Das schwarze Herz von John Connolly

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1999 unter dem Titel Every dead thing, deutsche Ausgabe erstmals 2000 bei Ullstein.
Ort & Zeit der Handlung: USA / New York, 1990 - 2009.
Folge 1 der Charlie-\"Bird\"-Parker-Serie.

  • London: Hodder & Stoughton, 1999 unter dem Titel Every dead thing. 485 Seiten.
  • Berlin; München: Ullstein, 2000. Übersetzt von Jochen Schwarzer. ISBN: 3-550-08310-6. 524 Seiten.
  • München: Ullstein, 2001. Übersetzt von Jochen Schwarzer. ISBN: 3-548-25150-1. 524 Seiten.
  • Augsburg: Weltbild, 2003. Übersetzt von Jochen Schwarzer. ISBN: 382897323X. 524 Seiten.
  • Berlin: Ullstein, 2003. Übersetzt von Jochen Schwarzer. ISBN: 3-548-25758-5. 524 Seiten.

'Das schwarze Herz' ist erschienen als HardcoverTaschenbuch

In Kürze:

Der New Yorker Detektiv Parker hat die falsche Nacht gewählt, um sich in seiner Lieblingsbar zu betrinken. Zuhause hat ein Eindringling seine Frau und seine kleine Tochter umgebracht und die Leichen einer Pieta ähnlich arrangiert. Noch in derselben Nacht quittiert Parker den Dienst. Er hat nur noch ein Ziel: den Dämon zu finden, der sein Leben zerstört hat.

Das meint Krimi-Couch.de »Buchstäblich das Gesicht verlieren ...« 95°Treffer

Krimi-Rezension von Michael Drewniok

Im Dezember des Jahres 1996 lernt Charles »Bird« Parker, Detective des New York Police Department, den »Fahrenden Mann« kennen, einen Serienmörder von geradezu mystischer Grausamkeit. Dieser ermordet Frau und Kind Parkers auf seine ganz »persönliche«, perfide Weise: Er häutet sie bei lebendigem Leibe und stellt mit den Leichen Szenen aus historischen Anatomie-Lehrbüchern des 17. und 18. Jahrhunderts nach.

Der »Fahrende Mann« möchte seinem »Publikum« auf »kunstvolle« Weise die Sterblichkeit des Menschlichkeit nahe bringen, vermutet die Psychologin Rachel Wolfe, aber das ist für Parker natürlich kein Trost. Er wird durch die grauenvolle Tat völlig aus der Bahn geworfen, quittiert den Dienst, taucht einige Monate unter, versucht sich zu fangen und beginnt vor allem damit, den Täter auf eigene Faust zu suchen – vergeblich. Aber der »Fahrende Mann« hat Parker nie aus den Augen gelassen. Als dieser nach New York zurückkehrt, meldet er sich ebenso einfallsreich wie blutig zurück und kündigt Parker weitere Morde an.

Während Polizei und FBI hektisch, aber erfolglos die Spur des »Fahrenden« aufzunehmen versuchen, ermittelt Parker, der inzwischen als »halboffizieller« Privatdetektiv aktiv geworden ist, einen scheinbar ganz anderen Fall. Die junge Catharine Demeter ist verschwunden. Ihre Freundin Isobel Barton macht sich Sorgen und heuert Parker an, sie zu finden. Offensichtlich ist sie in ihre Heimatstadt Haven im tiefen Süden der USA untergetaucht – doch wieso?

Gefährlich: der sadistisch-geistesgestörte Sohn des Paten

Zu Parkers Schrecken stellt sich heraus, dass auch die örtliche Mafia ihre Hände im Spiel hat. Sonny Ferrera, sadistisch-geistesgestörter Sohn des mächtigsten Paten der Stadt, ergötzt sich an mörderischen Snuff-Spielchen. Eine regelrechte Folter- und Mord- Industrie hat sich in seinem Umfeld etabliert, um für ständigen Nachschub an minderjährigen Opfern zu sorgen. Parker kommt einem unmenschlichen Psychopathenpaar auf die Spur, das Sonny seit Jahren »beliefert«. Er kann die gesamte Kindermörder-Mafia auffliegen lassen. Niemand überlebt das anschließende Massaker, doch im Moment des Todes spielt einer der Täter einen letzten Trumpf aus: Der »Fahrende Mann« stand in Kontakt zu seinen mörderischen »Kollegen«!

