Der ewige Gärtner von John le Carré

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2000 unter dem Titel The Constant Gardener, deutsche Ausgabe erstmals 2001 bei List.
Ort & Zeit der Handlung: Afrika / Kenia, 1990 - 2009.

  • London: Hodder & Stoughton, 2000 unter dem Titel The Constant Gardener. 508 Seiten.
  • München: List, 2001. Übersetzt von Werner Schmitz & Karsten Singelmann. ISBN: 3-471-78078-5. 557 Seiten.
  • München: List, 2002. Übersetzt von Werner Schmitz & Karsten Singelmann. ISBN: 3-548-60229-0. 557 Seiten.
  • Berlin: List, 2004. Übersetzt von Werner Schmitz & Karsten Singelmann. ISBN: 3-548-60528-1. 557 Seiten.
  • Berlin: List, 2006. Übersetzt von Werner Schmitz & Karsten Singelmann. ISBN: 978-3-548-60725-2. 557 Seiten.
  • Berlin: Ullstein, 2006. Übersetzt von Werner Schmitz & Karsten Singelmann. ISBN: 978-3-548-60586-9. 557 Seiten.
  • [Hörbuch] München: Ullstein Hörverlag, 2001. Gesprochen von Rufus Beck. ISBN: 3-550-09029-3. 5 CDs.
  • [Hörbuch] Köln: Random House Audio, 2006. Gesprochen von Rufus Beck. ISBN: 3866045662. 4 CDs.

'Der ewige Gärtner' ist erschienen als HardcoverTaschenbuchHörbuch

In Kürze:

Spannung, Unterhaltung und politische Skandale: Der neue le Carre. Mitten in der Wüste von Kenia, am Ufer des Turkanasees, wird die junge schöne Tessa Quayle ermordet aufgefunden. Ihr Begleiter und angeblicher Geliebter, der afrikanische Arzt Arnold Bluhm, ist spurlos verschwunden. Tessas Ehemann, ein aufstrebender Diplomat bei der britischen Botschaft in Nairobi, macht sich auf die Suche nach dem Mörder seiner Frau. Bald erkennt er, dass die rebellische Tessa einem Komplott auf der Spur war und damit nicht nur die mächtige Pharmaindustrie und eine obskure afrikanische Hilfsorganisation gegen sich aufbrachte, sondern auch den Unmut höherer britischer Regierungskreise auf sich zog. Verfolgt und auf sich allein gestellt, dringt Justin immer tiefer in das Dickicht einer groß angelegten Verschwörung ein.

Das meint Krimi-Couch.de: »Ein verschenktes Thema«

Krimi-Rezension von hyby

Natürlich sind die meisten von uns froh, dass der kalte Krieg so sanft entschlummert ist. Auch John Le Carré dürfte die Verschmelzung der einstmals feindlichen Welten begrüßt haben, obwohl ihm klar gewesen sein muss, was diese politische Entwicklung für ihn und einige seiner Kollegen nach sich ziehen wird: das Verschwinden einer klar umrissenen Freund-Feind-Konstellation, in der die Geheimdienste der Blöcke ihre stummen Kriege ausfochten. Es gibt ganze Legionen mehr oder weniger versierter Polit-Thriller-Autoren, doch es ist das unbestrittene Verdienst Le Carrés, dem Genre Agenten-Thriller neue Türen geöffnet zu haben. Er war der erste, der die Frontlinien zwischen guter und böser Spionage immer mehr verwischte, bis eine für alle Akteure gemeinsam gültige Erkenntnis übrig blieb: der Krieg der Geheimdienste ist tückisch, gnadenlos und schmutzig. Seine George-Smiley-Romane setzten Meilensteine in der Geschichte des Genres mit ihren hochraffinierten Handlungsabläufen – und Le Carré weiß wahrlich, wovon er schrieb: Er kennt das Geschäft.

