Der verschlossene Raum von John Dickson Carr

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1935 unter dem Titel The three coffins, deutsche Ausgabe erstmals 1953 bei Scherz.
Ort & Zeit der Handlung: , 1930 - 1949.
Folge 6 der Dr.-Gideon-Fell-Serie.

  • New York; London: Harper, 1935 unter dem Titel The three coffins. 306 Seiten.
  • Bern: Scherz, 1953 Der Unsichtbare. Übersetzt von Alexandra Brun. 191 Seiten.
  • Frankfurt am Main; Berlin: Ullstein, 1966 Der Unsichtbare. Übersetzt von Alexandra Brun. 159 Seiten.
  • Köln: DuMont, 1993. Übersetzt von Hans Bangerter. ISBN: 3-7701-2359-X. 275 Seiten.
  • Köln: DuMont, 2000. Übersetzt von Hans Bangerter. ISBN: 3-7701-5389-8. 275 Seiten.

'Der verschlossene Raum' ist erschienen als Taschenbuch

Das meint Krimi-Couch.de: »Knifflig und spannend bis zum logischen Ende«

Krimi-Rezension von odile

Wie fast jeden Abend trifft sich Prof.Grimaud mit Freunden in seinem Club. Doch an diesem Tag, den 06. Februar, geschieht Ungewöhnliches. Ein unheimlicher Fremder stört die vertraute Runde und bedroht den Professor. Sein Bruder, so berichtet er, trachte nach Grimauds Leben und werde ihn in Kürze aufsuchen. Dann verschwindet der finstere Besucher, der sich Pierre Fley nennt, spurlos.

Drei Tage später, am Samstagabend, wird Prof.Charles Grimaud in seinem eigenen Haus niedergeschossen. Superintendent Hadley und sein Freund, der Privatgelehrte Dr. Gideon Fell, treffen nur wenige Minuten nach dem schrecklichen Verbrechen am Tatort ein. Die beiden erfahrenen Ermittler sehen sich mit einem ungewöhnlich mysteriösen Fall konfrontiert.

Wie angekündigt, erhielt der Professor spätabends noch Besuch von einem Fremden. Dieser betrat das Arbeitszimmer Grimauds und verschloss die Tür hinter sich. Der Sekretär des Professors hörte Stimmen und dann fiel ein Schuss. Da die Tür zum Arbeitszimmer von innen verschlossen war, konnte niemand hinein. Erst als die Polizei wenige Minuten später eintrifft, öffnet sich die Tür und der blutüberströmte Professor kriecht heraus.

Verblüffenderweise ist das Arbeitszimmer leer. Von dem unbekannten Besucher findet sich keine Spur. Und hier beginnt das grosse Rätsel.

Wie konnte der Täter das Arbeitszimmer verlassen? Durch die einzige Tür flüchtete er nicht, denn diese war verschlossen und wurde vom Sekretär beobachtet.

Durch das Fenster entkam der Besucher ebenfalls nicht, denn der Schnee auf dem Dach und im Garten ist unberührt. Eine Geheimtür existiert nicht und der Kamin erweist sich als unpassierbar.Trotzdem konnte der Täter verschwinden.

Inzwischen erliegt Prof. Grimaud seiner Schusswunde ohne vorher eine vernünftige Aussage zu machen. Da keiner der Hausbewohner präzise Angaben über den unheimlichen Gast machen kann, beschliessen Hadley und Dr. Fell den einzigen Mordverdächtigen, eben jenen Pierre Fley, zu verhaften. Obwohl dies unmöglich erscheint, wird der Fall noch komplizierter.

Laut dem Polizeibericht am nächsten Morgen wurde Pierre Fley nur 15 Minuten nach dem Schuss auf Professor Grimaud auf offener Strasse ebenfalls erschossen. Drei seriöse Zeugen haben ihn zusammenbrechen sehen.Und der Täter blieb erneut unsichtbar! Keine fremden Fussspuren im Schnee rund um den Toten, der in den Rücken(!) getroffen wurde, nur die Tatwaffe. Niemand ausser den Zeugen war auf der Strasse und die Schusswaffe war bei beiden Morden identisch.

Die Polizei und Amateurdetektiv Dr. Fell sehen sich mit einem anscheinend unlösbaren Fall konfrontiert. Doch Gideon Fell knackt auch diese harte Nuss …

Der Privatgelehrte Dr. Gideon Fell ist die populärste von den drei Detektivfiguren, die John Dickson Carr schuf. Universal gebildet, mit grossem Interesse an Paradoxien und Rätseln ausgestattet, ist er genau der Richtige, um diesen kniffligen Fall zu lösen.

