Föhnlage von Jörg Maurer

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2009 bei Fischer Taschenbuch Verlag.
Folge 1 der Kommissar-Jennerwein-Serie.

  • Frankfurt am Main: Fischer Taschenbuch Verlag, 2009. ISBN: 978-3-596-18237-4. 336 Seiten.
  • [Hörbuch] Berlin: Argon, 2009. Gesprochen von Jörg Maurer. ISBN: 3866109725. 4 CDs.

'Föhnlage' ist erschienen als TaschenbuchHörbuch

In Kürze:

Bei einem Konzert in einem idyllischen bayerischen Alpen-Kurort stürzt ein Mann von der Decke ins Publikum tot. Und der Zuhörer, auf den er fiel, auch. Kommissar Jennerwein nimmt die Ermittlungen auf: War es ein Unfall, Selbstmord, Mord? Er schlägt sich mit widersprüchlichen Zeugenaussagen herum, die Einheimischen spekulieren genussvoll bei Föhn und Bier. Was hatte der Gestürzte oben auf dem Dachboden zu suchen? Und warum ist der hoch angesehene Bestattungsunternehmer Ignaz Grasegger auf einmal so nervös? Derweil muss Jennerwein einen verdächtigen Trachtler durch den ganzen Ort jagen und stößt unverhofft auf eine heiße Spur …

Das meint Krimi-Couch.de: »Selten so gelacht!« 70°

Krimi-Rezension von Jörg Kijanski

Bei einem Konzert der skandalträchtigen Klavierspielerin Pe Feyninger stürzt ein Mann von der Decke und ist tot. Übrigens genauso tot wie der Besucher, auf den er fällt. Doch obwohl rund vierhundert Personen im Saal anwesend sind, will niemand den Sturz bemerkt haben. Schlimmer noch: Es gibt für Polizeihauptkommissar Hubertus Jennerwein und seine Mannschaft kaum verwertbare Spuren, denn im Publikum saßen fast ausnahmslos Mediziner, die nach dem Vorfall alle helfen wollten. So wundert es kaum, dass jemand in der Blutlache ausrutscht, um sich kurz darauf beim Aufstehen an jener Sitzlehne abzustützen, die zu dem Stuhl des Opfers gehörte. Auch so können Spuren verwischt werden.

Währenddessen gehen die Bestattungsunternehmer Ursula und Ignaz Grasegger einem lukrativen Nebenerwerb nach, in dem sie Leichen unauffällig verschwinden lassen. Kurz vor der Beerdigung eines Verstorbenen fügen sie dem Sarg, der automatisch in das Grab herabgelassen wird, eine zweite Leiche hinzu. Bevorzugt aus Italien, wo sich die dortige Mafia des Öfteren unliebsamer Personen entledigt. Aber auch die Öffnung nach Osteuropa lässt blühende Geschäfte erwarten.

Jennerwein und sein Team ermitteln auf Hochtouren, jedoch scheint irgendwie allen Beteiligten der Föhn zu schaffen zu machen.

Wenn ein Kabarettist einen Krimi schreibt

Föhnlage ist der Debütroman des preisgekrönten Musikkabarettisten Jörg Maurer. Mehr müsste man an dieser Stelle eigentlich gar nicht schreiben, denn wenn ein Kabarettist einen Krimi schreibt... – genau, dann geht das in erster Linie auf Kosten der Lachmuskulatur. Der Krimiplot selber ist ordentlich strukturiert, aber natürlich alles andere als ernst zu nehmen und so ist oftmals nicht Kommissar Jennerwein, sondern Kommissar Zufall der Retter in der Not. Wenig verwunderlich also, dass Jennerwein bislang noch jeden seiner Fälle lösen konnte.

»Morgen habe ich eine Matinee, eine Vormittagsvorstellung...«
»Ich weiß, was eine Matinee ist. Die Hälfte aller bayrischen Polizisten hat Abitur. Ich bin einer davon.«

Dabei steht Jennerwein mit beiden Beinen fest im Leben, auch wenn er unter einer merkwürdigen Krankheit, der Bewegungsblindheit, leidet. Er ist immer gerade heraus, bloß kein Fachchinesisch.