Parker steht mit leeren Händen da und muss wieder bei Null beginnen. So versucht er, die »Lehrjahre« des »Fahrenden Mannes« zu rekonstruieren, da wird dieser erneut aktiv. Eine beispiellose Blut- und Gewaltorgie setzt ein; der Täter wird immer brutaler, die Abstände zwischen den Morden verkürzen sich. Außerdem beginnt der »Fahrende« mit seinen Jägern zu spielen. An Parker scheint ihm auf seine krankhafte Art am meisten zu liegen, und dieser fragt sich verzweifelt, was ihn mit dem Mörder verbinden könnte. In den Sümpfen von Louisiana nimmt er die Spur des »Fahrenden« auf, gerät dabei in einen örtlichen Gangsterkrieg, lernt einige eher zwielichtige Gesetzeshüter kennen und ist rasch in einem lebensgefährlichen Katz-und-Maus-Spiel gefangen. Mehr als einmal muss Parker seine für Freund wie Feind unerwartete Unterstützung zum Einsatz bringen: Angel und Louis, das schwule Paar aus dem Ghetto von New York, Profis in Sachen Mord und Einschüchterung, doch auch ihre (un-)heimliche Begleitung schützt Parker nicht vor der Rückkehr in den Albtraum seines Lebens …

Durchgeknallte Massenschlächter treten sich auf die Füße

Schon wieder geht ein Serienkiller auf seine düstere Reise durch Amerika. Realitär mag dieser merkwürdige Menschenschlag ja an Zahl stetig zunehmen, doch in der Kriminalliteratur beginnen die mehr oder wenig durchgeknallten Massenschlächter inzwischen merklich auf der Stelle und einander auf die Füße zu treten.

Wie hebe ich mich als Schriftsteller von den lieben Kollegen ab, wenn ich dennoch den x-ten Hannibal-Klon auf die ahnungslose Normalbürgerschaft loslassen möchte? Richtig – ich kreiere ein Monster, das noch ein paar Umdrehungen irrsinniger und vor allem brutaler ist als seine Vorgänger. Allerdings wird es auch hier langsam schwierig, noch eine Nische zu finden, dabei originell und vor allem halbwegs realistisch (wenn man das im Unterhaltungsroman überhaupt verlangen kann) zu bleiben.

John Connelly kann erstaunlicherweise alle drei Grundvoraussetzungen erfüllen. Dass er die Komponenten dann auch noch zu einer rasanten, gleich zweifach (dazu unten mehr) höllisch spannenden und sogar psychologisch stimmigen Geschichte zusammensetzt, nimmt endgültig für »Das schwarze Herz« ein und führt dazu, dass man sich den Namen dieses in Deutschland neuen Schriftstellers merken wird.

Eigentlich tut Connolly alles, um es sich mit den Kritikern zu verderben

Dabei tut Connolly eigentlich alles, um es sich mit der strengen Kritiker zu verderben. Von Andeutungen und »versteckter« Gewalt – dann gilt sie eigentümlicherweise als legitimes Handlungselement – keine Spur. Statt dessen wird aus allen Rohren gefeuert, gestochen oder sonstwie gemetzelt, und die Zahl der auf diese Weise zu Tode gekommenen Opfer und Täter wird nur noch übertroffen durch die Zahl der mehr oder weniger (meist mehr) verwesten Leichen, die an meist höchst ungemütlichen Orten zum Vorschein kommen und deren Zustand geradezu liebevoll beschrieben wird – keine Lektüre für die Freunde des englischen Landhaus-Krimis also!

