TrailerPark von Jörg Juretzka

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2015 bei Rotbuch.
Ort & Zeit der Handlung: Portugal, 2010 - heute.
Folge 12 der Kristof-Kryszinski-Serie.

  • Berlin: Rotbuch, 2015. 224 Seiten.

'TrailerPark' ist erschienen als

In Kürze:

Es war wirklich keine gute Idee gewesen, die Mafia von Marseille zu beklauen, muss Ex-Privatdetektiv und Ex-Kneipier Kristof Kryszinski einsehen. Seit dem Coup hält er sich, getarnt als lettischer Werftarbeiter, im portugiesischen Surferstädtchen Jerusalé versteckt. Doch mit dem Nahen des Winters und der Riesenwellen spürt er, dass seine Fassade bröckelt, seine Zeit abläuft. Schon bald muss er eine Entscheidung treffen: flüchten oder sich seinen Verfolgern stellen. Flieht er, wird er zum Gehetzten, bleibt er, bringt er sich und alle um ihn herum in Lebensgefahr. Die beste Lösung scheint da, er wäre tot …Elf Fälle hat Kristof Kryszinski seit 1998 er- und überlebt, und auch Fall 12 hält wieder alles bereit, wofür seine Leser Jörg Juretzka lieben: eine abgefahrene Story, zwielichtige Charaktere sowie perfekt getimte und messerscharfe Dialoge. TrailerPark setzt noch einen drauf und geht wie könnte es anders sein voll und ohne Rückfahrschein auf die Zwölf!

Das meint Krimi-Couch.de: »Ein Flüchtling unter Flüchtlingen« 83°

Krimi-Rezension von Lars Schafft

Wer Jörg Juretzka und seinen Privatdetektiv Kristof Kryszinski aus Mülheim an der Ruhr nicht kennt, an dem ist nun wirklich etwas vorbeigegangen. Das Rénomme eines Friedrich Ani hat er leider nicht, aber dennoch muss man konstatieren, dass Juretzka seit über einer Dekade zu den besten deutschen Krimi-Schriftstellern zählt. Manche finden, er hat den »Ruhrpott-Marlowe« erfunden, doch tatsächlich erfindet er mit seinem Protagonisten Kristof Kryszinski sich selbst als auch seine Plots immer wieder neu. Eindrucksvoll belegt in seinem zwölften Fall TrailerPark.

Der Roman setzt nahtlos an den Vorgänger TaxiBar an und in vielen Rückblenden erzählt Juretzka, wie Kryszinski aus diesem Schlamassel herausgekommen ist: nachts am Strand hier die französischen Flics, da die Bosse von der Marseiller Mafia und im Gepäck Drogen im Wert einer sechsstelligen Summe. Krüschel, wie ihn seine Freunde nennen, gelingt die Flucht und findet in einer Art Campingplatz an der portugiesischen Küste ein neues Zuhause als lettischer Werftarbeiter. Doch dauernd schwant ihm Böses, gar zu doof kann die Mafia aus Marseille nicht sein. Und so ist er ständig weit weg von seinem Zuhause im Ruhrpott und ständig auf der Flucht.

Dass ausgerechnet sein alter Kumpel Scuzzi – Freunde der Reihe werden ihn kennen und lieben – auf Kryszinskis Spur kommt, macht bekannterweise die Sache nicht besser. Urplötzlich ist es vorbei mit dem unkomfortablen, aber letztendlich behaglichen Leben im TrailerPark und wie immer findet Kristof sich zurück in einer großen Katastrophe, die von allen Seiten auf ihn hereinbricht.

Jörg Juretzka zeigt mal wieder, dass er nicht an Ruhrpott-Klischees hängt, und groteske, komische und action-geladene Krimis schreiben kann, die nicht zwingend an einem Ort verwurzelt sein müssen. Seinen Drang zum Mittelmeer hat er bereits in diversen Vorgängerbänden zu Tage befördert. Was man dabei nicht unterschlagen darf – und das hat sich auch in den elf anderen Fällen gezeigt -: Juretzka schreibt keinen platten Slapstick.

Na klar, vieles ist hanebüchen, übertrieben und schräg, aber zwischen den Zeilen findet man auch die Flüchtlingsproblematik Europas, Korruption, und die Heimatlosigkeit. Nicht umsonst spielt der Roman in Portugal und nicht im Ruhrgebiet. Nicht fehlen darf im Sinne der Ernsthaftigkeit eine unterschwellige Traurig- und auch Auswegslosigkeit. Manches deutet sich als wenn schon nicht gut, dann doch als immerhin besser an. Aber das werden Seifenblasen bleiben. Der Begriff »Tragikomödie« trifft selten so zu wie bei Juretzkas jüngsten Werken.

Mit jedem neuen Roman wird klarer: Jörg Juretzka ist leider immer noch unterschätzt, aber er bleibt sich treu und wird mit jedem Roman besser und besser. Lesen!

Lars Schafft, September 2015

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Janko zu »Jörg Juretzka: TrailerPark« 17.01.2017
JÖRG JURETZKA - Trailerpark
(Rotbuch Verlag)

Draufgängerischer, brutaler und härter denn je...

