Hochsaison von Jörg Maurer

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

. ISBN-10: 3-596-18653-6, ISBN-13: 978-3-596-18653-2.

'Hochsaison' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Sterben, wo andere Urlaub machen.
Beim Neujahrsspringen in einem alpenländischen Kurort stürzt ein Skispringer schwer und das, wo Olympia-Funktionäre zur Vergabe zukünftiger Winterspiele zuschauen. Wurde der Springer etwa beschossen? Kommissar Jennerwein ermittelt bei Schützenvereinen und Olympia-Konkurrenten. Als ausgerechnet in einem Gipfelbuch per Bekennerbrief weitere Anschläge angedroht werden, kocht die Empörung im Ort hoch: Jennerwein muss den Täter fassen, sonst ist die Hochsaison in Gefahr.

Das meint Krimi-Couch.de: »Auf der Alm, da gibt’s koa Sünd – außer in der Hochsaison. Und die ist immer...« 86°Treffer

Krimi-Rezension von Jochen König

Eigentlich ein glücklicher Tag für den dänischen Skispringer Åge Sørensen. Als einziger Teilnehmer seines Landes hat er es geschafft beim jährlichen Neujahrsspringen des »Kurortes« (Garmisch-Partenkirchen, ick hör dir trappsen) dabei zu sein. Zunächt läuft alles wunderbar, er schafft den perfekten Absprung, fliegt sauber, bis ihn etwas aus der Flugbahn wirft, er ins Trudeln gerät und schließlich vor den Augen der versammelten Prominenz und sonstigen Zuschauer abstürzt. Schwer verletzt überlebt er zwar zunächst, doch im Krankenhaus hat man wenig Hoffnung. Und so steht Åge die ganze Hochsaison mit einem Bein in Valhalla.

Derweil hat der Leibwächter Jusuf in der VIP-Lounge alle Hände voll zu tun, Scheich Kalim al-Hasid vor einem Anschlag zu bewahren. Er verletzt einen Attentäter, der jedoch nahezu unbemerkt entkommen kann. Erst später stellt sich heraus, Ziel des Anschlages war gar nicht der Scheich, sondern IOC Präsident Jacques Rogge, der von all dem Trubel nichts bekommen hat.

Als die ersten Vermutungen laut werden, dass der Sturz des Dänen mittels Gewehrschuss gezielt herbeigeführt wurde, stürzt sich das Team um Hauptkommissar Hubertus Jennerwein auf die kaum vorhandenen Spuren.
Und steht bald vor der Frage, ob der Neujahrsanschlag mit den Bekennerschreiben des »Marder« genannten Alpenanarchisten zu tun hat, der mit kleinen, gemeinen Anschlägen das Leben im so beschaulichen wir skurrilen »Kurort« massiv durcheinander wirbelt.
Oder sollte es etwa verschiedene Urheber des alpenländischen Chaos mit anschließendem Mord und Totschlag geben?

Jörg Maurer macht von Anfang an keinen Hehl daraus, wer hinter den tödlichen Anschlägen steckt. Das Killerpärchen Shan und Wong, das durch die Bedrohung des IOC Präsidenten erreichen will, dass die Olympischen Winterspiele 2018 nach »Chayoang« kommen, wo man für die Sicherheit der Offiziellen garantieren kann, im Gegensatz zu bayrischen Kurorten.

Doch Interesse an diesen Spielen haben auch andere, wie Scheich Kalim al-Hasid, der bereits dabei ist, die größte Sprungschanze der Welt zu bauen – in Dubai. Pläne für Schneefall sind ebenfalls in der Mache.

 Man könnte seitenweise Absurditäten, Skurrilitäten und kleine ironische Schmankerl aufzählen, die Jörg Maurer in seinem zweiten Kriminalroman auffährt. Von der »Barack-Obama-Semmel« in der Bäckerei Krusti (ähnlich erfindungsreiche Kreationen folgen quer durch’s Buch) über das »Highway-To-Hell« auf der Zither spielenden Unikum »Fischer Beppi« bis hin zu der gymnasialen Arbeitsgruppe, die im Geiste und gemeinschaftlicher Arbeit Verbrechen plant und perfektioniert. Und den ultimativen Plan in der Tasche hat, wie man ein Fußballspiel einfach gewinnen muss!

