Equinox von Jörg Juretzka

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2003 bei Ullstein.
Ort & Zeit der Handlung: Polarmeer, 1990 - 2009.
Folge 5 der Kristof-Kryszinski-Serie.

  • München: Ullstein, 2003. ISBN: 3-548-25684-8. 287 Seiten.
  • Berlin: Ullstein, 2004. ISBN: 3-548-25929-4. 287 Seiten.

'Equinox' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Privatdetektiv Kristof Kryszinski muss schon auf der Flucht vor der albanischen Drogenmafia sein, um freiwillig den geliebten Ruhrpott zu verlassen und auf dem Luxusliner Equinox anzuheuern. Zwischen den Reichen und Schönen an Bord geben Kryszinski und sein Kumpel Jochen die Borddetektive, ein Job, der die beiden erst einmal so richtig in Feierlaune versetzt. Doch kurz nach dem Auslaufen ist Schluss mit lustig. Der Erste Steward wird enthauptet aufgefunden. Und er wird nicht die einzige Leiche an Bord der Equinox bleiben …

Leseprobe

Das meint Krimi-Couch.de: »Bitterböse, schreiend komisch, kultverdächtig. Mehr davon!« 90°Treffer

Krimi-Rezension von Lars Schafft

Krimi-Couch-Volltreffer Juni 2003

Ja, ja, eine Seefahrt, die ist lustig. Privatdetektiv Kristof Kryszinski aus Mülheim/Ruhr kann ein Liedchen davon singen. An Bord der »Equinox« ist jedoch sehr schnell Schluss mit lustig und aus dem vermeintlich lauen Job als 2. Borddetektiv wird schon nach kurzer Zeit auf hoher See bitterer Ernst: Steward Wassilij hat´s erwischt, beziehungsweise jemand hat ihn erwischt. Denn so richtig will Kryszinski die Selbstmordthese von Bordarzt Dr. Koethensieker nicht glauben. Ist nun auch wirklich nicht einleuchtend, dass sich der Steward selbst umgebracht hat, indem er sich mit einem Draht den Kopf im Maschinenraum abtrennte. Trotzdem gilt Ermittlungsverbot, Käptn Zouteboom will keinen Ärger auf der Kreuzfahrt gen Polarmeer, die betuchten Passagiere hätten nun mal für einen stressfreien Urlaub bezahlt und da käme ein so brutaler Mord – verständlich, verständlich – mehr als ungelegen.

Kryszinski und Kollege Jochen Fuchs halten allerdings nicht viel von den Befehlen des Kapitäns und erheben in einer Nacht-, Alkohol- und Nebelaktion still und geheim den Arm der Gerechtigkeit. Die Leiche müsse an Land obduziert werden, doch wie, wenn Zouteboom schon für den nächsten Tag das Seebegräbnis angesetzt hat? Not macht erfinderisch und so tauschen die beiden Borddetektive den Leichnahm gegen allerhand Utensilien aus der Kombüse und Jochens neue Turnschuhe aus. Den kopflosen Steward bringen sie in ihrer gemeinsamen Kabine unter. Und tatsächlich: Bei der Beerdigung nimmt die Crew Abschied von einem Sack Reis, etlichem Gemüse und eben Jochens Sporttretern.

Wie kühlt man eine Leiche bei 28°?

Ein Problem gelöst, türmen sich direkt wieder neue vor den beiden Detektiven auf. Bei einer Leiche soll es nicht bleiben, die erste werden sie wegen abgesagten Landgangs nicht los (dafür will sie gekühlt werden, aber wie bei 28° Kabinentemperatur?) und als wenn das noch nicht reichte, spielt das Abrechnungsverfahren der Kreditkarten »Ginza-Titanium« verrückt. Ein achtstelliger Dollarbetrag für ein paar Kippen erscheint nicht nur dem stinkreichen Ami Richard E. Scott etwas teuer …

»Dirty Jörg« Juretzka is back! Nach »Fallera«, für das er eine Glauser-Nominierung erhielt, legt der Mülheimer mit »Equinox« ordentlich nach. Wieder verfängt sich Kristof Kryszinski, bekokst, bekifft oder betrunken, in einen Fall weit entfernt seines Ruhrpotts. Und diese Kreuzfahrt mit der »Equinox« ist der reinste Spaß. Kein Satz ohne abstruser Situationskomik, die Dialoge sind herrlich, die schrägen Paradiesvögel an Bord tun ein Übriges.

