Schrei nicht so laut von John Harvey

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2004 unter dem Titel Flesh and Blood, deutsche Ausgabe erstmals 2007 bei dtv.
Ort & Zeit der Handlung: , 1990 - 2009.
Folge 1 der Frank-Elder-Serie.

  • New York: Carroll & Graf, 2004 unter dem Titel Flesh and Blood. 370 Seiten.
  • London: Heinemann, 2004. 371 Seiten.
  • München: dtv, 2007. Übersetzt von Sophie Kreutzfeldt. ISBN: 978-3423209564. 448 Seiten.
  • [Hörbuch] Hamburg: Hoffmann & Campe, 2007. Gesprochen von Stephan Benson. gekürzt. ISBN: 3-455-30544-X. 2 CDs.

'Schrei nicht so laut' ist erschienen als TaschenbuchHörbuch

In Kürze:

Die geschundene Leiche einer jungen Frau lässt Detective Frank Elder einen alten Fall noch einmal aufrollen. Der Mörder fühlt sich provoziert. Bringt Elder sich und seine eigene fast erwachsene Tochter in Gefahr?

Das meint Krimi-Couch.de: »Ein fast 70-Jähriger lässt verdammt viele junge Autoren alt aussehen« 88°Treffer

Krimi-Rezension von Lars Schafft

In diesem Jahr wird John Harvey mit dem »Diamond Dagger« für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Hierzulande dürfte der Name nicht vielen, vielleicht auch nichtmals den eingefleischtesten Krimi-Afficionados, etwas sagen. Da passt es wie die Faust aufs Auge, dass dtv so mutig war, mit Schrei nicht so laut ein junges Werk (2004) des nicht mehr ganz jungen Autors (Jahrgang 1938) auf den deutschen Markt zu bringen. Und was für eines.

Harvey erzählt eine düstere Geschichte, in der sich alles um ein fünfzehn Jahre zurückliegendes Verbrechen dreht. Damals, 1988, wurden mit dem Jüngling Shane Donald und dem nicht sonderlich älteren Retro-Rocker Alan McKeirnan (Eddie Cochran!) zwei Gescheiterte verurteilt, Mädchen auf brutalste Weise vergewaltigt und ermordet zu haben. Zu diesem Zeitpunkt verschwand mit Susan Badlock eine junge Frau, deren Fall Frank Elder, damals ermittelnder Detective, nie aufklären konnte.

Die Zeit ging ins Land, Elder wurde von seiner Frau betrogen, er quittierte den Dienst und zog sich in eine kleine Hütte in Cornwall zurück. Las viel und hatte nur wenig Kontakt zu anderen Leuten, hin und wieder schaute seine heranwachsende Tochter vorbei. Doch jetzt kommt Shane Donald wieder auf freien Fuß, Elder rollt den Fall »Susan Badlock« neu auf. Und es geschieht ein weiterer Mord, der so ganz ins Raster Donald/McKeirnan zu passen scheint. Als der »neue« Mörder, denn Donald kann es eigentlich nicht so recht gewesen sein, Elder mit Grußkarten verhöhnt und dessen Tochter vom Training nicht zurückkommt, überschlagen sich die Ereignisse.

John Harveys Auftakt zur Frank-Elder-Trilogie ist ein Musterbeispiel dafür, warum der britische Krimi nach wie vor höchste Anerkennung genießt. Schrei nicht so laut – dickes Malus für den dämlichen Titel; Flesh and Blood im Original ist allerdings auch nicht besser – ist ein moderner englischer Kriminalroman in Reinform, der irgendwo zwischen Psycho-Thriller, Polizeiroman und Serialkiller-Story hin und her pendelt und gerade deswegen überzeugt.

Trotz über 400 Seiten Länge und einer sehr, sehr gemächlich ansteigenden Spannungskurve ist Harvey dabei Minimalist: Für den Thrill von Schrei nicht so laut braucht er keine bluttriefenden Details, keine Wetterberichte, keine Landschaftszeichnungen, keine ellenlangen Monologe. Dialoge sind Harveys Schlüssel zur Suspense. Behutsam – damit ist mehr als die Hälfte des Romans gemeint – baut Harvey seinen Plot auf, führt seine Figuren ein, wechselt vom Protagonisten Frank Elder in die Perspektive des vermeintlichen Mörders Shane Donald und irgendwie passiert lange Zeit wenig und doch mehr als genug, um als Leser komplett in die Story einzutauchen.