„TrailerPark“, der zwölfte Teil von Jörg Juretzkas „Kristof Kryszinski Reihe“, knüpft nahtlos an, wo „TaxiBar“ aufgehört hat. Trotzdem kann der, am 07.07.2015 erschienene, bislang heftigste und brutalste Kryszinski Thriller, wie bereits die vorherigen elf Bände, als Standalone betrachtet und gelesen werden. Es ist allerdings, wie bei jeder anderen Reihe auch, natürlich nicht verkehrt, gewisse Vorkenntnisse mitzubringen. Juretzkas „Kristof Kryszinski Krimi/Thriller“ sind die erste Reihe, die ich komplett gelesen habe und es bleibt zu hoffen, dass sich alsbald ein Regisseur finden möge, der den Mut zur audiovisuellen Umsetzung dieser genialen, schwarzhumorigen Privatdetektiv Serie aufbringt.

Nachdem sich Kristof mit südfranzösischen Drogenhändlern und korrupten Bullen angelegt hat, steht er nun zwischen beiden Parteien in einer Patt- nein eher Mattsituation, in der er verzweifelt nach einem Ausweg sucht. Juretzka nutzt Kristofs Gedankenwelt wie eh und je für seine scharfzüngigen, auch schon mal politisch unkorrekten, schwarzhumorigen Metaphern. Die, bis ins Detail ausgeklügelten Sätze, spiegeln in ihrer Gesamtheit die Charakterzüge des, ehemals Drogen konsumierenden Privatdetektivs, Hausmeisters, Rockers, Sexgottes, Barkeepers oder was sich ihm auch immer aufdrängt wieder. Indes in einer Werft im fiktiven, portugiesischen Fischerörtchen und Surferparadies Jerusalé, in Tarnung eines lettischen Illegalen, mit dem wunderschönen Namen Nepomuk Blaumanis beschäftigt, ist Kristof untergetaucht, erzählt abwechselnd von seinem jetzigen Leben und auf welch perfide Weise er sich dem Zugriff der Mafia und der korrupten Polizeieinheit entzogen hat. Mit einer nicht unerheblichen, der Verfügungsgewalt der Mafia entzogenen Menge (Drogen-)Geld im Gepäck, hat sich Kristof - alias Nepomuk - in einer deprimierend heruntergekommenen Behausung im ortsansässigen TrailerPark "häuslich" niedergelassen. Eine reine Vorsichtsmaßnahme, um sich nicht unnötig verdächtig zu machen, sich gleichwohl aber auch nicht der Asozialität der Favelas hingeben zu müssen. Aber auch in dieser trügerischen „Idylle“ bahnt sich bald schon wieder Ärger an. Kristof Kryszinski, von Freunden liebevoll Krüschel genannt, hat nämliche diese besondere Gabe Probleme anzuziehen, wie die Scheiße Fliegen.

Jörg Juretzka hetzt seinen Protagonisten, der nichts, aber auch rein gar nichts auslässt oder je ausgelassen hat, dieses Mal nicht ganz so atemlos durch den Plot. Viel Zeit zum Verschnaufen lässt er Kri..., äh Nepomuk aber nicht. Auf gerade mal 223 Seiten entspinnt der Autor eine kleines, komplexes literarisches Kleinod, baut immer wieder klasse Ideen, sowie interessante und geschickte Wendungen in seine Geschichten ein, reizt in diesem speziellen Falle die Zufallsthematiken aber auch gerne aus. Da es sich aber fast immer um Kleinigkeiten handelt, kann man da getrost drüber hinwegsehen. Sein Erzählstil ist rasant, spannend und schonungslos, seine Schreibe in einem wahrlich kunstvollen, aber auch deftigen Stil. Die Juretzka Plots sind zwar mit, zumeist um die 250 Seiten eher kurz geraten, dafür schwafelt der, in Mühlheim an der Ruhr geborene Schriftsteller nicht lange um den heißen Brei herum, kommt immer direkt auf den Punkt und kreiert regelrecht komplexe Storyboards, nimmt dabei kaum mal ein Blatt vor den Mund und ist mit seinen Handlungssträngen zumeist recht nah am jeweiligen Zeitgeist.

Man trachtet Kri..., äh Nepomuk offensichtlich einmal mehr nach dem Leben, aber der gesellige Lebenskünstler hat Freunde auf dem TraileraPark. Freunde, die teils fragwürdigen Beschäftigungen nachgehen und zwielichtige Vergangenheiten aufzuweisen haben. Auch sein herzallerliebster Lieblingsfreund Scuzzi ist wieder mit von der Partie. Die Kryszinski Reihe ist vielleicht nicht jedermanns Sache, da hier recht offensiv mit Sprache umgegangen wird, dennoch halte ich gerade diese harte Tour de Force für äußerst durchdacht, bildgewaltig und sehr humorvoll arrangiert. Krüschel ist schon eine coole Socke. Entweder man liebt ihn oder man hasst ihn. Ich habe mich vor langer Zeit für ersteres entschieden!

Meine Wertung: 87/100

Link zur Buchseite des Verlags: https://www.rotbuch.de/buch/sku/36078/trailerpark.html

www.lackoflies.com
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