Der Todestänzer von John F. Case

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2007 unter dem Titel Ghost Dancer, deutsche Ausgabe erstmals 2008 bei Fischer Taschenbuch Verlag.

  • New York: Ballantine Books, 2007 unter dem Titel Ghost Dancer. 462 Seiten.
  • Frankfurt am Main: Fischer Taschenbuch Verlag, 2008. Übersetzt von Ulrike Wasel und Klaus Timmermann. ISBN: 978-3-596-16558-2. 462 Seiten.

'Der Todestänzer' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

In Berlin wird ein Araber in seiner Wohnung erschossen. In Serbien treffen sich die Anhänger eines vergessenen Erfinders. In Sibirien verschwindet ein Ort von der Landkarte. Nur einer weiß, wie die Ereignisse zusammenhängen: Jack Wilson, Elite-Ingenieur mit indianischen Wurzeln. Zur Sonnenwende wird er die Zivilisation an ihr Ende bringen. Am Tag des Todestänzers …

Das meint Krimi-Couch.de: »Mainstream mit all seinen Stärken – und Schwächen« 70°

Krimi-Rezension von Jörg Kijanski

Seit einem Jahr ist Jack Wilson wieder ein freier Mann und sinnt nach Rache. Neun Jahre saß er zu unrecht in Amerika im Gefängnis, doch jetzt verfügt der gelernte Ingenieur über Kenntnisse, um eine Furcht erregende Waffe herstellen zu können, die Amerika schlagartig zu einem Land der Dritten Welt machen würde. Um seinen Rachefeldzug erfolgreich durchführen zu können benötigt Jack zunächst Geld und zwar in großer Menge. So schließt er sich Bobojon »Bo« Simone an, den er im Gefängnis kennen lernte und folgt ihm in den Libanon. Dort soll er für Bos Onkel Aamm Hakim, einen gefährlichen Terroristen, dem Kontakte zu Al-Khaida nachgesagt werden, als Kurier arbeiten. Hakim schickt Wilson mit einer Drogenlieferung nach Odessa, um dort die Drogen gegen Waffen zu tauschen.

Diese wiederum sollen im Kongo in Diamanten verwandelt werden, um diese dann für mehrere Millionen Euro in Antwerpen zu veräußern.

Wilson bricht zu seiner schwierigen Mission auf, während Bo nach Berlin und Hakim nach Kuala Lumpur reist. Bei einem unfreiwilligen Zwischenstopp in Istanbul erfährt Wilson von Bo, dass Hakim nicht mehr erreichbar ist. Kurz darauf erhält er eine weitere Nachricht von Bo, doch diese enthält nicht den vereinbarten Sicherheitscode. Wilson ahnt, dass den beiden etwas zugestoßen sein muss und beschließt, die Diamanten zu veräußern und zurück nach Amerika zu fliegen, wo er »den Motor der Welt« anhalten will. Bliebe nur zu klären, wie er Zero und Khalid loswerden kann, zwei Leibwächter Hakims, die nicht von Wilsons Seite weichen …

Zahlreiche reale Ereignisse wurden gekonnt mit fiktiven Inhalten verbunden

Der Todestänzer beginnt mit einem Hubschrauberabsturz in Liberia, den der Fotograf Mike Burke schwer verletzt überlebt. Unschöne Erinnerungen an Dan Browns Hubschrauberszene in Illuminati werden wach. Was folgt, ist der übliche Mainstream. Drogen werden zu Waffen, Waffen zu Diamanten und Diamanten zu Geld gemacht. Die Reise beginnt im Libanon und führt über Odessa und Transnistrien in den Kongo. Weitere Orte der Handlung sind Belgrad, Kuala Lumpur, London, Dublin, Zürich und so weiter. Man verliert zu Beginn leicht den Überblick, zumal auch unzählige Organisationen zumindest Erwähnung finden bis hin zu der gefürchteten Triade »Sun Yee On«.

»Sun Yee On.«
»Nie gehört.«
»Fünfzigtausend Gangster, die als Team arbeiten.
Wie Wal-Mart, nur mit Knarren.«

Hakim wird in Kuala Lumpur vom CIA überwältigt und Bobojon in Berlin vom Verfassungsschutz bei einer missglückten Wohnungsdurchsuchung erschossen. So kämpft sich Wilson im fernen Kongo alleine durch und bringt letztendlich über drei Millionen Dollar in die USA. Dort beginnt er mit dem Bau seiner Wunderwaffe, einer Weiterentwicklung der Tesla-Strahlenwaffe, mit der er Amerika zum Erliegen bringen will. Mehr soll an dieser Stelle nicht zu der Waffe gesagt werden, aber sie beruht auf Forschungsergebnissen des brillanten serbischen Wissenschaftlers Niklas Tesla, der neben über hundert weiteren Erfindungen auch den Wechselstrom erfand und damit zum großen Gegenspieler von Edison, dem Erfinder des Gleichstroms, wurde.

Weltweit verstreute Handlungsorte und unzählige Organisationen erschweren den Überblick

Neben den zahlreichen Schauplätzen kommen wie erwähnt die üblichen Organisationen mit ihren geheimsten Geheimverbänden vor und auch bei dem einen oder anderen Ereignis, scheint der Autor deutlich zu überziehen. Am Ende des Romans folgt jedoch ein Quellennachweis, in dem unter anderem der eingangs erwähnte Hubschrauberabsturz angesprochen wird, und so ist man geneigt Abbitte zu leisten. Offenbar hat John F. Case sehr gründlich recherchiert und aus einer Vielzahl von realen Ereignissen eine durchaus akzeptable Story gebastelt.

Diese ist allerdings sehr überfrachtet. Wer nicht aufpasst verliert schnell den Überblick und die seitenlangen Erklärungen über Tesla und seine Forschungen setzen mehr als nur fundierte Kenntnisse der Physik voraus. Man muss es glauben und dann funktioniert die Geschichte, so wie derartige Geschichten halt funktionieren. Bei FBI, CIA und deutschem Verfassungsschutz arbeiten nur Vollidioten und so bleibt es dem zu Beginn der Geschichte abgestürzten Fotografen Burke vorbehalten, Amerika vor dem Schlimmsten zu bewahren. Burke mutiert zum Superhelden (die Frage nach dem Warum schenken wir uns) und ein 08/15-Showdown rundet den Gesamteindruck ab. Dennoch, wer eine atemberaubende Story sucht und bereit ist, die genreüblichen Schwächen zu tolerieren, der wird von Der Todestänzer durchaus kurzweilig unterhalten und erfährt zudem, was es mit einem alten Tanzritual der Paiute-Indianer auf sich hat.

Aber man konnte es auch anders sehen. In gewisser Weise war der Krieg so alt wie der Geistertanz – sogar älter. Das Treffen mit der Sozialarbeiterin, einer Vertreterin des Staates, um über Jack Wilsons Zukunft zu sprechen, erübrigte sich also. Jack Wilson hatte keine Zukunft. Und der Staat auch nicht.

Jörg Kijanski, November 2008

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Kom_Ombo zu »John F. Case: Der Todestänzer« 28.07.2010
John F. Case beginnt sein Buch ziemlich langatmig, bringt in kürzester Zeit Personen ins Spiel, bei deren Namen man sehr schnell den Überblick verliert und verliert sich stellenweise in langen Geschichten über Physik und den 'Erfinder' Tesla, der in diesem Buch eine große Rolle spielt.

Aber eigentlich ist das Buch gar nicht mal so schlecht, wenn man erst dahinter kommt, wie die ganzen verschiedenen Geschichten und Personen zusammenpassen. Und da sollten wir uns doch die Frage stellen:

Was wäre, wenn jemand die elektrische und elektronische Infrastruktur eines ganzen Landes lahmlegen würde ...?
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