Blutstein von Johan Theorin

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2010 unter dem Titel Blodläge, deutsche Ausgabe erstmals 2011 bei Piper.
Ort & Zeit der Handlung: Schweden / Stenvik, 1990 - 2009.

  • Stockholm: Wahlström & Widstrand, 2010 unter dem Titel Blodläge. 405 Seiten.
  • München: Piper, 2011. Übersetzt von Kerstin Schöps. ISBN: 978-3-492-05418-8. 396 Seiten.
  • [Hörbuch] München: DHV - Der Hörverlag, 2011. Gesprochen von Kerstin Schöps. ISBN: 3867176493. 396 CDs.

'Blutstein' ist erschienen als Hardcover Hörbuch

In Kürze:

Rot wie Blut schimmert die Gesteinsschicht im Steinbruch von Stenvik. Jeder auf Öland kennt die Legenden von den Bluttaten, die diesen Stein gefärbt haben sollen. Auch Per Mörner kennt sie, und dennoch beschließt er, mit seinen Töchtern im Frühjahr nach Stenvik zu ziehen. Nach einem gescheiterten Brandanschlag auf seinen Vater Jerry sieht Per sich gezwungen, auch ihn zu sich auf die Insel zu holen. Doch Per kann nicht verhindern, dass Jerry schon kurz darauf vor seinen Augen getötet wird. Der Vater schien seinen Mörder gekannt zu haben – wer aber könnte ihn so gehasst haben, dass er das Risiko einging, ihn in aller Öffentlichkeit zu töten? Per Mörner lässt die Frage keine Ruhe. Und was er herausfindet, erschüttert ihn zutiefst.

Das meint Krimi-Couch.de: »In der Ruhe liegt die mythische Kraft« 80°

Krimi-Rezension von Andreas Kurth

Die lang gestreckte Insel Öland, süd-östlich des schwedischen Festlands gelegen, ist der Schauplatz eines Roman-Quintetts von Johan Theorin – für viele ein aufstrebender Stern am skandinavischen Schriftsteller-Himmel. Allerdings werden sich an ihm die Geister scheiden, denn für die Fans harter Action und knackiger Polizei-Arbeit hat er nichts zu bieten. Dafür bewegt sich der Autor scharf an der Grenze zur Fantasy, denn es geht im dritten Teil der Reihe auch um Mythen, Trolle und Elfen. Aber vor allem geht es um die dunkle Vergangenheit und die nicht unbedingt hellere Gegenwart.

Seinen Titel hat das Buch von einer Gesteinsschicht, die Blutstein genannt wird. Viele der Bewohner von Öland kennen offenbar die alten Legenden über die vermeintlichen Bluttaten, die dem Stein seine Farbe verschafft haben sollen. Das gilt auch für Per Mörner, der mit seinen Kindern Nilla und Jesper in das alte Sommerhaus der Familie am Steinbruch von Stenvik zieht. Nach einem Besuch bei seiner Tochter, die sich zu Untersuchungen im Krankenhaus aufhält, haben Per und sein Sohn auf der Fahrt zur Insel einen Unfall – und lernen auf ungewöhnliche Weise künftige Nachbarn kennen. Das Ehepaar Max und Vendela sind ein seltsames Duo. Er schreibt Kochbücher, sie spielt die Hausfrau. Erst viel später erfährt Per, dass in Wirklichkeit Vendela die Bücher zu Papier bringt. Und im Zusammenhang mit den  Elfen und Trollen der Insel spielt sie eine ganz besondere Rolle – und hat zudem eine dunkle Vergangenheit auf Öland. Auch  der pensionierte Kapitän Gerlof Davidsson beschließt zum gleichen Zeitpunkt, aus dem Altersheim zurück in sein Haus nach Stenvik zu ziehen. Und so findet sich eine seltsam gemischte Nachbarschaft rund um den Steinbruch mit seiner merkwürdigen Vergangenheit ein.