Männerverschlingende Rentnerinnen auf Dope

Zwar keine Rede mehr von den »Stormfuckers«, Kryszinskis Motorradgang aus Mülheim, dafür mit Jochen Fuchs, einem bemühten, arg pflichtbewussten (wer bringt schon einen Monat vor Ablauf seinen Wagen zum TÜV?), jeglichen Drogen aber nicht weniger abgeneigten Berufspendant, eine neue, eigenständige Figur. Und Scuzzi, Kryszinskis langjähriger italienischer Wegbegleiter, Drogenlieferant und Joint-Junkie, ist auch wieder dabei. Diesmal als DJ(!), der seinen ermittelnden Freund mit Evergreens à la Stevie Wonder und Whitney Houston permanent zur Weißglut bringt. Einfach klasse: Alle Charaktere vom Protagonisten Kryszinski über den russischen Pianisten Fürst Fjodr Fjodorov Tsarinski bis hin zu den männerverschlingenden Rentnerinnen auf Dope und dem Chef der Schiff-Security Antonov (wegen seines Körperbaus das »rote Quadrat« genannt) sind ein schieres Vergnügen und alle – auf ihre eigene Art – schrecklich liebenswert.

Trotz allen Humors: »Equinox« ist mit Sicherheit kein Krimi-Klamauk. Juretzka hat auch einen astreinen Plot gezimmert, nie vorhersehbar, mit so mancher falschen Fährte, actiongeladen, temporeich. Was anfangs noch nach Blödelei mit kriminellem Touch aussehen mag, entpuppt sich als gut durchdachte Story mit im Sinne des Wortes bombigen Finale und zahllosen Pointen, jede davon ein ungeschützter Frontal-Angriff auf die Lachmuskeln.

Sprachlich frisch, aber am Rand der Schnodderigkeit

Juretzkas Sprache ist dabei jung und frisch, nie zurückhaltend, gelegentlich derbe, ironisch, manchmal am Rand der Schnodderigkeit und hebt sich damit wohltuend von der Geschwätzigkeit so mancher (Regio-)Krimis ab. Jedermanns Sache ist die Sprache sicherlich nicht, vor allem wenn Juretzka zum verbalen Rundumschlag ausholt:

Hollywoodlegende, Actrice und Diseuse Lilly Lovejoy hatte einen Atem wie eine frisch geöffnete Dose Katzenfutter. Die den ganzen Sommer im Auto gelegen hat. Auf der Hutablage. In einem schwarzen Wagen ohne Klimaanlage.

God didn´t make little green apples, and it don´t rain in Indianapolis, umschmeichelte es die Dutzend und Aberdutzend von reglos ihr Mittagessen verdauenden Deckstuhlbeschwerern, die furzend und schnarchend die sonnige Windstille vor ausgerechnet unserer Kabine goutierten.

Bissiger und witziger als Harald Schmidt, spritziger als jeder andere deutsche Krimi-Autor, hat Jörg Juretzka mit »Equinox« einen formidablen Krimi-Cocktail aus Privatdetektiv-Satire, klassischem Whodunit, Agentenroman und Verschwörungsgeschichte gemixt, der kein Auge trocken lässt. Bitterböse, schreiend komisch, kultverdächtig. Mehr davon!