Connollys Bemühungen, einem allzu strapazierten Thema neue Aspekte abzugewinnen, tragen dennoch nicht durchgängig Früchte. »Das schwarze Herz« präsentiert eigentlich zwei separate Handlungsstränge, deren Verbindung nur locker und arg konstruiert ist. Die Entlarvung des kindermordenden Mafiosi und die Ausrottung seiner Bande gipfelt in einem furiosen Höhepunkt, der an düsterer Eindringlichkeit nichts zu wünschen übrig lässt. Da hat der Roman aber gerade erst seine Halbzeit erreicht und die Geschichte vom »Fahrenden Mann« völlig aus den Augen verloren. So überrascht es nicht, dass der Spannungsbogen erst einmal abbricht. Nur allmählich kommt die Handlung wieder in Gang, aber sie nimmt einen völlig anderen Verlauf als bisher und entwickelt sich nicht wirklich logisch aus der Vorgeschichte.

Das klassische Kino-Monster

Allerdings heißt das nicht, dass Connolly der Versuch misslänge, das Interesse seiner Leser zurückzugewinnen. Die zweite Hälfte des Roman gehört dem »Fahrenden Mann«. Die Figur wird geschickt nach dem Vorbild des klassischen Kino-Monsters eingesetzt, das am wirkungsvollsten erschrecken kann, wenn es nicht ständig ins Bild tritt, sondern sich im Schatten hält. Sparsam dosiert und dieses Mal hauptsächlich durch seine Taten, nicht durch sein Tun wirkend, gewinnt der »Fahrende Mann« tatsächlich die Qualitäten jenes biblischen Dämonen, als dessen Inkarnation er sich sieht. Dass viel von dieser Wirkung im konventionellen Finale verpufft, ist ein grundsätzliches Problem, das nicht Connolly anzulasten ist.

Auch dem Südstaaten-Schauplatz weiß Connolly neue Aspekte abzugewinnen, und sei es nur durch den weitgehenden Verzicht auf morsche Mississippi-Romantik und »In der Hitze der Nacht«-Klischees. Die Figuren sind bis auf wenige Ausnahmen wie die im südlichen Ambiente notorische, in Würde verblühte, schwergewichtig-schwarze »Big Mamma« vorzüglich gezeichnet. Wie es sich für einen Thriller auf der Höhe seiner Zeit gehört, haben auch die »Guten« durchweg mindestens einen attraktiven Knacks – das lässt sie menschlicher erscheinen und erregt außerdem die Aufmerksamkeit stets nach einer interessanten Rolle spähender prominenter Schauspieler bei einer möglichen und hoffentlich einträglichen Verfilmung. Folgerichtig wurden bereits im Roman die Rollen streng nach Proporz besetzt – der weiße Held, seine (in Grenzen) emanzipierte Gefährtin (unentbehrlich als Sympathieträgerin und vor allem als Beinahe-Opfer im großen Finale) und einige größere und viele kleine Nebenrollen für schwarze Darsteller; der Schauplatz ermöglicht es dieses Mal, auf den üblichen Alibi-Hispanier oder -Asiaten zu verzichten.

Das meinen andere:

»Ein Schocker, intelligent, psychologisch und literarisch stark« (The Times)

»Ein überwältigendes Debüt!« (The Mirror)

Ihre Meinung zu »John Connolly: Das schwarze Herz«

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tassieteufel zu »John Connolly: Das schwarze Herz« 14.02.2012
Charles "Bird" Parker, ein New Yorker Polizist, dessen Ehe den Bach runter geht und der seine Schwierigkeiten mit Alkohol kompensiert, muß festellen, das es immer noch schlimmer kommen kann. Nach einer weiteren Nacht in der Kneipe kommt er heim und findet Frau und Tochter brutal abgeschlachtet vor. Parker quittiert den Dienst um zunächst sein völlig zerstörtes Leben neu zu ordnen und auf eigen Faust zu ermitteln. Ab und an nimmt er als "halboffizieller" Privatdetektiv kleinere Fälle an und bekommt schließlich von seinem ehemaligen Partner den Auftrag, eine verschwundene junge Frau zu suchen. Deren Freundin Isobel Barton sucht einen vertrauenswürdigen Ermittler, der auch bereit ist, unkonventionell vorzugehen. Doch während seiner Ermittlungen stößt Parker auf einen Kinderschänderring von ganz üblen Aussmaßen in den auch die Maffia verwickelt ist und schließlich führt ihn seine Ermittlung auch auf die Spur des "fahrenden Mannes", des Serienmörders, der seine Familie getötet hat.