Nach einem gescheiterten Brandanschlag auf seinen Vater Jerry – bei dem zwei Menschen getötet werden – sieht Per sich gezwungen, auch ihn zu sich auf die Insel zu holen. Er kann jedoch nicht verhindern, dass Jerry wenige Tage später vor seinen Augen von einem unbekannten Mann getötet wird. Jerry schien seinen Mörder gekannt zu haben – und Per glaubt, diesen Mann beim Brandanschlag auf das Filmstudio gesehen zu haben. Der Mord an seinem Vater – Jerry war ein berüchtigter Produzent von Porno-Filmen und –Magazinen – lässt Per nun keine Ruhe mehr. Er stellt intensive Nachforschungen an, und kommt dabei düsteren Geheimnissen auf die Spur, die ihn heftige erschüttern. Im rasanten Finale gerät Per selbst in die Schusslinie des Killers – und alle Morde und Mordversuche werden auf höchst überraschende Weise aufgeklärt.

Blutstein ist ein Buch, mit dem sich der Leser erst einmal anfreunden muss. Es sei denn, er hat die Vorgängerbände gelesen und kennt bereits den ungewöhnlichen, ruhigen und  bedächtigen Stil des Autors. Hektischen Aktionismus kann man dem Buch nicht vorwerfen, Johan Theorin gelingt es anderweitig den Leser zu fesseln. Ich habe nach dem ersten Drittel noch den Kopf geschüttelt, aber das Buch weglegen konnte ich auch nicht. Trolle und Elfen, Sagen und Mythen, und das in einem Kriminalroman? Eigentlich kein Problem für jemanden, der gerne fantastische Literatur liest – aber eben doch gewöhnungsbedürftig. Eines steht auf jeden Fall fest: Johan Theorin ist ein hervorragender Geschichten-Erzähler. Auch ohne viel Action schafft er eine unterschwellige Spannung, macht den Leser neugierig auf den Fortgang der Handlung, beteiligt ihn am teilweise ungewöhnlichen Schicksal der verschiedenen Protagonisten. Gewissermaßen ohne es recht zu merken fliegt man plötzlich durch die Seiten, weil man wissen will, wie es weiter geht. Ein schwer zu beschreibendes, ungewöhnliches Leseerlebnis. So werde ich als Leser sonst nur vorangetrieben, wenn es wirklich krachend und durchaus blutig dahergeht. Irgendwie hat der Stil des Autors etwas, dass sich schwer beschreiben lässt – wahrscheinlich eine geschickte Mischung aus verschiedenen Zutaten.

Dabei sind es mehrere Ebenen, auf denen Theorin die Handlung spielen lässt. Es geht zunächst um Per und seinen eher ungeliebten Vater. Im Zuge seiner Ermittlungen erfährt der Sohn immer mehr über die eklige Porno-Branche, in der sich Jerry wie ein Fisch im Wasser bewegte. Und er bekommt heraus, dass weitaus mehr scheinbar harmlose Männer und Frauen in das Geschäft mit den sexuellen Illusionen verstrickt waren, als sich der Durchschnittsbürger vorstellen mag. Da tun sich einige Abgründe auf, die Per früher lieber nicht sehen oder kennen wollte. Leser und Protagonist lernen aber auch auf die harte Tour, was kriminelle Energie auszulösen vermag.

Der Pensionär Gerlof, den Theorin-Fans bereits aus den Vorgängerromanen kennen, liest in den alten Tagebüchern seiner verstorbenen Frau Ella. Darin ist »von einem kleinen Kerlchen« die Rede, und der alte Mann rätselt nun, ob seine Frau einen Liebhaber hatte. Später hilft er Per bei dessen Nachforschungen und insgesamt spielt er eine wichtigere Rolle, als man nach den ersten Seiten des Romans vermuten durfte. Eine hintergründige Figur, die eine entscheidende Funktion hat, was an jedoch erst spät merkt.

Vendela ist eine ganz spezielle Protagonistin, die praktisch eine eigene Geschichte durchlebt. Sie erinnert sich in eingestreuten Kapiteln an ihre Kindheit, als sie am Elfenstein immer wieder »Geschenke« abgelegt hat. Die Fabelwesen  sollten ihr dafür einige ihrer geheimen Wünsche erfüllen. Zuweilen geschah das gründlicher, als es Vendela recht  war. Und so sind ihre Erinnerungen an die Kindheit ziemlich unangenehm – und haben Auswirkungen auf die Gegenwart.