Doch das würde zu sehr den Blick auf’s Anekdotische fokussieren und davon ablenken, dass Hochsaison nicht nur urkomsich, sondern auch ein spannender und klug durchkonstruierter Kriminalroman ist, der seine Geschichte(n) nicht an die Albernheit verrät. Die Ermittler um Hubertus Jennerwein bekommen individuelles Profil, und arbeiten ernsthaft und weitgehend kompetent an den mysteriösen Fällen um den »Marder«, der mehr für Aufregung, als für Schrecken sorgt, und das tödliche Duo Shan und Wong. Das ergänzt wird um den österreichischen »Problemlöser« Karl Swoboda, nachdem der ursprüngliche Dritte im Bunde, der virtuose Killer Xun Yü unsanft das Zeitliche segnete.

 Maurer zieht die Polizeiarbeit nicht ins Lächerliche, er macht aus seinen Protagonisten keine Slapstick-Hampelmänner, was ein leichtes wäre. Stattdessen zieht er Witz und Charme aus genauer Beobachtung und Überspitzung des Alltäglichen. Seine Auslassungen zur Event-Kultur, die ihre Fans und Bemüßigte ohne Rücksicht auf Verluste in die Hölle der eigenen Absurdität schickt; wo einem schon mal Winnetou als Ludwig der II. begegnen kann, bevor eine Lawine ins Tal rauscht.

Ebenso amüsant ist Maurers Spiel mit literarischen und filmischen Topoi. Der Marder weiß genau Bescheid um seine medialen Vorbilder, und spielt mit den Mechanismen, die ihm Fantomas (obwohl hier Verwandlungskünstler Karl Swoboda noch näher ist), James Bond oder Hannibal Lecter vorgeführt haben. Wie fast jedem von uns. Jörg Maurer kennt sich aus zwischen CSI und Chinatown, dessen Untiefen sich auch im Kurort finden lassen. Dass die »Großkopferten« natürlich auch ihr Fett weg bekommen, versteht sich von selbst. Im Großen wie im Kleinen, getrieben von Sensations- und Profitgier offenbart sich ein ganz normaler Irrsinn, der sich in seinen harmlosen Varianten sogar einer gewissen Gelassenheit und toleranten Wohlwollens erfreut.

So funktioniert Hochsaison sowohl als satirischer Krisengipfel wie spannender Thriller, der eine Menge Reiz aus der alpinen Landschaft bezieht, in der er spielt, aber nirgendwo in sprachlicher wie inhaltlicher Provinzialität versumpft. Eine Fülle von Ideen, Gags, kleinen Episoden und Betrachtungen am Rande, die Jörg Maurer nie zur zusammenhanglosen Nummernrevue ausarten lässt. Seine Witze sind gut, die Toten (fast) echt, und dass er sich nicht einmal scheut, Sympathieträger über den Jordan, bzw. die Alpspitze zu schicken, wenn es die Handlung erfordert, zeugt vom Respekt, den er dem Genre entgegenbringt.

 Und wenn es am Ende in Dubai schneit, wird es kaum jemand geben, den das verwundert. In der Hochsaison ist halt alles möglich.

Jochen König, März 2010

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anyways zu »Jörg Maurer: Hochsaison« 10.08.2010
Im Loisachtal verunglückte der dänische Skispringer Age Sorensen beim Neujahrsspringen. Dieser Unfall entpuppt sich als feiger Anschlag, und schon rückt Jennerweins Team samt Spusi an ,denn dieser Ort kämpft um den Olympiazuschlag 2018. Auf der Suche nach Täter, Motiv und Indizien kommen die Kriminalisten aber nicht weiter, keine Waffe oder Kugel , kein Tatmotiv oder Verdächtiger lässt sich ermitteln. Ernüchternd ziehen sie wieder ab. Erst als im Frühjahr ein Bekennerschreiben durch Zufall entdeckt wird, fangen die Ermittlungen von vorne an. Nun bekommt Jennerwein es mit der Urbevölkerung, Dorfpolizisten, Gymnasiasten mit einer Vorliebe für Serientäter und merkwürdigen Koreanern zu tun.


Ein urkomischer Krimi. Maurer versteht es ausgezeichnet seine Leser zu unterhalten.
Er zeichnet die bayrische Landschaft, deren Bewohnern und ihre Eigentümlichkeiten humorvoll und treffend, flicht lustige Anekdoten der nordischen Göttergestalten gekonnt ein, um am Ende in einem furiosen Finale zu enden. Es ist halt Hochsaison.

