Krasse Killer von Joe R. Lansdale

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2016 unter dem Titel Honky tonky samurai, deutsche Ausgabe erstmals 2017 bei Golkonda.
Folge 11 der Hap-und-Leonard-Serie.

  • New York; Boston: Mulholland, 2016 unter dem Titel Honky tonky samurai. 340 Seiten.
  • Berlin: Golkonda, 2017. Übersetzt von Robert Schekulin. ISBN: 978-3946503064. 260 Seiten.

'Krasse Killer' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Eine falsche Schönheit, die Luxusautos und mehr verkauft, eine Rockerbande als Schlägertruppe der Dixie-Mafia, und immer wieder übelste Gerüchte über einen unfassbaren Profikiller. Schlagfertigkeit, Mut und Witz reichen da nicht aus. Hap und Leonard brauchen Hilfe, in Rat und Tat. Denn natürlich haben sie keinen blassen Schimmer, in welches Wespennest sie diesmal gestochen haben und ob es ihnen wieder gelingt, heil heimzukommen zu ihren geliebten Vanillekeksen und zu Haps unverhofftem Familienzuwachs.

Das meint Krimi-Couch.de: Zwei Ermittler aus dem amerikanischen Bodensatz 70°

Krimi-Rezension von Jörg Kijanski

Eigentlich sollen Hap und Leonard nur einen vermeintlich untreuen Ehemann beschatten, doch als dessen Nachbar seinen Hund tritt, sieht sich Leonard gezwungen einzuschreiten und verteilt dem Tierquäler ordentlich Prügel. Dies bleibt einer betagten Nachbarin nicht verborgen, die sich kurz darauf an die Privatdetektei Brett Sawyer Investigations wendet, um ihre vor fünf Jahren verschwundene Enkelin Sandy suchen zu lassen.

Bisher arbeiteten Hap und Leonard gelegentlich für Marvin Hanson, doch der wurde soeben vom Stadtrat zum neuen Polizeichef ernannt. So übernimmt die bislang als Krankenschwester arbeitende Brett, Haps Lebensgefährtin, kurzerhand die Detektei.

»Erzähl uns, was das für krumme Touren sein sollen.«
»Da kann ich bloß raten.«
»Geht in Ordnung. Wir haben bisher auch rumgeraten.«

Eine letzte, fünf Jahre alte Spur führt die beiden Freunde zu einem Autogeschäft, in dem offenbar nicht nur edle Karossen, sondern auch ebensolche Frauen angeboten werden. Wie sich herausstellt werden die Kunden zudem mit einem Urlaub geködert, indem sie heimlich in eindeutiger Pose gefilmt und anschließend erpresst werden. Dabei treten Hap und Leonard den falschen Leuten auf die Füße, bis sie eines Tages Besuch von drei Motorradbikern bekommen, die ihnen eine Abreibung verpassen sollen. Alsbald gibt es Hinweise auf die Dixie-Mafia, das FBI und die Nachfahren eines berüchtigten Killers. Und dann steht auch noch eine junge Frau namens Chance vor der Tür, die behauptet, Haps Tochter zu sein …

Pulp, jederzeit vulgär und gewalttätig: Politisch korrekt ist anders

Ein neuer Roman von Joe R. Lansdale lässt seine Fans immer aufmerksam werden. So endete die Rezension zu »Schlechtes Chili« des Kollegen Michael Drewniok auf der Krimi-Couch mit dem Satz: »Dass sämtliche Hap-Collins/Leonard-Pine-Romane, die nach 2000 entstanden, hierzulande ignoriert werden, erfordert mindestens ebenso lautstarken Protest.« Diesen scheint der Golkonda-Verlag gehört zu haben und liefert mit »Krasse Killer« den begehrten Nachschub. Wer die beiden »Detektive« allerdings bislang noch nicht kannte, soll an dieser Stelle vorgewarnt werden.

»Die Vermisstensache hat sich zu einem Fall von Erpressung und Mord gemausert. Und jetzt geht’s plötzlich um einen ominösen Killer, der einem die Eier abschneidet. Glaubt ihr irgendwas von dem, was Wiesel da erzählt hat?«
»Einiges schon. Aber irgendwie geht seine Geschichte mit ihm durch.«

Hap Collins gehört zum so genannten »White trash«, also zum Bodensatz der amerikanischen Gesellschaft. Sein »Bruder« Leonard Pine ist nicht wesentlich intelligenter, dafür aber schwarz und schwul. Letzteres wird zunächst breit ausgewalzt, denn Leonard hat mal wieder reichlich Stress mit seinem Partner. Dabei bewegt sich die Sprache des Autors sehr authentisch auf dem Niveau seiner Protagonisten.

Das F...-Wort gibt es hier in allen denkbaren Variationen

Beherrschende Themen sind Gewalt und Sex, welche in durchweg vulgärer Sprache besprochen werden. Das F&-Wort gibt es in allen denkbaren Variationen, die hintere Körperöffnung findet reichlich Beachtung (nicht nur als Schimpfwort) und auch sonst meint man mitunter, mitten in einem Schundroman gelandet zu sein. Allerdings gilt bei beiden, durchaus sympathischen Protagonisten: Harte Schale, weicher Kern.

Dazu gibt es reichlich Gewalt, denn weder Hap und Leonard, noch die zur Hilfe herbeigerufenen »Freunde« schrecken vor finalen Taten zurück. Es lebe die Pumpgun! Da hat der neue Polizeichef schon alle Hände voll zu tun, die Beteiligten vor dem Knast zu bewahren.

»Lange Rede kurzer Sinn, wir werden uns nicht weiter mit diesem lahmarschigen Fußvolk rumärgern, sondern gleich mit dem Oberkommandanten. Wenn das nichts bringt, erschießen wir einfach alle.«
»Wie viele sind das, alle?«
»Woher soll ich das wissen? Mehr als zehn, zwölf? Oder genug für einen Monumentalfilm? Keine Ahnung.«

Wen der derbe Sprachstil und die exzessive Gewalt mit reichlich Hang zur Selbstjustiz nicht stört, findet jenseits aller »political correctness« einen durchaus flotten und lustigen Plot, der nicht immer auf Logik überprüft werden sollte. Die beiden Ermittler stolpern durch die Geschichte, irgendwann knallt es und am Ende gibt es Tote und Verletzte. Dazwischen trash-talk. Kann man mögen, allerdings hätten 100 oder 150 Seiten weniger dem Roman durchaus gut getan, da die sich inhaltlich teils wiederholenden Dialoge irgendwann auch einfach mal nerven. Immerhin hat Haps angebliche Tochter einen guten Musikgeschmack, denn sie steht auf Countrymusik, vor allem auf Sängerin Kasey Lansdale. Eine Künstlerin die auch Hap und Leonard klasse finden und die – rein zufällig versteht sich – die Tochter des Autors ist. Billige Schleichwerbung, doch der im Roman namentlich genannte Titel »Sorry Ain’t Enough« ist eine Hörprobe wert.

Jörg Kijanski, Februar 2018

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