Die Bruderschaft von John Grisham

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2000 unter dem Titel The Brethren, deutsche Ausgabe erstmals 2002 bei Heyne.

  • New York: Doubleday, 2000 unter dem Titel The Brethren. 366 Seiten.
  • München: Heyne, 2002. Übersetzt von Dirk van Gunsteren. ISBN: 3-453-21069-7. 447 Seiten.
  • München: Heyne, 2006. Übersetzt von Dirk van Gunsteren. ISBN: 978-3-453-72086-2. 447 Seiten.
  • [Hörbuch] München: Heyne, 2001. Gesprochen von Charles Brauer. gekürzt. ISBN: 3-453-18881-0. 6 CDs.
  • [Hörbuch] Berlin: Ullstein, 2003. Gesprochen von Charles Brauer. gekürzt. ISBN: 3-550-10079-5. 6 CDs.
  • [Hörbuch] Köln: Random House Audio, 2005. Gesprochen von Charles Brauer. gekürzt. ISBN: 3898308413. 6 CDs.

'Die Bruderschaft' ist erschienen als TaschenbuchHörbuch

In Kürze:

Trumble, ein Gefängnis in Florida, gilt als Geheimtipp unter Kriminellen, ähnelt es doch eher einem Feriencamp als einem Hochsicherheitstrakt. Vor allem Kleindealer, Steuersünder und Wallstreet-Gauner sitzen dort ihre Strafe ab, außerdem drei ehemals angesehene Richter. Als »Bruderschaft« treten letztere auf und machen die Gefängnisbibliothek kurzerhand zu ihrem neuen Arbeitsplatz. Dort übernehmen sie – selbstverständlich gegen Bezahlung – Rechtsangelegenheiten von Mitinsassen und sitzen regelmäßig zu Gericht über kleinere Verstöße innerhalb der Gefängnismauern. Weniger harmlos sind die infamen Erpresserbriefe, die sie gemeinsam verfassen und die ihnen beträchtliche Nebeneinkünfte bescheren. Bis sie eines Tages an das falsche Opfer geraten, einen mächtigen Politiker mit äußerst gefährlichen Freunden, der nicht den leisesten Zweifel an seinem lupenreinen Image aufkommen lassen darf. Von da an sind die Tage der Bruderschaft gezählt.

Das meint Krimi-Couch.de: »Unglaubwürdige Story und stereotype Charaktere« 24°

Krimi-Rezension von Peter Kümmel

Da das Buch in zwei unabhängigen Handlungssträngen voneinander abläuft, möchte ich auch den Inhalt so schildern.

Da ist zunächst das amerikanische Bundesgefängnis Trumble, in dem unter anderem die drei ehemaligen Richter Spicer, Yarber und Beech – genannt »Die Bruderschaft« – einsitzen. Sie schlichten in inszenierten Gerichtsverhandlungen Streitigkeiten unter den Gefangenen und geben ihren Mithäftlingen gegen Entlohnung Beistand bei deren Berufungsverhandlungen. Doch nebenher versuchen sie, durch Erpressung reich zu werden. In einschlägigen Magazinen geben sie sich über Kleinanzeigen als junge Homosexuelle aus, die Briefkontakt zu älteren Herren suchen. Der Briefwechsel erfolgt über ihren Anwalt Trevor, der die Briefe aus dem Gefängnis heraus und auch wieder hinein schmuggelt. Trevor beschafft sich durch Detektive Informationen über die Briefeschreiber. Wohlhabende und angesehene Männer werden dann anschließend kräftig zur Kasse gebeten, so daß sich auf dem geheimen Bankkonto, dass der Anwalt auf den Bahamas für die verschworene Gemeinschaft führt, recht schnell 6-stellige Dollarsummen ansammeln.