Meisterhaft sind Harveys greifbare, lebendige, mehrdimensionale Charaktere, an deren vorderster Front natürlich Frank Elder, bei dem auf den ersten Blick noch so viel klischeebeladen-altbacken wirkt. Ein Ex-Kommissar, der sich zurückgezogen hat, um einen alten Fall wieder neu aufzurollen. Der von seiner Frau getrennt lebt, eine pubertierende Tochter hat und im fortgeschrittenen Alter lernt, ein Handy zu bedienen. Haut noch nicht vom Hocker, aber Harvey macht aus Elder eben gerade nicht den verlotterten Rentner auf Zeit, sondern eine glaubhafte Person, die mit sich selbst zwar zu kämpfen hat, darüber aber nicht den Rest der Welt vergisst. Und besaufen muss sich dieser Frank Elder auch nicht, um mit sich und der Welt zurecht zu kommen. Aber keine Sorge: Elder ist nicht langweilig und eine Charakterstudie wird aus ihm in Schrei nicht so laut auch nicht – es bleibt noch genügend Freiraum für die zwei weiteren Teile der Trilogie, um Elder »rund« zu machen.

Gute Charaktere machen natürlich allein noch keinen hervorragenden Kriminalroman. Atmosphäre gehört dazu und das ist etwas, was Harvey ebenfalls beeindruckend beherrscht. In allen Situationen: Wenn Elder seine Tochter ihrer Leichtathletik anfeuert genauso bravourös wie Shane Donalds erste Schritte in wiedererlangter Freiheit.

Es verwundert wirklich nicht, warum John Harvey in Großbritannien als »Krimi-Autor der Krimi-Autoren« bezeichnet wird: Mit Schrei nicht so laut lässt der fast 70-jährige Krimi-Veteran so manchen derzeitigen Bestseller-Autor ganz, ganz alt aussehen. Es verwundert aber, warum von Harvey – insbesondere aus seiner zehn-teiligen Charlie-Resnick-Serie – nichts mehr in Deutschland in den Buchhandlungen steht. Das muss sich ändern.

Lars Schafft, Januar 2007

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LEOLLO zu »John Harvey: Schrei nicht so laut« 22.12.2014
Muss schon ein mageres Jahr in der Krimi-schreiber-Zunft gewesen sein, dass dieses Buch derart belohnt wurde.
Bis Seite 200 nichts zu meckern, aber dann wirds flach und flacher. Und das Ende war schon auf Seite drei vorhersehbar. Gab es mit Sohn und Vater schon bei Cook - nur in Spanien.
Man ahnte ab Seite 4, dass Katherine "dran glauben" muss.
Nun auch noch ein drittes schlimmes Kerlchen rummurksen zu lassen, war der Gipfel dessen, was mich den Autor nie wieder vor Augen kommen lässt.
Moja zu »John Harvey: Schrei nicht so laut« 12.02.2009
Ich habe zwar erst angefangen das Buch zu lesen aber ich mag jetzt schon kaum aufhören.es ist schön wenn auch mal über sowas geschrieben würd und ich kann mich genau in das buch rein lesen weil es gut geschrieben ist.ich freue mich schon weitere bücher von ihnen zu lesen ich bin zwar erst 24 aber total an dem buch interessiert
theili zu »John Harvey: Schrei nicht so laut« 09.02.2009
Das dieses Werk mit dem "CWA Silver Dagger for Fiction" 2004 für den zweitbesten englischsprachigen Roman ausgezeichnet wurde (nicht wie auf dem Cover steht als Bester!) kann ich nicht wirklich nachvollziehen.

Wieso um alles in der Welt fängt er nach so langer Zeit wieder an zu recherchieren? Zumal werden Personen befragt und Aussagen gemacht, die man bei den ersten Ermittlungen gar nicht berücksichtig hatte. Dies lässt den Eindruck erwecken, dass die ersten Ermittlungen gar nicht wirklich gemacht wurden. Somit ist die Geschichte ein bisschen konstruiert und für mich wenig glaubwürdig.

