Der dunkle Fluss von
Buchvorstellung und Rezension
Bibliographische Angaben
Originalausgabe erschienen 2007 unter dem Titel Down River, deutsche Ausgabe erstmals 2009 bei C. Bertelsmann.
- New York: St. Martin’s Press, 2007 unter dem Titel Down River. 384 Seiten.
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München: C. Bertelsmann, 2009.
Übersetzt von Rainer Schmidt.
ISBN:
978-3-570-01032-7. 384 Seiten. -
München: btb, 2010.
Übersetzt von Rainer Schmidt.
ISBN:
978-3-442-74184-7. 380 Seiten.
'Der dunkle Fluss' ist erschienen als
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In Kürze:
Es ist fünf Jahre her, dass Adam Chase in New York ein neues Leben anfing. Er hatte damals South Carolina verlassen, nachdem er von einer Mordanklage freigesprochen worden war. Nun bittet sein alter Freund Danny ihn um Hilfe, und Adam fährt zurück. Doch der Freund ist verschwunden und in der Heimatstadt schlagen ihm Argwohn und Hass entgegen. Als Danny tot aufgefunden wird, fällt der Verdacht gleich wieder auf Adam. Aber es ist nicht nur dieser neue Mord, der Adam aufwühlt. Er muss sich der Vergangenheit stellen und es gibt dunkle Familiengeheimnisse. John Hart erkundet mit großer Intensität, wie weit Menschen gehen können, wenn es um Geld geht und um Rache.
Das meint Krimi-Couch.de: »Achtung! Familiendrama! Literatur!«
Krimi-Rezension von Dieter Paul Rudolph überspringen
Was ist da bloß schiefgelaufen? Ein mit dem Edgar Award preisgekrönter Kriminalroman, auch hierzulande mit Vorschusslorbeeren bedacht – und dann Sätze wie diese:
»Du hast kein Recht, über mich zu urteilen, Robin. Wir haben beide unsere Entscheidungen getroffen. Ich musste mit deinen leben. Es ist nicht fair, dass du mich für meine verurteilst.«
»Ich habe dich Adam genannt, weil ich nicht glaubte, dass ich irgend etwas mehr lieben könnte als dich. Weil ich am Tag deiner Geburt so stolz war, wie Gott der Herr es gewesen sein muss, als er auf Adam hinunterschaute. Du bist alles, was mir von deiner Mutter geblieben ist, und du bist mein Sohn. Du wirst immer mein Sohn sein.«
Wo befinden wir uns hier? In einer besonders kitschigen Rosamunde-Pilcher-Schmonzette oder tatsächlich in Der dunkle Fluss von John Hart? In letzterem, leider.
Adam Chase ist nach Hause zurückgekehrt. Eine große Ranch in North-Carolina, von der ihn vor fünf Jahren der Vater vertrieb. Denn Adam war angeklagt, einen jungen Mann ermordet zu haben, seine Stiefmutter trat als Belastungszeugin auf. Adam wurde aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Jetzt hat ihn sein Freund Danny dringend zurückgerufen, um was es geht, weiß Adam nicht. Doch Danny ist verschwunden, die Polizei ist hinter ihm her. Adam trifft seine frühere Geliebte, die Polizistin Robin, wieder, auch seine Stiefgeschwister Miriam und Jamie sowie den alten Vorarbeiter Dolf und dessen Enkelin Grace. Ein Mord geschieht, Adam gerät unter Verdacht. Hat das Verbrechen etwas mit der Vergangenheit zu tun? Oder doch damit, dass Adams Vater partout kein Land verkaufen möchte, auf dem ein Kraftwerk errichtet werden soll? Dann wird auch noch Grace, die in Adam verliebt ist, brutal zusammengeschlagen …
Kein Zweifel: Das sind die Zutaten für einen im besten Fall spannenden Kriminalroman, doch genau da offenbart sich das Problem. Denn einen Kriminalroman schreiben, das wollte Hart nicht. Ihm ging es um Größeres, um das Drama einer Familie. Wogegen sich eigentlich auch nichts sagen ließe. Was Hart jedoch inszeniert, ist Familie als antike klassische Tragödie mit den Mitteln einer durchschnittlichen soap opera. Man liest kaum eine Seite, auf der nicht in großen Lettern »Achtung! Familiendrama!« stünde, die Personen blasen sich mit großem Pathos auf und deklamieren – siehe die Eingangszitate – ihre flachen Dialoge. Und das wie gesagt in einer Sprache, die nur verkraftet, wem es beim Krimilesen generell nicht auf Sprache ankommt.
Niemand aus dem reichhaltigen Personal ist wirklich glaubwürdig, sondern lediglich Figur in einem durchsichtigen Spiel. Schon ein Blick auf die Familie Chase lässt einen schaudern. Die Mutter hat sich umgebracht, die Stiefschwester neigt zur Selbstverstümmelung und der Stiefbruder häuft Spielschulden an. Vom Herrn Papa gar nicht erst zu reden. Gröbster Keil jedoch ist Adam Chase, der Held, selbst, wie schon der Name aufdringlich verrät. Adam, den der Gott-Vater erschuf und später aus dem Paradies vertrieb, »Chase«, gleichzeitig Jäger und Gejagter. Ein »sprechender Name« also, so ziemlich die lausigste Sünde eines Autors. Passend taucht ein mythenumwaberter »weißer Hirsch« auf, lässt den guten Adam schwer philosophisch ins Grübeln kommen, und das alles quält sich wie ein träger Fluss aus sirupsüßem Kitsch durch eine auf Morbidität gestylte Landschaft.
Die Kriminalhandlung selbst bedient sich der bewährten Versatzstücke. Es wird geprügelt und gemordet, alle geraten irgendwann einmal in Verdacht und haben irgendwelche Leichen im Keller, jeder Satz ist sinngeschwängert und »wichtig«. Der finale Showdown führt uns schließlich in die längst erahnten, ziemlich seichten »Abgründe«, wo die aus gefühlten 10.000 Krimis wohlbekannten »düsteren Familiengeheimnisse« auf uns warten.
Noch einmal: Was ist hier schiefgelaufen? Schlecht übersetzt? Möglich. Aber die ganze Struktur des Buches ist von Anfang an labil. Hier sollte kein Kriminalroman geschrieben werden, sondern »hohe Literatur«, womöglich in der Tradition von William Faulkner und Tennessee Williams, mit einem reanimierten James Dean in der Hauptrolle als Adam Chase. Das konnte nicht funktionieren. Es hat nicht funktioniert.
Dieter Paul Rudolph, September 2009
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| Lilo Rohrbach zu »John Hart: Der dunkle Fluss« | 21.07.2011 |
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