Ein wirklich düsterer, bedrückender Thriller, der einen trotz aller Grausamkeiten und Brutalität
förmlich an die Seiten fesselt. Die Beschreibungen der Bluttaten und die Schilderung von Gewaltakten ist sehr detailliert und teilweise schon fast an der Grenze des Erträglichen, also mit Sicherheit nichts für Zarbesaitete. Den Gegenpol dazu bilden Parkers Gedankengänge und Gefühle, die von Connolly sehr eindringlich und bildhaft beschrieben werden. Obwohl vieles das Parker tut natürlich völlig falsch ist, kann man seine Beweggründe nachvollziehen, die Figur weiß auch selbst das ihr Handeln nicht richtig ist und weiß das er mit den Folgen wird leben müssen, aber gerade das macht ihn von Anfang an sympathisch, seine Zweifel und Schuldgefühle, seine komromisslose Art, die Dinge zu regeln auch gegen das Gesetz, machen ihn zu einer glaubwürdigen Person, die man einfach mögen muß. Das ist dem Autor mehr als gut gelungen, ebenso wie das Duo Angel u. Louis ein Verbrecherpärchen im "fast Ruhestand" die Parker zur Seite stehen und ihn unterstützen. Die beiden sind ein schräges Gespann, die einen öfter zum Schmunzeln brachten und so eine oftmals düstere Geschichte etwas auflockerten.
Nach ca. der Hälfte des Buches ist der Erzählstrang um die verschwundene junge Frau und die Kindsmorde dann erstmal beendet,der Plot wendet sich Parkers Suche nach dem fahrenden Mann zu, für mich war das aber kein Bruch in der Geschichte, denn Bird Parkers weitere Entwicklung zieht sich wie ein roter Faden auch durch den zweiten Buchteil. Nach den ganzen brutalen Schilderungen um die Kindermorde, war die feucht-schwüle Atmosphäre in New Orleans dann erstmal eine kleine Auflockerung, Angel und Louis haben hier diverse Auftritte und bevor es dann wieder richtig zur Sache geht, kann man als Leser erstmal kurzzeitig aufatmen.
Beim Finale dreht Connolly nochmal so richtig auf, jede Menge Leichen und Blut, es wird am
Stück rumgeballert. Mag sein, das das nicht wirklich realistisch ist, aber es paßt zur Geschichte.
Lediglich bei der Entlarvung des Mörders hätte ich mir etwas mehr Orginalität gewünscht, ab einem gewissen Punkt zeichnet sich hier ab, wer der Täter ist und eine befriedigende Auflösung für die Beweggründe des Mörders bleibt offen.

Fazit: Nichts für schwache Nerven, dafür bekommt man Spannung pur mit einem unkonventionellen Helden der gerade deshalb überzeugt, weil er nicht perfekt ist. Grandioser Serienauftakt, der weit über dem üblichen Thriller Standard liegt!
SJVS zu »John Connolly: Das schwarze Herz« 18.07.2010
Vom ersten Band an hat mich Connolly gefesselt. Die Mischung aus hard-boiled american Thriller und irischem Aberglauben geht unter die Haut, die Figuren sind liebevoll und überzeugend gezeichnet, der Wortwitz grandios. Ich habe die Bücher allerdings ausschließlich im englischen Original gelesen und hoffe, die Übersetzung kann da mithalten.
Unglaublich spannend geschrieben, mit überraschenden Wendungen, kann man das Buch kaum aus der Hand legen.
Ein Highlight sind die humoristischen Sidekicks: die beiden schwulen Killer, bei deren Auftritten nicht nur Witz sondern auch weitere Spannung in die Geschichte kommen.
Spannend bis zur letzten Seite für Menschen, die eine kleine Prise Mystik oder Aberglaube im Krimi nicht allzu übel nehmen.
Samoa zu »John Connolly: Das schwarze Herz« 24.02.2010
1:0 – für Connolly… Er hat gewonnen, mein Kampf war vergeblich.

