Fallera von Jörg Juretzka

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2002 bei Rotbuch.
Ort & Zeit der Handlung: Schweiz, 1990 - 2009.
Folge 4 der Kristof-Kryszinski-Serie.

  • Hamburg: Rotbuch, 2002. ISBN: 3-434-54034-2. 225 Seiten.
  • Essen: Klartext, 2007. ISBN: 978-3898617970. 159 Seiten.
  • Berlin: Rotbuch, 2011. ISBN: 978-3867891349. 223 Seiten.

'Fallera' ist erschienen als HardcoverTaschenbuch

In Kürze:

Kristof Kryszinski im Frühtau? Zu Berge? Und auch noch als V-Mann für die Polizei? Undenkbar. Ja, es musste knüppeldick kommen, für den Ruhrpott-Detektiv, bis er so weit gesunken war, diesen Auftrag aufzunehmen. Und kaum unterwegs als Teil eines durch und durch seltsamen Resozialisierungs-Experiments, kommt es noch viel dicker …

Der Autor über sein Buch:

»Als ist mit der Arbeit an diesem Buch begann, war meine klare Intention, sämtliche Figuren bis auf den Protagonisten gewaltsam ums Leben kommen zu lassen. Ich sag das jetzt nicht gern, aber schon zur Hälfte des Buchs waren mir ein paar Figuren so ans Herz gewachsen, dass ich den Plan aufgeben musste.«

Das meint Krimi-Couch.de: »Herrlich abgefahren, völlig durchgedreht, wahnwitzig spannend« 78°

Krimi-Rezension von Lars Schafft

Im Frühtau zu Berge stiefelt ein gar seltsames Trüppchen, gegen das jeder Paradiesvogel farblos dasteht, durch die Schweiz: Schwerbehinderte, Schwerverbrecher, ein Bergführer, zwei Betreuer und ein V-Mann bei einem Resozialisierungs-Projekt. Der V-Mann ist Kristof Kryszinski, seines Zeichens erfolglosester Privatdetektiv aus Mülheim/Ruhr und seit ziemlich genau 13 Monaten – seit dem Motorrad-Unfall, der für seine Freundin Kim tödlich endete – auf einem Höllentripp aus Speed, »allen Drogen, die ich in die Hand bekam« und Schlafmitteln. So weit so schlecht für den körperlich wie psychisch angeschlagenen Kryszinski. Aber es ist ja einfaches verdientes Geld …

Von wegen einfach! Die Truppe bei diesem »Scheiß-Gekraxel« (Zitat Autor Jörg Juretzka) hat es in sich: Munter und in bester Harald-Schmidt-Manier lässt Juretzka seinen Protagonisten Witze über jede an der Berg-Tour beteiligte Randgruppe machen, dass die Schwarte nur so kracht. Egon mit dem Down-Syndrom und der sächselnde Ernesto Che (»Mensch Grüsdof«) sind da noch die harmloseren Opfer.

Ein actiongeladener Albtraum

Was also »recht« harmlos beginnt, wird erst für Kryszinski, dem nicht nur die Verpflegung (Rum) sondern auch die Schlafmittel genommen werden, sondern für die gesamte Gruppe zu einem actiongeladenen Albtraum. Erst stirbt Bergführer Toni (Steinschlag?), dann einer nach dem anderen (Lawine?). Mühselig führt »Pfeifenkopp« Siegismund – einer der Schwerverbrecher – und der betreuende Doktor die arg dezimierte Gruppe immer höher in die Schweizer Berge. Beleibe kein leichtes Unterfangen – mit Rollstuhlfahrerinnen über vereiste Berghänge.