»Von dort oben kann man herunter springen.«
»Das kann von einem Balkon immer.«
»Ich meine, man kann so herunter springen, dass man da landet, wo das Opfer aufgefunden wurde.«
»Jetzt sind wir doch wieder bei der Flugparabel angekommen. Ypsilon im Quadrat ist gleich zwei p mal x ...«
»Hören Sie auf, Becker! Das tut mir weh! Sie behindern die Ermittlungen!«

Fast auf jeder Seite bestimmen skurrile Situationen, schreiend-komische Dialoge das Geschehen. So bereits zu Beginn als sich zahllose Ärzte um die beiden Verletzten (Toten) kümmern wollen und mit dem Ruf »Lassen Sie mich durch, ich bin Arzt« ein heilloses Chaos anrichten. Auch nett, wenn Jenningers Team, eine rauchfreie Raucherpause einlegt.

Die Handlung spielt in einem nicht namentlich genannten Kurort im Alpenvorland, auf dessen Namen sich jedoch zahlreiche Hinweise finden. Sollte es jemand wider Erwarten dennoch nicht mitbekommen, so sei ein Hinweis auf den Geburtsort des Autors erlaubt:

»Wir befinden uns hier in einem halbwegs luxuriösen Fremdenverkehrsort.
Es ist nicht gerade St. Moritz oder Kitzbühel, aber auch nicht Hinterpfuideifl.«

Wer gerne mal bei einem äußerst kurzweiligen Krimi ablachen will, greift hier bedenkenlos zu. Einige wenige bayerische Vokabeln könnten zwar unverständlich bleiben, aber sei es drum. Selten war ein Krimi so vergnüglich.

»Ja, ich rieche ein Gewaltdelikt. Ich weiß bloß noch nicht, woher der Geruch kommt.«
»Ewig können Sie diesen Schnupperkurs nicht fortsetzen, Jennerwein.«

