Schlaf nicht zu lange von John Harvey

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2006 unter dem Titel Darkness & Light, deutsche Ausgabe erstmals 2008 bei dtv.
Ort & Zeit der Handlung: , 1990 - 2009.
Folge 3 der Frank-Elder-Serie.

  • Orlando: Harcourt, 2006 unter dem Titel Darkness & Light. 427 Seiten.
  • London: Heinemann, 2006. 427 Seiten.
  • München: dtv, 2008. Übersetzt von Sophie Kreutzfeldt. 427 Seiten.
  • [Hörbuch] Hamburg: Hoffmann & Campe, 2008. Gesprochen von Stephan Benson. 427 CDs.

'Schlaf nicht zu lange' ist erschienen als Hörbuch

In Kürze:

Neues vom Großmeister des britischen Krimis Wenn ihn seine Exfrau in Cornwall anruft, ist Frank Elders erste Angst immer, dass seiner Tochter Katherine wieder etwas zugestoßen ist. Dieses Mal geht es allerdings nur um die Schwester einer Freundin, die unter mysteriösen Umständen verschwunden ist. Claire Meecham, Mitte fünfzig, ist verwitwet und lebt sehr zurückgezogen. Aber der Schein trügt: Bei der Durchsuchung ihres Bungalows stößt Elder auf Sexspielzeug und findet heraus, dass sie über Chatrooms im Internet einige männliche Bekanntschaften gemacht hat. Bevor er nachforschen kann, erhält er jedoch einen weiteren Anruf: Claire ist wieder aufgetaucht. Schick gekleidet liegt sie in ihrem Bett, das Haar ist frisch gebürstet – doch sie ist tot. Als Elder sie so kunstvoll in Szene gesetzt daliegen sieht, kommt ihm sein erster Fall im Morddezernat Nottingham wieder in den Sinn, der nie aufgeklärt werden konnte. Hat der damalige Mörder erneut zugeschlagen?

Das meint Krimi-Couch.de: »Abschluss und Höhepunkt einer meisterhaften Krimitrilogie« 86°Treffer

Krimi-Rezension von Thomas Kürten

Wir sind dankbar. Dankbar dem dtv-Verlag für die guten Ratschläge, mit denen die Romane der Frank-Elder-Trilogie betitelt wurden. Nach Schrei nicht so laut und Schau nicht zurück rät man uns nun Schlaf nicht zu lange. Wie schon zuvor wissen wir auch diesmal nicht, was das mit dem Roman zu tun hat, aber gegen gute Ratschläge wehrt man sich bekanntlich nicht. Deshalb vielen Dank! Und außerdem danken wir John Harvey für drei umwerfend gute Krimis um den Frührentner Frank Elder.

Diesmal macht sich der ehemalige Kommissar auf den Weg aus dem selbst gewählten Cornwall´schen Exil in die alte Heimat Nottingham, weil eine Freundin seiner Exfrau ihre Schwester vermisst. Eigentlich traf sich Jennie alle zwei Wochen Samstags mit ihrer Schwester Claire, seit deren Mann gestorben war. Doch ihr plötzliches Verschwinden scheint von der Polizei nicht ernst genommen zu werden. Elder, gelockt von der Aussicht, mal wieder Zeit mit der geliebten Tochter Katherine zu verbringen und von der Hoffnung, das Trauma nach der durch ihn verschuldeten Entführung Katherines (s.a. Schrei nicht so laut) zu überwinden, nimmt die Spur auf und entdeckt bald, dass Claire Meecham inzwischen alles andere als eine trauernde Witwe ist.

Gefährliche Liebschaften

Elder findet heraus, dass Claire auf Partnerschaftsportalen im Internet unterwegs war. Und nicht nur dies, mit einigen ihrer Bekanntschaften traf sie sich zu unverfänglichen Amüsements. Gönnt sie sich etwa gerade einen Kurzurlaub mit einem ihrer Verehrer aus dem Cyberspace? Während Elder sich diese Frage stellt, taucht Claire wieder auf. Plötzlich liegt sie daheim auf ihrem Bett, tot, kalt. Und so wie die Leiche platziert ist, erinnert sie Elder unweigerlich an einen anderen Mordfall vor vielen Jahren, der noch immer unaufgeklärt ist. Zufällig war dies der erste Fall, für den Elder in seiner Zeit bei der Polizei in Nottingham verantwortlich war. Ehe er sich versieht ist er als externer Berater bei der Mordkommission dabei und geht den alten Spuren nach, während sich das Team um Elders alte Kollegin Maureen Prior um die wenigen neuen Spuren kümmert.

»Wenn er noch besser wird, sollten wir anderen ihn vielleicht aus dem Weg räumen.« So ein Zitat von John Harveys Schriftstellerkollegen Reginald Hill, der mit seiner Dalziel-Pascoe-Reihe selber stets ein Garant für erstklassige Kriminalromane ist. Dieses Zitat beweist, wie viel Respekt und Anerkennung John Harvey auch, aber sicherlich nicht nur im Kollegenkreise besitzt. Schlaf nicht zu lange ist der letzte Teil einer Trilogie und gleichzeitig krönender Abschluss. Harvey hat sich selbst übertroffen. Er baut spielerisch die Brücken zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen Fall und Privatleben, zwischen Vater und Tochter.

Facettenreich und gelungen

John Harvey vermeidet es bis zum Ende den moralischen Zeigefinger zu erheben. Mit seinem nüchternen Stil gelingt ihm dennoch eindrucksvoll eine Warnung vor einem allzu leichtfertigen Umgang mit den Gefahren des Internets. Interessante Charaktere runden einen rundum gelungenen Kriminalroman ab, der nicht etwa mit grundlegend neuen Motiven gewinnt, sondern mit einer soliden und facettenreichen Aufarbeitung bekannter Themen. Die souveräne Manier, in der Harvey seine Figuren agieren und die Handlung voranschreiten lässt, erheben den Anspruch eines Grand Cru. Auch mit Schlaf nicht zu lange demonstriert Harvey den Kollegen der schreibenden Zunft, wie wirkungsvoll und spannungsgeladen ein erstklassiger Krimi geschrieben werden muss.

Thomas Kürten, August 2008

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Leseratte779 zu »John Harvey: Schlaf nicht zu lange« 22.04.2010
Ich habe es gelesen, war mein erster Roman von ihm und was soll ich sagen ich bin sowas von begeistert...würde schon sagen ich bin John Harvey süchtig bin nun langsam dabei mir alle seine Romane an zuschaffen und ich freue mich schon darauf sie zu verschlingen.
Als nächstes werde ich mir dann Schau nicht zurück vornehmen da ich diesen schon zuhause zu liegen habe.
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