Aber kennt er es auch noch heute? Kennt er die Hightech- , die Cyber-Spionage ? Die kann er nicht kennen, die bleibt ihm verschlossen – er ist ein Kind seiner Zeit. Also was macht er? Er wendet sich schweren Herzens anderen Themen zu – im vorliegenden Fall den bedenkenlosen Strategien von Pharma-Konzernen.

Der Roman beginnt in Nairobi, Hauptstadt von Kenia und Le Carré andächtig-ehrwürdiger Stil lässt uns eintauchen in die uns fremde Welt spezifisch britischer Tradition. Auch im britischen Hochkommissariat im Nairobi des Jahres 2000 bewegen sie die dortigen britischen Beamten in der unterkühlt-arroganten Gedankenwelt des einstmaligen Empires. Contenance, Esprit und ein knapper Befehlston sind die Mastertugenden dieser kleinen Truppe von Herrenmenschen.

Die Truppe wird aufgeschreckt durch einen Mordfall: In der Wildnis fernab der Hauptstadt wird die rigoros hingemetzelte Leiche von Tessa Quayle gefunden, einer couragierten jungen Frau, die auf eigene Faust kriminellen Machenschaften eines Pharmagiganten auf der Spur war. Ihr Ehemann Justin, Leiter der Kanzlei im Hochkommissariat und ein gut gebauter, aber insgeheim belächelter Schwächling, beginnt den Aktivitäten seiner toten Frau nachzuspüren und stößt sehr schnell auf unsichtbare Akteure, die schnell und effektiv Unterlagen verschwinden lassen. Sichtbar umgibt ihn eine Unmenge lächelnder Köpfe, die beschwichtigen, abwiegeln, hin und wieder eine hartnäckige Neugier an den Tag legen und in seltenen Fällen schon mal ein bischen drohen.

Diese Köpfe gehören manchmal Afrikanern, meistens jedoch Briten, gehören zu altehrwürdigen Beamten des Außenministeriums oder Scotland Yard. Wer Le Carré kennt, weiß schon: Die Herkunft, das sichtbare soziale Umfeld einer Person ist Schall und Rauch. Wem also vertrauen? Wer ist Freund, wer Feind?

Justin vertraut niemandem und aus dem einstigen Schlaffi und Hobby-Gärtner wird ein knochiger, leidensfähiger Jäger. Seine Recherchen führen ihn zu einem Pharmakonzern, der noch nicht vollständig ausgereifte Medikamente bereits an Patienten in afrikanischen Krankenhäusern erproben lässt. Mit Hilfe eines Grüppchen aufrechter helfer geht Justin den letzten Weg seiner Frau bis an den Ort ihres Todes. Und dort warten sie bereits auf ihn …

Das Thema des Romans wirkt ausgesucht, denn seine literrische Bearbeitung verrät keine wirkliche Leidenschaft: ein Pharmakonzern auf Abwegen – ein Plot, der im Maelstrom grassierender Viren-Thriller einfach verschwindet.

Aber halt, ich sagte ja schon: Le Carré ist ein alter Fuchs mit nach wie vor brillianten Qualitäten. Quayles sorgfältig kaschierte Begegnungen mit Kontaktpersonen, das unhörbare Bewegen des Jägers in der Schattenwelt, um nicht selbst unversehens zum Gejagten zu werden – an diesen Stellen läuft Le Carré zu alter Hochform auf. Das hat er wirklich drauf: das behutsame Schleusen des Lesers durch eine Welt, in der jede belanglose Kleinigkeit ein Signal sein kann, in der eine Sekunde der Unaufmerksamkeit tödlich sein kann. Und auch in diesem Roman gelingen Le Carré Passagen, in dem er in einem fast somnabulen Stil Vorgänge beschreibt – das kann nur er.

Unterm Strich gilt es jedoch festzuhalten: kein originäres, sondern ein verschenktes Thema. Es gibt halt nicht mehr her als 25 km/h – zu schade für einen Autoren mit einem Hochleistungsmotor.