Auch wenn das Buch eigentlich zwei Geschichten enthielt, die man hätte trennen können. Obwohl die anfänglichen Zeitsprünge irritierten, weil man nie so recht wusste, ob er nun im Vorgestern, im Heute oder im Gestern ist. Trotzdem es zu Beginn den Eindruck machte, Charlie Bird Parker sei ausschliesslich der Kühnste, der Tollste, der Tapferste und der Schärfste…

Trotz alledem gelang es Connolly, unmerklich und schleichend, ein tiefes Seelenbild zu zeichnen. Von einem Ex-Cop, der gemordet hat. Von einem abgeklärten „Helden“, der zutiefst empfindsam ist. Von einem Menschen, der Frau und Kind verlor – und dadurch fast sich selbst – in den finsteren Abgründen seiner Seele. Zu pathetisch?
Keineswegs.

Denn Connolly führt seine Figur tatsächlich weit, sehr weit – hinunter in die Tiefe, in dunkle Seelenabgründe.
Der Tod ist allgegenwärtig in diesem Buch: Wo immer Bird auch auftaucht - Menschen sterben wie die Fliegen, er stösst auf Einzel-Leichen oder entdeckt ein „Massengrab“.
Und mit jedem Tod verliert sich Bird ein wenig mehr – in einer Düsternis, die ihn schlussendlich zu umfangen scheint - oder die bereits von innen strahlt…

In einem streckenweise sehr rasanten Erzähltempo, gelegentlich jedoch störend unterbrochen durch unnötig erscheinende Einsprengsel mit unzähligen neuen, aber letztendlich „unwichtigen“ Personen, wird der Leser mitgerissen, in einen Strudel tödlicher Handlungsabfolgen geworfen, mitfiebernd, mitsuchend, mitjagend - dem Mörder von Birds Familie vermeintlich dicht auf der Spur.

Mit von der Partie sind zudem zwei „schwule schwere Jungs“, die für eine wunderbare Prise Humor sorgen. Der spätere Handlungsort New Orleans sorgt für dampfend-schwüles Lokalkolorit, in dem ein Hauch Übersinnliches sinnvoll eingebettet wurde.

Alles in allem ein Buch, in dem sich Brutalität, Gewalt, Mord, Verstümmelung, sexueller Missbrauch, Mafia-Aktivitäten, Metaphysik und Serienkiller finden – aber auch eine klare, treffsichere, tiefgründige sowie poetische Sprache.
Mit einem verletzlich-gewaltbereiten Protagonisten, der zerrissener nicht sein könnte, wenn er taumelnd vor dem Abgrund seiner selbst steht.
Ein definitiv lesenswertes Buch! 93°
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
annun_ zu »John Connolly: Das schwarze Herz« 01.09.2009
In einer Dezembernacht werden die Frau und die dreijährige Tochter des Polizisten Charlie „Bird“ Parker auf grauenvollste Art und Weise umgebracht. Dieser Schlag bringt für Parker tiefe Schuldgefühle mit sich und er quittiert den Dienst, bis er irgendwann auf die Fährte desjenigen stößt, der ihm diesen Schmerz zugefügt hat. Von da an lernt Parker die tiefsten Abgründe der menschlichen Seele kennen und verliert sich fast selbst darin.

Dunkel, tiefgründig und grausam – das fällt mir als erstes ein, wenn ich dieses Buch beschreiben sollte. Es zehrt an den Nerven, es verursacht Gänsehaut und macht nachdenklich. Ein gutes Buch, auch wenn es mit Sicherheit nicht für jeden leicht verdaulich ist. Ich bin kein Mensch, der sich an brutalen Szenen ergötzt oder besonders viele blutige Szenen braucht Hier ist jedoch alles passend und stimmig. Connolly´s Sprache mutet fast schon poetisch an – ich habe wohl einen neuen Lieblingsautor gefunden. Er beschreibt sehr ausführlich die Gedankengänge und Beweggründe des Protagonisten und seltsamerweise kann man diesen Mann verstehen, der Rache für das will, was seiner Frau und seiner Tochter angetan wurde. Er war mir sofort sympathisch, auch wenn er eigentlich im Fall des „fahrenden Mannes“ nur Selbstjustiz üben will. Man hinterfragt sich dann, ob man selbst nicht vielleicht genauso reagieren würde.

