Unterholz von Jörg Maurer

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2013 bei Scherz.
Ort & Zeit der Handlung: Deutschland / Bayern, 2010 - heute.
Folge 5 der Kommissar-Jennerwein-Serie.

  • Frankfurt am Main: Scherz, 2013. ISBN: 978-3651000421. 320 Seiten.
  • [Hörbuch] Berlin: Argon, 2013. Gesprochen von Jörg Maurer. ISBN: 3839812208. 6 CDs.

'Unterholz' ist erschienen als Hardcover Hörbuch

In Kürze:

Auf der Wolzmüller-Alm oberhalb des idyllischen alpenländischen Kurorts wird eine Frauenleiche gefunden. Jennerweins Bemühungen, etwas über die »Tote ohne Gesicht« zu erfahren, laufen ins Leere. Niemand im Ort will etwas über geheime Treffen auf der Alm gewusst haben, und der Bürgermeister bangt nur um seine Bollywood-Kontakte. Endlich verrät das Bestatterehepaar a.D. Grasegger dem Kommissar, dass es sich bei der Toten um die »Äbtissin« handeln soll, eine branchenberühmte Auftragskillerin. Wer hat es geschafft, sie umzubringen? Da geschieht ein weiterer Almenmord, ein mysteriöser Maler gerät ins Fadenkreuz, und Jennerwein pirscht mit seiner Truppe durchs Unterholz.

Das meint Krimi-Couch.de: »Killer, Problemlöser und Knöcherlputzer« 75°

Krimi-Rezension von Andreas Kurth

Die nach ihrem früheren Eigentümer benannte Wolzmüller-Alm ist schwer einsehbar, und deshalb ein idealer Ort für Seminare und Tagungen, deren Teilnehmer wenig Wert auf Publicity legen. Diesen Grundsatz beherzigt auch der Pächter Rainer Ganshagel. Er ist bestrebt, seinen Gästen bei hoher Diskretion einen perfekten Service zu bieten. Dieses Geschäftsprinzip sieht er in Gefahr, als bei einem Seminar, dessen Teilnehmer ganz besonders Wert auf Verschwiegenheit legen, eine Teilnehmerin tot unter einem Baum auf der Alm gefunden wird. Ein Fall für die rührigen Polizisten aus dem Kurort. Hubertus Jennerwein und sein Team rücken aus – und treffen keinen der Gäste mehr an. Die sind überstürzt abgereist, aber das ist nicht das einzige Rätsel, dem sich Jennerwein und seine Truppe gegenüber sehen. Bis zur Lösung des Falles im dynamischen Finale gibt es noch etliche weitere Fragezeichen – und es bleibt auch nicht bei einer Leiche.

Jörg Maurer zeigt sich bei seinem neuen Roman in Bestform. Er bietet dem Leser wie gewohnt keinen »trockenen« Kriminalroman, aber eine Kriminalkomödie würde ich das auch nicht nennen. Vielmehr gelingt es dem Autor, mit seiner Kriminalgeschichte ordentlich Spannung aufzubauen, ohne das humoristische Element zu vernachlässigen. Daneben bietet Maurer wieder einmal durchaus Lokalkolorit vom feinsten, ohne den Kurort jemals namentlich zu benennen. Dabei ist klar, dass Jennerwein und sein zuweilen folkloristisch anmutendes Team ihren Dienstsitz in Garmisch-Partenkirchen haben. Maurer profitiert beim Schreiben von seiner hervorragenden Kenntnis der Verhältnisse im Werdenfelser Land, und er versteht es bestens, den Leser damit zu unterhalten. Was bei anderen regional geprägten Krimis zuweilen auf die Nerven geht, gehört bei Maurer wie selbstverständlich dazu. Das ist zu einem gehörigen Teil seiner Erzählkunst zu verdanken. Nebenbei bemerkt: Wer die von ihm selbst gelesenen Hörbuchversionen seiner Romane noch nicht kennt, sollte sich das unbedingt mal gönnen. Ein köstliches Vergnügen.

Ein Klasse für sich sind bei Maurer stets die handelnden Personen. So in diesem Fall der Wirt der Wolzmüller-Alm. Der »Ganshagel Rainer« – im alpenländischen wird der Nachname zuerst genannt – hat mit Hilfe des Bürgermeisters ein völlig neues Konzept des innovativen Tourismus aufgezogen. So genannte »Manager-Seminare« sollen ihm mit Besuchern aus der ganzen Welt ordentlich Geld in die Kasse spülen. Der Leichenfund treibt ihn deshalb in die Verzweiflung, und er holt sich Hilfe, die das Problem eher zu verschlimmern droht. Ganshagel ist dem Mörder jedoch vor der Tat begegnet, was ihn dann nicht nur das Geschäft, sondern sogar das Leben verlieren lässt.

Eine »Hauptperson« der besonderen Sorte präsentiert der Autor in Form der kleinen Tierchen, die in wenigen Stunden an der Leiche ganze Arbeit geleistet haben. »Knöcherlputzer« heißen sie im Volksmund ebenso treffend wie drastisch. Als »rothalsige Silphe« sind die kleinen Käfer den Zoologen bekannt, und im Werdenfelser Land kommen sie eigentlich nicht vor. Und so liegt es nahe, dass die »Knöcherlputzer« bei den weiteren Ermittlungen noch eine wichtige Rolle spielen.

Neben dem sympathischen und rührigen Polizeiteam tauchen auch andere alte Bekannte wieder auf. Der Hallodri Swoboda aus Österreich, der »Problemlöser«, ist ebenso mit von der Partie, wie Padrone Spalanzani als Stichwortgeber im fernen Italien. Und die alten und neuen Protagonisten hangeln sich durch eine Handlung, die zuweilen kräftig abseits des Realitätssinns vorangetrieben wird. Maurer bevorzugt dabei eine Abfolge von durchaus für sich stehenden Szenen, verliert nach meiner Meinung den roten Faden aber nicht aus den Augen. Da ist es auch kein Problem, dass er gerne Exkurse einbaut, wie etwa über den Wolzmüller Michl, der nur vermeintlich ein Depp ist, oder über das wandernde Mediziner-Pärchen und den im sächsischen Idiom vorgetragenen Erguss über einen Borreliose-Patienten.

Der bereits fünfte Alpenkrimi von Jörg Maurer zeigt den Autor in Höchstform. Er versteht es, seine Leser in der bewährten Art zu unterhalten, und mit seiner durchaus verworrenen Geschichte, die jedoch wirklich lesenswert erzählt wird, unterscheidet er sich wohltuend von vielen seiner Kollegen, die genau das versuchen, zuweilen aber in Ansätzen stecken bleiben. Nun mag man einwenden, dass viele seiner Seitenhiebe – so etwa auf den etablierten Kulturbetrieb – an der Oberfläche bleiben. Aber nach meiner Meinung nimmt das den vielen geistreichen Bemerkungen nicht ihre Würze. Der Kurort und das Jennerwein-Team bieten jedenfalls noch reichlich Potenzial für überaus unterhaltsamen und spannenden Lesestoff.

Andreas Kurth, April 2013

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uknig zu »Jörg Maurer: Unterholz« 17.10.2017
Mein erster Versuch mit Jörg Maurer. Ein wenig klischeehaft ist der Alpen-Krimi, aber das mindert den Unterhaltungswert kaum. Auch wenn manche Charaktere etwas oberflächlich bleiben, hat die Geschichte um die Profi-Killerin mit dem schönen Namen Äbtissin ihre Reize. Spannend ist es, manche Wendungen sind Klasse. Das Werk macht zudem neugierig auf andere Maurer-Krimi um Kommissar Hubertus Jennerwein.
kritikaster zu »Jörg Maurer: Unterholz« 19.10.2015
na ja, unterhaltsam ja, aber sonst.
mördertreffen auf der alm, tapfere polizisten, die mit gipsarm und gebrochenen rippen und ohne krankschreibung weitermachen, notfals auch einen helikopter fliegen, irgendwie ist es unterhaltung für preißn, so stellen sie sich bayern und seine bewohner vor.
kein klischee wird ausgelassen. am meisten stört mich, dass berufskillern sympathische züge attestiert werden,
ois neeed so schlimm, leid.
is hoid a beruf, wia a jeda andre aaa...
k.nom zu »Jörg Maurer: Unterholz« 10.02.2015
der maurer ist ein verfluchter hund. die art und weise, die spannungsschraube durch abschweifungen ständig höher zu schrauben, können einen, der sich das werk als hörbuch aneignet, zur verzweiflung bringen. schon der cliffhanger zum anfang hätte mich als lesender dazu gebracht, sofort nach hinten zu blättern. auch die schilderung der manchmal schon ans idiotische grenzenden fehlleistungen der kriminalisten ist sowas von ausgeschmiert, dass einem sich die fussnägel hoch rollen. also ein hörvergnügen vom feinsten.
Silsmaria2004 zu »Jörg Maurer: Unterholz« 24.04.2014
Dieser Krimi ist für mich der Beste von den fünf Bänden, die ich bisher gelesen habe- von der ersten bis zur letzten Seite, sogar bei den Danksagungen, Spannung, Humor und gute Unterhaltung!

In jedem der ersten fünf Kapiteln bekommen wir als Leser einen einzelnen Faden in die Hand gedrückt, die in den folgenden Kapiteln miteinander verknüpft, verknotet und wieder entwirrt werden. Es beginnt mit Hubertus Jennerwein, den wir in einer besorgniserregenden Situation antreffen- gut, dass ich bereits den 6. Band in der Buchhandlung gesehen habe!
Wie sieht jemand aus, der einen Auftragskiller braucht und wie findet derjenige ihn.
Wir begleiten zwei wandernde Ärzte, lernen die Alm hoch über dem "bekannten Kurort mit Bindestrich" kennen, seinen Wirt und der nie weiss, wer seine Seminarteilnehmer sind, die er beherbergt und alle anderen unten im Tal wissen es angeblich auch nicht.
Wir lernen die Teilnehmer des aktuellen Seminars kennen, man ahnt, da tagt nicht die örtliche Freiwillige Feuerwehr.
Dann gibt es noch einen durch Zeckenbiss Erkrankten, der nichts mehr zu verlieren hat und einen Maler, der schweigsam und spröde daher kommt, aber auf seine Weise wirklich genial ist.
Mit dabei sind auch wieder unsere Lieblingskriminellen: Karl Swoboda und das Bestatterehepaar Grasegger auf Bewährung.

Das Ermittlungsteam läuft zu Hochform auf, besonders Jennerwein, einmal richtig wütend geworden, kann ihn keine Verletzung, kein Schmerz aufhalten, die Beste aller Auftragskiller dieser Welt hinter Gitter zu bringen, was ihm sogar den Respekt eines Mafiaboss`einträgt " so einen könnten wir bei uns brauchen.".

Besonders gefallen haben mir kleine Details-

...die Tatwaffe kommt zu Wort, stolz und allwissend,
...jedes Kapitel hat einen Bezug zum Titel, also Wissenswertes, Bezüge oder Zitate zum Thema Unterholz
...Expertise einer Kunstkritikerin versus Schulaufsatz zu demselben Kunstwerk
...scheinbares Ende des Krimis durch. ach , die anderen Sachen müsst ihr selbst entdecken.
Dirk zu »Jörg Maurer: Unterholz« 01.11.2013
Wieder absolut wunderbar.
Krimikost vom Feinsten.
Toll dass der Herr Maurer sein kabarettistisches Anliegen so süffissant mit einfließen läßt. Die Personen sind sehr authentisch beschrieben.
Selten wurde beim Lesen wieder so laut gelacht .
Über j. Maurers Recherche bei den Roman bin ich immer wieder voll entzückt.
Weiter so , freu mich schon auf Teil 6
sabine zu »Jörg Maurer: Unterholz« 17.05.2013
Ich habe die CD gehört, gelesen vom Autor, und es war, wie immer, ein großer Spaß! Es ist toll, was Herr Maurer alles mit seiner Stimme machen kann - man sieht die Figuren direkt vor sich, mit all ihren Eigenarten, Marotten und Überraschungen.
Auch in diesem Krimi sind neben einigen schon bekannten und liebgewonnen Kriminellen wieder ein paar neue Personen zu bestaunen, eine interessanter als die andere, und das Ganze ist, ebenfalls wie immer, schön verzwickt versponnen.
Ich hoffe sehr, dass der Autor uns noch mit vielen weiteren Krimis erfreuen wird!
2 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Gabriele Griessner zu »Jörg Maurer: Unterholz« 07.04.2013
Ein tolles Buch, das man kaum aus der Hand legen kann, wenn man einmal mit der Lektüre begonnen hat! Auch wenn mich als gebürtige Österreicherin die "Seitenhiebe" auf diese Spezeis ncht immer amüseren. Das gehört wahrscheinlich zum bayrischen Selbstverständnis. Davon abgesehen: ein klug durchdachter plot - wahrscheinlich trotzdem in seinen Feinheiten erst während des Schreibens vollständig entwickelt - die Story selbst facettenreich und voller Humor (siehe die Schilderungen aus der Perspektive des Tatwerkzeugs!) und voller geistreicher und - komisch "geistloser", das Wortspiel genießender - Anspielunge geschrieben. Danke für den Lesegenuss, denn die literarische Welt ist zwar reich an Krimis, aber arm an Nievau.
3 von 3 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
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