Durch einen nicht sonderlich zufälligen Sturz findet sich Kryszinski isoliert von der Gruppe und plötzlich in der Berghöhle der Teilzeit-Aussteigerin Mona wieder. Und begreift, dass das gesamte Projekt ein abgekatertes Spiel ist. Es geht um mehr als um Rehabilitation und Resozialisierung – es geht um Gold, tonnenweise. Mitten in den Stollen (!) der Schweizer Alpen. Doch genau so schnell merkt der Ruhrpott-Marlowe, dass seine Kontrahenten über Leichen gehen. Und ihre nächsten Schritte sollen über seine sein …

Zweckverlagerung aus dem Ruhrgebiet

Jörg Juretzkas vierter Fall beweist, dass es sein Protagonist und damit seine Krimis mühelos vertragen, aus ihrer Umgebung – dem Ruhrgebiet – zweckverlagert zu werden. Es ist ein wahres Vergnügen, »Fallera« zu lesen. Jeder Satz birst vor bissigem Humor und Ruhrpott-Charme. Und die Story? Erstaunlich frisch! Goldgräberstimmung in der Schweiz, das Trauma des Protagonisten und dann diese Figuren! Die sind es nämlich, die »Fallera« besonders auszeichnen, die trotz aller bösen Witze äußerst liebevoll gezeichneten Charaktere, vom stotternden Aaaaa--lll--fff-rr-ee-dd über die zickige Frau Dr. Marx bis zu Kryszinski selbst. Alle. Ausnahmslos.

Möge Juretzka endlich entdeckt werden und möge er sein Publikum endlich finden. Verdient hat er es seit seinem ersten Roman »Prickel«, dem »Fallera« in nichts nachsteht: Herrlich abgefahren, völlig durchgedreht, wahnwitzig spannend – und verdammt gut!

Lars Schafft, Mai 2002

Ihre Meinung zu »Jörg Juretzka: Fallera«

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BenSchreck zu »Jörg Juretzka: Fallera« 31.01.2014
8-Stunden Lesesog - nehmt Euch besser frei, wenn Ihr das Ding in die Finger kriegt. Das ist kein Roman, kein Krimi - das ist: Geil. Einfach nur Geil. Sicher gibt es einige Schwachstellen, wenn man es nüchtern betrachtet - kann ich nachvollziehen - aber wenn man sich einmal drauf einläßt, ist es zu spät.

Im Abstand von 12 Jahren gelesen frage ich mich nur noch: hat er aus der Realität abgeschrieben oder sich da damals schon so ausgedacht? Die Wirklichkeit holt einen früher ein, als man es sich träumen ließe.

Dank an Juretzka und den Union Verlag!
JaneM. zu »Jörg Juretzka: Fallera« 17.10.2012
Ja, wie das so ist: liegt die Latte hoch, wird an Kleinkram rumgemäkelt. Ein Resozialisierungsprojekt mit Behinderten und Knackis, selbstgefällige Politiker, ein alleswissender Bergführer-Toni und eine Klugscheißer-Ärztin. Das gibt eine Menge her für politische Unkorrektheit und auf die Spitze getriebene Klischees (wer, wie ich in diesem Bereich arbeitet, fragt sich bisweiligen, wo hier die Satire ist...). Ja, es fügt sich am Ende alles etwas zu sehr passend zusammen, ist abgedreht und überzogen- aber deshalb lese ich Juretzka.
Lediglich beim Showdown in den Stollen war ich kurz davor, mir eine Lagezeichnung anzufertigen, um alles nachvollziehen zu können. Egal: herrlich!
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Herr Lazaro zu »Jörg Juretzka: Fallera« 30.07.2012
300 Zeichen, mindestens, soll man hier für eine Kommentar absondern, dabei reicht doch schon ein einziges Wort, das dazu noch für alle anderen Juretzkas gleich mit gilt:
LESEBEFEHL!
Jörg Juretzka schreibt wie kein anderer deutscher Gegenwartsautor spannend, temporeich, stilsicher und ungeheuer komisch und zwar in einer Weise komisch, die völlig natürlich und unverkrampft daherkommt. Einzig vielleicht Jakob Arjouni, der mit seinen Kayankaya-Romanen einen ähnlichen Drive entwickelt hat, ab da ist der letzte Roman ja auch schon wieder über 10 Jahre her. Insofern kann man dem kleinen Zürcher Uniosverlag gar nicht laut genug danken und in höchsten Tönen loben, dass er Jörg Juretzkas Krüschel-Romane wieder herausbringt!
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
el Tacco zu »Jörg Juretzka: Fallera« 17.08.2010
Kristof steckt bis zum Hals in der Scheiße. Jedoch ist er unschuldig, wie immer. Des weiteren ist er vollkommen auf Drogen und ist laut Skuzzi eine Gefahr für alle. Er bekommt eine Chance und soll mit einer Gruppe von Knastis und Behinderten einen Berg erklimmen.