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Tatrabaer zu »John le Carré: Der ewige Gärtner« 17.10.2010
Dieser Roman von Le Carré ist ein Meisterstück.
Das Thema: Versuche der Pharmaindustrie in der Dritten Welt ist sehr aktuell.
Das Umfeld zu diesem Thema -Der Gärtner, der Ehemann der Hauptperson ist sehr geschickt aufgebaut.
Seitdem Carré nicht mehr den Ost-West- Konflikt nutzen kann sind Themen dieser Klasse wie Medizinversuche, Panamakonflikt, Naher Osten etc. wichtige Themen.

Gruß von Tatrabaer

Le Carré schiebt diese Themen mittels Buch und Film unter die Haut der Leser.
Bewußtseinbildung über den Zusstand unserer Welt durch einen perfekten Autor.
naison zu »John le Carré: Der ewige Gärtner« 16.01.2010
Der Raum der Begegnung ist perfekt, wunderbar und real gehaltene Bilder aus Afrika.
Ich hatte das Glück per Zufall fast an den meisten Dreh-Orten gewesen zu sein.
Die Inszenierung, beim schauen des Films kommt ein Gefühl hoch als sei ich wieder in Afrika.
Vor allem die Slams near of Nairobi.
Wer einmall den Kids in die Augen geschaut hat, der weiß was ich meine!!!
0 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
fraenz zu »John le Carré: Der ewige Gärtner« 02.12.2009
Wie so oft habe nur den Film gesehen.
In meiner Erinnerung blieb er weniger als als Krimi haften.
Fand ihn ganz grosse Klasse. Und erschütternd und anklagend und fühlte mich persönlich schuldig und angeklagt
Habe ihn zwei Mal gesehen und war beide Male eine Woche lang so deprimiert, dass ich ganz ausser Gefecht war.
Zudem: Grossartige schauspielerische Leistung, fantastische Bilder, bitterschöne Musik.
0 von 3 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
tedesca zu »John le Carré: Der ewige Gärtner« 25.11.2009
Ganz ehrlich gesagt fand ich das Buch relativ langweilig. Natürlich ist die Thematik interessant - Pharmakonzerne, die die Menschen in der Dritten Welt als Versuchskaninchen benützen, um sich dann einmal mehr an ihnen zu bereichern. Aber irgendwie komme ich mit dem schleppenden Erzählstil Le Carrés nicht zurecht, und auch seine Charaktere sind mir zu blass und zu wenig greifbar. Von einer "atemberaubenden Jagd durch drei Kontinente", wie in der Kurzbeschreibung angekündigt, habe ich wenig bemerkt - anstatt der Atemlosigkeit hat mich wohl öfter ein Gähnen übermannt.



Mein erster Le Carré, von dem ich mir so viel erwartet hatte - wahrscheinlich auch mein letzter.