Von vornherein ist dem hochintelligenten Dr. Fell klar, dass nichts Übersinnliches im Spiel ist. Dies sagt ihm sein ausgeprägter Sinn für Realität. Schliesslich war der scharfsinnige Gelehrte nicht von ungefähr in führender Stellung in der britischen Spionageabwehr tätig. Mehr als einen Spitzenagenten hat er während des ersten Weltkriegs enttarnt.

Mittlerweile befindet sich Fell im Ruhestand und geniesst das Leben. Der unkonventionelle Detektiv entpuppt sich als passionierter Biertrinker, der auch gutes Essen schätzt und gern raucht. Doch sein gemütliches, beleibtes Äusseres täuscht. Mit Scharfsinn und vorzüglicher Kombinationsgabe löst der sympathische Dr. Fell letztlich jeden seiner stets komplizierten Fälle.

Als begeisterte Krimileserin und Fan des klassischen Detektivromans musste ich früher oder später auf John Dickson Carr stossen. Bisher habe ich sechs Krimis von ihm gelesen und habe mich dabei stets gut unterhalten.

Im vorliegenden Fall von 1935 handelt es sich, wie der deutsche Titel »Der verschlossene Raum« andeutet, um ein beliebtes Thema des klassischen Detektivromans. Verbrechen werden begangen, die eigentlich überhaupt nicht stattfinden konnten. Und das gleich in zwei Fällen!

Offensichtlich wusste der Autor, was für eine harte Nuss er da seinen Lesern präsentiert. Denn er gibt gleich zu Beginn der Geschichte einige nützliche Hinweise:

  1. Der Leser erhält einen Lageplan des ersten Tatorts.
  2. Der Autor stellt klar, dass die Geschichte auf natürliche Weise erklärbar ist
  3. Der Sekretär des ersten Opfers schildert die Begebenheiten genauso, wie er sie wahrgenommen hat. Dies trifft auch auf die drei Zeugen im 2. Mordfall zu.
  4. Dr. Gideon Fell schildert auf 14 Seiten die verschiedenen Möglichkeiten, ein Verbrechen in einem hermetisch abgeriegelten Raum zu begehen.

Ich will es nicht leugnen, trotz dieser Tipps und meiner langjährigen Praxis als Krimileserin konnte ich den Hergang des Verbrechens nicht erklären. Allerdings bin ich auch nicht der Typ, der mühelos komplizierte Puzzles, kryptische Rätsel oder Zen-Paradoxien löst. Immerhin kann ich mir zugute halten, dass ich den/die ? Täter entlarven konnte, obwohl sich der gute Dr. Fell in dieser Hinsicht ein bisschen verrannt hatte.

Dieser Krimi spielt in London, einem für Carr ziemlich atypischen Schauplatz. Allerdings findet der zweite Mord ausgerechnet in der »Cagliostro« Street statt. Ein schauriges Gemälde mit drei Gräbern spielt eine wichtige Rolle und das grausige Tatmotiv findet sich tatsächlich in Transsylvanien. Da kommt die für Carr typische Phantasie und Romantik dann doch nicht zu kurz. Zuletzt klärt der gescheite Dr. Fell den kniffligen Fall auf logische Weise auf, so dass keine Fragen offen bleiben.

Mir hat das Lesen dieses Krimis sehr viel Spass bereitet. Er ist knifflig und spannend bis zu seinem logischen Ende. Und ich bleibe dabei: jeder Krimifan sollte etwas von John Dickson Carr, dem Altmeister des klassischen Detektivromans lesen.

Ihre Meinung zu »John Dickson Carr: Der verschlossene Raum«

Helfen Sie anderen Lesern, indem Sie einen Kommentar zu diesem Buch schreiben und den Krimi mit einem Klick auf die Säule des Thermometers bewerten. Und bitte nehmen Sie anderen Lesern nicht die Spannung, indem Sie den Täter bzw. die Auflösung verraten. Danke!

