Die Liste von John Grisham

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2004 unter dem Titel The Last Juror, deutsche Ausgabe erstmals 2004 bei Heyne. 450 Seiten. ISBN-10: 3-453-87834-5, ISBN-13: 978-3-453-87834-1. Übersetzt von Oliver Neumann.
Ort & Zeit der Handlung: USA / Mississippi, 1970 - 1989.

'Die Liste' ist erschienen als HardcoverTaschenbuch

In Kürze:

Mississippi, 1970. Die Zeitung Ford County Times steht vor dem Ende. Zur Überraschung und Verärgerung vieler wird das, was noch von dem Unternehmen übrig ist, von einem gescheiterten 23-jährigen Studenten namens Willie Traymor übernommen. Die Geschäfte gehen weiter miserabel, bis eine junge Mutter von einem Mitglied der berüchtigten Padgitt-Familie vergewaltigt und ermordet wird. Die Times hat schreckliches Exklusivmaterial über die Tat, und der Verkauf der Zeitung steigt rapide an. Der Mörder Danny Padgitt wird gefasst und in Clanton, Mississippi, vor Gericht gestellt. Der Prozess endet dramatisch: Der Verurteilte bedroht in aller Öffentlichkeit das Leben der Geschworenen und schwört blutige Rache. Neun Jahre später kommt der Mörder auf Bewährung frei und er kehrt zurück nach Ford County. Nicht nur die Geschworenen hat er auf seiner schwarzen Liste, sondern auch Willie Traymor, den Besitzer der Times …

Das meint Krimi-Couch.de: »Bei Grisham nichts neues« 55°

Krimi-Rezension von Peter Kümmel

Die Geschichte einer kleinen Provinzzeitung in Mississippi und die ihres Verlegers Willie Traynor drängt das Verbrechen in John Grishams aktuellem Bestseller »Die Liste« fast ein wenig in den Hintergrund. Nach »Die Jury« und »Der Richter« hat der Autor zum dritten Mal das Geschehen seines Romans in die Kleinstadt Clanton nach Mississippi verlegt.

Als gescheiterter Student kommt der junge Willie Traynor, der als Ich-Erzähler des Romans fungiert, aus Syracuse in die Südstaaten-Kleinstadt, wo er einen Job bei der »Ford County Times« annimmt. Als die Zeitung wenig später in Konkurs geht, leiht sich Willie von seiner reichen Großmutter 50.000 Dollar und kauft die Zeitung auf. Daß er seine Sache gut macht, das macht sich an der langsam, aber stetig steigenden Auflagenhöhe bemerkbar.

Großen Anteil am Aufstieg des Blattes hat natürlich auch die reißerisch aufgemachte Berichterstattung vom Mord an Rhoda Kasellaw. Die alleinerziehende Mutter zweier kleiner Kinder wurde in ihrem Haus vor den Augen der Kinder überfallen, vergewaltigt und mit zwei Messerstichen getötet. Kurz bevor sie stirbt, kann sie noch den Namen des Mörders nennen. Der Täter Danny Padgitt wird gefasst, als er auf der Flucht vom Tatort mit seinem Auto verunglückt. Doch er leugnet die Tat. An den abgeschottet lebenden Padgitt-Clan ist nur schwer heranzukommen, da die von illegalen Geschäften lebende Familie mit ihrem Geld nicht nur den Sheriff in der Hand hat, sondern sich auch mühelos Zeugen kaufen kann.

Daß sich Willie mit seinem Bericht aber nicht nur Freunde gemacht hat, erkennt er schnell in der Kautionsverhandlung. Padgitts Anwalt, der unsympathische Lucien Wilbanks, wirft Willie Vorverurteilung vor, was aber dennoch nicht verhindern kann, dass sein Klient in Haft bleibt.

Recht unmotiviert führt Grisham dann weitere Personen der Handlung ein: den Anwalt Harry Rex Vonner, den der Grisham-erfahrene Leser ebenso wie Richter Atlee, der einen Kurzauftritt hat, bereits aus früheren Romanen kennt und Callie Ruffin, Mutter einer farbigen Familie, die später als Geschworene im Prozess gegen Padgitt auftreten muß.

Die Verhandlung geht recht schnell vonstatten. Nachdem Padgitts Entlastungszeugin der Falschaussage überführt wird, wird der Angeklagte schuldig gesprochen, woraufhin dieser Rache schwört. Doch bei der Beratung über das Strafmaß können die Geschworenen keine Einigung erzielen, so daß Padgitt mit einer lebenslänglichen Freiheitsstrafe davon kommt, was im Staat Mississippi etwa soviel wie 10 Jahre Gefängnis bedeutet.