Ich habe selten bei einem Krimi soviel gelacht.
koepper zu »Jörg Maurer: Hochsaison« 20.05.2010
Mit seiner Absicht einen orginellen Krimi zu schreiben hat sich Maurer gründlich vertan. Heraus gekommen ist ein abstruses, wirres Werk, das mich sehr enttäuscht hat. Die Geschichte ist einfach zu verworren und unübersichtlich und enthält auch einige Passagen, die einfach unlogisch sind. Schade, denn Maurer hat gute Einfälle, zwischendurch ist das Buch sehr humorvoll und hat sehr witzige Passagen. Das macht allerdíngs die Schwächen des Buches nicht wett. Nachdem mit Föhnlage noch ganz gut gefallen hat, kann ich Maurers zweites Werk nicht empfehlen.
Lady X zu »Jörg Maurer: Hochsaison« 16.05.2010
Mir gefällt der Stil Maurers noch besser als der seiner "alpinen" Mitstreiter in Sachen skurril-/humorvoller Krimi, wie Haas oder Steinfest. Die Fülle von Ideen machen das Lesen zu einer rasanten Abfahrt.

Klar, dass ich mich nach Ende der Hochsaison auch noch in die (in)stabile Föhnlage bringen werde!
Verena zu »Jörg Maurer: Hochsaison« 07.04.2010
Beim Neujahrsspringen stürzt der Skispringer Åge Sørensen schwer. Und das ausgerechnet, als Olympia-Funktionäre zuschauen. Wurde der Springer etwa beschossen? Kommissar Jennerwein muss jedoch nicht nur dieses Verbrechen aufklären, nein, eine ganze Reihe von Zwischenfällen erschüttert die kleine Stadt...

Das Buch beginnt mit einem Brief vom zukünftigen Täter an den Kommissar, wo er schreibt, dass er eine Tat begehen werde, er wisse aber noch nicht welche, und wobei er sich scheinbar immer wieder über den Kommissar lustig macht.

Dann ist ein Sprung zum Neujahrsspringen in Österreich. Zuerst wird vom dänischen Schispringer Åge Sørensen berichtet, der es das erste Mal ins Finale geschafft hat. Dann aber schockiert sein schrecklicher Sturz die Zuschauer.
Dazwischen werden einige, teils etwas skurille, Geschehnisse der Geschichte des Schispringens erzählt, was das Ganze etwas auflockert. Unterbrochen wird die Geschichte immer wieder von zahlreichen weiteren Briefen vom Täter an den Kommissar.
Die Geschichte wird aus der Sicht mehrerer Personen erzählt, was das Buch meiner Meinung nach sehr vielfältig macht.
Das Buch wird sehr spannend erzählt und auch die Lachmuskeln werden gut trainiert! =))

Ich kann dieses Buch wirklich mit guten Gewissen an alle Leseratten weiter empfehlen!
1 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Sandra zu »Jörg Maurer: Hochsaison« 06.04.2010
„Der Berg ruft …!“

Im schönen Bayrischen Land geschieht beim Neujahrsspringen vor den Augen der Masse der alljährlich anwesenden Skisprung-Fans und der Haute Couture des Sportes sowie des prominenten öffentlichen Lebens ein „Unfall“: Der Skispringer Ake Sorensen kommt kurz nach dem Absprung ins Trudeln und stürzt schwer. Schwer verletzt wird er ins Krankenhaus gebracht – seine Überlebenschancen sind sehr gering. Die Skisprung-Elite und die Bewohner der austragenden Gemeinde sind entsetzt. Schließlich sollen doch die olympischen Spiele 2018 hier ausgetragen werden … Doch handelt es sich bei dem Sturz wirklich um einen unglücklichen Unfall oder sind hier fremde Finger im Spiel? Kommissar Jennerwein wird mit der Klärung beauftragt. Schnell kommt man zu dem Schluss, dass Sorensen rein gar nicht aus eigenem Unvermögen gestürzt ist, sondern dass auf ihn geschossen worden ist und er somit das Gleichgewicht verlor. Und dessen nicht genug kommt es im Verlauf der nächsten Tage und Wochen sogar zu noch mehr Anschlägen, die die Truppe um Jennerwein vor allerhand Rätsel stellt. Was bezweckt der Attentäter und stammen die Anschläge aus ein und derselben Hand? Es sieht danach aus, da der mutmaßliche Täter Briefe an Jennerwein schreibt und seine Taten ankündigt. Allerdings gibt es da noch die 2 bzw. zunächst 3 mysteriösen Gestalten mit asiatischem Aussehen: Wong und Shan. Denn der Anschlag auf der Ski-Schanze geht auf deren Konto. Sie haben einen Auftrag: Die olympischen Winterspiele sollen in Choyang stattfinden – koste es was es wolle … Na, das kann ja heiter werden … Kommissar Hubertus Jennerwein und seine Kollegen von der Ortspolizei stehen vor einiger äußerst kniffligen Aufgabe.