Für mich war diese Story höchstens guter Durchschnitt.
Bio-Fan zu »John Harvey: Schrei nicht so laut« 03.11.2008
Durch eine rosarote Brille betrachtet könnte man von einem langsamen, aber stetigen Spannungsaufbau sprechen und von einer sorgfältigen Einführung der Charaktere; kritisch gesehen mag es durchaus erlaubt sein, festzustellen, daß über die Hälfte des Buches schlicht und ergreifend langweilig ist.
Zum einen ist Ex - Detective Inspector Frank Elder nicht der große Reisser, dazu ist er viel zu "normal", ohne Schrullen, ohne besondere Eigenarten, ein bißchen wie ein Terrier, der sich in eine Sache verbeißt. Zwei Fälle aus seiner Vergangenheit, der eine abgeschlossen, der andere nicht- drängen sich wieder in sein Bewußtsein, als wieder junge Mädchen verschwinden. Polizeiliche Kleinarbeit ist angesagt. Klinkenputzerei, die Elder hin und her, kreuz und quer durch ganz England führt bis der Leser den Überblick verliert, in welcher Stadt Elder sich befindet und mit welchem seiner vielen Ex-Kollegen er sich gerade austauscht. Das wirkt zwar alles sehr authentisch, ist aber sterbenslangweilig. Thrill kommt erst auf, als Elder direkter involviert wird, als seine Tochter eines Abends nicht mehr nach Hause kommt und Elder provozierende Botschaften erhält, aber da sind wir schon am Ende des ersten Teils der Trilogie.
75 Grad
PS: Mein persönliches Pech war, daß ich eine fast identische Lösung des Falles "Susan Badlock" vor einiger Zeit bei einem anderen Autor schon gelesen hatte.
Killerbabe zu »John Harvey: Schrei nicht so laut« 01.09.2008
Ich habe mir das Buch gekauft,nachdem ich hier im Forum darauf aufmerksam geworden bin.
Mir gefällt mir die Hauptperson im Buch sehr gut,das Buch fand ich gut geschrieben.
Es ist für Spannung gesorgt!
Somit ist es für mich ein Grund, dass ich mir noch die anderen Bücher von John Harvey anschaffen werde.
willi7 zu »John Harvey: Schrei nicht so laut« 23.05.2008
Ich wählte dieses Werk für mein Deuschportfolio aus, bevor ich es noch gelesen hatte. Nachdem ich zuvor viele Krimis-meist der Marke Agatha Christie-gelesen hatte, wollte ich mit etwas Spannender- und Brutalerem fortsetzen. Dazu ging ich zu Libro und durchstöberte die Thrillerabteilung und just stach mir "Schrei nicht so laut" ins Auge. Obwohl ich mich quasi überwinden musste, überhaupt zu beginnen, war ich am Ende wirklich beeindruckt, wie gut Harvey noch die Sprache der Jugend beherrscht und wie spannend die Handlung war.
Verwirrend fand ich die oftmaligen Szenenwechsel, geschürt von einem breiten Band an Orten und Namen, die man leicht ob der Fülle wieder vergisst. Ansonsten: Steht einem Mankell um nicht viel nach!
Rolf.P zu »John Harvey: Schrei nicht so laut« 19.02.2008
Schrei nicht so laut ist kein außergewöhnliches Buch, aber dennoch erzählt der Autor in einem guten Tempo mit stetig steigender Spannungskurve.
Andererseits fehlt dem Buch das gewisse Etwas, welches einem eine Geschichte noch längere Zeit im Kopf herumschwirren lässt.
IceLady zu »John Harvey: Schrei nicht so laut« 24.09.2007
Also ich muß sagen, daß das Buch bei mir eigentlich zwei verschiedene Meinungen hervorgerufen hat. Manchmal habe ich es weggelegt, weil mir gewisse Teile wirklich zu heftig und zu brutal waren.

Auf der anderen Seite war es wirklich teilweise verwirrend mit den vielen Szenenwechseln und den verschiedenen Charakteren. Wenn man schon mal eine ganze Seite gelesen hat und immer nur "er" oder "sie" geschrieben war und nach einer Seite dann erst weiß, um wen es eigentlich geht, dann hat man teilweise schon wieder vergessen, was "er" oder "sie" gemacht hat.

Mein Fazit: Teilweise schwierig zu lesen, trotzdem empfehlenswert, wenn man nicht allzu große Anforderungen an einen Krimi stellt!
joan_irving zu »John Harvey: Schrei nicht so laut« 15.09.2007
spannender Thriller, der einem nicht so sehr durch den Fall, als durch die Charaktere fesselt. Aber auch die Story ist nicht ohne und die banale Gewalt, die das Leben der Menschen verändert, hallt noch lange nach
Christian zu »John Harvey: Schrei nicht so laut« 28.04.2007
Meine Begeisterung hält sich in Grenzen. Die vielen positiven Kommentare hatten mich veranlasst, dieses Buch zu kaufen. Die Lektüre gestaltete sich dann schwieriger als erwartet. Die erste Hälfte des Buches war aus meiner Sicht sehr verwirrend, sehr englisch, um Lorriots Definition zu gebrauchen. Dennoch habe ich nicht aufgegeben und wurde am Ende mit einem spannenden Finale belohnt. Mehr als eine durchschnittliche Bewertung würde ich dem Epos allerdings nicht zubilligen.

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