Der erste Tote soll nicht lange auf sich warten lassen. Es ist ihr Bergführer. Und dieser soll nicht der letzte bleiben.

Zum Lesen empfohlen, da wahnsinnig spannend. Von mir erhält dieser Krimi 85°
Frank zu »Jörg Juretzka: Fallera« 16.10.2009
Nach einem persönlichen Schicksalsschlag befindet sich Kristof Kryszinski am Boden.
Er hat mit sich abgeschlossen, befindet sich quasi im Vorhof des (letzten) Deliriums.
Doch dann reicht ihm das Schicksal in Person seines alten "Freundes" Hauptkommisar Menden die Hand. Ein spektakuläres Projekt katapultiert K.K direkt aus seiner versifften Mülheimer Bude in die Berge. Dort sollen einige Schwerbehinderte mit der Hilfe von ebenso vielen Schwerverbrechern unter der Leitung dreier Offiziellen eine Bergtour unternehmen...und Kryszinski als V-Mann fungieren, damit es keine üblen Überraschungen gibt. Eine etwas zweifelhafte Wahl, weiß der geneigte Leser doch, dass es nun wohl auf alle Fälle anders kommt als gedacht.
Geplagt von drogenentzugsbedingten Halluzinationen stellt er sich dieser Aufgabe. Und bald liegt der erste Tote im Schnee. Und es geht rasant weiter, die Truppe wird in alter Slasherfilmtradition weiter dezimiert. Nun ist rasches Handeln - und ein klarer Kopf gefragt.
Insbesondere wie Juretzka die Charaktere der Behinderten mit der schnodderigen Ruhrpottschnauze seines Protagonisten beschreibt, macht einen Heidenspaß. Dabei wird er allerdings nie bösartig oder abwertend - und erkennt auch, dass Potential oft da schlummert, wo es eher weniger erwartet wird.
Der einzige "Schwachpunkt" der Story ist die Konstruktion des Falles an sich. Da kommen schon verdammt viele Zufälle zueinander, das wirkt dann streckenweise wie eine Verschwörungstheorie der absurderen Sorte. Allerdings wird der geneigte Kryszinski-Fan (so wie ich) wohl darüber hinwegsehen - wird man doch auch hier wieder bestens unterhalten.
Nicht ganz so stark wie die Vorgänger, aber solide 85% von mir.
2 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
SteveO zu »Jörg Juretzka: Fallera« 07.03.2006
Vor einigen Tagen habe ich ihn ausgelesen, ‚meinen’ vierten Kryszinski-Krimi.
Ganz seinem Alpen-Szenario entsprechend, hat auch er seine Höhen und Tiefen.

Weit, weit oben, erhaben über der Krimilandschaft, thronen Juretzkas Charaktere (allerdings mit Schattenseiten – siehe später) und sein gewohnt trockener Humor. Darauf ist der erfahrene Juretzka-Leser gefasst, und er wird nicht enttäuscht, im Gegenteil: Die Beschreibung des Schizo-Kryszinskis der ersten Kapitel setzt humoristische Maßstäbe. Angenehm finde ich auch das Auftauchen vertrauter Personen (Scuzzi, ‚ Kommissar Menden, der ‚schlingernde Horst’). Der Schreibstil lädt zum Durchlesen ein, auch darin steht ‚Fallera’ seinen Vorgängern nicht nach.

Die Talsohle – ja, auch die müssen wir in diesem Buch durchschreiten – lässt sich unmittelbar an die positive Kritik anknüpfen: So unvorbereitet, wie Kryszinski sein Bergabenteuer angeht, wird auch der Leser in den Kreis der Resozialisierungs-Expedition geworfen: Es sind einfach zu viele auf einem Haufen! Einige Bergwanderer werden nicht ausreichend eingeführt und können daher das Potential, das sie mit sich bringen, nicht vollständig entwickeln. Der ein oder andere Charakter hätte vielleicht mehr Rampenlicht verdient, vielleicht sogar eine Titelrolle (á la „Prickel“).
Das Finale empfinde ich – um im alpinen Jargon zu bleiben – als eine rasante Schlittenfahrt, die jedoch nicht wie erhofft im weichen Tiefschnee, sondern in der Kollision mit dem Yeti endet: Die Verknüpfung diverser Handlungsstränge erscheint mir – trotz Erklärungsversuchen des Autors - stellenweise derart an den Haaren herbeigezogen, dass sich die Kopfhaut löst.