Nun gibt es aber auch eine Kleinigkeit, die mich etwas gestört hat und das sind die „übersinnlichen“ Empfindungen, die Charlie „Bird“ Parker, man möchte sagen - „vererbt“ - bekommt. Es tut der Spannung zwar keinerlei Abbruch und ich brauche keine reine Logik in einem Buch, aber ich könnte gut darauf verzichten. Das verdirbt mir persönlich ein wenig den Lesespaß.

Wofür ich Connolly aber ganz besonders loben muss, ist die Art und Weise, wie er die einzelnen Fäden der beiden Fälle zusammenführt. Ganz besonders gefallen mir auch Louis und Angel, das schwule Pärchen, dass fest an Parker´s Seite steht und sich sehr nützlich macht. Ohne diese Beiden wäre das Buch nur halb so schön. Mit Ihnen geht es so richtig zu Sache, wenn sie in New Orleans auftauchen und sich dort zwar mehr Feinde, als Freunde machen, sich aber nicht ins Bockshorn jagen lassen. Super ist auch, dass Parker andauernd, um es salopp zu sagen, eins auf die Fresse kriegt. Er fordert das aber regelrecht heraus und dadurch kommt man auch öfters mal zum Schmunzeln und stellt sich seinen Helden doch recht oft mit blauen Flecken, zerkratzt und blutend vor. Ganz großes Kino möchte man fast sagen. Ich bin jedenfalls begeistert und vergebe 91°.
8 von 12 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Wilfried zu »John Connolly: Das schwarze Herz« 12.07.2009
Auch wenn ich "Das schwarze Herz" teilweise recht verwirrend fand, konnte ich das Buch kaum aus den Händen legen. Trotz einiger Hänger in der Handlung, oder wenn man so will, den Handlungen, war ich einfach begierig zu erfahren "wohin die Reise geht". Mit Bird Parker hat Conolly einen interessanten Typen erschaffen, den man durch eine morbide, düstere Geschichte begleitet.
1 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
realsatiriker zu »John Connolly: Das schwarze Herz« 02.05.2009
Carly "Bird" Parker, ein Typ der genau wie die Leute die er sucht schon mit einem Bein im Knast steht, ist vom Schicksal schwer gestraft. Schließlich hat ein fieser Killer seine Frau und sein Kind auf bestialische Weise umgebracht. Das schreit natürlich nach Rache.

Aber während Parker entgegen vieler, artverwandter Romanhelden dem Saufen bereits abgeschworen hat, fühlt sich der Leser teilweise als wäre er auf LSD. Der erste Teil hat - auch wenn man immer nach den Verbindungen sucht - keine Relation zum eigentlichen Hauptplot. Dieser wiederum entfaltet anschließend keine wirkliche Spannung mehr. Es ist fast, als wenn Connolly zwei Geschichten zu einem Buch verband.

Verwirrend, verworren und keinesfalls die 95 Grad wert, die von der Krimi-Couch Redaktion verteilt wurden. Zum Glück alles subjektiv und vielleicht bin ich ja auch einfach zu stumpf, schließlich nennt "The Times" das Werk literarisch stark.

