Die Jagdpartie von
Buchvorstellung und Rezension
Bibliographische Angaben
Originalausgabe erschienen 1998
unter dem Titel Secret prey,
deutsche Ausgabe erstmals 1999
bei Goldmann.
Ort & Zeit der Handlung: USA, 1990 - 2009.
Folge 9 der Lucas-Davenport-Serie.
- New York: G. P. Putnams Sons, 1998 unter dem Titel Secret prey. 392 Seiten.
-
München: Goldmann, 1999.
Übersetzt von Manes H. Grünwald.
ISBN:
3-442-44388-1. 446 Seiten. -
München: Goldmann, 2006.
Übersetzt von Manes H. Grünwald.
ISBN:
978-3-442-55457-7. 446 Seiten.
'Die Jagdpartie' ist erschienen als
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In Kürze:
Die fünf Direktoren der Polaris Bank gehen gemeinsam auf die Jagd. Neben allerlei Wild wird leider auch der Vorstandsvorsitzende Kresge erschossen. Dieser hatte die Fusion der Bank mit einer Holding in die Wege geleitet, was ihm einen Gewinn von 40 Millionen Dollar, den vier anderen Direktoren jedoch den Verlust ihrer bisherigen Positionen beschert hätte. Vorübergehend soll Direktor Wilson McDonald die Geschäfte führen, ein unangenehmer Mensch, der seine Frau Audrey regelmäßig verprügelt. Aber auch die anderen drei Direktoren Susan O´Dell, Terrance Robles und James T. Bone sind auf den Posten des Vorstandsvorsitzenden scharf, nachdem die geplante Fusion abgewehrt wurde. Alle vier sind also höchst tatverdächtig. Nachdem die Direktorin Susan O´Dell vor ihrer Wohnungstür erschossen wird, überstürzen sich die Ereignisse. Und Detective Davenport bringt zusammen mit seiner neuen Assistentin Sergeant Sherrill die böse Wahrheit ans Tageslicht …
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Krimi-Rezension von Michael Drewniok überspringen
Die vier Direktoren – und eine weibliche Direktorin – der »Polaris«-Bank gehen auf Einladung ihres Vorstandsvorsitzenden gemeinsam auf die Jagd. Was auf den ersten Blick ein reines Wochenend-Vergnügen zu sein scheint, entpuppt sich als grimmiges Spiel um Macht und Geld. Der Vorstandsvorsitzende hat die Fusion mit einer Konkurrenz-Bank in die Wege geleitet; ein Deal, der ihm unendlich viel Geld bescheren, seinen Direktoren aber wahrscheinlich den Job kosten wird. Da ist es kaum verwunderlich, dass der Vorsitzende plötzlich mit einem Loch in der Brust im Wald aufgefunden wird – ein Jagdunfall ist es nicht gewesen …
Deputy Chief Lucas Davenport von der Mordkommission der Stadt Minneapolis steht vor fünf mächtigen, ungeduldigen Verdächtigen, was die Fahndung erheblich erschwert, zumal der Mörder seine Spuren gut verwischt hat. Weit ist die Polizei mit ihren Ermittlungen noch nicht gekommen, als die weibliche Direktorin plötzlich ebenfalls umgebracht wird. Zusätzlich abgelenkt wird Davenport, als seine ehemalige Verlobte beinahe einem Brandanschlag zum Opfer fällt. Womöglich will sich ein von dem Detective hinter Gitter gebrachter Verbrecher auf diese Weise an ihm rächen.
Trotz der Probleme trägt die Ermittlungsarbeit langsam Früchte. Wilson McDonald, einer der vier überlebenden »Polaris«-Direktoren, kann möglicherweise mit dem Mord in Verbindung gebracht werden. Die geplante Fusion würde seine Karriere auf jeden Fall beenden, und der grobschlächtige Mann, der seine Ehefrau brutal zu schlagen pflegt, ist niemand, der sich dies gefallen ließe.