Anmerkung:

Das Wort »Equinox« steht übrigens für »Wende«, es bezeichnet die beiden Wendepunkt-Tage des Jahres, an denen Tag und Nacht den gleichen Zeitraum einnehmen (Tagundnachtgleiche), und das an allen Orten der Welt. Esoterisch betrachtet bedeutet »Equinox« die Wende der astrologischen Zeitalter. Nicht unpassend, ist Juretzka mit seinem neuen Roman doch von Rotbuch zu Ullstein gewechselt und auch beruflich hat sich für den Autor einiges geändert. Mehr dazu im Interview.

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Andrea zu »Jörg Juretzka: Equinox« 29.03.2014
Liebe Krimigemeinde,

meinen Vorrednern ist eigentlich nichts hinzuzufügen. Nur soviel: JJ liest ja angeblich nie Bücher von Frauen. Wunderbar, ich auch nicht. Dafür saß ich im Zahnarztstuhl (größere OP) und irgendwann kam dann die Rezeptionistin rein, weil sie dachte, ich würde vor Angst weinen. Die Tränen sind gelaufen, aber vor Lachen über Equinox. Ich war gerade an der Stelle mit dem Schneemann, der Möhre und dem Wirsing. Seit diesem Tag bin ich ein ganz großer Fan von unserem Krüschel. Fazit: Lesen!
detno zu »Jörg Juretzka: Equinox« 31.03.2011
Klamauk?
Ja, aber vom Feinsten.

Wer außer Privatdetektiv Kristof Kryszinski ist in der Lage, seine Leser von der ersten bis zur letzten Seite eines Krimis mit flotten Sprüchen, heißen Gedanken und schnellen Reaktionen an ein Buch zu fesseln?

Ich habe mich wie "Bolle uff'm Milchwagen" amüsiert und konnte spontane Lacher nicht unterdrücken. Und es gibt sehr viele Stellen, die einem die Lachtränen ins Gesicht jagen.

Als einzigen (klitzekleinen) Wermutstropfen nenne ich das Fehlen der "Stormfuckers", auch wenn diese als Teilnehmer des Spiels "Reise nach Jerusalem" erwähnt wurden. Aber trotz des Fehlens dieser Rockergang mischt Kristof die gesamte japanische Mafia-Truppe an Bord der EQUINOX auf.

92° von mir und ein Dankeschön an Jörg Juretzka für diesen grandiosen Lesespaß.
el Tacco zu »Jörg Juretzka: Equinox« 17.08.2010
Jochen, Skuzzi und Kristof auf einem Kreuzfahrtschiff in Richtung Norden. Kein Handyempfang, kein Internet, kein Funk zum Land möglich. Eine schlechte kombination mit einem Schwertmörder, der japanischen Mafia und vor allem mit Skuzzi als Bord-DJ.Wahnsinnig spannend und das nicht erst gegen Ende des Buches, des weiteren wahnsinnig witzige Szenen wie z.B. Kristof als Kochlehrer...sensationell.Von mir gibts 90°
mg11 zu »Jörg Juretzka: Equinox« 16.03.2010
Ich konnte leider mit dem Schreibstil von Jörg Juretzka nicht soviel anfangen. Ich hatte mir mehr von dem Buch erhofft und konnte leider nicht so viel lachen. Die Charaktere fand ich sehr oberflächlich und die dargestellten Situationen ziemlich überreizt.

Ich möchte das Buch nicht schlecht reden, da es mit Sicherheit auch vielen Gefallen wird, aber mein Fall war es leider nicht.
realsatiriker zu »Jörg Juretzka: Equinox« 21.01.2010
Equinox war mein erstes Buch von Juretzka und es hat mich nicht enttäuscht.

Dies liegt aber vor allem am Schreibstil, den skurilen Charaktären und und den aberwitzigen Situation in die sich Kryszinski und Kollege Jochen Fuchs immer wieder bringen. Die Spannung selbst ist überschaubar, soll heißen, dass dieser Roman - so heißt es schon auf dem Einband, d.h. wir haben es hier eigentlich nicht mit einem Krimi oder gar Thriller zu tun - nicht gerade durch blutrünstige Morde oder Psychopather etc. besticht.