Der Autor lässt eine ganze Palette verschiedenartiger und teilweise widersprüchlicher Charaktere aufmarschieren, und das macht einen Teil der Faszination des Buches aus. Aber auch und vor allem die kritischen Töne zur mit Amateuren durchsetzten Pornoindustrie geben der Geschichte einen ganz besonderen Touch. Und dann sind da noch die Elfen und Trolle – deren wahre Bedeutung für die Erzählung ich nicht so  recht zu deuten vermag. Auf jeden Fall machen sie die Figur Vendela um einiges sympathischer. Und ich freue mich schon jetzt auf den vierten Teil der Öland-Reihe!

Andreas Kurth, Januar 2011

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heike strate zu »Johan Theorin: Blutstein« 21.02.2012
„Blutstein“ ist nicht nur der Titel des neuesten Kriminalromans von Johan Theorin, sondern auch der Name für die rötlich gefärbte Gesteinsschicht im Steinbruch von Stenvik auf der schwedischen Insel Öland. Den Fans des 1963 in Göteborg geborenen Autors ist dieser verträumte Ort durchaus vertraut. Schließlich war er schon Schauplatz für „Öland“ und „Nebelsturm“, zwei in Skandinavien mehrfach ausgezeichnete Kriminalromane. Und auch Gerlof Davidsson, der weit über 80jährige pensionierte Kapitän zur See ist wieder mit von der Partie. Er hält es im Altersheim einfach nicht aus und zieht zurück in sein Häuschen am Steinbruch. Dort hat sich inzwischen einiges verändert: Zwei neue Häuser sind soeben bezogen worden, und Gerlof lernt die neuen Nachbarn schon bald genauer kennen. Da sind die zarte Vendela mit ihrem schriftstellernden Mann Max sowie das Ehepaar Kurdin mit seinem Baby. Und in das Häuschen seines inzwischen verstorbenen Freundes Ernst ist Per Mörner mit seinen Kindern Jesper und Nilla eingezogen. Doch jeder dieser „Neulinge“ am Steinbruch in Stenvik ist irgendwie seltsam: Vendela glaubt fest an die Welt der Elfen und Trolle, zu denen sie dringend Kontakt aufnehmen will. Pers Vater Jerry hat mit seinen Porno-Filmen in den 60er und 70er Jahren dafür gesorgt, dass schwedische Mädchen weltweit zum Synonym für freie Liebe in skandinavischer Natur wurden, und Maria Kurdin soll laut Jerry sogar mal bei einem der Produktionen „gemodelt“ haben. Klar liegt da der Verdacht nahe, dass jemand späte Rache für einen geschädigten Ruf übt, als der mittlerweile betagte und von einem Schlaganfall gezeichnete Jerry ermordet wird. Der Leser wird Zeuge eines psychologisch hoch spannenden Plots, atmosphärisch dicht und bisweilen etwas unheimlich angesichts der durchaus möglich erscheinenden Erfahrungen einiger Protagonisten mit blutigen Mythen. Und die im öländischen Frühling zaghaft erblühende Landschaft ist eine perfekte Kulisse. „Blutstein“ wartet nicht mit knallharten Kommissaren und spektakulärer Action auf, fesselt dafür aber umso subtiler durch interessante Charaktere, überraschende Wendungen und eine betörend schöne Sprache. Absolut lesenswert!

