf irgendeine Art und Weise müssen ihre Motive miteinander in Verbindung stehen. Schließlich stößt er auf einen Racheengel aus Aliées Vergangenheit und damit auf den Schlüssel zur Lösung des Falls, doch eine spektakuläre Geiselnahme lässt die turbulenten Ereignisse nochmals ins Unfassbare eskalieren.

Das meint Krimi-Couch.de: »Viele Fragen bleiben offen« 57°

Krimi-Rezension von Peter Kümmel

Der Name John Sandford taucht regelmäßig auf der US-Bestsellerliste auf. Auch auf dem Klappentext von »Nachtblind« wirbt der Verlag wieder mit dem Slogan »Nr. 1 der US-Bestsellerliste!«. Doch warum Sandford beim deutschen Publikum nicht so gut ankommt, möchte ich ein wenig näher zu erläutern versuchen.

Sandfords Serienheld seiner Prey-Novels ist Lucas Davenport. Davenport ist Sonderermittler beim Morddezernat in Minneapolis und ist einer der Krimihelden, die von ihrem Autor mit einer gewissen Freiheit ausgestattet sind. Mit Ideen in der Computerspiele-Branche zu schnellem Reichtum gekommen, kann er sich einiges mehr herausnehmen als seine Kollegen. Einen richtigen Macho hat Sandford da geschaffen mit Davenport, der mit seinem schwarzen Porsche gerne schönen Frauen imponieren möchte. »Davenport und die Frauen« ist überhaupt ein generelles Thema in den Büchern der Reihe. Und auch in »Nachtblind« hat es Lucas gleich wieder mit drei problematischen Beziehungen zu tun. Man braucht als Leser schon einige Zeit, um auch die positiven Seiten von Lucas zu erkennen und ihn sympathisch zu finden.

Eine Winterlandschaft ist auf dem Cover des Buches zu sehen mit einem älteren Holzhaus im Vordergrund. Doch hat dies mit der Handlung des Buches ebenso wenig zu tun wie der Titel »Nachtblind«. Blind sind die Ermittler in diesem Roman zwar schon des öfteren, doch glänzt der deutsche Verlag bei der Titelvergabe der mittlerweile 13 Prey-Novels wie immer mit Einfallslosigkeit. Die Originaltitel beinhalten allesamt das Wort »prey« = Beute, doch der deutsche Titel hat selten etwas mit dem Originaltitel und in diesem Falle noch nicht einmal mit dem Inhalt etwas zu tun.

Man kann aber auf keinen Fall sagen, dass man nichts fürs Leben gelernt hat nach dieser Lektüre. Einfach köstlich, wie der Polizist Franklin der attraktiven Jael, die er beschützen soll, beizubringen versucht, wie man Eine-Minute-Mahlzeiten während der Werbespots bei der Übertragung von Football-Spielen zubereitet. So werden über vier Buchseiten hinweg innerhalb einer Minute Nachos mit Käse und Salsa-Sauce zubereitet.

»Man muß kochend heißen Käse auf die Chips geben, die Salsa darf nur mittlere Wärme haben, und wenn´s fertig ist, trinkt man ein eiskaltes Bier dazu. So gehört sich das.«

»Wissen alle Männer das?«, fragte sie.

Alle drei Männer nickten und sagten wie aus einem Mund: »Natürlich.«

[...] Jael sagte trotzig: Nicht alle Männer wissen von dieser Nacho-Käse-Salsa-Sache.»

«Sie haben Recht. Wahrscheinlich gibt es auf einer abgelegenen Ranch irgendwo in North Dakota einen halb verwilderten Cowboy, der weder Fernsehen noch eine Mikrowelle hat.»

Doch erst mal von vorne: Jael Corbeau war die Freundin des Top-Models Alie´e Mason und unterhielt mit dieser eine homosexuelle Beziehung. Und jene Alie´e wird zum ersten der doch recht zahlreichen Mordopfer des Romans. Nach einer anstrengenden Foto-Session entspannte sie sich auf einer großen Party im Haus von Sally Hanson. Dort wird sie erwürgt in einem Schlafzimmer, wo sie sich kurz ausruhen wollte aufgefunden. Bei der Spurensuche findet die Polizei dann in einem Wandschrank eine weitere Frauenleiche: Sandy Lansing wurde offenbar erschlagen.