Einziges echtes Plus für das Hörbuch: die Stimme von Rufus Beck!
sirin zu »John le Carré: Der ewige Gärtner« 24.11.2009
Nur ein Roman? Für mich ist es ein vierdimensionaler Türöffner für die Realität der Gegenwart. Subtil und liebevoll darstellend, dass unser Bewusstsein sich heute kaum von dem vor 2000 Jahren unterscheidet. "homo homini lupus est" - der Mensch ist dem Menschen ein Wolf, denn folgst du nicht der Ratio des Rudels, wird Dein Leben nichts mehr Wert sein. Und die Gesetze bestimme ich und wer zum Rudel gehört - das bestimme ich auch...
Der Kranke ist der Pharma-Konsument, der so oder so zu sterben hat - sorry: sozialverträglich abzuleben - und wann das sein wird, das bestimme ich, so oder so... aber das sage ich nicht... das sagt der Arzt oder Apotheker - oder die Versicherung...
Das Diktat der Definition und der Studien, bestimmend, was wahr ist, steht über dem Menschen, der nur ein Recht hat: sich zu beugen...
Und das fazit?: Mensch, werde selbstverantwortlich! Doch wer weiss schon was das ist, denn dazu gibt es ja keine Studien. Aber es geht - und das ist sehr beruhigend.
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Jaspar H. zu »John le Carré: Der ewige Gärtner« 03.05.2009
Ich finde diese Zusammenfassung wirklich sehr unpassend und ich vermute, dass der Verfasser, der selbigen, das Buch nicht verstanden hat. Es geht nicht um "Oh, die Welt wird (dramatisch) von irgendwelchen Killerviren der Regierung bedroht" was natürlich (nicht!!) ungemein spannend ist, sondern es geht um reale, sich jeden Tag abspielende Ereignisse, die von Pharmariesen, die Afrika als Mülleimer/Testobjekt missbrauchen, inszeniert werden. Ein großartiges Buch, nachdem man sich ersteinmal fragt, wie schlecht die Welt doch eigentlich ist, in der wir leben, und Geld mehr zählt als jedes Menschenleben.
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zzmescalero zu »John le Carré: Der ewige Gärtner« 22.07.2007
Dieses Buch mag dem flüchtigen Leser zu durchkomponiert, zu absichtsvoll und vor allem zu moralistisch sein. Ich finde aber, John le Carre ist die Durchzeichnung seiner Charaktere selten überzeugender gelungen. Das Thema des neuen, nun industriell und nicht länger national bemäntelten Kolonialismus ist nun mal ein hartes, sprödes Thema. Und ein wichtiges. Sicherlich lohnt sich die Mühe, das Buch in der Originalsprache zu lesen - die Knorrigkeit von Carres Sprache ist auf Deutsch nicht immer genau wiederzugeben.
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Jackal zu »John le Carré: Der ewige Gärtner« 21.12.2006
Ich habe selten so einen schwergängigen und unverständlichen Roman gelesen wie diesen. Gegenwart und Vergangenheit wechseln ständig hin und her, ohne das man dies immer mitbekommmt. Die Personen haben keinen einprägsamen Charakter und man muss öfters drüber nachdenken in welcher Zeit und an welchem Ort man sich gerade befindet.

Fazit: Ich musste mich zwingen dieses Buch bis zum Ende zu lesen und hätte es lassen sollen...
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Michael Angrick zu »John le Carré: Der ewige Gärtner« 17.12.2006
John Le Carré hat einen fabelhaften Roman über die Machenschaften der Pharmaindustrie in Afrika geschrieben. Einen Roman, der mehrere Zeitebenen enthält, mehrere Handlungsebenen und der mit dem Tod des Helden endet, was auch äußerst ungewöhnlich, aber dem Stoff und der Glaubwürdigkeit des Romans sehr gut tut.
Der Diplomat Justin Quaile will die Hintergründe, die zur Ermordung seiner jungen Frau geführt haben aufklären. Er wird am Ende alles entdeckt haben, was vor ihm schon seine Gattin getan hatte. Er wird den gleichen Preis zahlen, aber die Unterlagen werden dieses Mal bei einem Anwalt liegen und der wird sicherlich die Schuldigen zur Verantwortung ziehen.
Aber das ist eine andere Geschichte, die hier nicht erzählt wird. Was aber erzählt wird ist spannend und literarisch auf hohem Niveau. „Der ewige Gärtner“ ist ein sehr gelungener Roman!
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
ines gerulat zu »John le Carré: Der ewige Gärtner« 04.03.2006
dieses buch ist so schöön und gefühlvoll geschrieben, man reist mit justin in seine gedankenwelt zu tessa und an die orte des geschehens. die uns john le carre in diesem buch beschreibt. es ist für mich eines der schönsten krimi und beziehungsgeschichten die ich in meinem kurzen leben gelesen habe. und ich bewundere den schriftstils carres, der einem immer wieder mit spannung zum buch greifen lässt. ich hoffe das es auch im wahren leben solche mutigen menschen gibt, wie sie carre im "ewigen gärtner" beschreibt. danke für dieses buch

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