KC: 75
1 von 3 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Krimi-Tina zu »John Connolly: Das schwarze Herz« 01.01.2009
Mein erster Conolly. Ich bin lang drum herumgeschlichen, meine Befürchtung war, der ist mir zu düster.
Düster ist er auch ganz bestimmt, auch ziemlich explizit was die Darstellung der Morde anbelangt aber auch sehr spannend und mitreißend.
Charly „Bird“ Parker ist tatsächlich mal wieder ein Romanheld, mit dem man mitfühlen kann, trotz seiner Ecken und Kanten . Oder vielleicht gerade deswegen.
Das Tempo das Conolly an den Tag legt, ist beachtlich, zumindest im ersten Teil des Buches. Zum Glück ein Autor, der es nicht nötig hat, einen auf endlose Autofahrten mitzunehmen. Sondern begriffen hat, dass es in einem Buch durchaus möglich ist, erst hier und dann dort zu sein, einfach so.
Wie schon festgestellt sind es aber eigentlich 2 Bücher. Und nach dem Ende des „ersten Buches“ der Aufklärung der Serie von Kindesmorden, ist das Tempo erstmal weg. Die Luft ist völlig raus. Sogar die Sprache wird weitschweifiger. Als wäre Conolly da gesessen und hätte sich gefragt, was war da jetzt nochmal.Ach ja, wir müssen den Mörder von Frau und Kind noch finden. Entsprechend wirkt der Rest des Buches irgendwie angestückelt und die Geschichte nimmt nur sehr langsam wieder an Fahrt auf. Wir bekommen noch einige heftige Blutbäder vorgesetzt, die die Geschichte aber auch nicht so richtig voran treiben und teilweise ein bisschen aufgesetzt wirken. Um dann bei einem leider erstaunliches konventionellen und sehr vorhersehbarem Finale zu landen. Das Ganze wirkt ein bisschen so, als hätte er sein Pulver mit dem ersten Höhepunkt verschossen und dann keine rechte Lust mehr gehabt.
Es bleibt aber ein harter düsterer gut geschriebener hardboiled Krimi Mit ein paar Schwächen.
Somit bestimmt nicht der letzte der Parker Serie den ich gelesen habe. Und ich hoffe auf Steigerung. 75° wobei der erste Teil 90 verdient hat.
3 von 5 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
frolleinvomamt zu »John Connolly: Das schwarze Herz« 20.10.2008
500 Seiten voller Text ohne Tempo, ansatzlos eingeführte neue Personen, am Ende sind alle tot oder zumindest schwer verwundet (an Seele und Körper).
Dynamik entsteht nur in den Metzel-Szenen.
Was den literarischen Anspruch angeht: Die Psychologisiererei führt nur zu einem Ergebnis: "Ein Mann muss tun, was ein Mann tun muss!"
Und so flach wie die übrige Psychologie bleibt auch die Begründung der Morde.

Ein zähes Ding, immerhin hab ich es ausgelesen.

Cool fand ich die Teile, die rund um New Orleans spielen, da kam etwas Atmosphäre auf.
1 von 4 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
heinrich zu »John Connolly: Das schwarze Herz« 12.09.2008
John Connolly ist zum Glück kein Richard Laymon, er will nicht mit abartigen Schilderungen einen billigen Kitzel bei abgestumpften Konsumenten erzeugen. Ihm geht es vielmehr darum, den Kriminalroman als den modernen Ersatz für Märchen zu entmystifizieren und dem Leser aufzuzeigen, dass „das Böse“ nicht zwischen zwei Buchdeckeln stattfindet, die man nach Belieben zuklappt, wenn die Geschehnisse zu grausam werden. Wenn man die Zahl der frei laufenden Serienmörder in den USA berücksichtigt, egal ob es nun 170 oder 500 (je nach Quelle) sein sollen, sieht man das Buch mit anderen Augen. Connolly einen Roman gegen die Angstkultur derer, die Verbrechen im täglichen Leben nicht wahrnehmen, geschrieben. Sicherlich leidet das Buch an den Unzulänglichkeiten, die auf dieser Seite beschrieben sind. Deshalb brauche ich noch einen Band, um mich für oder gegen die Serie zu entscheiden.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Le_Tartar zu »John Connolly: Das schwarze Herz« 29.07.2008
John Connolly hat Action-,Thriller-, und Horror-Elemente geschickt miteinander verbunden. Der Humor kommt auch nicht zu kurz: bei den Dialogen zwischen den Protagonisten konnte ich mir das Grinsen nicht verkneifen.
Sein Held Charles Bird Parker ist vom Schicksal gebeutel. Er bewegt sich am Rande der Legalität, wo er ermittelt, wird gestorben.
John Connolly ist nicht zimperlich, wenn es um Gewaltdarstellungen geht.
Das schwarze Herz ist eine "Harte-Kost-Empfehlung".
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.

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