Heike Strate

„Blutstein“ von Johan Theorin, ISBN 978-3-492-05418-8, erschienen bei Piper, Preis 19,95 Euro.
tm3081 zu »Johan Theorin: Blutstein« 04.01.2012
Auch dieses Buch besticht wie seine beiden Vorgänger durch die atmosphärisch dichte Beschreibung der Landschaft und der Stimmung auf Öland - ein sehr melancholisches Fleckchen das trotzdem sehr anziehend beschrieben ist.
Theorin entwickelt die Handlung wieder äusserst bedächtig, der angekündigte Mord an Jerry ereignet sich erst spät in der zweiten Hälfte des Romans.
Leider fällt insbesondere die Krimihandlung doch sehr ab im Vergleich zu den ersten beiden Romanen. Taten und Motive sind doch eher oberflächlich beschrieben und letztlich erscheint die Auflösung samt Motiv irgendwie banal.
Diesmal hat mich auch gestört, dass Theorin die Örtlichkeiten, insbesondere den Steinbruch mit seinen dort gelegenen Häusern nicht sehr gut und teilweise sogar widersprüchlich beschreibt. Um sich das beim Lesen rein räumlich vorzustellen muss man schon etwas fantasievoll sein und manchmal schlicht Himmelsrichtungsangaben ignorieren - das hätte der Autor unbedingt detaillierter machen müssen.
Übrigens braucht man keine Angst zu haben dass der Roman vom Krimi zum Fantasyroman wird: Obwohl viel von Elfen und Trollen die Rede ist, ist letztlich nichts Übersinnliches im Spiel ausser den jeweils eigenen Gedanken und Träumen der Handelnden.
€nigma zu »Johan Theorin: Blutstein« 12.10.2011
"Blutstein" (Originaltitel "Blodläge") ist nach den Vorgängerromanen "Öland" und "Nebelsturm" der dritte Band aus Theorins Jahreszeitenzyklus, die Handlung spielt sich wieder auf Öland ab und ist diesmal im Frühling angesiedelt.
Im Mittelpunkt des Romans steht der geschiedene Per Mörner, der auf Öland das Sommerhaus eines Verwandten geerbt hat und jetzt dort den Frühling mit seinen dreizehnjährigen Zwillingen Jesper und Nilla verbringen möchte. Per hat viele Probleme: seine Tochter ist an einer seltenen Krebsart erkrankt und verbringt die meiste Zeit im Krankenhaus, außerdem wird Per von seinem Vater Jerry, zu dem er nie ein gutes Verhältnis hatte, um Hilfe gebeten. Jerry hatte Per und seine Mutter verlassen und als gutverdienender Zeitschriftenproduzent in der Erotik- ,bzw. Pornobranche in Saus und Braus gelebt, ohne sich um seine Familie zu kümmern. Jetzt fühlt er sich bedroht und erwartet Hilfe von Per.
Dieser ist zunächst unwillig, lässt sich aber doch in die Sache verwickeln, nachdem auf das Fotostudio des Vaters ein Brandanschlag verübt wird, bei dem zwei Menschen umkommen.
Außer Per gibt es noch andere neue Nachbarn in der Siedlung am alten Steinbruch: ein junges Ehepaar mit Baby sowie der Schriftsteller Max Larsson und seine Frau Vendela haben sich dort Häuser gebaut. Zwischen Max und Vendela bestehen Spannungen, die immer stärker werden.
In den normalen Romantext sind alternierend im Präsens geschriebene Kapitel aus der Kindheit von Vendela eingefügt, die ihren Charakter und ihre gegenwärtigen Probleme erklären. In ihrer unglücklichen Kindheit hatte sich Vendela vor der tristen Realität in eine Phantasiewelt geflüchtet, in der sie mit den Elfern, die auf Öland hausen sollen, Kontakt aufzunehmen versuchte. Als Erwachsene sucht sie eher bei Beruhigungsmitteln Zuflucht, gerät aber auch wieder in den Bann des Elfenglaubens.
Als Verbindungsglied zu den beiden Vorgängerromanen ist auch wieder der alte Gerlof Davidsson mit von der Partie. Er hat das Altersheim verlassen, wohnt wieder in seinem Sommerhaus am Steinbruch und ist trotz seiner körperlichen Gebrechlichkeit geistig rege. Er hilft Per gern bei seinen Nachforschungen.