Hellhörig werden Davenport und sein Team, als sie plötzlich Hinweise finden, die McDonald mit einigen ungeklärten Mordfällen der Vergangenheit in Verbindung bringen. Und dann ist da noch die unerklärlich hohe Todesrate unter denen, die McDonald in den letzten Jahren beruflich in die Quere gekommen sind …
Bevor Davenport endgültige Klarheit gewinnen kann, überschlagen sich die Ereignisse: Audrey McDonald bringt ihren gewalttätigen Ehemann nach einer neuerlichen Attacke um – anscheinend in Notwehr, denn sie ist schwer verletzt. Davenport ist misstrauisch, denn in ihm steigt langsam der Verdacht auf, dass Audrey womöglich nicht das hilflose Opfer ist, als das sie alle Welt sieht …
Die Lösung dieses ausgezeichneten Thrillers soll an dieser Stelle nicht verraten werden; es wäre ungerecht, obwohl es das Vergnügen an der Lektüre nicht unbedingt schmälern würde. Autor John Sandford lässt die Katze selbst schon vor dem letzten Drittel des Romans aus dem Sack; nun verfolgt der Leser gespannt das Katz-und-Maus- Spiel zwischen Davenport und dem wahnsinnigen, aber gleichzeitig ebenso intelligenten wie rücksichtslosen Serienmörder.
Lucas Davenport ist nicht gerade das, was man eine Identifikationsfigur nennen würde. Er ist Polizist mit Leib und Seele und engagiert sich oft so intensiv, dass sein Privatleben ernsthaften Schaden nimmt. Dabei treten die weniger angenehmen Seiten seines Wesens zutage. In »Kalte Rache«, dem achten Teil der Davenport-Serie, tötet er überlegt und kaltblütig einen Kidnapper, der seine Verlobte gefangen hält. Diese gibt ihm daraufhin den Laufpass, was Davenport in eine depressive Phase treibt, die ihn zu Beginn von »Die Jagdpartie« noch in ihrem Bann hält. Doch im Verlauf der Ermittlungen beginnt er eine Affäre mit der Polizistin Sherrill, die indes von Anfang an unter keinem guten Stern zu stehen scheint.
Die differenzierte Figurenzeichnung beschränkt sich nicht auf Davenport. Aber auch der Plot an sich lässt wieder einmal nichts zu wünschen übrig. Man erfährt Einiges über das Geschäftsgebaren in den Vorstandsetagen moderner Bank-Konzerne, und da Sandford als Journalist etwas vom Recherchieren versteht und das Ergebnis als Schriftsteller gekonnt umzusetzen weiss, ist plausibel, was er schildert. Die Glaubwürdigkeit der Geschichte hängt an vielen Stellen davon ab – besonders in den ersten beiden Dritteln des Romans, als noch unklar ist, dass der Tod des Vorstandsvorsitzenden mit den internen Machtkämpfen an der Bankspitze nur mittelbar zu tun hat.
Zimperlich geht es in der Welt John Sandfords nicht zu. Gewalt und Verbrechen dienen jedoch nicht der vordergründigen Unterhaltung, sondern sind zweckgebunden: Serienmörder, allein dem Eigennutz verpflichtete Geschäftsleute, überlastete Polizeibeamte – hier wird mit harten Bandagen gekämpft, und Sandfort schildert diesen Alltag nüchtern, fast dokumentarisch, verweist damit auf seine journalistischen Wurzeln (dazu unten mehr) und erhöht dadurch die Eindringlichkeit seiner Schilderungen.
Aufgelockert wird der Ernst der Handlung durch wohl dosierten, knochentrockenen Humor, den Sandford zum ersten Mal in diesem Umfang einsetzt. Auch hier zeigt er sich als Meister, der die meisten Lacher erzielt, indem er zum Beispiel nur schildert, in welche Nöte Davenport gerät, als 24 Großmütter, die illegal Mohn gezogen und Opiumtee daraus gebraut haben, sich ihm gleichzeitig stellen wollen und sämtliche Kolleginnen und Kollegen sich aus dem Staub gemacht haben …Der Humor entsteht aus der Darstellung; er wird nicht herbei gezwungen und wirkt dadurch wesentlich stärker.
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| Heike Götz zu »John Sandford: Die Jagdpartie« | 07.04.2010 |
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| Thomas King of Crime Jerschke zu »John Sandford: Die Jagdpartie« | 08.01.2008 |
| Günter Zech zu »John Sandford: Die Jagdpartie« | 26.11.2007 |
| Kerstin zu »John Sandford: Die Jagdpartie« | 15.10.2007 |
| axelp zu »John Sandford: Die Jagdpartie« | 27.07.2007 |