Mensch, dieses Buch ist mal wirklich als herzerfrischend zu bezeichnen. Zunächst war ich ja etwas skeptisch aufgrund der vielen bayrischen Ausdrücke und typischen Namen. Jedoch kam ich dann im Verlaufe des Buches gar nicht mehr aus dem Schmunzeln heraus. Der Schreibstil ist super witzig und doch ist immer für Spannung gesorgt und ein doch ernst zunehmender Handlungsstrang deutlich geworden. Man fühlt sich mitten in der Geschichte zwischen urtypischen Gestalten und bösen asiatischen Meuchelmördern. Ganz toll. Ich vergebe volle Punktzahl und werde mir auf jeden Fall den 1. Fall von Jennerwein zu Gemüte führen müssen.
0 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
tassieteufel zu »Jörg Maurer: Hochsaison« 03.04.2010
Im namentlich nicht erwähnten bayrischen Kurort geschieht beim Neujahrspringen ein tragischer Unfall, ein Skispringer verunglückt beim Sprung schwer, oder wurde der Sportler etwa beschossen? Kommissar Jennerwein und sein altbewährtes Team beginnen zu ermitteln und kommen zunächst nicht sonderlich gut voran, bis in einem Gipfelbuch per Bekennerbrief weitere Anschläge angekündigt werden.
Wie schon der Vorgänger ist das Buch in einem locker humorigen Stil geschrieben, meine liebste Wortkreation war ja "barock-fleischiger Bajuware" und auch so mußte ich recht häufig schmunzeln. Die agierenden Personen kann man unter schräg bis skuril einordnen, das bereitet
doch viel Freude. Der Plot hat mich allerdings weniger überzeugt, denn der wird nach dem ersten Drittel zunehmend verworren und unübersichtlich, denn obwohl von Anfang an klar ist, wer hinter dem Anschlag auf den Skispringer steckt und warum der verübt wurde, bleibt völlig
unklar, was es mit den anderen Anschlägen auf sich hat, als Leser behält man da genauso wenig den Überblick wie Kommissar Jennerwein u. so fällt das Ende auch entsprechend dürftig aus, der Fall wird eigentlich nur teilweise und per Zufall vom Kommissar gelöst.

Fazit: der amüsante Schreibstil und die schrägen Figuren bieten einen hohen Unterhaltungswert, schmunzeln kann man hier recht häufig, im Gegensatz zum Vorgänger war mir der Plot zu verworren, aber das ist sicher Geschmackssache. 75°
Bettina Schnerr zu »Jörg Maurer: Hochsaison« 26.03.2010
Wer wissen will, warum das Cover genau so lustig ist, wie es ist, muss bis fast zum Ende lesen, um die Erklärung zu finden. Es sei vorausgeschickt, dass das Durchhalten absolut kein Problem ist. Diese überdrehte Parodie kann man gar nicht aus der Hand legen; überdreht ist sie mehr als genug, aber so charmant und witzig, dass alles zusammen passt.

Doch von Anfang an: Kommissar Jennerwein wird zur Olympiaschanze gerufen. Während des Neujahrsspringens stürzt ein dänischer Springer mitten im Sprung regelrecht ab und kurz nach der Tat behauptet ein passionierter Jäger, dass er nach Zeitlupenanalyse des Sprungs sicher sei: Der Däne ist beschossen worden. Die Polizei geht dem Hinweis leider ergebnislos nach; statt einer Lösung bekommen sie es zunächst mit einem ominösen Bekennerschreiben zu tun, der dann von einem Anschlag auf eine Gruppe von Adventure-wütigen Managern getoppt wird. Jennerwein, die örtliche Polizei und eine handverlesene Truppe von Profilern und Spurenspezialisten jagen einen Täter, der sich ausgiebig über sie lustig zu machen scheint.