"Blutstein" beginnt im Prolog mit einer spektakulären Szene: der schwer verletzte Per Mörner wird mit Benzin übergossen und soll angezündet werden. Der Hauptteil des Krimis schildert die Ereignisse, die zu dieser Szene geführt haben. Dabei lebt die Handlung von einer subtilen Spannung, kommt aber ohne Brutalitäten und Blutvergießen aus. Durch den Wechsel der Perspektiven (Per Mörner, Vendela Larsson) und der Erzählzeiten (Gegenwart , Vergangenheit: Vendelas Kindheit ) bietet die Romanhandlung Abwechslung. Bei den Enthüllungen über die zwielichtigen Berufspraktiken von Jerry Mörner werden gesellschaftskritische Töne angeschlagen. Der Schluss des größtenteils ruhig erzählten Krimis bietet dann wieder Hochspannung.

Wie schon in den beiden ersten Romanen empfinde ich die weitgehend unblutige Art der Spannungserzeugung bei Theorin als äußerst wohltuend, dadurch unterscheidet sich dieses Buch von den immer brutaleren Thrillern, die derzeit den Markt überschwemmen. Auch durch die Einbeziehung mystischer Elemente (Elfen, Trolle) - ohne dabei den Boden der Realität zu verlassen - heben sich Theorins Krimis von der breiten Masse ab.

Für mich bilden alle drei Öland-Romane Highlights meiner Lektüre, für die ich gern 5 Sterne vergebe.
Maria zu »Johan Theorin: Blutstein« 13.06.2011
Die zwei ersten Öland-Bücher von J Theorin haben mich total begeistert, weshalb ich es kaum erwarten konnte, nun auch Blutstein zu lesen. Vielleicht lag es an dieser zu hohen Erwartungshaltung, dass mich das Buch ein wenig enttäuscht hat. Der Autor schreibt ebenso flüssig und spannend wie in den Vorgängerromanen, seine Charaktere sind lebendig und interessant, aber dafür hängt die (Krimi)-Geschichte ein bisschen durch. Die Auflösung war einerseits leicht vorhersehbar, andererseits nicht 'fair' wenn man mit 'fair' die Möglichkeit meint, als Leser aus den mehr oder weniger subtil angebotenen Verdächtigen den richtigen herauszufinden. Ohne zuviel verraten zu wollen, kann ich doch sagen, dass ich mich durch diesen speziellen Täter nachgerade betrogen fühlte.

Das ändert allerdings nichts daran, dass das Buch ansich ein veritabler, wunderbar erzählter Roman ist, nur als 'Krimi' funktioniert er für mich nicht recht.
Naldo zu »Johan Theorin: Blutstein« 04.05.2011
Ich schließe mich voll uns ganz manni an. Wer die zwei Vorgänger gelesen hat, ist gleich wieder mitten im Geschehen drin. Die Protagonisten, die Landschaft, alles erscheint einem bekannt und man möchte wissen, was mit den Personen noch geschieht. Es ist kein klassischer Krimi, die Polizei kommt so gut wie gar nicht vor. Die Erzählweise ist sehr angenehm und ich freue mich auf den letzten Teil dieser Reihe.
manni zu »Johan Theorin: Blutstein« 08.03.2011
Bei der dritten Ölandgeschichte fühlte ich mich von Beginn an als Einheimischer, ich hatte die ersten beiden Teile schon gelesen. Ich wollte unbedingt wissen , wie die Geschichten weitergehen und bis zur Taschenbuchausgabe konnte ich nicht warten. Bei Theorin ist man unmittelbar mitten im Geschehen, er braucht wenige Worte wo sich andere Autoren einen Wolf schreiben. Diese knappe Sprache passt sehr gut zu seinen Geschichten, die ideale
Entspannungslektüre, also keine richtigen Krimis.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
anyways zu »Johan Theorin: Blutstein« 04.02.2011
Vier Häuser stehen rund um den Steinbruch in Stenvik, einem kleinen Fischerdorf. Zwei alteHäuschen und zwei schöne neue Villen, die erst kürzlich bezugsfertig wurden.

Das alte Fischerdorf beherbergt, außer in den Sommermonaten, nur wenige Einheimische.