Der zweite Handlungsstrang beginnt im CIA-Hauptquartier in Langley, wo der CIA-Direktor Teddy Maynard eine Unterredung mit dem Abgeordneten Aaron Lake führt. Lake ist überrascht zu erfahren, dass er vom CIA unter vielen Kandidaten dazu auserkoren wurde, bei den gerade begonnenen Vorauswahlen zur Präsidentschaftskandidatur einzusteigen. Maynard verspricht Lake, dass er der nächste Präsident der USA werden wird, sofern er dafür verspricht, den Militärhaushalt zu verdoppeln, da aus dem Osten große Gefahr drohe. So beginnt eine beispiellose Wahlkampagne, von der CIA über die Rüstungsindustrie organisiert und dadurch mit unermeßlichen finanziellen Mitteln ausgestattet. Durch Bestechung und Erpressung werden andere Kandidaten ausgeschaltet und wichtige Persönlichkeiten zur Unterstützung des eigenen Kandidaten gewonnen. Auch vor inszenierten Terroranschlägen schreckt man nicht zurück, sofern dies Lake Nutzen bringt.

Die Verbindung dieser beiden Handlungsstränge möchte ich natürlich nicht verraten, doch dürfte diese wohl auch nicht allzu schwer zu erraten sein.

Sehr geschickt baut Grisham seinen Roman mit den bereits geschilderten nebeneinanderher laufenden Handlungssträngen auf. Zunächst kapitelweise wechselnd, dann in kürzeren Abschnitten wartet man förmlich auf die Verbindung, die unweigerlich kommen muß. Dabei bildet der Plot um den Präsidentschftskandidaten Aaron Lake den weitaus interessanteren Teil. Es ist schon sehr faszinierend, einmal hinter die Kulissen blicken zu dürfen, was mit genügenden finanziellen Mitteln alles möglich ist und wie die öffentliche Meinung durch die Medien manipuliert werden kann. Leider oder vielleicht glücklicherweise werden wir jedoch kaum erfahren, wieviel Wahrheit in der Geschichte steckt, dass und wie ein Kandidat vom CIA als Marionette aufgebaut wird.

Doch damit ist auch schon so ziemlich alles Positive über John Grishams neuesten Roman gesagt. Nach seinen letzten schwächeren Werken »Der Verrat« und »Das Testament« wurde die Hoffnung auf Besserung leider nicht erfüllt. Im Gegenteil, »Die Bruderschaft« ist der mit Abstand schwächste Roman des Autors und als absolute Enttäuschung zu bezeichnen. Obwohl auch diesmal Richter und Anwälte vorkommen, hält sich Grisham wie bereits weitgehend in seinen letzten Romanen, diesmal gänzlich aus den Gerichtssälen fern. Zum erstenmal auch verzichtet Grisham komplett auf einen Protagonisten. Es gibt nur große und kleine Gauner, mächtige und gelenkte Männer und ein paar mehr oder weniger große Opfer.

Die Story scheint recht weit hergeholt zu sein und wirkt zunehmend unglaubwürdiger. Hochspannung wie bei den Grisham-Klassikern kommt zu keiner Zeit auf. Das Buch ist zwar sehr einfach geschrieben, so daß es flüssig zu lesen ist, doch wartet man vergebens darauf, dass es so richtig in Fahrt kommt. Begonnene Geschichten von Erpressungsopfern werden einfach vergessen, nicht mehr erwähnt. Der so mächtige Agentenapparat, der einfach alles weiß und lenkt, versagt bei den einfachsten Sachen. In Erwartung zumindest eines tollen Schlußgags liesst man sich von Seite zu Seite, um dann am Ende nochmal richtig enttäuscht zu werden. Ohne großen Showdown geht das Buch im gleichen Stil zu Ende. Millionen werden von Konto zu Konto irgendwelcher obskurer Banken auf Karibikinseln verschoben und verlieren sich wie so manche noch offene Frage. Die weiteren schwachsinnigen Punkte möchte ich nicht einzeln aufführen, um denjenigen, die sich trotz allem nicht davon abhalten lassen, das Buch zu lesen, auch noch etwas Spaß zu gönnen. Man hat förmlich den Eindruck, dass Grisham von seinem Verlag unter Druck gesetzt wurde, endlich zum Ende zu kommen und sein Buch abzuliefern.