Was zu Beginn ganz harmlos anfängt, entpuppt sich schnell als ausgelassene Krimiparodie, die -ganz authentischer Alpenkrimi- in jedem Kapitel von der Coverkuh geziert wird. Nichts, was Jörg Maurer am Genre heilig ist und nichts, was nicht im Kakao landet. Da zeitgenössische Ermittler von ihrern Schöpfern stets mit einem Defekt irgendeiner Art versehen werden (ob nun leerer Kühlschrank oder zerrüttete Familie etc), bekommt Jennerwein freilich auch was ab, damit er nicht so alleine dasteht. Maurer greift in die Vollen und es scheint ein Wunder, dass Jennerwein noch ermitteln kann. Spurenspezialist Becker fährt ein Equipment auf, das selbst die Kollegen vom Fernsehen, namentlich die ganzen CSI-Teams, vor Neid erblassen lassen würde. Becker verfügt über einen Dummy, der sogar Skispringen kann. Wie außerordentlich nützlich!
Die regionalen Adventure-Touren protzen mit ungeheuer aufregenden Events: Winterbesteigungen in historischen Gewändern, Canyoning mit Steinzeitausrüstung - und je sinnfreier, desto bedeutender fallen sie natürlich für die Beurteilung von Teamfähigkeit, Kreativität, Durchsetzungskraft etc pp usw für die teilnehmenden Manger und angehenden Führungskräfte aus. Als Sahnehäubchen gibt Pierre Brice den Kini. Wenn das kein wahres Incentive ist!

Diese sprudelnde Phantasie zieht sich durch das gesamte Buch. Vom Motiv für die Untaten bis zur Besetzung der "Neben"rollen in Form von Promis und Superpromis, die die Events bevölkern. Selbst die Bayern müssen sich ein bisschen ärgern lassen, aber nicht zu sehr und auch mit liebevollem Augenzwinkern, damit Maurer seine Wohnung in Bayern behalten darf.
Susanne1410 zu »Jörg Maurer: Hochsaison« 22.03.2010
Ich habe mit großer Ungeduld auf den zweiten Krimi von Jörg Maurer gewartet. "Föhnlage" war ein unglaublicher Lichtblick am etwas verdüsterten Lokalkolorit-Krimi-Himmel. Auch "Hochsaison" hob hervorragend ab, fast so gut wie der unglückselige Skispringer der ersten Kapitel. Dann jedoch - und hier stimme ich mit Ailis völlig überein - werden es der Handlungsstränge zu viele und die Protagonisten scheinen zunehmends an den Haaren herbeigezogen.Insgesamt habe ich "Hochsaison" genossen und dabei oft schallend gelacht, Jörg Maurer verpackt viele kleine und große Weisheiten mit unglaublichem Witz in seine Texte. Aber für den nächsten Maurer-Krimi (der hoffentlich folgen wird!!!) würde ich mir etwas weniger internationale Verwicklungen wünschen. Mit einem mehr oder weniger bayrisch-österreichischen Ensemble wäre ich ganz zufrieden.
Marius zu »Jörg Maurer: Hochsaison« 13.03.2010
Alpenglühen - Volume 2