Gerlof, ein über 80 jähriger, ist einer von ihnen. Er ist im Frühjahr Hals über Kopf aus seinem Altersheim, in der bangen Erkenntnis den baldigen Tod zu erleiden, sollte er noch länger dort verweilen, in sein altes Haus am Steinbruch geflohen. Zur selben Zeit beziehen die Villenbesitzer Max und Vendela, er ein gefeierter Autor, sie seine Ehefrau und eigentliche Verfasserin seiner Bücher, ihr Heim ebenso wie das junge Ehepaar Kurdin mit Baby. Auch das letzte Häuschen bekommt im Frühjahr wieder Bewohner. Per Mörner, geschieden, zieht mit seinen 13 jährigen Zwillingen und seinem Vater, einem senilen alten Pornoproduzenten ein. Nach einem Schlaganfall ist es um dessen Gesundheit nicht gut bestellt Per kümmert sich ein wenig um ihn. Die Wege der neuen Steinbruchbewohner haben sich früher alle schon einmal gekreuzt und die daraus entstandenen Konflikte brechen jetzt, viele Jahre später ausgelöst durch das Nachbarschaftsfest von Vendela wieder aus, mit drastischen Folgen.





Johan Theorins Buch fasziniert mich auf besondere Weise, er verstrickt Elemente und Geschichten aus der Sagenwelt Skandinaviens geschickt mit mörderischer Spannung, gekonnten Szenewechseln und einem gut und glaubhaft dargestellten Sohn-Vater-Konflikt.

Der Aberglauben der Dorfbevölkerung und die weltoffene Abgeklärtheit der Sommergäste prallen aufeinander, das gibt dem Krimi zusätzlich Raum zu Entladungen. Denn was sonst könnte der Blutstein sein? Das Blut eines Trolls oder doch nur Eisenoxid in der Steinschicht?
Aenna zu »Johan Theorin: Blutstein« 25.01.2011
Per Mörner zieht in sein Ferienhaus auf Öland, um dort das Frühjahr und den Sommer zu verbringen. Doch sein Alltag ist nicht sorgenfrei...
Da ist zum einen seine 13-jährige Tochter Nilla, die dem geschiedenen Vater von Zwillingen großen Kummer bereitet.
Zum anderen muss er sich um seinen Vater Jerry kümmern, mit dem er aufgrund dessen unrühmlicher beruflicher Vergangenheit kaum Kontakt pflegt. Doch nun wird Jerry in mysteriöse Unfälle verwickelt, Menschen sterben, und auch er selbst wird vor den Augen seines Sohnes Opfer eines Mordanschlages!
Trost findet Per bei seiner Nachbarin Vendela, die an den alten Legenden von Elfen und Trollen festhält.

Nach "Nebelsturm" habe ich mich sehr auf Johan Theorins Folgeroman "Blutstein" gefreut. Wieder ist dem Autor ein ganz besonderer, eigener Krimi gelungen.
Dies zeichnete sich allerdings zu Beginn der Lektüre noch gar nicht ab. Nach einem rasanten und superspannenden Prolog "plätscherte" die Handlung so dahin, der Gruselfaktor von "Nebelsturm" blieb ganz aus, und ich war enttäuscht. Trotzdem las ich an einem Tag mehr als 300 Seiten.
Denn Theorin vermag allein durch seinen Stil zu fesseln. Durch seine Erzählweise tauchte ich vollends in das Leben Per Mörners ein und teilte mit ihm wie ein stummer Beobachter Gedanken, Sorgen und Angst. Ich stand mitten in seinem Leben, in dem es kein Hauptthema gibt, keinen Leitfaden, sondern viele kleine und große Fragen...
Zwischendurch begleitete ich Vendela, sah sie aufwachsen, vollzog ihre Gefühle nach und ließ mich in die faszinierenden Geheimnisse ihrer Kindheit einweihen.
Und ich traf Gerlof wieder, den alten Seemann, den ich schon in "Nebelsturm" kennen lernte, und der auch diesmal wie eine unumstößliche Festung seinen Platz in der Geschichte innehat.