Mysti zu »John Dickson Carr: Der verschlossene Raum« 13.07.2011
Es gibt wenige Detektivromane, die so unverzichtbar sind wie dieser. Die Vorlesung über die verschiedenen Möglichkeiten das Rätsel eines Mordes im verschlossenen Raum zu lösen, hat klassischen Rang. Dass es Carr gelingt, dem noch ein neue hinzuzufügen, ist eine liebenswerte Pointe. Natürlich ist die Lösung insofern konstruiert - es geht ja um kluge Konstruktionen möglicher Morde und nicht um wirklich anzutreffende, häufig weniger kluge Morde. In seiner Art über jeden Zweifel erhaben. Klassisch wie wenige Detektivromane. Man muss dieses Buch kennen, um mitreden zu können. Niemand redet ja auch über große Filme ohne Citizen Kane zu kennen.
Krimi-Tina zu »John Dickson Carr: Der verschlossene Raum« 06.06.2009
wer sich für „locked room mysteries“ interessiert, muss dieses Buch lesen. Nicht nur weil es einen besonders kniffeligen Fall bietet, ein Mensch wird in dem berühmten verschlossenen Raum ermordet und ein weiterer vor Augenzeugen auf offener Straße, ohne dass der Mörder auch nur die geringste Spur hinterlassen hätte. Sondern auch wegen dem berühmten Vortrag von Gideon Fell über das Wesen ebendieses „locked room mystery“. So umfassend ist das wahrscheinlich noch selten abgehandelt worden.
Abgesehen davon bekommen wir viel vom Erfreulichen, Üblichen geboten. Dr. Fell orakelt herum, Superintendent Hadley stürzt sich von Schlussfolgerung zu Schlussfolgerung und Rampole betrachtet das ganze mit Staunen. Wobei Fell in seiner jovialen Genuss- und Lebensfreude doch wesentlich sympathischer wirkt als die meisten seiner Genrekollegen. Man denke nur an den unsäglichen Philo Vance, der im übrigen mit herangezogen wird, wie auch sonst gerne zitiert und auf anderes Autoren angespielt wird. Außerdem verrennt sich Fell gerne mal, so wie auch in diesem Buch hat aber auch die Größe das zuzugeben. Nicht zuletzt hat mich die Auflösung überrascht, wie wohl ich doch einige der Hinweise richtig gedeutet hatte.
0 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Gaspar zu »John Dickson Carr: Der verschlossene Raum« 22.03.2009
Künstlich, aber dennoch logisch. Carr setzt bei diesem Roman nicht auf die üblichen Klischeefiguren, was ich positiv empfand. Die Erläuterungen zu anderen klassischen Kriminalromannen habe ich aus Spoilerangst nicht gelesen. Der Autor hätte sie sich besser geschenkt. Zählt zu den Klassikern des englischen Krimis.

98 / 100
krimifan24 zu »John Dickson Carr: Der verschlossene Raum« 06.03.2008
Das Meisterwerk schlechthin! Dieses Buch bildet für mich den absoluten Gipfelpunkt des Golden Age. Viele kritisieren die konstruierte und unglaubwürdige Auflösung, verkennen jedoch dabei, dass gerade der klassische Rätselkrimi ohne Konstruktion nicht funktionieren könnte - und natürlich gilt die Formel, die kein Autor außer Kraft setzen kann: Je komplexer und je rätselhafter, desto unwahrscheinlicher.
Hier treibt Carr es auf die Spitze, aber ich finde nicht, dass er zu weit geht. Zumindest rein logisch ist am Ende alles nachvollziehbar. Extra-Plus für die Carr-typische schaurige Stimmung, und die Handlung, die den Leser weg von den genretypischen Polizeistationen und Gerichtssälen bis ins unheimliche Transsylvanien mitnimmt.
c_plus_plus zu »John Dickson Carr: Der verschlossene Raum« 03.02.2007
Eigentlich ein gutes Buch, spannend zu lesen, die mysteriöse Hintergrundgeschichte (Gräber, Vampire) sorgt für eine zwar nicht direkt gruselige, aber düstere Atmosphäre, die ich bei einem solchen Krimi nicht erwartet hätte (scheint aber typisch für Carr zu sein, z.B. auch in "die schottische Selbstmordserie", was ich gerade lese).

Als Dr. Fell (der Detektiv) eine Rede hält, erhält man interessante Verweise auf andere Krimis und Krimiautoren ("der beste Krimi ist meiner Meinung nach...", "am besten hat dieses umgesetzt..." u.ä.). Auch erlangt man einen Einblick in die "Wissenschaft des Locked-Room-Krimis", und damit indirekt in die Welt der Konstruktion eines Krimi-Rätsels, was auch nicht jedes Buch zu bieten hat.