Die Darstellung der Charktere bildet ebenfalls keine Meisterleistung des Autors. Die drei Richter der Bruderschaft wirken dermaßen stereotyp, dass ich mir bis zum Schluß kein unterschiedliches Bild machen konnte und Einzelheiten nicht den Namen zuordnen konnte. Genauso erging es mir mit den Agenten des CIA, von denen auf einzelne auch genauer eingegangen wurde. Sie blieben für mich allesamt gestalt- und charakterlose Wesen. Auch die weiteren Personen, selbst die Hauptdatsteller Lake und Maynard, bleiben recht blass, obwohl doch auf fast 500 Seiten genügend Zeit gewesen wäre, diese bildhafter darzustellen.

So einfallslos hab ich Grisham noch nie erlebt. So allmählich bekomme ich den Eindruck, er ruht sich auf seinen Millionen aus und veröffentlicht nur noch Pflichtromane. Wer gerne einfach geschriebene und spannende Romane liesst, dem empfehle ich die ersten sechs Bücher des Autors. Alles, was nach »Der Regenmacher« kommt, ist mittelmäßig, »Die Bruderschaft« sogar absolut schwach. Wer sich trotzdem nicht davon abhalten lässt, diesen Stuss zu lesen, soll sich hinterher nicht bei mir beschweren.

Ihre Meinung zu »John Grisham: Die Bruderschaft«

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dino zu »John Grisham: Die Bruderschaft« 14.02.2006
Ich fand das Buch nicht schlecht, es gibt allerdings bessere von John Grisham.
Die Handlung finde ich interessant. Ich glaube schon, daß sich manches durchaus so abspielen kann, in Amerika auf jeden Fall.
Natürlich würden solche Dinge nie an die Öffentlichkeit gelangen.
Das Buch liest sich gut und ich würde es weiterempfehlen, es ist aber für mich kein Muß.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Bettina86 zu »John Grisham: Die Bruderschaft« 18.01.2006
Die Bruderschaft ist eines der besten Bücher von Grisham. Ich finde es spannend, interessant, fesselnd und die Überlegung, dass so etwas tatsächlich so oder so ähnlich ablaufen könnte gar nicht so unwahrscheinlich.
Außerdem ist Grisham Romanautor und kein Sachbuchautor daher fällt für mich die Frage seiner Glaubwürdigkeit schon mal weg.
Seine Bücher sind einfach die besten und zeugen von sehr viel Phantasie aber auch von Erfahrung.
Das Buch ist einfach ein Muss für jeden Grisham-Fan!!!
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Manu zu »John Grisham: Die Bruderschaft« 20.07.2005
Leider kann ich mich der Meinung des meisten hier nicht anschließen. Ich bin von dem Buch enttäuscht gewesen, weil die Handlung von soweit hergeholt ist. Es passt einfach nicht zu Grisham. Als ich es durchgelesen hatte, empfand ich das Buch als Zeitverschwendung.
carola Bolthausen zu »John Grisham: Die Bruderschaft« 12.07.2005
ich habe das Buch kurz nach der "Wahl" von Bush gelesen und mir lief es kalt den Rücken runter. Da beschreibt Grisham sachlich und distanziert, aber voller Verachtung, den gigantischen Betrug am amerikanischen Volk und wie es vor sich gegangen sein könnte. Ich glaube, daß er dieses Buch zwar schnell, aber voller Wut geschrieben hat, um den Lesern mitzuteilen, daß nicht alle Amis blöd sind. Ich finde es flüssiger und weniger bemüht um hochkomplizierte Handlungsstränge als viele seiner anderen Bücher. Schließlich liegt die wahre Geschichte vor unserer Nase, oder? Als nur köstliche Unterhaltung sollte man dieses Buch nicht sehen, da tut man Grishams Intelligenz bitter unrecht. Ich sehe es als Anprangerung des politischen Systems und wir werden mit der Nase drauf gestoßen, wie wir von der Pollitik und klugen Kriminellen ( dasselbe??) verarscht werden.
Wenn ihr wissen wollt, wie es Busch gelingen konnte, Präsident zu werden, lest es!!

mfg carlchen
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Martin zu »John Grisham: Die Bruderschaft« 13.06.2005
Was ich zur Bewertung von krimi-couch.de zu sagen habe:

Ich habe bisher noch keinen glaubwürdigen Grisham gelesen und ich bezweifle auch, dass er je einen schreiben wird.