Fazit: Meiner Meinung nach bekommt Kryszinski die Höhenluft nicht. Er bewegt sich in seiner gewohnten Umgebung sicherer, als in den Schweizer Alpen. Vielleicht hätte ich das Buch wohlwollender gelesen, wären mir seine drei Vorgänger – allesamt Geniestreiche im Genre des kuriosen Krimis – unbekannt. Ob er sich auf hoher See besser macht? Ich werde es in ‚Equinox’ erfahren.

Abschließen möchte ich mit einem Zitat von Rüdiger Nehberg:
„Viele Antworten auf meine Fragen habe
ich bei meinen Expeditionen gefunden.
Aber was Stadtmenschen auf Berggipfel treibt,
habe ich bis heute nicht verstanden!“
;-)
Pascal zu »Jörg Juretzka: Fallera« 18.08.2005
Nicht ganz so witzig wie die Vorgänger (aber immer noch genug Lacher), dafür viel mehr Krimi. Leider etwas mühsam zu lesen, da viele Personen auftreten, die nicht wirklich vorgestellt werden. Da diese von Kristof selbstverständlich noch alberne Spitznamen bekommen ist die Verwirrung teilweise perfekt. Auch der Wechsel zwischen wörtlicher und indirekter Rede ist nur durch die Gänsefüßchen zu erkennen und wurden von mir des öfteren überlesen.

Unter den herrlichen Charakteren ist mir vor allem Christine sehr ans Herz gewachsen. Ha!.

Trotzdem, oder gerade deshalb, ist auch dieses Abenteuer vom sympathischen Protagonisten wieder ein Volltreffer.

Für mich gehört die Kryszinski-Reihe zum besten Lesestoff.
Daniel zu »Jörg Juretzka: Fallera« 17.01.2004
Naja...
1) Juretzka ist sicherlich kein Ruhrpottchandler, sowie Kryszinski sicherlich kein Marlowe ist - weit davon entfernt einer zu sein!
2) Die Plot erscheint zuerst ganz witzig und auch Spannend, aber leider wird es ab der Hälfte immer "surrealer" (um es nett auszudrücken), becknackter (um es real auszudrücken)
3) Viele Schreiber versauen das Ende eines Romans; Juretzka ist leider keine Ausnahme. Zu Übertrieben, zu weit hergeholt!
4) CDU/CSU = Böse (naja.. Juretzka kommt aus dem Pott [ich aber auch]... sehr schwarz weiß!)
5) Verknüpfungen von Schicksalen, die gelinde gesagt, an den Haaren herbeigezogen sind.
Schade, wäre mehr drin gewesen!
kuerten zu »Jörg Juretzka: Fallera« 04.05.2003
Gute Lesbarkeit, erfrischende Sprache und ein außergewöhnlicher Humor sind wohl die Prädikate, mit denen dieses Buch zu versehen ist. Die Handlung an sich, dieses aberwitzige Resozialisierungsprojekt, läßt allerdings meine Nackenhaare kräuseln. Mehr als an den Haaren herbeigezogen.
Besonders bemerkenswert fand ich die Zitate, die jedem der 11 Kapitel voranstehen. Jeder einzelne Ausspruch aus prominentem Munde ist geeignet, die weitere Handlung treffend zu beschreiben. Besonders groß war meine Freude über die Quellenangabe, die der Autor auf der letzten Seite angegeben hat. :-)
Simone Rademacher zu »Jörg Juretzka: Fallera« 30.09.2002
Die Geschichte ist spannend und ungewöhnllich gut, aber am schönsten ist es den wunderbaren Figuren und Charakteren zu zuhören, die Jörg Juretzka in diesem Buch zum leben erweckt. Unbedingt lesen!

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