Mich hielt "Blutstein" wie in einem Sog gefangen, obwohl, wie auch im Vorgängerroman, die Krimihandlung an sich gar nicht so präsent ist. Wieder kommt die Auflösung erst mit den letzten Seiten und in großem Tempo, wieder spannungsreich und (für mich) nicht vorhersehbar.
Mir hat das Buch, nach zugegeben anfänglichem Befremden, gut gefallen.
Für diejenigen, die Johan Theorins Stil mögen oder sich damit anfreunden können, ist "Blutstein" unbedingt empfehlenswert.
Aenna zu »Johan Theorin: Blutstein« 24.01.2011
Per Mörner zieht in sein Ferienhaus auf Öland, um dort das Frühjahr und den Sommer zu verbringen. Doch sein Alltag ist nicht sorgenfrei...
Da ist zum einen seine 13-jährige Tochter Nilla, die dem geschiedenen Vater von Zwillingen großen Kummer bereitet.
Zum anderen muss er sich um seinen Vater Jerry kümmern, mit dem er aufgrund dessen unrühmlicher beruflicher Vergangenheit kaum Kontakt pflegt. Doch nun wird Jerry in mysteriöse Unfälle verwickelt, Menschen sterben, und auch er selbst wird vor den Augen seines Sohnes Opfer eines Mordanschlages!
Trost findet Per bei seiner Nachbarin Vendela, die an den alten Legenden von Elfen und Trollen festhält.

Nach "Nebelsturm" habe ich mich sehr auf Johan Theorins Folgeroman "Blutstein" gefreut. Wieder ist dem Autor ein ganz besonderer, eigener Krimi gelungen.
Dies zeichnete sich allerdings zu Beginn der Lektüre noch gar nicht ab. Nach einem rasanten und superspannenden Prolog "plätscherte" die Handlung so dahin, der Gruselfaktor von "Nebelsturm" blieb ganz aus, und ich war enttäuscht. Trotzdem las ich an einem Tag mehr als 300 Seiten.
Denn Theorin vermag allein durch seinen Stil zu fesseln. Durch seine Erzählweise tauchte ich vollends in das Leben Per Mörners ein und teilte mit ihm wie ein stummer Beobachter Gedanken, Sorgen und Angst. Ich stand mitten in seinem Leben, in dem es kein Hauptthema gibt, keinen Leitfaden, sondern viele kleine und große Fragen...
Zwischendurch begleitete ich Vendela, sah sie aufwachsen, vollzog ihre Gefühle nach und ließ mich in die faszinierenden Geheimnisse ihrer Kindheit einweihen.
Und ich traf Gerlof wieder, den alten Seemann, den ich schon in "Nebelsturm" kennen lernte, und der auch diesmal wie eine unumstößliche Festung seinen Platz in der Geschichte innehat.

Mich hielt "Blutstein" wie in einem Sog gefangen, obwohl, wie auch im Vorgängerroman, die Krimihandlung an sich gar nicht so präsent ist. Wieder kommt die Auflösung erst mit den letzten Seiten und in großem Tempo, wieder spannungsreich und (für mich) nicht vorhersehbar.
Mir hat das Buch, nach zugegeben anfänglichem Befremden, gut gefallen.
Für diejenigen, die Johan Theorins Stil mögen oder sich damit anfreunden können, ist "Blutstein" unbedingt empfehlenswert.
Caro zu »Johan Theorin: Blutstein« 18.01.2011
Zum Inhalt:
Blutstein" erzählt mehrere einzelne Geschichten, die am Ende alle zusammenlaufen. Zuerst einmal wird die Geschichte vom alten Gerlof erzählt. Dieser möchte nicht mehr im Altersheim wohnen, sondern unbedingt wieder nach Hause. Daheim findet er die Tagebücher seiner Frau, die schon vor langer Zeit gestorben ist, und beginnt darin zu lesen. Er erfährt Dinge, die er eigentlich gar nicht wissen wollte und schämt sich immer mehr, dass er in der Vergangenheit gräbt. Man könnte meinen, dass der alte Gerlof nur eine Randrolle einnimmt, aber gegen Ende übernimmt er noch einmal eine wichtige Aufgabe.