Nachdem „Föhnlage“, der Erstling des Musikkabarettisten Jörg Maurer, eines meiner persönlichen Highlights des Jahres 2009 war, habe ich natürlich mit Freude und Spannung das neue Werk des Garmisch-Partenkircheners erwartet und gelesen!
Auch diesmal sind wir wieder zu Gast im namenlosen „Kurort“, der nichts anderes als die Heimatstadt des Autoren sein kann. Das altbekannte Team um den unauffälligen Kommissar Hubertus Jennerwein hat diesmal einen besonderes kniffligen Fall vor sich, den es zu lösen gilt: Beim Neujahrsspringen wurde der einzige dänische Skispringer im Feld beschossen und stürzte in der Folge und verletzte sich lebensgefährlich. Nachdem man anfangs gar nicht von einem Mordanschlag ausgehen will, wird eine Ermittlung zwingend erforderlich, als sich der als „Marder“ titulierte Kopf sich in einem Gipfelbuch zu Wort meldet und weitere Anschläge ankündigt, die in der Folge auch nicht ausbleiben …
Doch nicht nur mit dem Marder muss sich das Ermittlungsteam herumschlagen, denn auch ein chinesisches Dreierkommando hat sich im Kurort einquartiert, um dort ein ranghohes Mitglied der Sportfunktionärsriege notfalls mit Gewalt davon zu überzeugen, die olympischen Spiele 2018 doch in China abzuhalten. Während Anschläge auf den Ort die ganze Aufmerksamkeit des Kommissars erfordern, machen die Chinesen derweil Sache mit dem aus dem Vorgängerband bekannten österreichischen Problemlösers Karl Swoboda.
Die Charaktere sind gleich (sympathisch) geblieben, die aus dem Vorgängerband bekannten Rituale (rauchfreie Raucherpause, etc.) wurden wieder übernommen und Maurer zaubert einige Running Gags aus dem Hut, wenn es beispielsweise im lokalen Szenetreff der Bäckerei „Krusti“ jeden Tag neue Semmelkreationen à la die „Barack-Obama-Semmel“ oder das „Sex and the Village-Laiberl“ gibt. Diese nebenbei eingeflochtenen Gags erhöhen den Spaß der Lektüre ungemein und Maurer zeigt sich als wahrer Meister der Sprache, indem er jede Sprachebene ausführlich bedient und er Vergleiche wie folgende findet: „Gegen uns ist jedes Grab wie ein Twitterblog!“
Der Plot ist diesmal deutlich komplizierter als in „Föhnlage“ und somit bringt das Buch auch ein paar mehr Seiten mit. Leider schafft es Jörg Maurer nicht ganz an die Atmosphäre des Vorgängers heran und beschränkt die Handlung nicht auf zwei, sondern drei Stränge, was die Geschichte etwas unübersichtlicher macht eingedenk der vielen Protagonisten. Doch alle Kapitel, die stilecht mit Kuh-Konterfei eingeleitet werden, sind angenehm kurz und machen so aus der Geschichte, die mancher beim Anblick der Front als schlichten Regionalkrimi abtun könnte, einen gut funktionierenden Krimi mit Thrillerelementen, der vorzüglich zu unterhalten weiß!
Fazit: Ein sprachlich ungemein lebendiger, parodierender aber immer noch als spannender Krimi, den man beim Anblick des Covers so nicht unbedingt erwarten dürfte!
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Ailis zu »Jörg Maurer: Hochsaison« 09.03.2010
Ja, das ist er nun, mein erster Alpenkrimi. Leider hielt die Freude nicht lange an und den ersten guten Eindruck aus der Leseprobe muss ich revidieren.
Es fällt schwer, dieses Buch inhaltlich zusammenzufassen, da geht zu viel durcheinander, es gibt zu viele Handlungsstränge, die nebeneinander herlaufen und am Ende nur recht holprig zusammenfinden.
Es beginnt mit einem Attentat auf den dänischen Skispringer Age Sorensen, das nicht aufgeklärt werden kann. Drei Monate nach dieser Tat erreicht die Polizei ein anonymes Bekennerschreiben, in dem der Täter noch weitere Vergehen ankündigt. Kommissar Jennerwein und seine Leute machen sich nun auf die Suche nach diesem Mann, nebenbei wuseln aber noch zwei undurchsichtige Asiaten durch die Alpenwelt, samt Problemlöser der Mafia, der ihnen mehr oder weniger hilfreich zur Seite steht. Ebenfalls Teil des Alpenpanoramas sind Führungskräfte, die in den unsinnigsten Kostümierungen Teil eines Management-Events sind und nicht zu vergessen die gesammelte Prominenz, die rund um den Kurort natürlich auch nicht fehlen darf.
Klingt wirr? So habe ich mich während der Lektüre auch gefühlt. Mir war klar, dass mich mit "Hochsaison" ein untypischer, weil eher humoriger Krimi erwartet, aber insgesamt empfand ich das Ganze dann doch als zu klamaukig und zu überzogen. An einigen Stellen gab es für mich auch logische Lücken, doch damit würde ich dem jetzt noch optimistisch und lesewillig gestimmten Leser zu viel verraten. Das alles hätte man noch verzeihen können, wenn die Spannung einen abgelenkt hätte, nur leider war mir schon sehr früh klar, wer der Schreiber dieser ominösen Bekennerbriefe ist.
Doch ich will nicht nur klagen, es gab auch schöne Passagen, denn Jörg Maurer besitzt einen wunderbaren Sprachwitz, in dessen Genuss man während der Lektüre wirklich oft kommen durfte.
Ihr Kommentar zu Hochsaison

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