Jörg Kijanski, Mai 2009

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trafik zu »Jörg Maurer: Föhnlage« 27.07.2017
Föhnlage war mein erstes Buch das ich von Jörg Maurer gelesen habe.
Als Krimi ist er wirklich nicht der allerbeste. Dafür gibt es sehr viele Lachmomente und dies ist auch öfters sehr wichtig. Vorallem, wenn man wie ich im Jahr ungefähr 80 Krimis und Thriller liest. Lustig schreiben das kann er wirklich gut der Maurer.
Vorallem ist er nicht extrem lächerlich wie manch andere Krimischreiber. Es ist total im Rahmen.
Werde sicherlich noch weitere Krimis von Jörg Maurer lesen.
Waltraud Riesterer zu »Jörg Maurer: Föhnlage« 25.06.2016
Ich habe "Föhnlage" während einer Kur in Badenweiler, also einem ähnlichen Ambiente wie im Buch, sehr amüsiert verschlungen. Dabei bin ich über die " Endlichwitwenfrisur" gestolpert. Wie sieht diese aus? Gibt es auch eine " Leiderschonwitwenfrisur? Ich möchte ja keine falschen Signale aussenden. ähnlich wie die Schleife am Dirndl...
Über eine aufklärende Antwort würde ich mich sehr freuen.
Mit freundlichen Grüßen
Waltraud Riesterer
Astro Eva zu »Jörg Maurer: Föhnlage« 05.05.2016
Das war mein erster Jörg Maurer als Hörbuch und ich war so überrascht von dem Chaos und der tollen Art mit verschiedenen Stimmen vorzulesen. Er ist ja Schauspieler. Dieser Krimi spielt im.Theater, deshalb fand ich besonders gut.
Habe alle Maurer Krimis gehört nur der vorletzte hat mir überhaupt nicht gefallen. (Der Tod greift nicht daneben.)
Auch Oberwasser war weniger gut. Doch passable.
angela Wollner zu »Jörg Maurer: Föhnlage« 25.01.2015
hervorragend wie ALLE Romane um Jennerwein.Dank der graseggers kommt auch die Kulinarik nicht zu kurz.Das beschriebene Bestattungsritual könntedoch vor allem in grossstädten übernommen werden, da platzsparend
ob das Buch auch in Garmisch-Partenkirchen gut an kommt ...hoffentlich erwischt es den tapferen Wildschütz nicht einmal selbst.Wäre sehr schade um einen der besten alpenommissare.
DS zu »Jörg Maurer: Föhnlage« 08.12.2014
Hervorragend gelungene kurzweilige Lektüre! Der tiefsinnige (typisch bayrische?) Humor wird sogar von mir als Nordlicht immer verstanden. Die Charaktere mit ihren Stärken und Schwächen und landestypischen Eigenarten (Werdenfelser, Allgäuer, Westfälin) sind gut dargestellt. Das Buch ist für jeden sehr zu empfehlen der die Kombination aus Spannung und Humor liebt.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
raipa zu »Jörg Maurer: Föhnlage« 15.07.2014
Ob das Buch nun witzig ist oder nicht, darüber lässt sich streiten. Aber wer in aller Welt hat nun Liebscher gestossen? Ich habe die letzten 200 Seiten über auf den grossen Unbekannten gewartet, aber wer von den üblichen Verdächtigen war es denn nun? Ich hoffe, dass mir da jemand weiterhelfen kann :)
Fred Maurer zu »Jörg Maurer: Föhnlage« 07.03.2014
Die Dokumentation "Ein Tag im Leben des Jörg Maurer" und die Besprechung seines (verfilmten) Romans "Föhnlage" hat meine 'kriminalistische' Neugierde geweckt.
So werde ich mir nachher in unserer Buchhandlung seinen neusten Roman "Felsenfest" mal anschauen - und möglicherweise einen neuen Lieblingskrimiautor entdecken.
Silsmaria2004 zu »Jörg Maurer: Föhnlage« 25.10.2013
Ich schliesse mich meinen positiven Vorrednern an. Man muss eben auch einfach auch diese Art von Krimis mögen - Couchmitglied Magellan nannte diese Art mal an anderer Stelle "Wohlfühlkrimis", einfach die Füsse hochlegen, auf der Couch lümmeln und gemütlich schmökern und nen heissen (Jager)Tee dazu. ich freu mich jedes Mal, wenn ein Neuer mit dem bewegungsblinden Jennerwein und seinen Kollegen und der Kollegin erscheint,und nicht zu vergessen, das Bestatterehepaar, das dem ganzen noch zusätzliche Würze verleiht. Ich fühle mich immer wieder auf fröhliche und geistreiche Art unterhalten.
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Sophia zu »Jörg Maurer: Föhnlage« 25.10.2013
Die Bücher von Jörg Maurer sind spannend, interessant und der schwarze Humor gibt dem Ganzen den nötigen Kick. Ich habe bisher alle Alpenkrimis von Jörg Maurer gelesen und muss sagen, dass ich jedesmal begeistert war. Es dauert mir jedoch jetzt auch wieder zu lange, bis das nächste Buch von ihm raus ist. Kann es kaum abwarten!
Marvin Stokes zu »Jörg Maurer: Föhnlage« 10.08.2013
„Föhnlage“ ist nicht brillant. Dazu macht das Buch zu viele Fehler, die eigentlich Krimi-basics sein sollten. [Hier kommt der Agatha Christie-Fan in mir hervor. :) ]
Man sollte nicht 50% aller Hinweise als unwichtig aufdecken. Man sollte den Mörder nicht durch Zufall entlarven (Jennerwein und sein Team sind oft dabei, ganz viel Nichts herauszufinden.)
Und so unglaublich lustig ist das Buch auch nicht. Es fährt nur nicht auf der Betroffenheitsschiene mit, auf der so ziemlich jeder andere Krimi heute dahingurkt. Das Buch ist stellenweise amüsant, aber mehr auch nicht.
Dennoch ist dieses Buch besser als der magere Durchschnitt, den man heute sonst so bekommt (nicht wahr, Andreas Franz!?). Die Wahrheit am Ende hat mich nämlich überrascht [was auch mit der "Menge" der Hinweise zusammenhängen könnte.]
Kurzum: Es bei weitem nicht das beste Buch, dass ich jemals gelesen habe, aber auch bei weitem nicht das Schlechteste. Es ist ganz nett. Wer unbedint einen Alpenkrimi will, der kann es sich ruhig kaufen.

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