Wie man einen Grisham lesen sollte? Man sollte sich nicht an Kleinigkeiten aufhängen, die findet man doch in jedem seiner Bücher zu genüge, sondern sich von der Story packen lassen.

Die Bewertung ist all zu hart ausgefallen, aber so hat nun mal jeder seine Meinung.

Das Buch ist (ent)spannend, nicht zu anspruchsvoll und enthält witzige Ideen und Betrachtungsweisen von denen natürlich manche etwas weit hergeholt sind.
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Andreas Moser zu »John Grisham: Die Bruderschaft« 31.05.2005
Also meine meinung zu diesem buch lautet auch ein bisschen anders! ICH finde es wahnsinnig feinfühlig und außerordentlich spannend. Vielleicht liegt es ja auch daran dass grisham für mich der beste krimi-auto aller zeiten ist und ich jedes seiner bücher genial finde, aber ich würde mir auf keinen fall erlauben zu behaupten, dass er sich nur (zit.) "auf senen million ausruht und nur mehr pflichtromane veröffentlicht. mfg Andi
1 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
der da zu »John Grisham: Die Bruderschaft« 22.05.2005
mhm, also.. ich lese eigentlich keine bücher, dieses buch hab ivh ma von meinem vadda im urlaub gelesen, und ja.. es hat mich total "gfesselt" ^^ und stelel es ejtzt auch in der schule vor.. muss ne rezension shcreiben.. naja *hut ab* ^^ tolles buch :D
CHRISTIAN zu »John Grisham: Die Bruderschaft« 03.05.2005
OBWOHL ES BEI DER WERTUNG NICHT SO GUT ABSCHNITT WIE SEINE ANDEREN WERKE FINDE ICH,ES IST EINES SEINER FANTASCHTISCHEN WERKE DER EINFALLSREICHTUMM VON IHM DER IN DIESEN BUCH STECKT IST BEEINDRUCKEND ICH HABE DIESES BUCH VERSCHLUNGEN ICH HATTE SOGAR ÄRGER IN DER SCHULE WEIL ICH ANDAUERN GELESEN HATTE UND ALLES ANDERE UM MICH HERUM VERGESSEN HATTE ICH KANN NUR JEDEN RATEN HOLEN SIE SICH DIESES BUCH.!!!
Scelestus zu »John Grisham: Die Bruderschaft« 08.04.2005
als ich die obrige Bewertung des Buches gelesen habe, dachte ich, der Mensch, der das schrieb, spinnt. Er beschreibt dieses Buch so - um es auf den Punkt zu bringen - als absolouten Schrott. Dies entspricht auf jeden Fall nicht der Realität, das Buch fesselt sofort, und ist gut geschrieben sowie leicht leserlich.
Der Verfasser dieser "proffessionellen" und elendslangen Kritik möchte mit mir Verbindung aufnehmen, denn diese Kritik kann nicht so stehenbleiben.
Für mich mein absoloutes Lieblingsbuch.
K3rmiT zu »John Grisham: Die Bruderschaft« 24.02.2005
Ich fand das Buch sehr spannend zu lesen! Was mich allerdings schon gestört hat, sind die teilweise doch etwas unglaubwürdigen Vorkommnisse und Zusammenhänge. Vor allem diese "Gerichtstätigkeit" der Bruderschaft im Gefängnis (!!) fand ich ziemlich albern. Spannend wars trotzdem.

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