Der Fotograf von
Buchvorstellung und Rezension
Bibliographische Angaben
Originalausgabe erschienen 1987 unter dem Titel The Traveler, deutsche Ausgabe erstmals 1987 bei Bastei Lübbe.
- New York: Putnam, 1987 unter dem Titel The Traveler. 413 Seiten.
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Bergisch Gladbach: Bastei Lübbe, 1987 Das Auge.
Übersetzt von Ari Grosskopf.
ISBN:
3-7857-0483-6. 383 Seiten. -
Bergisch Gladbach: Bastei Lübbe, 1990 Das Auge.
Übersetzt von Ari Grosskopf.
ISBN:
3-404-11618-6. 461 Seiten. -
München: Knaur, 2007.
Übersetzt von Anke Kreutzer.
Komplett überarbeitete Neuausgabe.
ISBN:
978-3-426-63698-5. 560 Seiten.
'Der Fotograf' ist erschienen als
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In Kürze:
Ein psychopathischer Serienkiller entführt die Literaturstudentin Anne Hampton und macht sie sich mit diabolischer Raffinesse gefügig. Anne hat keine Wahl: Entweder wird sie die Chronistin seiner Morde – oder sein nächstes Opfer. Detailversessen hält Doug Jeffers, ihr Peiniger, seine brutalen Morde mit der Kamera fest. Aber Fotos allein genügen ihm nicht mehr. Er möchte seine Taten auch mit Worten besungen wissen – und Anne ist sein Werkzeug. Ihre einzige Chance ist Detective Mercedes Barren aus Miami, deren Nichte der Fotograf ebenfalls auf dem Gewissen hat …
Der Fotograf ist eine der deutschen Ausgaben von John Katzenbachs 1987 erschienenem Roman The Traveler. Der Knaur-Verlag bezeichnete den Thriller ursprünglich als »Deutsche Erstausgabe – Oktober 2007«. Ist den Verlegern entgangen, dass der Roman bereits 1990 bei Bastei-Lübbe unter dem Titel Das Auge erschienen ist? Es handelt sich also um eine neue Übersetzung des Werkes. Und wie ist er nun, der erste Katzenbach?
Susans Mörder – verzweifelt gesucht
Der Tod ist kein Unbekannter im Leben von Detective Mercedes Barren, nicht nur weil sie für die Polizei in Miami arbeitet. Als frisch verheiratete Ehefrau verlor sie ihren John im Vietnam-Krieg, als ihre Schwester Annie gerade ihr erstes Kind erwartete.
»Es ist nicht fair, dass Gott ihn Dir genommen hat, aber hier ist ein neues Leben und Deine Liebe soll nicht mit ihm begraben werden – schenke sie stattdessen diesem Kind.«
Mercedes Nichte Susan wird vergewaltigt und erschlagen aufgefunden. Der Mord an der 19-jährigen Studentin kann dem Araber Sadegh Rhotzbadegh zwar nicht eindeutig zugeordnet werden, allerdings findet die Polizei Zeitungsartikel über die Tote in seiner Wohnung. Er wird als »Campus-Killer« festgenommen und verurteilt, da man ihm ähnliche Verbrechen nachweisen kann.
Einige Monate später stolpert Detective Barren über einen Hinweis im Obduktionsbericht, der sie davon überzeugt, dass der streng gläubige Shiite nicht Susans Mörder sein kann.
Der Killer und die Geisel
Douglas Jeffers verabschiedet sich von seinem Bruder, dem Psychologen Martin Jeffers mit den Worten: »Ich gehe auf eine empfindsame Reise.« Zunächst fährt der Fotograf nach Tallahassee/ Florida, wo er eine Begleiterin für die Tour auswählt. Die Literaturstudentin Anne Hampton soll alle Geschehnisse akribisch aufzeichnen. Ihr Peiniger macht sie mit Folter und Drohungen gefügig und benennt sie nach dem schottischen Publizisten James Boswell (1740-1795) . Eine Achterbahnfahrt zwischen Blutrausch und Narzissmus beginnt.
Die Jagd auf den Jäger
John Katzenbachs Debutthriller beginnt mit dem Mord an der ambitionierten Studentin Susan. Erzählt werden diese Ereignisse aus der Perspektive ihrer Tante, der Polizistin Mercedes Barren. Susan bedeutete Mercedes alles, eine eigene Tochter hätte ihr nicht näher stehen können. Die Polizistin wird zum Tatort gerufen und mit allen schmerzvollen Details konfrontiert. Fortan kennt sie nur ein Ziel; den Mörder ihrer Nichte zu richten.
Einfühlsam schildert der Autor die innere Leere und den Fanatismus, der die Ermittlerin antreibt. Mit militärischer Präzision verfolgt Mercedes ihr Ziel Dabei ist sie auf die Mithilfe des Psychiaters Martin Jeffers angewiesen. Sein Charakter stellt einen interessanten Gegenpol zu dem der entschlossenen Polizistin dar.
Jeffers therapiert Vergewaltiger und Mörder in einer staatlichen Anstalt. Trotz der täglichen Konfrontation mit den Gedanken seiner »Lost Boys«, scheinen die Anstaltsmauern Martin Jeffers Sicht auf das, was aus seinem Bruder geworden ist, zu blockieren.
Zu wenig Thrill – zu viel selbstverliebtes Gerede
Die Grundidee dieses Thrillers mit einem Serienmörder, der sich selbst ein dokumentarisches Denkmal setzten will, verspricht Spannung mit psychologischem Tiefgang. Doch obwohl Douglas´ Gewalttaten an seiner Geisel willkürlich auftreten und seine Morde nüchtern brutal beschrieben werden, will kein anhaltender Nervenkitzel aufkommen. Die ausschweifenden Monologe des Killers lassen die Verbrechen auf seiner Todes-Tour in den Hintergrund treten und verderben den Aufbau eines Spannungsbogens. Die Vergangenheit des Fotografen, die Mercedes Barren aufdeckt, erschüttert mehr, als seine Gegenwart.
Martin Jeffers Erinnerungen an die gemeinsame Kindheit der Brüder verleihen dem Profil seines Bruders durchaus Tiefe. Trotzdem hätte auch hier weniger Vergangenheitsfixierung mehr Raum für greifbareren Schrecken gelassen. Aus Anne Hamptons Persönlichkeitsveränderung hätte der Autor sicherlich mehr heraus holen können. Ihr anfänglicher Widerstand geht etwas zu übergangslos in totale Agonie über.
Überraschendes Finale
Nach einem dramatischem Start wirkt der Roman im Mittelteil aufgebläht. Das Finale versöhnt allerdings wieder, denn dem Autor gelingt auf den letzten Seiten doch noch ein überzeugender Plot. Katzenbach vereinigt die Handlungsfäden auf elegante Weise und präsentiert eine unerwartet stimmige Lösung.
Der Fotograf ist eindeutig als ein Roman der 80er-Jahre zu erkennen. In seine lockere, flüssige Sprache integriert der Autor einige interessante Anspielungen auf das Zeitgeschehen. Mit einer kompakteren Handlung und etwas mehr Gegenwartsbezug, hätte Der Fotograf ein außergewöhnlicher Thriller werden können. So bleibt Katzenbachs Erstling als ein Kriminalroman mit spannenden Momenten, aber auch unnötigen Längen in Erinnerung.
Eva Bergschneider, November 2007
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