Jubel bei Grishams Fans: Der Meister ist nach Ausflügen in andere Gefilde in die Gerichtssäle zurückgekehrt. Dennoch lässt sich »Die Liste« nicht mit den Justiz-Thrillern seiner Frühzeit vergleichen, denn die eigentlichen Verhandlungen, die dem Autor vertraut sind und aus denen seine Romane die meiste Spannung beziehen, nehmen nur einen geringen Teil des Buches ein.

Und wie meist bei Grisham steht wieder mal ein junger emporstrebender Mann im Mittelpunkt der Handlung, diesmal jedoch kein Jurist. Doch anders als gewohnt bringt der Autor seinen Protagonisten nicht einmal in Gefahr. Er schafft es einfach nicht mehr, sein Publikum wirklich zu fesseln. Es scheint fast, als hätte er die simpelsten Praktiken des Spannungsaufbaus total verlernt.

»Die Liste« ist nichts Halbes und nichts Ganzes. Mit Bestsellern wie »Die Firma« hat sein aktueller Roman nicht viel zu tun. Und eine nette Geschichte erzählen, das hat Grisham in »Die Farm« wesentlich besser, flüssiger und tiefgründiger gemacht. Es mag ja ganz interessant sein, wie Willies Zeitung stetig wächst. Nette Episoden sind ganz unterhaltsam, Ansichten über den Vietnamkrieg bereits ausgelutscht und die Veränderung der Stadt durch das neue Einkaufszentrum wird nur angerissen. Doch alles dies lenkt den Leser immer wieder vom zentralen Geschehen ab. Auch weitere Themen wie die gesellschaftlichen Unterschiede zwischen Schwarz und Weiß oder moralische Betrachtungen über die Todesstrafe werden in wenigen Sätzen abgetan. Charaktere mit wenig Tiefgang kennt man von Grisham, verzeiht sie ihm aber, wenn die Handlung fesselt.

Und so plätschert das Geschehen über 400 Seiten lang dahin, bis man zum Schluß wenigstens noch eine Überraschung erlebt, wenn auch das Ende dann relativ schnell abgehandelt wird.

Fazit: Wieder nichts Neues bei Grisham. Spannung Fehlanzeige. Justizthriller nur im Ansatz. Vieles angerissen, nichts durchdacht. Wer mit dem Gedanken spielt, »Die Liste« zu kaufen, sollte statt dessen lieber eines von Grishams früheren Werken nochmal lesen.

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Azime zu »John Grisham: Die Liste« 16.03.2006
Die Liste ist mein drittes Buch von John Grisham und ich hab noch ein paar andere Bücher von ihm und anderen Autoren gelesen und ich finde, dass die, die meinen, Grisham hätte in diesem Buch ("Die Liste") nichts sonderlich spannendes geschrieben, der hat nicht viel Ahnung von Grisham.
Er schreibt, meiner Ansicht nach immer gute, spannende und auch oft sehr lehrreiche Bücher. Grisham ist vielseitig;
er schribt mal sehr aufregend und mal nimmt er die Sache etwas lockerer. Und wenn jemand meint, Grisham nehme wiedermal den selben Stadtviertel oder die selbe Stadt, was langweilig sein soll, der sollte mal andere Bücher von Autoren wie Stephen King lesen.
Ich bin ein großer Fan von John
Grisham und ich finde er schreibt tolle Bücher.
4 von 4 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Lena Sophie Müller zu »John Grisham: Die Liste« 04.01.2006
Mit die Liste habe ich mein erstes Buch von John Grisham gelesen. Meiner Meinung nach war es sehr gut, habe unten aber auch andere Kommentare gelsen die das Buch sehr stark kritisieren und die "Vorgänger" Bücher besser beschreiben. Werde nun andere Grisham Bücher lesen um mir selbst eine Meinung bilden zu können. Jedoch muss ich sagen fand ich die Liste trotzdem gut und man bekommt das Leben in den 70ern sehr gut vermittelt...aber wie gesagt das war mein erster Grisham und ich kenne seinen Schreibstil noch nicht so gut!
1 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Tobi zu »John Grisham: Die Liste« 10.12.2005
Eigentlich kann ich mich meinem Vorgänger anschließen, "die Liste" ist auch mein erster "Grisham" und ich muss sagen ich bin sichtlich beeindruckt über seinen Schreibstil. Es macht schon nach den ersten Seiten riesigen Spaß das Buch oder, mehr das geschehen, mit zu verfolgen. Durch mich hat John Grisham ebenfalls einen Fan mehr gewonnen, der nun Versuchen wird auch möglichst bald seine anderen Werke zu lesen, von denen ich wahrscheinlich ebenso angetan seien werde wie viele andere. Mein Rat: "Lest Grisham"
Taner zu »John Grisham: Die Liste« 26.10.2005
Hallo, bin mit "die liste" noch nicht durch...finde es aber echt klasse. Schon nach den ersten Seiten war ich gefesselt. Auch wenn die Spannung wirklich fehlt, wird es, meiner Meinung nach, nie langweilig. Witzige einlagen sind auch dabei. Ein gutes Buch, dass einige schöne Stunden bietet. Zugegeben, ist mein erster Grisham...er hat nun eine Fan mehr!!!
ole zu »John Grisham: Die Liste« 24.10.2005
Auf der Rückseite des Buches wird eine Handlung angedeutet, deren Inhalt auf der vierhundertsten von ca. 450 Seiten beginnt. Das nenne ich am Thema vorbei und Täuschung des Käufers. Spannung kann gar nicht aufkommen, da fast ausschließlich über die neun Jahre berichtet wird, in denen gar nichts passieren kann.
Ganz schwach. Allenfalls als oberflächliche Beschreibung der amerikanischen Südstaaten in den 70er Jahren zu gebrauchen.
Die Firma, die Jury oder der Klient waren Grishams. Hier kann es sich nur um die Erfüllung vertraglich geregelter Autorenverträge handeln.
In der Skala 1-10:
Idee: 5 Punkte
Spannung: 1 Punkt
Humor: 3 Punkte
Erzählstil: 5 Punkte
Magische Momente: 3 Punkte
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Nicole zu »John Grisham: Die Liste« 04.10.2005
Die Liste war für mich nicht das, was ich erwartet hatte. Was hinten drauf stand, versprach viel, viel mehr Spannung ... und das was da passiert - wird erst zum Schluß des Buches beschrieben. Ich fands langweilig - tut mir leid, hab schon besseres gelesen von Grisham. Ich war wirklich enttäuscht.
Sabine zu »John Grisham: Die Liste« 28.09.2005
Es ist sicherlich ein Fehler, erst "Der Richter" und gleich danach "Die Liste" zu lesen. Der Charakter Harry Rex Vonner taucht in beiden Büchern auf, wie auch der Schauplatz. Ich bin mit "Die Liste" noch nciht fertig, aber ich frage mich die ganze Zeit, wann der Richter Atlee auftaucht...
Ansonsten ist es ein Buch mit immer dem gleichen Schema. Man weiß, was man bekommt - typisch Grisham eben
gabla zu »John Grisham: Die Liste« 27.09.2005
vielleicht kommt man ein wenig zu kurz, wenn man den anspruch hat, einen weiteren "krimi" von grisham lesen zu wollen, aber gerade die wandlung, die grisham mit diesem buch (und z.b. auch mit "die farm") gemacht hat, bereichert das lesevergnügen auf andere, fesselnde art und weise, die zwar nicht eindeutig dem krimi-genre zuzuordnen ist aber dennoch viel mehr oder eben andere spannung zu bieten hat, als seine bisherigen bücher. letztendlich wohl reine geschmacksache. mir hat auf jeden fall gefallen, wie mich der ich-erzähler mit suptilem humor und geist dazu gebracht hat, das buch nicht mehr aus der hand legen zu wollen...
Antje zu »John Grisham: Die Liste« 20.08.2005
Das war mein erster Grisham-Roman. Mich hat er sofort gefessel. Es wurde nie langweilig und es ist spannend geschrieben wurden. Mitlerweile ist Grisham mein lieblings Autor geworden. Ich würde jeden das Buch empfehlen!
Andre zu »John Grisham: Die Liste« 08.08.2005
Na ja, den oben angeführten beurteilungen kann und will ich mich nicht ganz anschließen. zwar ist es kein "typischer" grisham, aber was ist da denn so typisch wenn man alle bücher betrachtet.

sicher ist die handlung die eigentliche handlung die wohl den spannungsbogen bilden soll in zwei teile geliedert. und der zweite am schluß ist wirklich etwas kurz und überraschend. der mittelteil liest sich aber auch sehr spannend und zügig. ich hatte das buch an zwei tagen durch, und fand es super. von der spannung sicher nicht zu vergleichen mit "die jury" etc., aber zum kauf werde ich es jederzeit empfehlen.

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