Doch das Ende, also die "Auflösung", wirkt leider extrem konstruiert und an den Haaren herbei gezogen. Vor allem die übertriebene, an Allwissenheit grenzende Genialität des Dr. Fells in diesem Fall, hat mich etwas gestört. So blieb ein leider enttäuschender Endeindruck, doch vergebe ich immerhin noch 80°, da ich die meiste Zeit lang Spaß hatte, es zu lesen.
Queeny zu »John Dickson Carr: Der verschlossene Raum« 10.01.2007
WUNDERVOLL!!!!!!!
Mein absolutes Lieblingsbuch! Doch ich finde, dass die Auflösung fast schon zu durchdacht ist als dass der/die LeserIn selbst drauf kommen könnte
Shellingford zu »John Dickson Carr: Der verschlossene Raum« 25.05.2006
Ich liebe solche Bücher. Viele meinen, dass solche Begebenheiten real nie passieren, aber gerade das ist es, was ich so erstaunlich finde. Gut, heute lassen sich Blutflecken analysieren, aber suche ich solche Geschichten a` la Patricia Cornwell, brauche ich nur die Zeitung aufzuschlagen.
arctics zu »John Dickson Carr: Der verschlossene Raum« 05.03.2006
Das Buch hat mich wirklich gefesselt. Es hat mir gut gefallen, dass das Buch zum einen sehr komplex ist mit vielen verschiedenen Hinweisen und Verdächtigen, zum anderen eine leicht mystische bzw. schaurige Atmosphäre erzeugt. Als Krönung kam dann noch die in die Handlung integrierten Informationen und Ansichten über Kriminalliteratur, welche sich natürlich (auch) auf das Buch selbst beziehen.

Nur Lesen wer das Buch kennt:
------------------------
Die Tatsache, dass die Geschichte stark konstruiert ist, lässt sich nicht leugnen, nur kann das bei diesem Buch auf keinen Fall negativ gewertet werden, da alle Ereignisse ja tatsächlich von EINER Person geplant bzw. "konstruiert" wurden, und nicht, wie bei vielen anderen Krimis, mehrere Personen mehr oder weniger unabhängig voneinander aggierten.

Einziger Schwachpunkt (kann aber auch ein Irrtum von mir sein) ist der wichtige Hinweis mit der Uhr beim Juwelier. Man bekommt zwar die Informationen, dass der Big Ben schlägt und dass Fell in Burnabys Mietwohnung Glocken hört (man sich also schon denken kann, dass mit den Zeitangaben der Zeugen etwas nicht stimmt), aber man erfährt während der Handlung weder konkret, dass die Uhr beim Juwelier falsch geht (was auch nicht ging, weil Fell es selber nicht bemerkte), noch erfährt man die genaue Zeit, welche Hadley, Rampole und Fell gebraucht haben, um von Fells Wohnung zur Cagliostro Street zu gelangen (diese Information bekommt der Leser erst in der Auflösung des Rätsels durch Fell mitgeteilt, eine eigenständige Lösung des Falls durch den Leser ist demnach (komplett) nicht möglich).
------------------------

Dieses tolle Buch sollte man sich nicht entgehen lassen! 95°

PS: Da das Buch im Handel nicht mehr zu kaufen ist, sollte man es bei ebay versuchen, dort gibt es das Buch für 3-4 Euro inklusive Versand.
\"Onkel\" KARL zu »John Dickson Carr: Der verschlossene Raum« 09.02.2006
J.D.Carr ist noch immer, trotz der vielen inzwischen erschienen Spannungsromane, mein Lieblingsautor. Er versteht es, den Leser in unheimliche Spannung zu versetzen. Dieses ist einer seiner besten Romane.
RolfWamers zu »John Dickson Carr: Der verschlossene Raum« 30.07.2005
Ein absoluter Klassiker. Wer dieses Buch nicht gelesen hat, kann nicht wirklich kompetent über das Goldene Zeitalter des englischen Kriminalromans mitreden.
So ist es besonders ärgerlich, dass mit der Einstellung der DuMont Kriminal-Bibliothek die deutsche Ausgabe im Buchhandel nicht mehr lieferbar ist.

Dies sind nur die ersten 10 Kommentare von insgesamt 14.
» alle Kommentare anzeigen

Ihr Kommentar zu Der verschlossene Raum

Hinweis: Fragen nach einem fertigen Referat, einer Inhaltsangabe oder Zusammenfassung werden gelöscht.

Seiten-Funktionen: