Hatz von Jørgen Gunnerud

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2007 unter dem Titel Høstjakt , deutsche Ausgabe erstmals 2009 bei Rotbuch.
Ort & Zeit der Handlung: Norwegen / Lundby, 1990 - 2009.

  • Oslo: Kolon, 2007 unter dem Titel Høstjakt . 264 Seiten.
  • Berlin: Rotbuch, 2009. Übersetzt von Andreas Brunstermann & Gabriele Haefs. ISBN: 978-3867890632. 283 Seiten.

'Hatz' ist erschienen als Hardcover

In Kürze:

Norwegen, Lundby, tiefste Provinz. Zwei Kriminalkommissare, Knut Moen und sein alter Freund Asbjørn Gihle, wollen in ihrem Urlaub Elche jagen, als ein Kollege sie in ihrer einsamen Hütte aufsucht: Seine Cousine wurde an ihrem Arbeitsplatz, einem Wohnheim für auffällig gewordene Jugendliche, brutal ermordet. Einer der jungen Bewohner gesteht, die Nachtwache Anne Sørli aus Rache erstochen zu haben. Die beiden Kommissare finden in einem nahe gelegenen Haus die mutmaßliche Tatwaffe – und einen weiteren Toten. Als klar wird, dass die Tote schwanger war, geraten die Ermittler in einen Strudel, der nicht nur Bewohner wie Angestellte des Heims mit sich zu reißen droht, sondern zugleich die gesamte Bevölkerung des kleinen Ortes. Nun nimmt eine ganz andere Jagd ihren Anfang, in einer Umgebung, in der vermeintlich jeder jeden kennt.

Das meint Krimi-Couch.de: »Der gepflegte Kriminalroman« 65°

Krimi-Rezension von Wolfgang Franßen

Dieser Krimi hat etwas von einem Gespräch mit einem Sozialarbeiter. Seine Analysen sind treffend, seine Ratschläge aufdringlich und trotzdem fühlt man sich anschließend so, als hätte er nicht wirklich Leidenschaft dafür aufgebracht, weil sich auf seinem Schreibtisch hunderte weitere Fälle stapeln. Erstaunlich unaufgeregt kommt der Norwegische Krimi des Jahres 2007 daher. Wer das allmähliche Herantasten an die Lösung eines Falles mag, das ausgefeilte Gespräch mit Zeugen wie Verdächtigen und sich nicht an Biographien stößt, die wie frisch aus der Akte bezogen beschrieben werden, ist bei Jorgen Gunnerud gut aufgehoben.

Elche sind schützenswerte Tiere, vielleicht geschieht deswegen gleich zu Anfang ein Mord. Ausgerechnet an der Cousine eines Hauptkommissars in Lundby, da wo alle irgendwie miteinander verwandt oder bekannt sind. Sie hat als Nachtwache in einem Wohnheim für auffällig gewordene Jugendliche gearbeitet. Gut, dass es einen Jugendlichen gibt, der die Tat zugibt und der Fall schnell abgeschlossen werden könnte, um zur Elchjagd zurückzukehren. Wäre da nicht noch ein weiterer Toter, eine Schwangerschaft und würde der Verdächtige sich nicht durch Flucht der Bestrafung entziehen.

So sehen die Abgründe des Sonntagskrimis im ZDF aus, bei denen sich reihenweise die Ermittler ablösen, die einmal kauzig, einmal mit überdurchschnittlich Intelligenz versehen, beinah seherische Fähigkeiten entwickeln oder geschieden, in einer Krise, vollkommen überfordert sind. Was ist nun mit Knut Moen und Asbjorn Gihle? Sie gehen seltsam unaufgeregt ihrer Arbeit nach. Selten hat der Begriff Ermittler so treffend die Ausübung eines Berufes beschrieben. Bei James Ellroy in L.A. säßen sie wahrscheinlich im Archiv ihren Ruhestand aus, damit sie auf der Straße nicht erschossen würden. Kein Wunder, dass es in ihrer Obhut wenig bedarf, um sich als Verdächtiger der Anklage zu entziehen, indem man einfach aus der Tür läuft.

Das Geständnis ist die Königin der Beweise

Hatz gibt sich provinziell. In seinem siebten Roman taucht der ehemalige Lehrer Jørgen Gunnerud in ein Gebiet ein, dass er bestens kennt: Die Erziehung – und hofft , dass er mit gutem Willen womöglich Berge versetzen kann. Doch die Berge sitzen nicht auf Rollen, deren Halterung man nur zu lösen braucht, um sie von einer Stelle zur anderen zu bewegen. Die Hysterie, die Hatz, die Jagd kommt schleppend in Gang. Wer sich durch all die langatmigen Gespräche schließlich zum Finale durchgekämpft hat, denkt an den Buchumschlag, auf dem mit Eifersucht, Missgunst, und Hass geworben wird. Dazu ist vor allem Aufregung, Unruhe notwendig, die der Leser beim Autor und seinen Figuren schmerzlich vermisst.

Gunnerud hat einen Whodunnit geschrieben, dem die verregnete Atmosphäre eines Wallanders fehlt. Seine Charaktere sind blasser. Wenn es unter der Oberfläche brodelt, dann ahnt der Leser nur. Die Reise durch die Verhöre und mühsame Sammlung von Indizien, Anhaltspunkten und Verdachtsmomenten ist geprägt von Untertreibung. Überraschungen ergeben sich, brechen nicht wirklich herein.

Wer den ein oder anderen Fehler aufspüren oder über ein Missverständnis den Kopf schütteln will, das Spannungssteigerung empfindet, mag dem langsam Erzählfluss folgen. Allerdings versprüht der Fall den verlässlichen Charme eines deutschen Derrick. In dessen Fälle durfte man auch auf sozialkritische Momente und menschliches Versagen hoffen. Er füllte verlässlich wie ein Uhrwerk freitagabends seinen Programmplatz aus. So wie Hatz ein Kriminalroman für jene ist, die sich nicht an ausgeweideten Leichen und kranken Hirnen erfreuen.

Vielmehr wir der Fall im Milieu straffälliger Jugendlicher auf kleiner Flamme geköchelt, bis Jørgen Gunnerud der Meinung ist, es sei an der Zeit, das Gericht zu servieren. Morde müssen nun mal aufgeklärt werden.

Wolfgang Franßen, Mai 2009

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Jörg Borkowsky zu »Jørgen Gunnerud: Hatz« 08.08.2009
Wir haben die Gastlesung auf der Leipziger Buchmesse gehört. Spannend und düster, wie man es als Freund skandinavischer Literatur mag.
Überhaupt ist die LBM (das Nordische Forum) der ideale Ort, um skandinavische Literatur kennen zu lernen.

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