Feuertod von John Connor

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2006 unter dem Titel A Child´s Game, deutsche Ausgabe erstmals 2007 bei Goldmann.
Folge 3 der Karen-Sharpe-Serie.

  • London: Orion, 2006 unter dem Titel A Child´s Game. 415 Seiten.
  • München: Goldmann, 2007. Übersetzt von 3442460328. ISBN: 978-3-442-46427-2. 415 Seiten.

'Feuertod' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Ein greller Lichtschein erleuchtet den Nachthimmel – ein Mann fällt brennend aus seiner Penthouse-Wohnung im 9. Stock. Der Tote ist zwar schnell als der erfolgreiche Immobilienmakler Nicholas Hanley identifiziert, aber war es wirklich Mord? Und warum sind seine Lebensgefährtin und deren Tochter nirgends aufzufinden? Auch Detective Karen Sharpe ist unauffindbar, seit ihr jüngster Fall sie auf die Spur des Toten geführt hatte ... 

Das meint Krimi-Couch.de: »Ein Selbstmord, ein ermordeter Taxifahrer und von Karen Sharpe fehlt jede Spur« 65°

Krimi-Rezension von Jörg Kijanski

Silvester 1999: Mitten in Leeds stürzt ein brennender Mann aus seiner Penthouse-Wohnung im neunten Stock. Schnell findet der ermittelnde Beamte Pete Bains heraus, dass es sich um den Immobilienmakler Nicholas Hanley handelt. Als dieser Hanleys Lebensgefährtin Anna Hart und deren Tochter Rachel befragen möchte, sind diese wie vom Erdboden verschwunden. Ein Abschiedsbrief deutet auf einen Freitod von Hanley hin.

Währenddessen ermittelt Bains Vorgesetzter Alan White in einem Mordfall. Unweit des Flughafens Leeds/Bradford wurde am frühen Morgen nach einem Auffahrunfall ein Taxifahrer durch einen Kopfschuss aus nächster Nähe geradezu hingerichtet. Nach kurzer Zeit kommt White der Verdacht, dass die beiden Fälle zusammen hängen könnten und Anna und Rachel Hart womöglich entführt wurden. Die Ermittlungen laufen auf Hochtouren, doch mittendrin tauchen immer wieder Mitarbeiter des britischen Geheimdienstes auf, die verzweifelt nach Karen Sharpe und deren Tochter Mairead suchen, die ebenfalls verschwunden sind.

Obwohl Bains längere Zeit mit Karen und Mairead zusammenlebte, fällt ihm erst reichlich spät anhand eines Fahndungsfotos auf, dass Karen Sharpe und Anna Hart ein und dieselbe Person sind. Sharpe hatte einen neuen Auftrag, deren Zielperson Hanley war, denn dieser ging nicht nur sauberen Immobiliengeschäften nach. Seine »Geschäftspartner« stehen hinter der Entführung von Sharpe und Mairead alias Rachel …

Teilweise brutaler und spannungsarmer Plot

Der dritte Roman der Karen-Sharpe-Reihe ist gleichzeitig auch der bislang schwächste Teil. Wie schon im Vorgänger »Vergiftete Seelen« versucht John Connor durch überzogen brutale Szenen die etwas dünn geratene Story zu kaschieren. Dabei nimmt der Autor selbst unnötig früh die Spannung aus der Geschichte, denn nach weniger als 40 Seiten erfahren die Leser/innen bereits, dass Karen Sharpe unter dem Namen Anna Hart einen neuen Auftrag übernommen hat und das somit auch Mairead und Rachel identisch sind. Pete Bains erfährt dies erst viele, viele Seiten später und so wartet man des Öfteren darauf, dass er nun endlich mal die Zusammenhänge erkennen möge.

Gewöhnungsbedürftige Protagonistin

Einmal mehr brilliert Karen Sharpe als Einzelgängerin, wobei sie erneut weit über das Ziel hinaus schlägt. Statt eine neue Identität anzunehmen und mit der Zielperson Hanley Kontakt aufzunehmen, zieht sie gleich bei diesem ein und verliebt sich in ihn. Zumindest redet sich Karen dies ein, denn aus ihrer Sicht verliebt sie sich nicht selber, sondern lediglich ihre neue Figur Anna. Aber eine kaputte Gefühlswelt mit kontinuierlich wechselnden Partnern zeichnete die Protagonistin ja schon immer aus, ebenso wie ihre höchst beeindruckenden »Nehmerqualitäten«. Erstaunlich, welche Schmerzen Romanfiguren alles aushalten können.

Apropos Romanfiguren: Ob sich ein elfjähriges Mädchen so verhält wie Rachel alias Mairead darf gerne bezweifelt werden. Wenig schöne Erinnerungen an »Der Klient« von John Grisham werden wach, der es ebenfalls verstand, einen Teenager zum Superstar mutieren zu lassen. Hierauf verzichtet Connor zwar glücklicherweise, dennoch wirkt die Figur der Rachel nicht immer glaubwürdig. Die übrigen Figuren sind allesamt sehr blass, insbesondere erfährt man einmal mehr nicht, für welche geheimnisvolle Geheimdienstorganisation die Herren Sutherland und Doyle eigentlich arbeiten.

Wer die Serie kennt greift erneut zu

Interessant ist die Geschichte für all jene Leser/innen, die bereits die ersten beiden Bände der Reihe gelesen haben, da in die Vergangenheit von Sharpe wieder ein bisschen mehr Licht gebracht wird. Hier besteht für den Autor jedoch eine große Gefahr. Sollte in einer der kommenden Folgen die ganze Wahrheit der damaligen Geschehnisse und deren Hintergründe ans Tageslicht gebracht werden, könnte die Serie sehr schnell in der Masse der britischen Kriminalromane untergehen.

Jörg Kijanski, Februar 2008

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