Natürlich macht der Mord an einem Top-Model große Schlagzeilen. Doch die Polizei tappt völlig im Dunklen. Man findet heraus, dass wohl jede Menge Rauschgift auf der Party konsumiert wurde, doch keiner der Gäste ist in dieser Hinsicht gesprächig. Von Sandy Lansing weiß man zunächst nicht viel, außer, dass sie als Hostess in einem Hotel gearbeitet hat. Die Ermittler vernachlässigen dieses Mordopfer etwas, weil sie vermuten, dass Sandy Lansing sterben mußte, weil sie den Mörder überraschte, als dieser Alie´e tötete. Doch hier bekommt der Leser einen kleinen Wissensvorsprung vor den Polizeibeamten.

Zwei kurze Abschnitte sind aus der Sicht des Mörders geschrieben, ohne daß dieser selbst namentlich erwähnt oder sonstwie näher beschrieben wird, sondern einfach als «der Mann" bezeichnet wird. Es verhielt sich in Wirklichkeit nämlich genau umgekehrt. Bei einem Streit zwischen dem Mann und Sandy schlug diese unsanft mit dem Kopf auf und wurde tödlich verletzt. Bei dem Versuch, die Leiche zu verstecken, wurde der Mann von Alie´e überrascht. Deshalb musste auch sie sterben.

Nicht jeder wird sich mit der Schreibweise von John Sandford anfreunden können, denn es geht bei ihm doch oft sehr rüde zur Sache. Gewalt und Sex bestimmen das Geschehen und vulgäre Ausdrücke sind an der Tagesordnung. So werden zum Beispiel die sexuellen Spiele der Frauen als Fotzenleckerei bezeichnet.

In Verdacht bringt sich auch der Modefotograf Amnon Plain, der Bruder von Jael. Sollte er Alie´e aus Eifersucht umgebracht haben? Denn Amnon hatte mit seiner eigenen Schwester ebenfalls eine sexuelle Beziehung. Doch diese Überlegungen sollten sich relativ schnell erledigen, denn Amnon wird das nächste Opfer.

Sehr lange hat es gedauert, bis ich mit diesem Kriminalroman so einigermaßen warm geworden bin. Die ersten 200 Seiten des fast 500 Seiten langen Romans ziehen sich wie Kaugummi. Nicht, dass nichts passieren würde, aber Sandford vermag kaum Spannung zu erzeugen. Das Geschehen plätschert so vor sich hin, die Polizei hat keine heiße Spur, Lucas Davenport ist mehr mit alten Freundinnen beschäftigt und auf den Nebenschauplätzen verschieben Kleinkriminelle Traktoren. Doch völlig unmerklich beginnt mich das Buch zu fesseln.

Hauptsächlich die humorvolle Schreibweise und die teils recht witzigen Dialoge sind es, die das Lesen etwas forcieren können, nicht unbedingt das doch recht wirre Geschehen. Da die Darstellung der Charaktere nicht gerade die Stärke des Autors ist, lernt man die Personen erst sehr langsam kennen und kann sich erst jetzt einigermaßen in die Handlung hinein versetzen. Liebhaber von feinsinnigen und logisch durchdachten Krimis sollten lieber die Finger von diesem Buch lassen. Dieser Kriminalroman ist schon sehr amerikanisch, denn hier wird mehr geschossen als gedacht und so folgt bald Leiche auf Leiche.

Da das erste Opfer ziemlich prominent war, sind natürlich auch die Medien sehr an Informationen interessiert und so verstärkt sich der Druck auf die Ermittler rasch. So unter Druck geraten fabrizieren diese dann den einen oder anderen Schnellschuß. Davenport ist sich bald sicher, den Täter gefunden zu haben, doch hat er das Problem, dass er ihm nichts nachweisen kann. So verrennt er sich in diese Idee, bis sein potentieller Täter durch einen Sturz aus dem Leben scheidet. Hat sich der Mörder selbst umgebracht oder war Davenport etwa doch auf der falschen Spur? Der Protagonist wird dem Leser im Verlauf des Geschehens immer sympathischer, denn er muß so einiges an Fehlern zugeben.

