Die schwarzen Lilien von Delys Hall von John Dickson Carr

Buchvorstellung

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1971 unter dem Titel Deadly hall, deutsche Ausgabe erstmals 1972 bei Ullstein.

  • New York: Harper & Row, 1971 unter dem Titel Deadly hall. 251 Seiten.
  • Frankfurt am Main; Berlin; Wien: Ullstein, 1972. Übersetzt von Mechthild Sandberg. ISBN: 3-548-01510-7. 140 Seiten.

'Die schwarzen Lilien von Delys Hall' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Man schreibt April 1927, und der Dichter Jeff Caldwell kehr aus Europa zurück. Per Dampfboot natürlich. Jeff ist beunruhigt: Sein Jugendfreund Dave Hobart hat ihn brieflich verzweifelt um Hilfe gebeten. Das komplett aus England importierte Landschloß Delys Hall, bereits Ursache mysteriöser Todesfälle, hat neue Opfer gefordert. Nun soll es verkauft werden. Es sei denn, Jeff Caldwell kann nachweisen, daß der Mörder nicht aus Stein und Mörtel, sondern aus Fleisch und Blut ist.

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crispinfan zu »John Dickson Carr: Die schwarzen Lilien von Delys Hall« 08.12.2014
Die Geschichte umspannt drei Genrationen: Großvater Kommodore Hobart hat nicht nur einen englischen Landsitz, Delys Hall, Stein für Stein nach New Orleans versetzen lassen (Fleur de Lys = Lilie), laut seinem Tagebuch hob er auch einen Goldschatz und hat diesen „deutlich sichtbar“ in dem Haus versteckt. Doch obwohl Bäder eingebaut und das Haus in der Vätergeneration elektrifiziert wurde, fand sich nichts hinter den Mauern. So hat Enkel Dave einen Experten engagiert, um das Geheimnis endlich zu lüften.

Auf der Heimfahrt mit dem Raddampfer trifft Dave nicht nur unvermittelt auf seine Schwester und deren Begleiter, einen sensationslüsternen Journalisten, sondern auch auf seinen Jugendfreund Jeff, dieser wiederum auf seine Jugendliebe Penny. Ein rätselhafter Brief das Familienanwalts hat ihn, den erfolgreichen Historien-Schriftsteller, nach Delys Hall gerufen („Ich würde gerne einen Kriminalroman schreiben.“ – „Warum tun Sie's dann nicht?“ – „Ich habe keine Idee.“) Und auch die Polizei ist mit an Bord: Zu Lebzeiten der Väter hat sich nämlich auf der Treppe des Landsitzes ein nächtlicher Todesfall ereignet, der Grund zu neuen Nachforschungen gibt.

Kurz: Schon in den ersten Kapiteln werden (fast) alle Figuren der Handlung versammelt, und wer nicht persönlich auftritt, der wird zumindest erwähnt und beschrieben. Das hätte Ansatzpunkt für eine Komödie sein können, doch Carr erzählt diesmal ganz ernsthaft seine Geschichte von dunklen Andeutungen, unterbrochenen Enthüllungen und verhinderten Aussprachen, so dass solche Fakten wie ein eigenwilliges Testament erst nach und nach zu Tage treten. Dabei schreitet das Geschehen zügig voran, zügig sind die Figuren entworfen und zügig liest sich die Übersetzung. Insofern passt sogar das etwas flüchtige Umschlagbild der Ullstein-Ausgabe, die an Schneider-Jugendbücher erinnert. Die detailreiche Erzählfreude anderer Carr-Romane ist kaum spürbar, aber auch andere Indizien weisen darauf hin, dass die deutsche Ausgabe deutlich gekürzt wurde.

Die Ereignisse gipfeln in einem Locked-Room-Mystery: Wer stürzte die junge Erbin in den Tod? Diesmal ist es Jeffs Onkel, der alte Staatsanwalt, der als Meisterdetektiv nicht nur diesen Mord löst, sondern auch den legendären Schatz entdeckt.

Natürlich ist die Kriminalstory schlüssig konstruiert. Aber sollte Carr wirklich ein grober Fehler unterlaufen sein?: Schon seit sieben Jahren trägt eine Figur eine Fensterglasbrille, die sie beim Entschluss zu einem Identitätswechsel nur abzunehmen braucht. (Das erinnert übrigens an eine Geschichte in Edmund Crispins „Beware of the Trains“/“Morde Zug um Zug“, die ich gleichzeitig las: Eine Figur langweilt ihre Umgebung, weil sie glaubt, ein guter Stimmenimitator zu sein.)

Fazit: Unterhaltsamer Lesestoff, aber für ein Werk von Carr eher Mittelklasse.
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