John Harvey

John Harvey gehört nach Meinung vieler britischer Schrifststellerkollegen und angesehener Kritiker zum Besten, was die Insel in den Bezug auf den Kriminalroman derzeit zu bieten habe. In Mike Ashleys Mammoth Encyclopedia of Modern Crime Fiction wird die Charlie-Resnick-Reihe des gebürtigen Londoners gar zu derjenigen Krimi-Serie erkoren, die Verbrechen in den Neunzigern am authentischsten wiedergebe. 2007 wurde John Harvey von der britischen Crime Writers´ Association (CWA) mit dem »Diamond Dagger« für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Und dennoch ist der 1938 geborene John Harvey lange Zeit auf dem deutschen Buchmarkt kaum angekommen.

Bei Harveys in den späten Siebzigern erschienenen Krimis um Privatdetektiv Scott Mitchell ist das auch noch verkraftbar. Zu schablonenförmig wurde die amerikanische PI-Novel ins Vereinigte Königreich umgepflanzt, zu wenig glaubhaft wirkte die Reihe dadurch. Ganz anders bei Harveys zweiter Krimi-Reihe um den vom Schicksal gebeutelten Inspector Charlie Resnick, halb Pole, halb Brite, der sich mit so ziemlich allen Abscheulichkeiten herumzuschlagen hat, die in den Neunzigern »en vogue« waren. Noch erfolgreicher war John Harvey mit einer 2004 ins Leben gerufenen Trilogie um den vom Dienst zurückgetretenen Frank Elder, deren Auftakt Flesh and Blood (dt. Schrei nicht so laut) mit dem »Silver Dagger« der CWA geehrt worden ist.

John Harvey studierte in London und machte seinen Master in American Studies an der Universität von Nottingham. Als Teilzeit-Dozent lehrte er zwischen 1980 und 1986 Film- und Literaturwissenschaften bevor er für zwölf Jahre Englisch und Drama an weiterführenden Schulen unterrichtete. John Harvey ist Autor von über neunzig veröffentlichten Büchern, und beileibe nicht nur von Krimis. Die machen eher den kleineren Teil seines Gesamtwerks aus. Harvey schrieb unter zahlreichen Pseudonymen Western, aber auch Jugend-Bücher und Gedichte. Als begeisterter Jazzer nahm Harvey 1995 einige seiner eigenen Gedichte mit der  Jazz-Band »Second Nature« unter dem Titel Ghosts of a Chance auf.

John Harvey lebt derzeit mit seiner Lebensgefährtin Sarah und ihrer gemeinsamen Tochter Molly in Nottingham. Seine erste Ehe, aus der die Zwillinge Tom und Leanne hervorgingen, zerbrach Mitte der Siebziger. [lft, 03.01.2007, letzte Änderung: 09.08.2008]

Krimis von John Harvey(in chronologischer Reihenfolge):

Will-Grayson-&-Helen-Walker:
Splitterndes Glas
Gone to the ground (2007)
Schrei aus der Ferne
Far cry (2009)
Charlie-Resnick:
Verführung zum Tod
Lonely Hearts (1989)
Spezialbehandlung
Rough Treatment (1990)
Tiefer Schnitt
Cutting Edge (1991)
Der Kinderfänger
Off minor (1992)
Nebel über dem Fluss
Cold Light (1994)
Das Fleisch ist schwach
Easy meat (1996)
Pass auf dich auf
Cold in hand (2008)
Unter Tage - Resnicks letzter Fall
Darkness, Darkness (2013)
Frank-Elder:
Schrei nicht so laut
Flesh and Blood (2004)
Schau nicht zurück
Ash and Bone (2005)
Schlaf nicht zu lange
Darkness & Light (2006)
Scott-Mitchell-Reihe:
Amphetamines and Pearls
(1976)
The Geranium Kiss
(1976)
Junkyard Angel
(1977)
Neon Madman
(1977)
Charlie-Resnick-Reihe:
Wasted Years
(1993)
Living Proof
(1995)
Still Water
(1997)
Last Rites
(1998)
Deathshop-Reihe (als John Hart):
Kill Hitler!
(1976)
Forest of Death
(1977)
Lightning Strikes
(1977)
Frame
(1979)
Blind
(1981)
Endgame (als James Mann)
(1982)
Dancer Draws a Wild Card (als Terry Lennox)
(1985)
In a True Light
(2001)

Auszeichnungen für John Harvey:

  • Sherlock Award Winner, Best British Detective, (1999) für Charlie Resnick in Last Rites.
  • Grand Prix du Roman Noir Etranger du Cognac (2000) für Cold Light. (dt. Nebel über dem Fluss)
  • CWA Silver Dagger (2004) für Flesh and Blood (dt. Schrei nicht so laut).
  • CWA Diamond Dagger (2007) für sein Lebenswerk

Pseudonyme von John Harvey:

  • Jon Barton, William S.Brady, L.J. Coburn, J.B. Dancer, Jon Hart, William M. James, Terry Lennox, James Mann, John J. McLaglen, Thom Ryder, J.D. Sandon, Michael Syson.

Mehr über John Harvey:

  • Berlins, Michael: »A mystery he isnt better known«. In: The Times, 03.03.2007.
  • Silet, Charles L.P.: »Nottingham Noir: An Interview with John Harvey«. In: Armchair Detective, Vol. 29, 3/1996, S. 272-279; In: Talking Murder: Interviews with 20 Mystery Writers. Princeton: Ontario Review Press, 1999, S. 115-128.
  • Steger, Jason: »Try a Little Tenderness«. In: The Age, 21.08.2005.
  • Wörtche, Thomas: »Mit Wollust und präziser Erzählökonomie. Über John Harvey und seine Charlie-Resnick-Romane«. In: Plärrer, 1996.

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