Währenddessen begegnet uns Per Mörner. Per Mörner ist geschieden und hat zwei Kinder - Zwillinge. Seine Tochter liegt schwer krank im Krankenhaus, sein Sohn wohnt die meiste Zeit bei der Mutter. Per Mörner wohnt währenddesssen ganz allein auf der Insel Öland und fühlt sich nicht selten sehr einsam. Als dann sein ungeliebter Vater, Jerry Morner bei ihm auftaucht, wird einiges durcheinander gewirbelt. Morner hat eine schmutzige Vergangenheit, die ihn nicht loszulassen scheint. Per Mörner beginnt, sich mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen und fördert immer mehr unangenehme Details zutage.

Am Rande der Geschichte taucht auch noch die verträumte Vendela auf. Diese wohnt auch, wie alle anderen auf der Insel Öland, zusammen mit ihrem Mann und ihrem kranken Hund. Schon einmal, nämlich als Kind, wohnte Vendela dort, hat aber keine schönen Erinnerungen an diese Zeit. Das Einzige was ihr geblieben ist, ist ihr Glaube an die Elfen, die den Menschen in jeder Situtation helfen, wenn man nur ein kleines Opfer dalässt und genug darum bittet. Schon als Kind scheint das bei ihr auf unheimliche Weise funktioniert zu haben.

Laufen die Geschichten am Anfang noch alle nebeneinander her, treffen die Personen nach und nach aufeinander und ihre Geschichten verknüpfen sich.

Meine Meinung:
Mir hat "Blutstein" sehr gut gefallen. Es war mein erstes Buch von Theorin, obwohl das glaube ich schon seit drittes ist. Schon im Prolog gibt es einen Paukenschlag, man möchte unbedingt wissen wie es zu dieser Situation kam und wie diese ausgeht. Danach "plätschert" die Geschichte ein bisschen dahin, was mich eigentlich nicht sonderlich gestört hat, da man die ganze Zeit eine unterschwelllige Spannung spürt. Ich hatte das Gefühlt, dass man immer ein bisschen in Sicherheit gewiegt werden soll. Sobald man sich damit abgefunden hatte, dass gerade nicht so viel passiert, kommt der nächste Paukenschlag. "Blutstein" ist vielleicht auch kein Krimi im eigentlichen Sinn. Wer erwartet, dass hier die ganze Zeit Spannung herrscht, könnte vielleicht auch enttäuscht werden. Manchmal tritt die Krimihandlung, wie schon gesagt eben in den Hintergrund und man erfährt einiges aus dem Privatleben der Figuren. Mich hat das nicht gestört, so versteht man wenigstens, warum die Personen so sind wie sie sind und was sie dazu gemacht hat. Ich finde es schön, dass die Vergangenheit der Protagonisten beleuchtet wird, macht das doch die Figuren lebendiger und greifbarer. Auch, dass sie nicht immer Erfolg haben und auch bei ihnen mal etwas schief geht wirkt ehrlich und realistisch. Denn bei wem klappt schon alles?

Auch die Sagengestalten, die Elfen und die Trolle, fande ich sehr schön in die Geschichte eingebunden. Immer wieder gibt es eine Rückblende zu Vendelas Kindheit, in der sie scheinbar viele Begegnungen mit den Elfen hatte. Die Verknüpfungen der einzelnen Geschichten sind gut gelungen und verständlich. Der Schreibstil des Autors gefällt mir sehr gut, ich habe das Buch praktisch in einem Rutsch durchgelesen. Auch die etwas düstere Atmospähre von Öland fande ich sehr gelungen und passend.

Das Ende ist vielleicht ein kleines bisschen "too much", wenn man es mit dem Verlauf der Geschichte vergleicht. Ein bisschen weniger Feuer hätte genügt. Trotzdem finde ich das Ende sehr schön gewählt und freue mich über den Ausgang der Geschichte. Zum Glück habe ich hier noch einen Krimi von Theorin stehen, so kann ich bald wieder in die Welt von "Öland" abtauchen.

Fazit:
Ein spannender Krimi, für alle die nicht andauernd blutige Action brauchen und gerne Schwedenkrimis lesen.

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