Platinblondes Dynamit von
Buchvorstellung und Rezension
Bibliographische Angaben
Originalausgabe erschienen 2012 bei Pendragon.
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Bielefeld: Pendragon, 2012.
ISBN:
978-3865323095. 256 Seiten.
'Platinblondes Dynamit' ist erschienen als
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In Kürze:
Folkmar Windells ohnehin nicht berauschende Karriere als Autor einer Schund-Krimireihe steht vor dem Aus. Seine Verlegerin will keine weiteren Geschichten um den raubeinigen Jack Knife, sondern fordert die Einführung einer weiblichen Hauptfigur. Windell ist fassungslos. Wie soll ausgerechnet er sich in eine Frau hineinversetzen? Provoziert versucht er es trotzdem. Heraus kommt Pussy Cat eine Art Jack Knife mit blonden Locken und Chanel-Kostüm. In seiner Not greift Windell zu einem wahrhaft teuflischen Computer-Hilfsprogramm. Kaum hat er es installiert, verschwindet Pussy Cat aus der schwarz-weißen Romanwelt des New York der 1940er Jahre und landet im realen Köln des 21. Jahrhunderts, Windells Heimatstadt. Dabei agiert sie wie der unfassbar bärbeißige Jack Knife und sieht exakt so aus wie ihr Schöpfer mit platinblonder Langhaarperücke. Konfrontiert mit immer neuen und immer wilderen Anschuldigungen bleibt Windell nur eins: Er muss Pussy Cat zurück in den Roman zwingen. Doch der wehrhaften Amazone gefällt es im Hier und Jetzt …Wird es unserem Helden gelingen, seine wild gewordene Romanfigur zu bändigen und die Büchse der Pandora wieder zu verschließen? Die Uhr tickt, und Kommissar Meckenheim lauert nur darauf, Windell hinter Gitter zu bringen …
Ich hatte ja schon einige Bücher aus dem Pendragon Verlag in Händen und da bekommt man den Eindruck, dass die Lektüre aus diesem Haus stets sehr kontrovers zu betrachten sind, weil sie garantiert nicht ins gängige Krimiklischee passen. Und das trifft zu hundert Prozent auch auf Jörg Juretzkas neuen literarischen Erguss »Platinblondes Dynamit« zu.
Wer die Kurzbeschreibung gelesen hat, der sieht in erster Linie eine unkonventionelle Idee, bei der sich Realsatire und Krimifiktion treffen, ineinander verflechten und das so lange und intensiv, dass der Leser zum Schluss nicht mehr weiß, ob die Figuren sich im Köln von heute oder in New York vor 70 Jahren tummeln. Und eigentlich ist es auch völlig egal, denn jede Figur aus dem Diesseits hat sein Pendant im Damals und allesamt sind so verschroben und skurril, dass man an einen schlechten Comic erinnert wird.
Und die ganze Geschichte erinnert in dieser Form an ein unausgegorenes Drehbuch, in dem massenhaft Schwachsinnige herum hüpfen, die sämtliche Negativklischees an sich haben und sie auch ausleben. Ein Wunder, dass sich wenigstens der Autor noch halbwegs im Wechsel der Figuren und Zeiten zurecht findet, aber so ganz sicher kann man sich dabei auch nicht sein.
Das ist Trash-Kultur in einer Art und Weise, bei der man sehr zwiegespalten zwischen absolutem Mist und grenzgenialem Literaturslapstick pendelt, und wäre da nicht die Fähigkeit von Herrn Juretzka, sich den unterschiedlichen Sprachmilieus zu widmen und mal mit grober Keule und dann wieder mit feiner Klinge Wortwitz einzustreuen, man müsste diesen Roman in hohem Bogen auf den Müllhaufen entsorgen. Aber es ist gerade der kleine, feine Unterschied, dass man dann trotz dieser grausamen Primitivszenarien doch wieder weiterliest, weil man zum Einen wissen will, wie dieser Schrott endet und sich zum Anderen doch wieder dabei ertappt, dass man hellauf lachen muss.
270 Seiten voller Personen, die es so gar nicht geben kann, so pöbelhaft und primitiv bevölkern sie Kneipen, Straßen, Ordinationen und Polizeireviere und doch wirken sie lebhaft und bekannt, wenn man schon mal in einer Kölner Kneipe neben ihnen am Tresen gestanden hat. Das Kölner Flair mit seiner Weltoffenheit und das 8. Kölner Grundgesetz »Wat soll dä Quatsch?« paaren sich in dieser Mixtur zweier (literarischen) Parallelwelten und man kann es nur verdammen oder lieben. Ein Mittelding ist dabei fast nicht möglich.
Hier treffen sich Loser von Bukowskischen Ausmaßen um die Welt schreiberisch zu revolutionieren und doch triften sie wieder ins Abseits, weil das Leben mit seinen Anforderungen und der erlebten Wirklichkeit nicht Schritt halten kann.
Aber was heißt das bei der Beurteilung dieses Buches und wie gespalten ist der Rezensent angesichts solcher Diskrepanzen zwischen Sinn und Unsinn?
Einerseits ist die Idee dieses Buches eine wirklich brauchbare Vorlage und passend zum Stilmix zwischen Skurrilität und Trash eine mit viel Wortwitz gepaarte Vorstellung einer Geschichte im Zeitwandel. Andrerseits ist sie stellenweise so (bewusst?) grottenschlecht und mit Vorurteilen gepflastert, dass man zum Wohle des Autors annehmen muss, dass diese Einstellung nicht seinem gewohnten Lebensimage entspricht. In »Platinblondes Dynamit« wurden Barbie-Puppen und Zinnsoldaten lebendig und diese Mischung kann beim Lesen Brechreiz erzeugen.
Ich kann diesen Krimi wirklich nicht empfehlen, aber nicht alle Leser sind so konservativ, wenn es um Krimis geht, und deshalb muss sich wohl jeder sein eigenes Bild davon machen. Für mich bleibt dieser Krimi deutlich im unteren Drittel der Wertungsmöglichkeiten.
Wolfgang Weninger, Mai 2012
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