Morde geschehen zwar auch reichlich, aber diese werden nicht in den Vordergrund gehoben, passieren eher zufällig und schmücken den roten faden der Geschichte eher ein bisschen aus.

Ich möchte sagen, dass mich das Buch ein wenig an Carl Hiaasen erinnert hat und dass - sofern verfilmt - Regie definitiv von den Coen Brüdern geführt werden sollte.

Großer Lesespaß und von mir ein KC 85°
Frank zu »Jörg Juretzka: Equinox« 20.10.2009
Aus irgendwelchen Gründen haben es Kryszinski und seine Freunde Jochen und Scuzzi geschafft, auf einem Ozeandampfer (Equinox) als Detektive bzw DJ (Scuzzi) anzuheuern.
Natürlich gibt es alsbald den ersten Mord, den aber außer unseren Helden so niemand recht zu interessieren scheint. Natürlich hält sie das aber nicht ab, die Ermittlungen selbst in die Hand zu nehmen.
Gestärkt mit diversen Drogen und dem ein oder anderen Fläschchen aus dem schiffseigenen Duty-Free Shop macht man sich an die Arbeit.
Und entdeckt sonderbares.
Grandiose Situationskomik (allein Kryszinskis Auftritt als französischer Koch ist Weltklasse) gepaart mit der schnodderigen Sprache der Protagonisten und einem durchaus gut konstruierten Kriminalfall, ergibt in der Kombination einen weiteren äußerst unterhaltsamen Roman von Jörg Juretzka. Die Sprache ist dabei aber auch der Punkt, an dem sich die Geister scheiden werden. Subtilität ist Juretzkas/Kryszinski`s Sache sicher nicht.
Einen Bonuspunkt bekommt der Akteur noch für die Erkenntnis das Bier nicht in 0,3 ltr Flaschen gehört. Aber das nur nebenbei.
90%
Batti zu »Jörg Juretzka: Equinox« 30.12.2007
Um an dem Buch gefallen zu finden, muss man sich ganz schnell von der Vorstellung, einen"typischen Krimi" zu lesen, verabschieden. Und das ist mir absolut nicht schwer gefallen. Der "Held" ist alles andere als seriös - und hier macht gerade die überzogene Darstellung der Person, den Witz und Spaß beim Lesen aus (trotz der oft derben Sprache). Letztendlich war ich weniger am Entlarven der Täter interessiert, als vielmehr an der nächsten wahnwitzigen Situation.
Melanie zu »Jörg Juretzka: Equinox« 04.12.2007
Ich habe mir aufgrund der guten Bewertungen dieses Buch bestellt und bin maßlos enttäuscht. Die vulgäre und pubertierende Sprache ist eine Zumutung.

Am liebsten hätte ich mein Geld zurück!
Der größte Fehlkauf seit langem.
Peter Hoffmann / hoffmann9471 zu »Jörg Juretzka: Equinox« 02.07.2007
Schade, schade ! Aus der Idee hätte man was machen können. Das vorhersehbare Ende löst sich dann in 3 Seiten auf.
Wirlich ärgerlich ist die "gewollte" Vulgär- und Lall-Sprache.
Noch mehr ärgert der etwas dümmliche und spät-pubertierende "Held", der Koks begeistert in solchen Mengen konsumiert, wie andere Nahrung zu sich nehmen. Dies alles in der Ich-Form !
Warum dieses Buch so beliebt sein soll, und warum die Kritiker mit Lob nur so um sich werfen, wird mir wohl immer ein Rätsel bleiben.
Herbert Petersen zu »Jörg Juretzka: Equinox« 19.06.2006
Also ich hatte mir aufgrund der hier stehenden Beurteilungen einiges erwartet und war am Schluss doch etwas enttäuscht von diesem Buch.
Mir ist der Schreibstil von Jörg Juretzka einfach zu vulgär bzw. ordinär- Auch das Thema fand ich etwas an den Haaren herbeigezogen (wobei das ja bei vielen vielen Krimis der Fall ist).
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