Davenports Liebesleben beschäftigt nicht nur ihn selber, sondern auch den Leser fast noch mehr als der Fall (oder mittlerweile die Fälle) selber. Nicht nur, dass eine alte Freundin aus frühen Tagen tief in der Midlife-Crises steckt und Davenport nicht so recht weiß, wie er sich da verhalten soll, dann lässt er sich auch noch auf Sex mit einer unmittelbar an den Morden beteiligten Frau ein und schließlich taucht auch Weather wieder auf; die Frau, die man aus früheren Fällen kennt und die er einmal heiraten wollte. Und wie geht es Marcy, seiner Kollegin und Freundin, die von dem Killer schwer verletzt wurde? Wird sie überleben?

Das Tempo wird rasanter und die Ereignisse beginnen sich zu überschlagen. Doch als man als Leser zu ersten Vermutungen ansetzt, werden wieder ganz neue Namen ins Spiel gebracht. So ist es schließlich nicht verwunderlich, dass es am Ende noch zu einem turbulenten Showdown kommt, bei dem auch Davenports Porsche eine kleine Schramme abbekommt, doch als so richtig einfallsreich kann man die Lösung nicht gerade bezeichnen. Zudem musste ich das Buch dann relativ unbefriedigt zuklappen, denn nicht alle Fragen wurden am Ende auch aufgeklärt.

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Heike Götz zu »John Sandford: Nachtblind« 10.12.2011
Ich schließe mich meinem Vorgänger an. Auch ich mußte feststellen, das dieses Buch eines der schlechtesten ist von meinem Lieblingsschriftsteller John Sandford.Ebenso nervig fand ich auch die Wortwahl von Marcy und die teils unmögliche Übersetzung.
Was ich besonders ungut fand, waren die vielen Leichen, zu viele Personen auf einmal. Das Bankleben war recht interessant, aber für einen Laien nicht unbedingt durchblickend.
Trotz alledem freue ich mich auf den nächsten Band.
axelp zu »John Sandford: Nachtblind« 23.06.2009
kurz und knapp:
Es ist mein 10 Buch mit Davenport - und das mit Abstand schlechteste bisher.
Sandford ist einer meiner Lieblingsschriftsteller, aber was er sich hier geleistet hat, ist mit 65 % noch gut bewertet.
Außerdem war die Übersetzung teilweise unmöglich (statt wasserstoffblond wir die Frau mit waschmittelblond beschrieben).
Auch war diesmal der Umgangston (vorallem von Marcy) ziemlich unter der Gürtellinie, irgendwie stört einen das mit der Zeit.
Albert E. zu »John Sandford: Nachtblind« 15.02.2009
Soeben den Krimi ausgelesen: Schlechtes Deutsch, wenig durchdachte Handlung.
Nach 420 von 480 Seiten wird nach langem Hin und Her ein Mörder aus dem Hut gezaubert - und das war´s dann. Viele Fragen bleiben offen.Wie so ein Krimi auf die amerikanischen Bestseller - Listen kommen kann, ist verwunderlich.Albert E.
ts zu »John Sandford: Nachtblind« 04.06.2008
Auch mein erstes Buch von dem Autor. Und ich war angenehm überrascht.
Es liest sich sehr gut und auch einige Dialoge sind richtig gut.
Was mir persönlich gefällt ist, das die Szenen recht schnell wechseln.
Man liest einen guten US - TV Krimi.
Der Held ist ganz anders als die hier in Europa erfunden figuren.
Der Mann ist sympatisch und trägt nicht die gesammte Last der WElt auf seinen Schulter.
Werde bestimmt wieder eines von dem Autor lesen, auch wenn das Ende etwas na ja höflich gesagt sehr überraschend kommt.
Karin zu »John Sandford: Nachtblind« 22.08.2004
Habe das Buch soeben fertig gelesen ( es war mein erstes Buch von Sandford ) und fand es anfangs ziemlich langweilig. Gegen Schluss wurde es dann besser. Aber trotzdem fand ich es nicht unbedingt spannend oder fesselnd. Ich weiss nicht, ob ich nochmal ein Buch von Sandford lesen werde............
Frank zu »John Sandford: Nachtblind« 03.10.2002
Nicht schlecht, doch einer der schwächeren Romane um den Cop aus Minneapolis. John Sandford hat in früheren Büchern dieser Reihe bewiesen, das in Lucas Davenport noch ganz anders Potenzial steckt.

Mein Tipp: Wer noch nicht die Figur Lucas Davenport kennt, sollte erst "Böses Spiel" oder "Spur der Angst" lesen, um ein Gefühl für die Figur zu bekommen!
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